Testberichte

Kletterschuhe Five Ten Jet 7 im Test

10.02.2011

Kletterschuhe Five Ten Jet 7 im Test

Jet 7 ist nach wie vor ein echter Hingucker

Wenn Ikonen wie Fred Nicole sich den “Schuh anziehen” und einen Kletterschuh als das “Beste… auf dem Markt” deklarieren, dann muß doch was dahinter sein! Oder? Jet 7 von Five Ten ist einen Test definitiv wert.

Kletterschuhe Five Ten Jet 7 war für mich bis zum jetzigen Zeitpunkt ein offner Sack. Ein mal ausprobiert war ich total begeistert von den Hook Eigenschaften dieses US-Produkts. Als ich dann diesen Kletterschuh in der entsprechenden Größe anschaffte und versuchte meinen Fuß darein zu quetschen gab ich klein bei und trennte mich von diesem High-End Gerät.

Doch der “Traum” und der Gedanke – “Der könnte doch geil passen und performen”, liessen mich nicht los. Also schaffte ich mir den Jet 7 ein zweites mal an und stellte mich der Herausforderung “Eintragen”. Was dann geschah soll im folgenden der Weltzugänglich gemacht werden.

Optik & Verarbeitung

Die Optik finde ich Klasse. Die Verarbeitung ist TOP

“Der sieht ganz schön futuristisch aus”: sagte mir ein Freund vor kurzem, als er mich auf den neuen Patschen ansprach. Ja das tut er. Die Farbkombination aus Schwarz, markantem Gelb (Zunge) und dunkel roten Streifen unterhalb des Sling-Shot-Rand´s ergeben eine harmonische und gleichzeitig anregend auffällige Optik. Das Aussehen wird vor allem durch viel Gummi geprägt. Doch anders als beim Team ist der Spann nicht mit dickem Gummibesätzen versehen, sondern mit Recycling Stealth Rubberbeschichtet. Die Ferse ist dagegen Five Ten klassisch voll gummiert und macht einenschmalen Eindruck. Vorspannung und Downturn gehören Heut zu Tage zum Standart bei modernen High-End Fußwerkzeugen und finden sich natürlich auch beim Jet 7 wieder.

Der Jet 7 sieht neuartig, modernaggressiv und dynamisch aus – futuristisch eben (und das schreibe ich im Jahr 2010..!).

Ohne meine subjektiven Empfindungen hier näher schildern zu wollen, muss ich sagen, dass dieser Design mir persönlich sehr gut gefällt.

Viel Gummi, Downturn, Vorspannung – Alles was das Kletterherz begehrt

Die Verarbeitung steht in der Five Ten Tradition und solide ist dabei nur der Vorname. ich finde man kann die Qualität des Schuhs schon auf den Bildern erkennen, denn die Anordnung und Form der Klettbänder, Randgummies und anderer Detailsverrät schon vieles über die Perfektionsebene der Schuhmacher. Bei Five Ten wurde ich diesbezüglich bis jetzt noch nie enttäuscht. Wenn man den Jet 7 in der Hand hält spürt man das Know-how und Erfahrung des Herstellers.

Alle Verklebungen Gummi auf Gummi sind wirklich tadellos, lediglich die Übergänge zwischen Gummi und Obermaterial weisen Spuren von Kleber auf. Die Ränder und Kanten der Sohle sind sauber und scharf geschliffen, das Gummi der Sohle ist schwarz ohne Verfärbungen und poröse Stellen. Einzig die Anziehschlaufen sind etwas dünn und nicht starr genug dimensioniert und gefertigt. Alle Nähte sehen sehr vertrauenswürdig aus obwohl an manchen Stellen ein Paar kurze lose Fädchen abstehen.

Insgesamt kann ich die Optik und die Verarbeitung mit sehr gut bewerten. Entweder man hat eben das gewisse Etwas oder nicht und Jet 7 hat es eben einfach.

Konstruktion

So groß ist der Downturn nach dem Einklettern nicht mehr

Jet 7 wird sehr oft als eine Mischung aus Dragon und V10 beschrieben. In jedem Fall gehört Jet 7 zu der Kategorie der Downturn Kletterschuhe und ist ein Velcro mit nureinem Klettverschluss. Der Leisten ist dem des Dragons definitiv ähnlich und kann mit asymmetrisch und vorgespannt beschrieben werden. Mir kommt der Leisten jedoch etwas gerader vor als der von Dragon und deutlich gerader im Vergleich zumMiura oder Testarossa. Die Konstruktion der Sohle ist ansonsten äußerlich mit der des Dragons identisch. Ein durchgehendes Sohlenaufbau mündet in einem schmalen Streifen der über den hinteren Teil der Ferse geklebt ist. Der vorderer Teil der Sohle ist recht schmal und die Zehenbox bietet nicht allzu viel Platz für aufgestellte Zehen und ist bei weitem nicht so hoch wie beim Booster oder dem Solution.

Die Spitze des Schuhs ist nicht besonders ausgeprägt, sie ist aber auch nicht rund, so dass ein Antreten in Einfingerlöchern kein Problem darstellt, aber dazu später mehr.

Die Einstiegsöffnung ist groß genug, um selbst in der “minimalmöglichen Größe” den Fuß Eintritt zu gewähren, übermäßig geräumig ist sie dabei nicht. Der in Korea hergestellte Oberschuh besteht aus dem synthetischen Material Cowdura welches standardmäßig bei allen Five Ten Kletterschuhen zum Einsatz kommt. Cowdura dehntsich nicht, sondern lässt sich vom Fuß verformen und nimmt so die jeweilige Fußform an. Soweit die Theorie… Der Oberschuh besteht oben und an den Seiten rundum aus einem Stück, ohne Unterbrechungen, ohne Nähte. Das ist eine Punkt in der Konstruktion der eine Dehnung noch unwahrscheinlicher macht.

Das wirklich Innovative an der Konstruktion von Jet 7 ist jedoch die Beschichtung der Zehenbox mit dem recycelten C4 Stealth Rubber. Diese Beschichtung ist wenn überhaupt 1mm dick und beeinträchtigt nicht die Flexibilität des Cowdura Materials bei deutlich gesteigerter Reibungseigenschaften der Zehenbox. Diese Technologie ermöglicht ganz andere Toe-Hook Performance, als es bei Gummistreifen bedecktem Five Ten Team.

Die zweigeteilte Zunge aus gelben Mesh-Materail ist innen weich gepolstert und an der Oberseite für mehr Luftdurchlässigkeit perforiert.

Die Jet7 Ferse ist toll. Durch die abgeflachten Seiten jedoch dem Miura manchmal unterlegen

Die Ferse ist rundherum mit Gummi umhüllt, und bildet mit dem aufgeklebten schmalen Sohlenfortsatz hinten eine schmale Lippe. Das Gummi an der Ferse ist an den Seiten perforiert, was bei der Herstellung eine leichtere Verarbeitung gewährleistet. Der Sling-Shot-Rand (die Fersenvorspannung) ist nicht so stark wie beim Team und weit weniger als beim Anasazi Blanco. Neutral wie beim Galileo ist die Ferse jedoch auch nicht, so dass man je nach Größenwahl mit Druck auf die Achillessehne rechnen kann.

Der Klettverschluss hat ein recht weiches Hakenband und zwei aufgenähte Flauschband Flächen, die so angebracht sind, dass man den Klettverschluss in zweiPositionen zu machen kann. Auch diese variable Verschlussmöglichkeiten sind vor Jet 7 noch nicht bekannt gewesen. Zum praktischen Wert dieses Details werde ich später berichten.

Die Konstruktion ist zum einen nichts neues, auf der anderen Seite bietet sie einige Errungenschaften die Jet 7 bei seiner Erscheinung zum Novum gemacht haben.

Passform und Größe

Jet7 ist schmäler und weniger asymmetrisch

Die Passform ist schwierig zu beschreiben. Man merkt, dass Five Ten bei der Leisten Konzipierung versucht hat alle Fußtypen zu berücksichtigen und zu bedienen. Gelungen ist dies nur bedingt, denn mein quadratischer Fuß fühlte sich im Jet 7 zu Beginn alles andere als wohl. Fakt ist, dass Menschen mit einem ägyptischen Fuß und dem dominanten großen Onkel bessere Ergebnisse bei der Passform erzielen können. Die Ägypter haben den Vorteil, dass sie den Jet 7 nicht so klein kaufen müssen, denn sie füllen mit ihrem großen Zeh die Zehenbox besser aus und haben keine Lufträume in der Spitze.

Ich musste bis auf die Größe 41 EU / 7 UK runter gehen, um keinen leeren Raum in der Spitze zu haben. Mein recht breiter quadratischer Fuß hat eine entsprechende Party gefeiert, als ich zum ersten mal in diesen Schuh stieg. Doch so eng dieser Schuh in 41 EU saß und so unnatürlich sich seine Passform für meinen Fuß anfangs erschien, um so besser wurde es. In dieser Größe hatte ich keine unangenehme, einzelnen Druckstellen, denn der Druck verteilte sich gleichmäßig auf den Fuß und rückte also überall gleichermaßen schlimm.

Sohle ist durchgehend, eher weich und sensibel

Schon beim zweiten Einsteigen nach einer kurzen Pause, fühlte sich der Jet 7 größer/passender an. Die Stark aufgestellten Zehen (2-4) fingen bereits an Wölbungenin das Obermaterial zu drücken und machten sich allmählich Platz. Der große Zeh bereitete von Beginn an keinen Problem, denn er war zwar vorne dran, wurde aber nur moderat aufgestellt. Selbst der kleine Zehe, der bei Miura Lace und Katana (Velcro) immer gnadenlos abgequetscht wurde, musste beim super engem Jet 7 nicht sonderlich leiden. Insgesamt war ich sehr überrascht von der Anpassungsfähigkeit des Obermaterials, der bereits nach den ersten “Eintrage/Probe-Einheiten” begann sich meinem Fuß anzupassen.

Bereits bei der ersten Bouldersession konnte ich den Jet 7 ganze 15 min ohne Pause anlassen, bevor der Schmerz groß wurde. Wirklich gut für Five Ten Verhältnisse und die Tatsache, dass mein Fuß nicht perfekt zu der Form dieses Kletterschuhs passte. Einzig die Druckstellen an den Knöcheln der kleinen Zehen bereiteten mir Sorge, denn dort rieb mir das Obermaterial fast BlasenNach 3 Tagen Bouldern in Jet 7 konnte ich die Socken (zu Schonung der gereizten Haut der Knöchel) weglassen und hatte ein ziemlich gut passenden High-End Kletterschuh.

Die weniger vorgespannte Ferse schon die Achillessehne

Die Ferse lag in dieser Minimal-Größe (denn kleiner hätte ich den Jet 7 nicht nehmen können…) hinten und an den Seiten sehr gut an und hatte nur unten an der Spitze etwas Luft.

Auch die Sohle im Bereich der Ferse und des Mittelfußes hatten keinen Kontakt zu meinem Fuß, was aber nicht störte, denn in diesen Bereichen tritt man ja nie an.

Die Passform und die Schmerzen wurde nach einer Woche (ca. 4 mal 2h Bouldern) so gut, dass ich den Schuh als eingeklettert ansah und nun zu mögen begann. Eine Ausdehnung bzw. Auslatschen der (hart) erarbeiteten Passform tritt mit der Zeit ein, deren Ausmaß ist jedoch von der Größenwahl abhängig. Der gesamte Kletterschuh gibt irgendwie nach, er dehnt sich zwar nicht wirklich, aber die Spannung im Schuh und der Kompressionsdruck auf den Fuß verschwinden nach 3-4 Wochen intensivenDauergebrauch fast gänzlich.

Das Anziehen ist der dünnen Schlaufen wegen etwas nervig

Die anfangs vorhandene Vorspannung ging bei mir bereits nach 2 Wochen raus, was sicher der sehr Minimal-Größe zu verdanken ist (je kleiner der Schuh gewählt wird, um so stärker gibt er nach – oft auf Kosten der Vorspannung und des Downturns). Nach 4 Wochen ist Jet 7 zwar kein Hausschuh ist aber ungemein bequem im Vergleich zurAusgangspassform. So eine derartige Verformung/Anpassung konnte ich bei keinem Five Ten aus dem Moccasym beobachten.

Das hätte ich nach dem ersten Anprobieren nicht für möglich gehalten.

Deshalb kann ich jedem Jet 7 Interessenten nur empfehlen diesen Performance Kletterschuh so eng wie möglich zu kaufen, denn sonst hat man nach wenigen Monaten einen ausgelatschten Patschen, der mit der Form auch die Performance einbüßt. Also nur Mut zu kleinen Größe, das lohnt sich bereits nach kurzer Zeit.

Somit passt dieser Kletterschuh (Geduld und etwas Schmerztoleranz vorausgesetzt) allen Fußformen, mit vielleicht der Ausnahme von griechischen Form. Menschen mit einem geringen Fußvolumen und niedrigem Spann könnten jedoch Probleme im Mittelfuß Bereich bekommen.

Als ein “out of the box Kletterschuh” würde ich den Jet 7 im Bereich der Passform jedoch nicht bezeichnen.

Performance – wie klettert sich der Jet 7

Treten

Zu Beginn auch in Platten eine absolute Wucht

Im Gegensatz zu Passform ist die Performance nach dem Auspacken direkt zu 100% da. Man trifft präzise die Tritte, spürt jede Unebenheit durch die doch recht dünne und weiche Sohle und hat ein sicheres Gefühl. Das klettern von Kalk Platten in Voralpen war zu Beginn gar kein Problem. Der Jet 7 hatte insgesamt so viel Spannung, dass man trotzt der weichen Sohle bestens auf abschüssigen kleinen Tritten und sogar auf Reibung stehen konnte. Das man mit einem Downturn Kletterschuh nicht die gleichen Ergebnisse beim Reibungsklettern erzielt wie mit einem durchgelatschten Katana dürfte klar sein. Aber dank der weichen und wirklich griffigen HF Sohle hatte ich immer das Gefühl zu kleben, obwohl die Kontaktfläche Gummi-Fels konstruktionsbedingt gering war.

Anfangs rutschte ich sehr oft von den schmierigen abschüssigen Plastiktritten ab. Im gleichen Zustand war das Verhalten der Sohle am Fels dennoch top: direktes Gefühl und super Reibung. Man hat das Gefühl den Fuß vom Tritt abziehen zu müssen… Mit der Zeitverschwand der Rutsch-Effekt in der Halle auch. Wer es nicht abwarten kann, sollte zum Schleifpapier greifen und die oberste Schicht ein ganz klein wenig abschleifen. Was dort hervorkommt ist so klebrig, das man meinen könnte die Sohle wurde mit Uhu beschichtet.

Mit der Zeit wird Jet7 immer weicher mit allen Vor- und Nachteilen

Mit der Zeit geht die Spannung aus dem Schuh allmählich raus und die Senkrechten Boulder mit ganz kleinen Tritten werden immer schwieriger zu stehen, zu mal ich 80+ kg wiege. Dafür wird mit immer weicher werdenden Sohle das klettern im Überhang immer grandioser. Bereits zu Beginn überzeugte mich Jet 7 im Überhang und Dach durch die wirklich krasse Kraftentfaltung auf selbst flachen Tritten. Mit der Zeit wird dieser “Kraftverstärker-Effekt” zwar weniger, aber die weichere Sohle erlaubt immer mehr das Greifen mit den Zehen, was ich persönlich genial finde.

Kurz gesagt: bei der minimal Größe ist Jet 7 auf allen möglichen Tritten und Wandwinkeln Weltklasse und übernimmt für einen (gefühlt) das Management der Fußtechnik. Nach Monaten und sehr intensiven Gebrauch, werden kleinste Tritte im Senkrechten immer mehr zur Herausforderung für die Zehenmuskulatur, wehrend die Tritte im Überhang sich immer besser halten lassen.

Das Problem des weicher Werdens besteht meiner Erfahrung nach bei jedem Kletterschuh: egal Five ten, La Sportiva oder Triop. Bei von haus aus weichen High-End Performance Geräten wie Jet 7 darf man in einem Jahr nicht die gleichen Qualitäten im Bereich der Micro´s erwarten wie beim Miura oder Anasazi. Dafür ist er auch nicht gedacht. Funktionieren tut dieser Kletterschuh bei allen Neigungen und Tritten, hat aber Stärken (Überhang) und Schwächen (Mikros in vertikalen). WICHTIGE Voraussetzung klein kaufen!!!

Hooken

Der “Greenruber” leistet tolle Arbeit – die Toe-Hooks kleben förmlich

In dieser Disziplin kann man ruhig einen strengen Maßstab anlegen, denn dafür wurde der Jet 7 extra gemacht. Herausragend ist auf diesem Gebiet die gummierte Oberfläche der Zehenbox. Der Greenrubber verrichtet wirklich gute Arbeit. Selbst im neuen Zustand bleiben die Toe-Hooks an kleinsten Strukturen und ungünstigen Winkeln kleben. Beim Hooken auf großen flachen Strukturen mit viel Platz für den Fußspann ist der Jet 7 zwar Welten besser, hinkt aber dem Speedster und Solution in dieser Disziplin hinterher.

Der Grund ist die mangelnde Flexibilität im Zehenbereich, die ein Umklammern der Toe-Hook Fläche zwar erlaubt aber nicht wirklich perfekt gelingen lässt. Bei aus meiner Sicht schwierigeren Toe-Hooks hinter kleinen positiven Strukturen gewinnt der Jet 7 überraschender Weise. Der Grund ist die nicht ganz hohe Zehenbox die in einem oder anderem Griff noch Platz findet, wo Solution weniger rein kommt und die wirklich geniale Reibung der Green Rubber Beschichtung. Dieser Effekt ist so groß, dass man selbst bei ran pressen des Schuhs an die Wand, das Gefühl hat man hätte einen Bomben-Toe-Hook liegen. Die Möglichkeit den Klettverschluss in der unteren Position zu zumachen erleichtert zwar den steilen Winkeln zwischen Rist und Unterschenkel zu bekommen und steigert dadurch den Druck auf die Hook-Fläche, wird von mir aber nur selten benutzt. Bis jetzt musste ich nur wenige extremen Toe-Hooks setzen, so dass die Standart Stellung (Klebstreifen oben) völlig ausreichend war.

Bei Hooks auf schmalen Flächen ist Jet 7 nicht zu schlagen

Ähnlich differenziert sieht das Hackeln mit der Ferse aus. Auf großen sehr flachen Strukturen funktioniert die schmale Jet 7 Ferse zwar dank der Vollgummierung zwar gut, kann aber mit der Miura und Solution Fersen nicht wirklich mithalten. Anders ist es wiederum beim Legen und Halten von Hooks auf schmalen positiven Griffen (Leisten, Schlitzen etc. ) da ist die schmale Lippe am Hinterteil des Jet 7 einfach unschlagbar. Zudem ist die Vollgummierung wirklich unkaputtbar (ich hooke viel und rücksichtslos…), was man von La Sportiva Fersen nicht behaupten kann. So würde ich Jet 7 vier von fünf Sternen im Bereich Hook-Performance gesamt geben, weil es die eine oder andere Situation gab in der ich mir die Miura Ferse gewünscht habe. Positiv ist jedoch das der einzelne Klettverschluss den Fuß sicher im Schuh behält. So ist mir bis jetzt die Ferse selbst bei hardcore Hoods nicht aus dem Jet geschlüpft. Mit einwenig Übung wurden diese Momente aber immer weniger, so dass Jet 7 ohne weiteres den Titel Hook-König verdient hat.

Die Performance würde zu Beginn insgesamt als sehr gut bezeichnen. Mit nachgebender Spannung und weicher werdenden Sohle verliert der Jet 7 im weniger überhängendem Gelände an Wert. Für sein Zielgebiet: steile Klettereien bleibt er 1A bis die Sohle verschlissen ist.

 

Haltbarkeit

Die Sohle ist mit 3,5mm zwar recht dünn aber vergleichsweise verschleißarm

Dieses Kapitel fällt bei Five Ten Kletterschuhen in meinen Bericht traditionell sehr positiv aus. Umso überraschter war ich, als die Entwicklung des Jet 7 betrachtete. Trotz super Verarbeitung und Qualität der Fertigung kann man diesen Velcro-Slipper der Kategorie “Professionell” von der Langlebigkeit her nicht auf eine Stufe mit Anasazis stellen. Den Grund dafür findet man bereits im Konzept des Jet 7. Er ist halt ein Performance Kletterschuh und kein Allround-Alltags-Knecht, den man ohne Ende Prügeln kann.

Die Materialien sind dünner und die HF Sohle einiges weicher als C4 und Onyxx. Meiner Meinung nach sogar weicher als XSGrip 2. Ein dünnes Material verschleißt nun mal schneller als dickerer Stoff/Gummi – das dürfte jedem einleuchten. Weiches, klebriges Gummi verschleißt ebenfalls schneller, wobei ich den Verschleiß des HF-Rubbers mit dem XSGrip Gummi von Vibram vergleichen würde. Das heißt: die Haltbarkeit ist trotz des Negativ Vergleichs zu den “Dauerbrennern” wirklich gut. Ich finde, dass mein Jet 7 an der Spitze in etwa so schnell dünner wird, wie der Solution oder Booster. Somit kann man die Haltbarkeit als normal bezeichnen.

Die voll gummierte Ferse ist mein Favorit in Punkto Haltbarkeit/Ablösungssicherheit

Die Fersengummierung löst sich definitiv nicht ab, die Beschichtung der Zehenbox bröckelt nicht ab, sondern bekommt maximal feine Risse, an den Stellen, wo man den Schuh am meisten knickt. Eine Wiederbesohlung würde das Obermaterial des Jet 7 locker mitmachen, aber bei einem High-Performance Schuh macht es meiner Meinung nach keinen Sinn.

Nach 8 Wochen knüppeln in der Halle ist Jet 7 weicher geworden. Sowohl das Obermaterial als auch die Sohle haben etwas nachgegeben, so dass ich nicht mehr ganz so gut auf Micro Strukturen in der Vertikalen stehen kann. Die Kletterei im Überhang macht nach wie vor richtig Spaß und wird sogar immer besser, denn die Zehen können jetzt richtig gut die Tritte umklammern und die Toe-Hooks werden immer saugender.

Für Five Ten Verhältnisse ist die Haltbarkeit eher OK im Vergleich mit La Sportiva und Scarpa ist sie GUT.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Im Überhang ist Jet 7 “zu hausen” – egal im welchen Gestein

Five Ten Jet 7 ist definitiv kein Katana und kein Miura VS, für den Titel Allrounder fehlt es ihm an dauerhaften Vielseitigkeit und Langzeitkomfort. Seine Aufgabe als Boulder- und Sportkletterschuh erfüllt er jedoch sein Leben lang und qualifiziert sich mit seiner wirklich weichen und klebrigen HF-Stealth Sohle für alle Gesteinsarten in Deutschland.

Je steiler die Boulder sind desto wohler fühlt sich der Turbo-Kletterschuh und bereitet dem Besitzer viel Freude. Die Performance am Plastik ist nicht minder klasse, nur ist solch ein Schuh fast eigentlich zu Schade, um ihn an den besandeten Wänden (die fressen noch so einen haltbaren Schuh in kürzester Zeit auf) und einfachen Routen/Bouldern zu verschleißen. Wer steile Kletterei mag und eine Alternative zu Solution und co. für weniger Geld sucht, dem sei Jet 7 in Minimalgröße uneingeschränkt empfohlen. Ich persönlich rechne vor einem Jahr nicht mit Ableben des Jet´s und erfreue mich immer noch an seinen Qualitäten.

Fazit

ein wirklich toller Boulderschuh, der sich auch in “fränkischen” Routen wohl fühlt

Dieser Kletterschuh ist alles andere als ein Main-Stream-08/15 Volksmodell für alle Lebenssituationen. Kann man seine Füße gut bedienen und will im Überhang ohne Nachdenken mehr Gewicht auf die Füße bringen, so ist Jet 7 eine perfekte Wahl für die meisten Fußtypen. Wählt man den Jet 7 möglichst klein und investiert ein Paar Tage in das Einklettern, wird man nachhaltig mit einem absolut feinem und radikalen Gerät für seine Projekte belohnt.

Da ich persönlich kaum Unterschiede zwischen Jet 7 und Team finden konnte, erscheint es mir logisch, dass Five Ten die Jet 7 Produktion ab 2011 einstellt. Aus diesem (traurigen) Grund ergeht die erfreuliche Nachricht, denn diesen High-End Schuh gibt es seit einigen Wochen nun für rund 90 EUR zu haben. Dieser Preis ist ein deutlicher Schnapper im Vergleich zu Preisen von Team und Solution. Da die Qualitätdes Jet 7 sich nicht hinter den anderen Boulderspezialisten der Neuzeit verstecken  muss, sollte man als Fan oder Interessent die Gelegenheit ergreifen und sich mit dem Auslaufmodell eindecken! Meine Empfehlung hat dieser Kletterschuh jedenfalls.

Kletterschuh Videotest

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*