Reise

Backpacking in Vietnam - vom Norden zur Mitte

19.09.2011

Backpacking in Vietnam – vom Norden zur Mitte

Die ersten zehn Tage unseres Backpacking-Trips durch Vietnam sind irgendwie vorbeigerast und ich habe keine Ahnung wie die Zeit so schnell vergehen konnte. Wahrscheinlich sind die vielen neuen Eindrücke schuld daran, dass bisher nie Langeweile aufkam. Eigentlich fühlen wir uns schon ein wenig zuhause in diesem tollen Land, obwohl wir gerade erst angekommen sind. Aber nochmal in Ruhe von Anfang an.

Am 31.7. kamen wir mit unseren Trekkingrucksäcken in Hanoi an und wurden sogar vom Hostel-eigenen Shuttleservice abgeholt. Was ein Luxus! Dachten wir. Nachdem ich dann in den ersten zwei KilometeStromleitungen in Hanoirn schon um mein Leben und um das einiger Rollerfahrer (sowie Fussgänger) bangen musste, hätte ich mich gerne zum Hostel beamen lassen. Da der Wissenschaft schon viele Fortschritte gelungen sind, das beamen aber leider nicht zu diesen Erfolgen zählt, hieß es für Wastl und mich einfach “Augen zu und durch”. Beim Backpacking vom Shuttle-Service abgeholt zu werden zählt sowieso schon in die Kategorie “Luxus pur”.

Im Hostel wurden die ziemlich verstörten Backpacking-Touris, also wir, erst einmal auf die typisch vietnamesische Art begrüßt: “Have a seat please, do you want some coffee??” (und wehe du sagst Nein). Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir also in Hanoi und haben uns dort erst mal an das vietnamesische Stadt-Leben gewöhnt. Laut, hektisch, chaotisch und Menschen soweit das Auge reicht. Egal zu welcher Uhrzeit man unterwegs ist, es ist praktisch immer voll auf der Strasse. In Vietnam werden wir grundsätzlich angesehen wie zwei Giraffen im Zoo, was wohl daran liegt, dass das Land noch vom Tourismus verschont geblieben ist. Wenn überhaupt trifft man ein paar andere Backpacking-Touristen.

Kayak-Tour und Höhlenwandern

Fischerdorf in der Halong Bucht

Fischerdorf in der Halong Bucht

Nach den zwei Nächten in Hanoi ging es dann weiter in Richtung Halong Bucht, die von der UNESCO als Welterbe eingestuft wurde und diesen Titel definitiv verdient hat. Nach einer ziemlich rasanten Busfahrt waren wir echt froh wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren als wir in Halong City ankamen. Der Bus war bis unter die Decke vollgestopft mit allem was man eben in so einem Bus transportieren kann und wir hatten die Ehre vorne neben dem Fahrer zu sitzen, was uns den besten Blick auf die Strasse und gefühlte hundert fast-Unfälle beschert hat. Am ersten Tag in der Halong Bay sind wir mit einem Schiff durch die Bucht geschippert, haben uns Höhlen angesehen und sind dann schließlich selbst mit dem Kayak zur Bucht-Erkundungstour aufgebrochen. Als wir nach dem Kayakfahren klatschnass an Land kamen dann wieder eine Busfahrt, wieder ein lebensmüder Fahrer, der uns dann noch seine Lieblingsmusik zum Besten gab. Vietnamesischer Schranz. Der Bus hatte an Ausstattung nichts, aber super Boxen und sogar einen Bildschirm hatten wir. Außerdem gilt bei asiatischen Bussen die Regel: Wenn du denkst jetzt ist der Bus echt voll, passt auf jeden Fall noch Ladung und ein oder zwei Backpacking-Touristen mehr rein.

Klettersteig auf vietnamesisch…

Dschungel-Trekking im Cat Ba Nationalpark

Dschungel-Trekking im Cat Ba Nationalpark

Am nächsten Tag, erholt und voller Energie, machten wir uns dann auf zu einem kleinen “walk” in den Cat Ba Nationalpark. Da unsere 1,45 m große und mindestens 60 Jahre alte vietnamesische Nationalparkführerin winzig kleine Plastik-Schläppchen anhatte fühlte ich mich mit meinem Outfit schon ein wenig overdressed, aber nur für den ersten Moment. Ich hatte meine Scarpa Zen Schuhe, meine G1000 Hose von Fjäll Räven und meine moskitodichte Bluse von Craghoppers im Backpacking-Gepäck. Der kleine “walk” stellte sich als eine mördermässige Klettersteig-Tour durch den Dschungel und über verrostete Eisen-Stiegen heraus. Danach wusste ich, dass ich diese verdammten Scarpa Schuhe liebe! Als wir am höchsten Punkt des Nationalparks ankamen fing es natürlich auch noch an zu regnen was das Zeug hält. Machte den Abstieg durch (wir nannten sie liebevoll) die Tetanus-Allee nicht gerade einfacher. Glitschige Felsen, halb weggerostete Eisenleitern, ja ich liebe vietnamesische Sicherheitsstandards. Durch den vielen Regen wurde die Luft leicht Moskito-lastig und wir lernten schnell, dass es besser ist immer in Bewegung zu bleiben und sich häufig auf die Beine und Arme zu klatschen, wie es uns unsere vietnamesische Führerin gezeigt hat (das Moskito-Spray war in dem starken Regen leider für die Katz, weil es sofort wieder abgewaschen wurde). Die nächste Nacht verbrachten wir auf dem Schiff in einer kleinen Bucht. Abends wurde das Dach des 3-stöckigen Schiffes nochmal schnell als Sprungturm umfunktioniert, es gab lecker Essen und natürlich Karaoke Musik bis in die Nacht. So liebe ich Backpacking!

Zitadelle in Hue

Zitadelle in Hue

Unser nächster Stop führte uns mit dem Nachtzug in Richtung Süden. Der erste Stopp nach 12 Stunden Zugfahrt, eiskalter Klimaanlage und einigen Bettwanzen war Hue, die alte Hauptstadt Vietnams. Für diesen Stop hatten wir nur einen Tag eingeplant. Die Zitadelle mit der verbotenen Stadt war das zweite UNESCO Weltkulturerbe unserer Reise. Abends haben wir es uns dann in der DMZ Bar gemütlich gemacht, die Backpacking-Reisenden von Lonely Planet wärmstens empfohlen wird. Einige Mojitos später fällt es dann auch leichter in das total verranzte Bett der Backpacking-Herberge zu fallen. Am nächsten Tag haben wir Hue mit dem Bus hinter uns gelassen und sind weitergezogen nach Hoi An.

Hoi An by night

Hoi An by night

Hoi An war mit Abstand der beste Aufenthalt, den wir in Vietnam hatten. Die Altstadt ist wunderschön und (ein großes Plus) autofrei! In Hoi An haben wir uns das erste Mal auch getraut selbst am Straßenverkehr teilzunehmen. Es gab kein schöneres Gefühl als mit Fahrrädern selbst die Gegend zu erkunden und das etwas ruhigere Stadtleben zu genießen. Somit war der erste Teil unserer Reise auch schon vorbei und hat mit Hoi An einen würdigen Abschluss gefunden. Als nächstes wurde das Backpacking mal für eine knappe Woche ausgesetzt, als wir nach Sri Lanka geflogen sind, wo wir auf eine Hochzeit von Freunden eingeladen waren. Aber dazu kommen wir ein anderes Mal…

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