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Industrie-Klettern in Duisburg - mal was anderes!

04.05.2012

Industrie-Klettern in Duisburg – mal was anderes!

Richtige Berge und große Kletterfelsen sucht man im Ruhrgebiet leider vergebens. Was auf den ersten Blick wie eine Absage an das Outdoor-Klettern erscheint, ist in der Realität allerdings halb so wild. Denn wie sagt schon ein altes Sprichwort: “Not macht erfinderisch!” Und das gilt auch für den Klettersport. Der findet nämlich auch bei uns im “tiefen Westen” nicht nur in der Halle statt. Wo keine Berge sind, muss man nach Alternativen suchen – und die finden sich manchmal auch dort, wo man sie vielleicht nicht erwartet hätte: Auf dem Gelände stillgelegter Industrieanlagen. Da bekommt der Begriff “Industrie-Klettern” eine ganz neue Bedeutung…

Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist eine dieser alten Industrieanlagen. Auf dem Gelände des ehemaligen Hüttenwerks, genauer gesagt im stillgelegten Erzbunker, hat die Sektion Duisburg des Deutschen Alpenvereins ihren eigenen Klettergarten eingerichtet – den größten Outdoor-Klettergarten in ganz Deutschland.

Einer der Sektoren im Duisburger Landschaftspark

Einer der Sektoren im Duisburger Landschaftspark

In den letzten zwölf Jahren ist hier ein kleines Paradies zum Klettern entstanden, mitten im Ruhrgebiet. Die Fakten sprechen für sich: etwa 400 Routen, verteilt auf ca. 7.000 mvertikale Kletterfläche, fast 200 m2 Dachfläche (überhängend) und rund 100 m2 zum Bouldern – Kletterer was willst Du mehr?! Die Wandhöhe liegt ungefähr bei 10-12, die maximale Routenlänge bei knapp 22 Metern. Schwierigkeiten vom 2. bis zum 9. Grad bieten Spaß für Anfänger und Profis – allerdings nur im Vorstieg. Das Klettern im Duisburger Landschaftspark ist ausschließlich im Vorstieg möglich. Die perfekt abgesicherten Routen bieten jedoch eine ausgezeichnete Möglichkeit, die ersten Schritte beim Klettern im Vorstieg zu machen. Bombensichere Haken und kurze Hakenabstände geben ein Gefühl von Sicherheit. Seil noch einmal neu aufnehmen, Einbinden, Partnercheck und los geht’s! Zum Aufwärmen natürlich erstmal mit einer einfachen Route: Große Griffe und gute Tritte – so kann man sich optimal an die Gegebenheiten der Wände gewöhnen: Kunststoffgriffe und -tritte findet man hier nämlich nur selten. Zum Klettern nutzt man entweder die natürlichen Unebenheiten der Wände oder die eigens dafür in die Mauern geschlagenen Griffmulden. Klingt fast wie Klettern am Fels, ist aber irgendwie doch ganz anders.

Climb into the light

Climb into the light

Nach den ersten paar Metern hat man den Schatten der gegenüberliegenden Wand hinter sich gelassen und es wird herrlich warm. Wenn man beim Klettern für einen kurzen Moment die Augen schließt und die Stimmen um sich herum ausblendet, könnte man fast meinen, man wäre im sonnigen Süden unterwegs. Die Sonne wärmt Kletterer und Stein und es ist ein herrliches Gefühl den leichten Windhauch zu spüren. Da setzt manch einer auch schon mal zum Duell mit dem eigenen Schatten an – mal sehen, wer am Ende schneller oben ist…

Duell mit dem eigenen Schatten

Duell mit dem eigenen Schatten

Am Ende der Routen kann das Kletterseil ganz einfach in den Umlenker (wir nennen die Dinger immer “Sauschwanz”, aber da hat ja jeder seine eigene Bezeichnung) eingefädelt werden, zeitraubendes Umbinden entfällt. Umso schneller kann man die nächste Route in Angriff nehmen, es gibt hier schließlich noch eine Menge zu klettern – packen wir’s an! Wie wäre es zum Beispiel mit einem kleinen Überhang? Eine gelungene Mischung aus Kunststoffgriffen und “natürlichen” Gesteinsformationen fordert schon deutlich mehr Konzentration beim Klettern und auch die Arme merken den Unterschied schnell… Wie gut, dass es direkt neben dem Klettergarten eine große Wiese gibt die zum gemütlichen Picknick einlädt. Und wer im Besitz einer Slackline ist der findet bestimmt eine passende Stelle um das schmale Band zu spannen – Zuschauer sind den Artisten gewiss.

Für Mitglieder der Sektion Duisburg des Deutschen Alpenvereins ist das Klettern im Landschaftspark Duisburg-Nord frei, alle andere zahlen eine Gebühr von 8 Euro (wird von einem Mitglied der Sektion beim Rundgang eingesammelt). Ein fairer Preis für einen Tag im Klettergarten. Wer sich nicht nur aufs Sport-Klettern beschränken möchte, für den bietet der Klettergarten noch die ein oder andere Besonderheit: Ein 300 m langer Klettersteig (Begehung nur mit Klettersteigset!) in drei Schwierigkeitsstufen wartet darauf erkundet zu werden und auch eine Drytoolinganlage mit Fels und Baumstämmen ist vorhanden. Alle notwendigen Informationen zum Klettergarten, der Kletterordnung und den vom DAV angebotenen Kursen finden sich auf der Homepage der Sektion Duisburg. Hier findet ihr auch die Topos zum Download. Also schaut einfach mal rein – oder am besten gleich vorbei. Denn der Klettergarten im Landschaftspark Duisburg-Nord ist definitiv einen Besuch wert!

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