Testberichte

Kletterschuhe Andrea Boldrini Apache V 5

10.02.2011

Kletterschuhe Andrea Boldrini Apache V 5

Design kostet immer Extrageld. Doch steckt noch mehr hinter der optischen Kulisse und technischen Innovationen von Andrea Boldrini. Die Antwortet lautet ja: und zwar eine Menge..!

Vorgeschichte

Als Andrea Boldrini ihre Produkte auf den Messen vorstellte, war ich zwar interessiert aber auch skeptisch. Irgendwann entschloss ich mich diesen französischen Hersteller zu testen und bestellte den Apache Talisman, der aus meiner Sicht eine Mischung zwischen Miura und Testarossa darstellt. Der

Apache ist definitiv ein optisches Magnet

Talisman machte einen guten Eindruck, aber da die einzige lieferbare Größe (42 EU) zu groß war, beschränkten sich meine Erfahrungen mit diesem französischen Designprodukt auf einen kurzen Praxischeck.

Die Neugier überkam mich nun doch noch und ich bestellte mir nun den Apache Velcro (5 FCS) in der richtigen Größe. In einem schonungslosen Dauertest am Plastik und kurzen Debüt am Fels habe ich den Apache auf Herz und Nieren gecheckt. Die Frage, die ich mir vor dem Kauf gestellt habe: “ist Design, ist gleich Teuer, ist gleich Gut?” sollte nun für alle Interessenten umfassend beantwortet werden.

Optik, Verarbeitung

Die Verarbeitung ist rundum sehr gut

Wenn ich an Design denke, dann fallen mir Begriffe wie schöne Optik, tolle Haptik, Qualität und super Performance abseits des “normalen” ein. Apache V wird als ein “Kletterschuh der Extra(preis)klasse” wird von mir daher recht kritisch beurteilt, um die Objektivität zu wahren versuche ich jedoch jegliche emotionale Ausschweifungen zu unterlassen und mich auf die tatsächlich gezeigten Leistungen zu beschränken.

Was die Optik angeht ist Objektivität immer eine kritische Angelegenheit, denn über die Geschmäcke kann man bekanntlich sehr gut streiten. Kurz gesagt, ist Apache für mich kein “Leckerbissen” und schafft es auch nicht in die Kategorie “Meisterwerk” (diese Wertung wird traditionell von Italienern dominiert). Die Farbkombination aus hellem Gelb, Schwarz und hell Grau wirken auf mich weder besonders peppig noch zurückhaltend “stylisch“. Die Form der Schuhe erinnert auf den ersten Blick an Solution von La Sportiva und wirkt (auf mich auch weiterhin) klobig. Das viele schwarze Gummi nimmt der Optik das Auffallende, Gelb geht in der Mischung aus Schwarz und Grau förmlich unter. Eigentlich Schade, denn dieser Kletterschuh hat mit dem Solution wenig zu tun und würde meiner Meinung nach mit anderer Farbkombination und ein Paar gut platzierten Details deutlich geiler ausschauen.

Alle Details sind sehr solide gearbeitet

Die Verarbeitung ist wirklich gut. Die verarbeiteten Materialien sind wirklich hochwertig und wurden optimal mit einander verbunden. Egal wie kritisch ich den Apache V beäugelt habe, konnte ich weder lose Fäden, noch schlecht verklebte Gummiteile entdecken, geschweige Schwachstellen im Obermaterial finden. Einzig die Kleberreste an der Halbsohle trübten das Bild der Perfektion. Alles in einem kann man guten Gewissens behaupten das die Verarbeitung auf höchstem Niveau anzusiedeln ist. Das gleiche Gefühl der Vollkommenheit, die ich beim Begutachten von La Sportiva Kletterschuhen empfinde, kommt bei Andrea Boldrini allerdings nicht auf und wenn ich ehrlich bin erwarte ich das persönlich von einem Design Produkt. Nichts desto trotz verdient Apache bei der Qualität und Verarbeitung die volle Punktzahl – nicht mehr und nicht weniger.

Konstruktion

In dieser Kategorie kann das Design Kletterschuh aus Frankreich bei mir richtig punkten. Denn anders als ursprünglich angenommen ist dieser Schuh kein Solution “Abklatsch” sondern eine Beachtung (und gar Bewunderung) verdienende eigenständige Erscheinung. Obwohl auf den ersten Blick ähnlich, haben Fersengestaltung, Verschluss und die Zehenboxgummierung nichts mit dem beliebten La Sportiva Modell zu tun. Apache 5 folgt einem eigenem Konzept, baut auf einem eigenem (und aus meiner Sicht Unikalem) Leisten auf und geht beim Prinzip des Druckaufbaus und -übertragung neue Wege.

Die Fachbegriffe zur Konstruktion

Auf ersten Blick hat dieses Andrea Boldrini Kletterschuh eine übliche Halbsohlenkostruktion, voll gummierte Ferse und Zehenkappe sowie einen “Zig-Zag-Velcro”. Erst beim näherem Hinsehen fällen die grauen Gummiteile im Sohlenbereich auf, die gleichzeitig auch Teile der Fersengummierung bilden. Dieses TENSION-SYSTEM heißt bei Andrea Boldrini “SEM-Tension” (siehe Bild) und bildet neben der Leistenform das Unikate Herzstück des Schuhs. Andrea Boldrini geht mit diesem System im Punkto Spannungsaufbau und Druckübertragung neue Wege. Dabei wird der Mittelfußbereich von unten umfasst und gestützt. Dadurch wird eine Spannung im hinteren Teil des Fußes indiziert die dann für ein wahnsinnig kraftvolles Gefühl beim Stehen sorgt.

In etwa gleich steif aber anders in der Form

Die aus hauseigenem Gummi “Formula Traktor” bestehende Halbsohle ist wirklich steif und hart. Ich würde die Härte dabei durchaus mit dem Miura VS vergleichen. Erst nach 3 Wochen Einklettern lässt sich der Bereich unter dem große Zeh mit dem Daumen leicht reindrücken.  An der Kante bleibt die Sohle auf Dauer steif und bietet sehr gute Kantenstabilität. Die Konstruktion der Spitze ist dabei wieder eine Innovation für sich. Im Gegensatz zum klassischen Aufbau (siehe Bilder) hat Andrea Boldrini beim Apache die Sohle direkt in den Randgummi übergehen lassen und nennt das FCS (Full Contact Sole). Dieser Kletterschuh hat zwar ein Randgummi, der ist wiederum von den dünnen Ausläufen der Sohle bedeckt. Es lässt sich schwer sagen wie dick die Sohle und deren Übergang in die Randgummierung wirklich ist (angegeben sind 4,5mm!) aber insgesamt fühlt sich die “Bordüre” der Spitze fest (steif) und sehr gut vor Abnutzung geschützt an. Im Gegensatz zum Speedster der zwar auf dem gleichen Konzept aufbaut jedoch komplett runde, “glatte Kanten” hat, weist Apache 5 eine ausgeprägte geschliffene Kante. Diese ist natürlich nicht mit den “scharfen Kanten” eines konventionellen Modells (Scarpa Booster zBsp) zu vergleichen, denn sie ist runder und lässt die gummiverstärkte Spitze noch klobiger aussehen. Vorab: das Aussehen und der Eindruck täuschen gewaltig…

In dieses “Feature” der Sohlenspitze habe ich mich, als alter Haltbarkeitsfanatiker sofort verliebt, aber auch dazu später mehr.

Sem-Tension (grau) unterstützt das Fußgewölbe

Der gesamte Schuh besteht aus “unnatürlichen” Materialien: Lorica, Microfibre und viel Gummi in verschiedenen Stärken, Beschichtungen und Beschaffenheit. In Anbetracht der Materialienwahl und Dimensionen erscheint die einmalige Passform, umso unglaublicher. Dies ist und bleibt der Design-Leistenform geschuldet. Diesen würde ich ich mit mäßig asymmetrisch, leicht vorgespannt und äußerst ergonomisch beschreiben. Die Ferse ist den von mir so geliebten La Sportiva Fersen sehr ähnlich, sie ist nicht zu schmal nicht zu breit (vorausgesetzt die Größe passt) und hat nach unten hin abgerundete Kanten. Alles in einem ist das saugend geformte Hinterteil sehr gewissenhaft gummiert und fühlt sich natürlich an. Die Vorspannung der Ferse ist gegeben, ist aber durch den überstehenden Rand des Obermaterials (ähnlich dem Testarossa) angenehm, denn es gibt keine harte Kante (wie beim Jet 7) die punktuell Druck auf die Achillessehne ausübt.

Der “Oberschuh” ist wie ein Slipper konstruiert.  Die eingenähte perforierte Zunge hat genug Spannung um den Schuh auch ohne Klettverschluss am Fuß zu halten und sorgt gleichzeitig für einen straffen engen Sitz im Mittelfußbereich. Der einzelne im Zick-Zack verlaufende Velcro sorgt für den letzten Kick beim verzurren dieses Fußwerkzeugs. Dieser Velcro ist zwar etwas breit, gleitet aber in den großen Ösen wirklich gut und so kann man sehr leicht und effizient Zug ausüben, was den Apache wirklich präzise und sicher am Fuß fixiert.

Das Volumen im Mittelbereich des Kletterschuhs ist ehe niedrig und so ist der Übergang vom Rist zur Zehenbox sehr flach und schmal.

Full Contact Sole bedeutet eine “geschützte” Spitze die EWIG hält

Die Zehenbox selbst ist wiederum breit und ebenfalls eher flach (vergleichbar mit dem Scarpa Feroce). Die große Leistung von Andrea Boldrini und das Geheimnis der einmaligen Passform besteht in der anatomischen Leisten- und Oberschuhform. So bildet der Bereich um den großen Zeh die höchste Stelle der Zehbox und fällt dann Richtung der kleinen Zehen immer mehr ab, wobei für die beiden ersten kleinen Zehen mehr Platz bereitgehalten wird als für die (in der Regel kürzeren) übrigen. Die Großflächig angebrachte Toe-Hoock-Gummierung (X-Tension – siehe Bild) hat dabei genau dort die Aussparungen, wo die angewinkelten Zehen Platz brauchen. Insgesamt ist das (aus meiner Sicht) der am intelligentesten und fußfreundlichsten konstruierter Schuh, denn der Druck auf den Tritt kommt nicht durch zusammengepresste und aufgestellten Zehen, sondern durch die P3 ähnliche Wölbung der Sohle, Unterstützung der steifen Sohle und des SEM-Tension-Systems im Bereich des Fußgewölbes.

Das Lorica ist ziemlich dick, fühlt sich aber an der Innenseite deutlich weicher an als jeder anderer Lorica-Kletterschuh den ich bis her anhatte (und es waren viele…).

Fazit: Apache V ist eigentlich ein Slipper mit harter Sohle, starken Mittelfuß Unterstützung besten Hook-Gummierungen, einem sehr straffenden Velcro und einer “verstärkten” Spitze, die auf ein langes Leben hoffen lässt.

Passform und Größe

In dieser Kategorie würde Apache jeden Vergleich mit der Konkurrenz gewinnen. Ich meine ich habe schon viel darüber gelesen, dass Andrea Boldrini wahnsinnig bequeme Kletterschuhe baut, aber das eigene Erleben übertraf alle Erwartungen. Anfangs war ich mir nicht sicher bezüglich der Größe: eigentlich war 41 und 40,5 ganz ok, hatten aber Luft in der Ferse. Dann zwang ich meinen Fuß in die 40 EU und siehe da keine Luft nirgendwo und immer noch kein Schmerz/Druck Gefühl. Allein das Einsteigen fällt nicht so einfach aus, da ich mein quadratischen, germanischen Fuß durch den schmalen Mittelbereich schleusen muss, bevor ich den sehr flexiblen und angenehmen Fersenrand über die Hacke mittels der breiten, einzelnen Einstiegsschlaufe gezogen bekomme. Aber wenn man erst mal drin ist fühlt man sich direkt wohl. Selbst mein eingekletterter Miura VS (denn ich für eins der bequemsten Sportkletterschuhe halte) hat mehr Hotspots die bei längerem Tragen (>15min) schmerzen, als der nagelneue Apache V. Wirklich überragend, noch nie dagewesen, unikal und überwältigend – diese Passform!!!

Die Zehenbox ist geräumig und stellt die Zehen nicht so stark auf

Die Zehen sind leicht aufgestellt, die konkave Wölbung der Innensohle ist angenehm UND keine Schmerzen weder an den Zehen noch an der Achillessehne sprechen deutliche Worte für den teueren Apache FCS! Und das bei der Enge…

Erst nach 10min merkte ich das mein Fußgewölbe zu brennen anfängt. Der enge Sitz und das “SEM-Tension” System sorgen in der nächsten Minute für einen Krampfansatz in der Fußsohle – Apache muss aus!

Das ist der einzige Schwachpunkt der rundum perfekten Passform und einzige Abstrich im Komfort. Erst nach ca. 1 Woche, lässt das Problem mit der krampfenden Fußsohle nach und ich trage den Apache in der Boulderwelt fast durchgehend 3 Stunden lang. Das hat noch kein Kletterschuh im Neuzustand geschafft. Am meisten überrascht mich, die Tatsache, dass Apache im Unterschied zum Lorica-Produkt Speedster keinen End-Dauer-Heute-Nicht-Mehr-Anziehen-Wollen Schmerz nach 20 min Dauerbouldern hinterlässt.

Apache FCS ist gerade bei “Problem-Füßen” – die Lösung

Ich weiß nicht ob Menschen mit ägyptischen Füßen und schmalen Zehen so gute Passform Ergebnisse erzielen können wie die Germanen aber die Griechen werden mit ihrem Morten-Toe bei diesem Kletterschuh endlich eine Abhilfe finden, denn Apache bietet in diesem Bereich Extra-Platz für den überlangen Zeh. Grundsätzlich ist dieser Kletterschuh jedem anzuraten, der ein egal wie geartetes Fußproblem hat – mehr werden die Zehen bei solch engen Größenwahl bei keinem anderem Hersteller geschont!

Zu Größenwahl: die 40 EU passt mir im Andrea Boldrini ähnlich dem La Sportiva Miura in 40 EU. Somit können die La Sportiva Kenner ihre Größe durchaus als Ansatz nehmen und max. 0,5 dazurechnen (wenn man eine breitere Ferse hat), um einen sportlich engen Sitz zu erreichen.

Performance – wie klettert sich der Andrea Boldrini Apache V?

Seit dem Lorica sowie bestimmte Verfahren in der Kletterschuhherstellung Eingang gehalten haben, werden die Kletterschuhe immer bequemer ohne an Performance einzubüßen. Apache V ist keine Ausnahme und beeindruckte mich nach dem ersten Wandkontakt mit guter Präzision, super Kantenstabilität und dem Support (Kraftgefühl im Fuß/Zeh). Obwohl dieser Design Kletterschuh anfangs einen klobigen Eindruck auf mich machte, entpumpt sich die Spitze in der Praxis als treffgenau und recht natürlich. Beim Apache ist kein “Umlernen” a la Solution notwendig, man tritt (und trifft) intuitiv jeden noch so kleinen “Dreckstritt”.

Abschüssige Spax sind zu “saugen” fällt überraschenderweise einfach

Sehr überrascht war ich auch als ich einige von Dave kreierte Aufteh/Gleichgewichtsboulder geklettert bin, denn mein Apache 5 liess mich ohne Probleme einbeinig auf Spax balancieren ohne jeglichen Gefühl “ich rutsch gleich ab, oder die Kraft lässt nach” aufkommen zu lassen. Solch ein Gefühl der Kraft habe ich bis jetzt nur bei sehr engen, drückenden und schmerzenden Miura Lace und Anasazi Lace Up gehabt. Noch nie hatte ich bei solch einem bequemen Schuh das Gefühl auf einer Stufe zu stehen, während ich mich gerade über einen miesen abschüssigen Spax schob.

Ebenfalls überrascht war ich als einige Boulder im Überhang geklettert waren und auch ich da ohne Probleme mit dem Apache an den Tritten saugen konnte. Ein richtiges Greifen ist mit diesen Schuhen zwar nicht drin, da die Sohle einfach zu steif ist und auch (leider) keinen ordentlichen Downturn besitzt, aber richtige Probleme einen Tritt auch bei 45° zu halten hatte ich bis jetzt nach nun 2 Monaten Bouldern am Plastik noch nicht. Man kann einfach so viel Druck unterstützt von der durchaus mit XS-Grip zu vergleichenden Sohle auf den Tritt ausüben, dass man ohne Probleme die Körperspannung aufrechterhalten kann. Einmal brach mir sogar (im Überhang!) eine Schraube des Spax-Tritts, als ich diesen mit dem Kraftverstärker Apache belastete.

Die stabile Sohle ist auf Leisten im Senkrechten super

Durch die etwas runde Spitze ist zwar nicht ganz leicht in irgendwelche Löcher und Schlitze reinzukommen, aber da ich eh lieber neben dem Loch auf Reibung antrete  kann ich es “verschmerzen”. Diese Tritttechnik geht mit Apache ebenfalls ohne Probleme, denn die Flexibilität im Mittelfuß ohne Probleme die “Downturnlose” Halbsohle auf Reibungsflächen pressen lässt. Alles in einem hatte ich bis jetzt bei meinem Dauertest keine Trittsituation gehabt, bei der ich mit dem Apache kapitulieren musste. Obwohl mir in manch einer “Mit-Fuß-Angel-und-Greif” Situation doch schon mal den Jet 7, Stix oder Solution gewünscht hatte.

Ähnlich gut und gar besser lassen sich Hooks mit allen Fußteilen legen, belasten und halten. Besonders beeindruckt bin ich von der recht dicken Toe-Hook Gummierung. Durch die flache Zehenbox mit der Erhebung an der Spitze und den nicht zusammenfassend aufgestellten Zehen kann man die Hook-Flächen super umklammern und mit Hilfe des Gummis locker halten.

Die Ferse ist zur Fußsohle hin abgerundet – Vgl. Miura VS

Die von mir bereits gelobte Fersenform bewährte sich ebenfalls in der Plastik-Praxis. Die Hooks lassen sich sauber und präzise legen und schmerzen durch die ausgewogene Gummidimensionierung nicht. Das Gefühl beim hooken ist gut, da die Fussferse definitiv mehr Feedback als beim Solution bekommt. Der eine oder der andere Hook auf Reibung rutschte mir aber dennoch ab, das ich zwei folgenden Sachen zuschreibe.

Das Platzieren der Hooks ist super, das Halten meist auch

Zum einen ist ein Teil der Fersengummierung an der Außenseite (Teil zwischen Grau und dem Boldrinischriftzug) durch eine Beschichtung(?) recht glatt, zum anderen bietet die abgerundete Fersenspitze in manchen Situationen zu wenig Fläche und verformt sich auch nicht. Ergebnis: weder Formschluß durch Verformung, noch ein ordentliches Pressen auf die Fläche sind möglich – Ergebnis: Flutsch. Aber 99% der Hooks hielten wirklich bombe! Ich erwischte mich des öfteren sogar dabei, dass ich den Apache in den Hook drückte und dabei die Gummierte Zehenbox seitlich in die Wand presste, was sich wie ein Fußklemmer anfüllte und noch mehr Gewicht von den Armen nahm.

Alles in einem lässt sich das Treten und Hooken am besten mit dem Miura VS vergleichen, den ich für einen ausgesprochenen Allrounder halte und deshalb sehr schätze. Wirklich überzeugende Leistung des Franzosen, der einzig meine Vorliebe zum Greifen mit den Füßen nicht bedienen kann.

Haltbarkeit

Ok. Was macht einen Kletterschuh unbrauchbar? Ein Loch in der Spitze. Abgelöste Toe- und Heelhook Patches. Ausgelatschtes Obermatierial, der den Schuh schwammig werden lässt. Und abgerissene oder nicht schließende Velcros.

Im Vgl. zu herkömmlichen Konstruktion ist die Apache Spitze EXTREM langelebig

Löcher in der Spitze oder der Sohle sind beim Apache dank des Spitzenschutzes a la Speedster nach einem Jahr nicht zu erwarten. Ich prügele diesen Design-Schuh (eigentlich eine Schande…) seit rund 2 Monaten 3 Mal die Woche in der Halle (dem Wetter sei dank…) und kann bis jetzt KEINEN nennenswerten Verschleiß feststellen. Keine Schuppenbildug unter dem Zeh, keine runden Kanten, keine Gummifetzen an der Spitze – alles ganz normal und so wie ich es bis jetzt nur von Five Ten kenne. Wirklich toll, lobenswert und ermutigend das eine 160 EUR Investition langfristig belohnt wird.

Ich bin schon ganz gespannt wie lange die Sohle bei mir hält und wie gut die Andrea Boldrini Werksbesohlung ist.

Schwammig wird Apache, Dank der Konstruktion und dem Lorica, nicht! Die Vorspannung bleibt

Weder Schwammigerwerden durch Dehnung, noch ein abgerissener oder defekter Klettverschluss kommen beim Apache V für mich in Frage. Meiner Erfahrung nach dehnt sich Lorica langfristig nicht (bis jetzt hat sich auch nichts getan) und der gelbe Velcro ist so gut verarbeitet, dass ich an dieser Stelle gar kein Problem erwarte. Zudem bewahrt das SEM-Tension System aus grauen Gummi wo nach Angaben des Herstellers sogar Aluminium implementiert ist, die Spannung im Schuh wirklich dauerhaft.

Das einzige was mich etwas sorgen lässt, sind sich ablösende Patches. Sowohl an Zeh als auch an der Ferse geht das langsam nach ein Paar harten Hooks los. Ich hoffe, dass es nicht schlimmer wird und ich wieder wie bei La Sportiva zum Kleber greifen muss. Das wäre bei dem Preis enttäuschend. Aber nicht jeder hookt so “unsauber” und viel wie ich…

Alles in einem ist der Apache ein sehr haltbarer Schuh und erfreut mich mit seiner Sohlenausdauer und FCR sehr.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Diesen wirklich teueren Kletterschuh kann ich prinzipiell jedem ans Herz legen, der mit den bisherigen Kletterschuhen passformtechnisch nicht warm geworden ist oder keine Lust hat sich in seinen “traditionellen” beim Einklettern zu quälen. Einfach ausprobieren und selbst die einmalige Mischung aus Passform, Komfort und Performance erleben. Von Platte bis zum Überhang kann dieser Schuh alles mindestens genau so gut wie die Konkurrenz, einzig im Dach ist er für mich nicht die erste Wahl – aber wie oft klettere ich Volldächer?

Aus meiner Erfahrung glänzt Apache VCS nicht nur am Plastik

Kletterer die keinen Downturn mögen, werden ebenfalls begeistert sein, denn obwohl sich der Schuh wie ein Miura Schnürer (nur ohne Schmerzen) anfüllt, kann man mit dem Apache V antreten wie mit dem Testarossa und das macht für mich die Vielseitigkeit und Multifunktionalität aus.

Vom Bouldern über Sportkletterrouten hat mich mein erster Boldrini bis jetzt nicht enttäuscht. Trotz des ganzen Komforts würde ich ihn dennoch nicht für mehr als 3 Seillängen tragen wollen. Dieser Schuh ist ein starker Allrounder für Leute mit Passformproblemen und ALLE anderen.

Fazit

Die anfangs gestellte Frage:  “ist Design ist gleich Teuer ist gleich Gut?”, kann im Falle des Andrea Boldrini Apche V (5 FCR) mit Ja und Ja beantworten. Ich persönlich finde den Preis zwar bereits über der Schmerzgrenze, aber in Anbetracht meiner Erfahrungen (Passform, Performance, Haltbarkeit) als gerade so gerechtfertigt (sage ich das jetzt wirklich?). Eigentlich muss guter Design nicht SO teuer sein. Auf der anderen Seite bekommt man einen wirklich sehr guten Schuh mit Eigenschaften, die einem kein anderer bieten kann.

Die obige Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Ich muss sagen, dass ich den Kauf nicht bereue. Der Apache aber auf Grund des hohen Preises und des (mir) fehlenden Greif-Modus nicht zum meinen Standart-All-Time-Favorite werden wird. Dieses Design Gerät ruhigen Gewissens weiter zu empfehlen verursacht bei mir jedoch keine Bauchschmerzen, da der Schuh wirklich klasse ist.

Kletterschuh Videotest

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