Leidenschaft

Craft Mountainbike Transalp 2011 - Der Nachbericht

19.08.2011

Craft Mountainbike Transalp 2011 – Der Nachbericht

Samstag, der 16.07.2011, ein sonniger Vormittag in Mittenwald und „Highway to Hell“ dröhnt aus den Lautsprechern im Zentrum. Dies ist das akustische Zeichen für über 1100 Mountainbiker aus 37 Nationen, sich mit Ihren Mountainbikes auf den Ritt über die Alpen und durch den Dolomiten nach Riva del Garda aufzumachen.

Das Bergzeit Mountainbike-Team bei der Craft Bike Transalp 2011

Das Bergzeit Mountainbike-Team bei der Craft Bike Transalp 2011

Wir Hans und Holger vom Team bergzeit.de mitten darunter. Die erste Etappe der Craft Bike Transalp 2011 über den Hochalmsattel, hinunter zur Eng, hinauf zum Plumsjoch und durch das Inntal bis zur ersten Zielankunft in Weerberg wurde vom Rennleiter Uli Stanciu als schöne Karwendeltour zum Einrollen angekündigt. Dies ist sie auch zweifellos, nur das mit dem Einrollen interpretieren einige im Feld eher als gute Möglichkeit gleich mal Muskulatur und Material einem Härttest unterziehen zu können. Letztlich ist es doch ein Mountainbike-Rennen, was nicht nur für die Profis im Feld gilt. Schon die Abfahrt vom Plumsjoch macht seinem Namen alle Ehre und wir haben uns die erste Kriegsbemahlung in Form von Schürfwunden zugelegt. Das Etappenziel vor Augen melden sich am letzten Anstieg, völlig überraschend noch die Muskeln zu Wort. Krämpfe zwingen zu einer Pause. Insgesamt kein guter Auftakt, der auch nur mit Platz 109 von 185 gestarteten Teams in unserer Masterwertung belohnt wird.

Das Ziel der Craft Mountainbike Transalp ist erreicht.

Das Ziel der Craft Mountainbike Transalp ist erreicht.

Am zweiten Tag steht mit dem Anstieg zum ca. 2300m hohen Geisljoch gleich zu Beginn die große Herausforderung an. Mit einer kräftigen Portion Magnesium am Vorabend haben wir die Muskeln beruhigt und wir kommen mit den knapp 3000 Mountainbike-Höhenmetern an diesem Tag schon besser zurecht als mit der leichten Einrolletappe am Vortag, so dass unsere Stimmung auf der Pasta-Party an diesem sommerlich Abend schon deutlich entspannter war.

Wie vorhergesagt bezieht die dritte Etappe über das Pfitscherjoch auf die Alpensüdseite und weiter nach Brixen ihre Herausforderung aus dem Wetterumschwung. Regen und Temperaturen von kaum 5 Grad auf dem Gipfel sowie seifige Schotterabfahrten und Wege motivieren zumindest dazu, die Angelegenheit möglichst schnell hinter sich zu bringen. Der Anstieg zum Pfitscherjoch mit den Mountainbikes ist zwar weitgehend als fahrbarer Weg und Single-Trail ausgewiesen, aber mittlerweile selbst für die Cracks nicht mehr fahrbar und so schiebt und trägt man sein Mountainbike zum Joch. Aber zumindest erhöht das die Betriebstemperatur, die allerdings auf der langen anschließenden Abfahrt ins Tal wieder deutlich sinkt. Gescheit eingeschlammt wird nach der Ziellinie das offizielle Bike-Wash gestürmt. Mancher Teilnehmer aus südlichen Gefilden wird sich heute schon etwas über das alpenländische Sommerwetter gewundert haben – und auch die folgenden Tage sollten kein meteorologisches Sommermärchen bieten.

Nach drei spannenden Mountainbike-Tagen...

Nach drei spannenden Mountainbike-Tagen…

Mit rund 3550 Höhenmeter steht am 4. Tag die Königsetappe an. Zum Glück regnet es nicht, doch die vielen Waldwege und Trailpassagen sind aufgeweicht und daher auch mit unseren Mountainbikes schwer fahrbar.  Da wir uns meist in größeren Höhen bewegen, bleibt es den ganzen Tag über kalt. Also gilt es mal wieder durchzuhalten – der Konkurrenz geht es ja auch nicht besser.  Die ersten Blicke auf die Dolomitenpanoramen entschädigen dafür. Das Ziel in St.Vigil liegt 1200 Meter hoch und die wenigen Sonnenstrahlen dort sind sehr wohltuend. Ebenso wie die Ergebnisse, die der Computer in Form von Ergebnislisten ausspuckt. Immerhin konnten wir an diesem Tag mit Platz 82 unser bislang bestes Tagesergebnis einfahren.

Voller stolz kündigt uns der Rennleiter auf der Pastaparty für den kommenden Tag eine Sightseeing-Tour durchs Herz der Dolomiten an, deren Bike-Höhepunkt der super Downhill- Trail mit 1200 Höhenmeter auf 16 km Länge von den Cinque Torri sein soll. Leider verwässert uns der Dauerregen die Sicht auf die Fanesalm doch einigermaßen. Als wahrer Höhepunkt des Tages stellt sich dann aber eine Ankündigung beim Erreichen der 2. Verpflegungsstelle heraus. Gerade wurde offiziell entschieden, die Etappe verkürzt zu fahren und uns den 2. Anstieg samt des Supertrails zu  ersparen. Angesichts der bitteren Kälte mit Schneeregen auf 2.400m eine Entscheidung, mit der selbst die verrücktesten Downhill-Freaks leben können. Wir, als kontrollierte Mountainbike-Abfahrer mit überschaubarer Technik profitieren natürlich auch davon und ereichen den 68. Rang.

Das Bergzeit-Mountainbike am Ziel der Craft Bike Transalp 2011!

Das Bergzeit-Mountainbike am Ziel der Craft Bike Transalp 2011!

Mit der Zeit wird es morgens immer schwieriger die Müdigkeit aus den Knochen zu schütteln. Dabei gönnen wir uns den Luxus in Hotels oder Pensionen zu nächtigen, während rund 300 Mitstreiter sich als echte Mountain-Heroes den Spaß „Transalp-Camp“ gönnen. Die örtliche Sporthalle mit Isomatte und Schlafsack bestückt und eine handvoll Duschen und Toiletten lassen deren Mountainbiker-Körper so richtig regenerieren. Anstelle der sonst üblichen 2-3 kernigen Anstiege weist das Höhenprofil für heute eine regelrechte Zackenkurve aus. Ein ständiges Auf und Nieder verspricht viele knackige und kräftezehrende Anstiege bis ins Ziel im 1500m hoch gelegenen San Martino di Castrozza. Diese Bedingungen sind nun auch für Hans´s Kette zuviel. Zwar ist der Schaden schnell behoben, aber gefühlt rauscht während der 5 minütigen Reparaturpause das halbe Feld vorbei. Wie dieser Eindruck täuschen kann erfahren wir dann im Ziel. Eine weitere Verbesserung im Gesamtklassement erlaubt uns nun auf der 7. Etappe erstmals aus dem 2. Startblock zu starten – also sozusagen mit Sicht auf´s gelbe Trikot.

Entsprechend hoch motiviert gehen wir bei Sonnenschein an den Start. Dennoch wird es eine recht zähe Etappe, die zwar nur rund 2.500 Höhenmeter, aber dafür eine Länge von fast 110km aufweist. Es ist ein Tag für Straßenradspezialisten, die das Windschattenfahren lieben. Toll dagegen die Ankunft im Zentrum von Trento und die Rückkehr des Sommers. Endlich die Möglichkeit, den Abend in der Altstadt bei einem Eis im Freien genießen zu können.

Das Finisher-Trikot gabs auch für das Bergzeit Mountainbike Team

Das Finisher-Trikot gabs auch für das Bergzeit Mountainbike Team

Zum Abschluss stehen noch einige schöne Mountainbike-Abschnitte in der Brenta auf dem Programm. Schon 30km vor dem ersehnten Ziel in Riva del Garda können wir aus den Bergen einen ersten Blick auf den Gardasee erhaschen. Den Lago vor Augen, sind die Gedanken schon bei den Liebsten im Ziel und der rechte Pedaldruck kommt auf dem abschließenden Radweg durch die Marocce über Arco nicht mehr auf. Endlich am Ziel sind im chaotischen und euphorisierten Treiben mit Sektduschen und dem Bad samt Mountainbike im See die Strapazen der vergangenen 8 Tage wie weggewischt. Zur Belohnung gibt es dann noch die begehrten Finisher-Trikots zusammen mit einem Händedruck vom Transalp-Chef – ich denke er kann nachvollziehen wie sehr wir ihn unterwegs manchmal verflucht haben.
Auf der feuchtfröhlichen Finisher-Party am Abend schmieden die meisten dann aber schon Pläne für die Neuauflage in 2012 – dann wird alles noch viel besser und schöner.
Vielleicht sind wir dann auch wieder dabei, um unseren 70. Platz zu verbessern.

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