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Vorwinterlich auf den Piz Boe (3152m)

13.10.2011

Vorwinterlich auf den Piz Boe (3152m)

Der Wetterbericht für das Wochenende sah alles andere als gut aus. Temperatursturz und Schneefälle bis in tiefe Lagen. Eine Tour musste trotzdem sein! Also war der Plan in Italien auf besseres Wetter zu hoffen und ein paar Klettersteigen einen Besuch abzustatten.

Am ersten Tag ließen wir es mit der Via Ferrata „Die fantastischen Vier“ in Possa di Fassa ruhig angehen.

Der zweite Tag versprach mit dem Klettersteig „Cesare Piazzetta“ auf den 3152 Meter hohen Piz Boe spannender zu werden, auch aufgrund der leichten Schneefälle in der Nacht und dem recht hohen Schwierigkeitsgrad D.

Wir starteten vom Pass de Pordoi. Von dort ging es auf einer schmalen Teerstraße zu einem Mahnmal für die Gefallene aus den 2 Weltkriegen. Wir bogen zu den Sellatürmen ab und stiegen durch Schnee über verschneite Wiesen bergan. Schon hier merkten wir das die Tour anstrengend werden wird. Das Spuren im Schnee war verdammt anstrengend. Nach 400 Höhenmetern erreichten wir das Ringband, von wo man mit guten Augen ein gelbes Schild erkennen kann, welchen den Einstieg in den Klettersteig auf einer Höhe von 2640m markiert.

An der Wand angekommen waren wir nicht sicher ob wir den Klettersteig gehen sollten. Die Wand lag voller Schnee, lange Eiszapfen hingen in der Wand. Außerdem waren die ersten 10 Meter des Sicherungsseils dick vereist. Kletterhelme sind hier Pflicht! Am laufenden Band rieselten Eisbrocken aus der Wand. Wir stiegen trotzdem mit unseren Klettersteigsets in die Wand. Das Wetter wurde immer besser und lädt regelrecht dazu ein. Wir wollten sehen wie weit wir kommen.

Die ersten Meter gingen senkrecht hinauf. Dank Eispickel konnten wir den Eispanzer vom Seil hacken.  Nach einer kurzen Querung und einem leichten Überhang mit Eisentritt, ging es in einen senkrechten Riss mit 2 parallelen Drahtseilen. Am Ende erreichten wir eine Eisenleiter auf 2685m. Rechts über uns sieht man ab hier schon die Hängebrücke. Bald standen wir auf einem Band auf 2695m und genossen, bei immer besser werdendem Wetter, einen phantastischen Blick auf die verschneite Marmolada im Süden.

Durch einen engen Kamin gelangten wir zu einer Hängebrücke. Danach kamen noch eine recht steile, glatte und eine etwas augesetzte Stelle, bevor die Schwierigkeiten fürs erste nachließen. Schwindelfrei und trittsicher sollte man trotzdem sein, da die Tritte teilweise vereist und mit Schnee überdeckt waren.

Es blieb auch weiter oben spannend. Es wechselten gesicherte mit ungesicherten Passagen ab.

Die letzen 100 Höhenmeter bis zum Gipfel waren noch einmal extrem kraftraubend. Wir brechen immer wieder bis zu über die Knie im Schnee ein und kamen gut ausgepumpt am Gipfel an.

Wir sind froh den Gipfel zu erreichen. Normalerweise wohl recht überlaufend, müssen wir die geniale Aussicht mit niemanden teilen. Eine Tour die sich echt gelohnt hat, nicht zuletzt wegen der vorwinterlichen Bedingungen. Wer will kann sich den Abstieg wie wir sparen, und mit der Seilbahn bergab fahren.

Fakten zur Tour:

- Anfahrt von Canazei auf das Pordoijoch auf 2239m. Dort auch Parkmöglichkeit. 400 Hm Aufstieg zum Einstieg des Klettersteigs auf 2640m. 400Hm Klettersteig und noch etwa 100Hm durch steiles Gehgelände bis auf den 3152m hohen Piz Boe. Tourdauer bei vergleichbaren Verhältnissen 5-6 Stunden.

- Konditionell anspruchsvolle Tour

- Klettersteigkategorie D

 

 

 

 

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