Reise

Indian Summer in Norwegens Tundra

05.10.2011

Indian Summer in Norwegens Tundra

In Deutschland ist Hochsommer, folglich die beste Zeit um in Skandinavien die ersten Vorboten des Herbstes zu bestaunen. Innerhalb von nur ein paar Wochen steht die Tundra förmlich in Flammen. Birken, und Zwergsträucher leuchten schlagartig in den schönsten Rot- und Gelbtönen. Für viele die schönste Jahreszeit in Skandinavien, zumal auch die Mücken schlagartig das zeitliche segnen.

Uns zieht es diesmal in die Finnmark nach Norwegen, genauer gesagt in den Stabbursdalen Nationalpark. In unserem eigentlichen Reisegebiet, den Kommunen Karasjok und Kautokeino, leben rechnerisch weniger als 1 Einwohner pro Quadratkilometer. Beste Vorraussetzungen um genug Abstand von der Zivilisation zu gewinnen.

Mit dem Flieger geht es nach Alta, mit etwa 12.000 Einwohnern die letzte Großstadt vor dem Nordkap. Wie viele nordskandinavische Städte besitzt auch diese wenig Reiz, ein Grund ist sicher auch die Zerstörung im 2. Weltkrieg. Nicht entgehen sollte man sich allerdings die über 6000 Jahre alten Felszeichen, welche zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Malerisch am Altafjord gelegen zeugen diese von der frühen Siedlungsgeschichte der Gegend.

Ein Linienbus bringt uns am nächsten Tag zum Nordende des Stabbursdalen Nationalparks. Eingeschlossen vom Stabburselva beherbergt der Park den weltweit nördlichsten Kiefernwald mit bis zu 500 Jahre alten Exemplaren. Schade dass wir ihn nicht sehen werden, starten wir doch im Westen und haben durch die Routenplanung keine Möglichkeit ihm einen Besuch abzustatten. 12 Lauftage sind diesmal geplant. Sicher das längste was im wahrsten Sinne „ertragbar“ ist, wiegt mein Rucksack mit Trekkingzelt, Schlafsack, Trekkingnahrung, Angelequipment stolze 18 Kilogramm, der von Susi etwa 16 Kilogramm.

Der Weg führt uns den ersten Tag auf einem Pfad bis zum Rande des Parks. Wie gewohnt müssen dabei Bäche und Flüsse gefurtet werden, welche durch die späte Jahreszeit so gut wie kein Wasser führen. Gut für uns, gelten einige Flüsse bei Normalwasser als sehr schwer passierbar, schlecht für meine Angelambitionen. Viele Fließgewässer sind so trocken das das Fischen mit der Fliege über den gesamten Urlaub erfolglos bleibt.

Nach dem Queren des Stabburselva geht es die nächsten Tage fast weglos durch die norwegische Tundra. Schnell merken wir dass wir unsere eigentliche Route vermutlich nicht schaffen werden. Weidengestrüpp, Sumpflöcher und der weiche Tundaboden kosten einfach zuviel Zeit und Kraft, so dass die geplanten Kilometer kaum zu schaffen sind. Da wir Urlaub haben und nicht hetzten wollen, wird die Route kurzerhand abgekürzt, was uns 2 Lauftage spart.

Mitten hinein in den Park geht es. Durch parkähnliche Birkenwäldchen und windige Hochebenen, begleitet von den Warnrufen von hunderten Lemmingen. Dieses Jahr ist anscheinend besonders schlimm. Einheimischen zufolge können sie sich kaum an so ein massives Auftreten dieser putzigen Nager erinnern. Fühlen sie sich bedroht zeigen sie ihre Zähne und quiken das man meint, sie müssten gleich Tod umfallen. Gefährlicher als durch ihr drohendes Auftreten gelten Lemminge jedoch als Krankheitsüberträger für Tulärämie, einer bakteriellen Infektion die unbehandelt in 30% der Fälle tödlich für den Menschen endet. Grund genug das Trinkwasser entsprechend zu desinfizieren.

Wir folgen kilometerlangen Seen und Flüssen, tagelang ohne Menschenkontakt, nur Rentiere, Füchse und die immer wieder vor uns auffliegenden Fjellryper im Blick. Unser Glück mit dem Wetter könne wir kaum fassen. Eigentlich viel zu warm für die Jahreszeit pendeln die Tempearturen zwischen 7°C in der Nacht und 15°C am Tag. Nach  fast einer Woche erreichen wir die Bojobaeskihütte. Ein 5-Sterne Hotel in der Wildnis. Norwegische Hütten überraschen immer wieder mit einem hervorragenden Komfort. Zeit um auszuspannen. Auch nach der nächsten Etappe erwartet uns eine Hütte. Nicht ganz so komfortabel aber sauber und gemütlich.

Nach 10 Tagen im Fjell bei bestem Wetter, wir hatten nicht einen wirklichen Regentag, verlassen wir das Fjell und steigen nach Alta ab.

Ein unglaublicher Urlaub in phantastischen Farben geht in zu Ende und hinterlässt viele Eindrücke. Wir kommen sicher wieder….Norwegen hat noch so viel zu bieten, meine Liste der möglichen Ziele wird einfach nicht kürzer.

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