Testberichte

Kletterschuhe La Sportiva Python im Test

19.08.2011

Kletterschuhe La Sportiva Python im Test

Wenn diese Optik nicht geil ist – welche dann?

Seit der Vorstellung der Kletterschuhe La Sportiva Python letztes Jahr war ich voller Hoffnung, dass diese Kletterschuhe mir passen würden und das Versprechen des Herstellers gehalten wird. Dabei reizte mich weniger die Wettkampftauglichkeit der neuen Schlange im La Sportiva Terrarium, sondern eher die optimierten Hook Eigenschaften dieses Modells. Als großer Fan des Speedsters freute ich mich auch auf einen Kletterschuh, der ähnlich sensibel ist aber endlich aus Leder bestehen wird. Nach langem Rätseln ob mir der schmale Leisten passen wird, und dem Wechselbad der Gefühle bei der Größenwahl blicke ich nun auf die ersten beiden Klettermonate mit diesem Slipper zurück. Die ganze Geschichte der Kletterschuhe La Sportiva Python im freier Wildbahn habe ich in diesem Testbericht wieder zu geben versucht.

Optik, Verarbeitung

Wenn ich so zurück denke gab es noch keinen La Sportiva Kletterschuh der mir nicht gefallen hätte. Die Designer dieser italienischen Bergschuhschmiede leisten in meinen Augen wirklich hervorragende Arbeit beim entwerfen von neuen Modellen. Da Python eine Art Weiterentwicklung des legendären Cobra´s ist, lehnt sich die Optik einwenig an diesen Klassiker an. Als identisch würde ich das Aussehen jedoch keinesfalls bezeichnen, denn selbst der orange Farbton unterscheidet sich vom Original. Weitere unterschiede bringen der orangefarbige Fersengummi Zug mit La Sportiva Aufschrift, die Toe-Hook Gummierung und der Single Velcro mit sich. Das alles lässt den Python etwas moderner und deutlich sportlicher wirken als seinen so geliebten Vorgänger. Wie ich bereits schon sagte, halte ich die Optik für gelungen und äußerst ansehnlich.

bis auf ein Paar Kleinigkeiten ist die Verarbeitung erstklassig

Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, was für La Sportiva typisch ist. Seit dem die Fertigung von der reinen Handarbeit in Richtung maschineller Unterstützung umgestellt worden ist, nehme ich zunehmend leichte Macken bei diversen La Sportiva Kletterschuhen wahr. Das meiste sind jedoch wirklich Nichtigkeiten, die keinerlei Einfluss auf die Funktion haben und lediglich das sonst so perfekte Verarbeitungsbild in meinen Augen etwas trüben. Beim Python sieht man zBsp an manchen Stellen einen Kleberand und die Übergänge der Gummierungen in einander sind nicht überall glatt geschliffen. Aber wirklich wichtige Verarbeitungsdetails stimmen immer noch zu 100%. So weist dieser Slipper perfekte Nähte und besten Sohlenkanten Schliff. Alles in einem hinterliessen die Kletterschuhe La Sportiva Python einen sehr positiven optischen und qualitativen Eindruck der sich, soviel sei verraten, im folgenden Praxistest bestätigt hat.

Konstruktion

gekonnt platziertes Gummi erzeugen genügend Spannung

Der Kletterschuh La Sportiva Python ist ein Slipper mit einem einzelnem Velcro Verschluss. Dieser basiert auf einem Gummiband welcher nach dem Schliessen ein von der Ferse Schlüpfen schier unmöglich macht. Anfangs etwas misstrauisch diesem System ohne eine Umlenköse gegenüber, wurde ich schnell von der sehr guten Funktionalität dieses Gummiband-Klett´s überzeugt. Das elastische Gummiband im Spann ist asymmetrisch geschnitten und geht an der Außenseite tiefer in Richtung Zehen runter. Das besagte Gummiband ist zwar richtig straf, bietet aber genügend Flexibilität. Mit diesen zwei Eigenschaften hat man beim An und Ausziehen ein leichtes Spiel und bekommt einen bombenfesten Sitz am Fuß. Die Sohle hat 3,5 mm und ist aus XSGrip 2 von Vibram. Python hat eine so genannte Halbsohle die am Fussgewölbe aufhört und eine dünne Zwischensohle unter dem klebrigen Aussengummi versteckt hält. Die Sohle ist eher weicher Natur, bietet jedoch etwas mehr Stabilität als ein Speedster. Die Ferse ist nun endlich sinnvoll konstruiert, denn die Außenseite ist komplett mit Gummi bedeckt. Zum einen steigert das die Hook Performance und zum anderen beugt es Ablösungen der Gummiränder an dieser stark beanspruchten Stelle vor. An das Hooken wurde auch bei der Zehenbox gedacht. Eine schmale, dünne, klebrige “Zunge” aus XSGrip 2 Gummi(?) zieht von der Schuhspitze über den großen Zeh in Richtung Spann und stellt von der Form und Beschaffenheit her eine Symbiose aus den Toe-Hook Gummierungen von Solution und Speedster.

Anfangs glaubt man nicht, dass dieser Verschluss handlich ist und sein Job perfekt macht

Der Leisten ähnelt dem von Cobra, denn die Form ist recht schmal und im gleichen Maße asymmetrisch. Zudem fällt der Kletterschuh La Sportiva Python von der Spitze weg nach außen hin steil ab, was für ein spitzes und pointiertes Aussehen sorgt. Alles in einem kombiniert dieser Kletterschuh die Vorteile eines traditionell gebauten Slippers mit der Konstruktionsweise von modernen Kletterschuhen wie Solution und Speedster. Ich würde jedoch nicht behaupten, dass es eine Mischung aus Solution und Cobra ist, denn dafür hat Python zu viele Details die nur er aufweisen kann. Das wichtigste an der Konstruktion ist jedoch deren hohe Funktionalität, die man am Anfang kaum für möglich hält.

Passform und Größe

wie schmal der Schuh ist sieht/spürt man sofort!

Da ich Cobra auf Grund von nicht ganz optimalen Passform nie geklettert bin, konnte ich mir an der Empfehlung des Herstellers dieses Modell in der gleichen Größe zu kaufen nicht orientieren. Als ich im Laden den Python das erste Mal in meiner üblichen La Sportiva Größe (40 EU) anprobierte, stellte ich schnell fest, dass auch seine Passform für mich kein Geschenk ist. Viel zu lang, viel zu schmal ist die neue Schlange und verlangt einen langen Großen Zeh, um in meiner gewohnten Größe die Zehenbox aus zu füllen. Also eine halbe Größe kleiner. Der große Zeh war endlich vorne dran und wurde leicht aufgestellt. Die kleinen Zehen feierten die übliche Schmerz-Party, die mich am Sinn dieser Anschaffung echt zweifeln liess. Erst als ich im Katalog von La Sportiva die Tabelle mit den ganzen Schuhen und den zugehörigen Empfehlungen im Bezug auf die Fußbreite sah, traute ich mich das Experiment La Sportiva Python zu beginnen. Im Katalog war er nämlich einer der vier Modelle die für breite Füße empfohlen wurden.

Die form ist wie man sieht nicht gerade aber mäßig asymmetrisch

Entschieden habe ich mich für die Größe 39,5 EU in der Hoffnung, dass meine Füße, nach einer Anpassungsphase, den Kampf gegen das Kalbsämischleder gewinnen und Python wie eine zweite Haut passen wird. Anfangs schmerzten die zusammengedrückten kleineren Zehen bereits nach 10 Kletterzügen, so stark dass ich den Schuh vom Fuß pellen musste. Um meine Leiden zu beenden entschied ich mich beim Einklettern etwas nachzuhelfen. Ich hielt Python´s Zehenbox unter Wasser und staunte nicht schlecht darüber wie wasserabweisend Leder sein kann. Leider bekam ich die Schuhe auf diese Weise nicht so nass, wie ich es mir vorgestellt hatte, also musste eine neue Taktik her. Ich füllte also diesen widerspenstigen Slipper halb voll mit warmen Wasser, wartete etwas und kippte das Wasser wieder aus. Damit bekam ich das Leder an richtigen Stelle nass und begann nun mit der “Formung” – also Fuß rein und los klettern. Im feuchtem Zustand füllte sich die Zehenbox sofort besser an. Die nötige Breite war nach dem ersten Boulderabend da, die noch nicht ganz perfekt ausgeformten Ausbuchtungen für kleinere Zehen wurden nach der zweiten “Behandlung” fertiggestellt. Was soll ich sagen? La Sportiva hatte Recht mit der Angabe, dass der Kletterschuh La Sportiva Python gut für breite Füße geeignet ist. Ich war wiederum echt froh, das ich das Experiment gewagt hatte.

Ferse hat eine super Form und saugt sich förmlich an

Da ich keine Veränderung im recht vernünftigen Volumen der Ferse wollte, liess ich diesen Bereich “unbehandelt”. Auch am Spann liess ich das Leder so wie es ist. Mein Lohn der Mühe ist nun eine wirklich perfekte, hautenge Passform, die für die Enge auch noch ganz komfortabel ist. Selbst in 25 m Routen hatte ich nach dieser kurzen Formgebungsaktion keinen Bedürfnis die Schuhe am Umlenker aus zu ziehen. Kletterer mit schmaleren Füßen und einer ägyptischen Zehenform können wahrscheinlich auf derartige Behandlung mit Wasser verzichten und sich sofort über einen sehr gut passenden Kletterschuh freuen. Ich traue mich nicht eine allgemeine Empfehlung bezüglich der Größe auszusprechen, da der La Sportiva Python eine eigenwillige Ur-Passform hat. In meinem Fall hat sich eine halbe Größe unter meiner normalen La Sportiva Größe, als perfekt erwiesen.

Performance des La Sportiva Pyhton

Leider kann ich in dieser Kategorie den La Sportiva Python nicht mit dem Cobra vergleichen, sondern höchstens mit dem Speedster. Dieser Vergleich wäre höchstens im Bezug auf Sensibilität gerechtfertigt, also lass ich die Vergleiche und beschreibe nur die Eigenschaften des Pythons bei dem, vorauf es letzten Endes ankommt – dem Klettern. Vorab möchte ich auf die Empfehlung des Herstellers für das Wettkampfklettern am Plastik eingehen. Python ist wirklich super am Plastik, doch auch am Fels schlug sich die “alte Schlange” sehr gut und beeindruckte mich weit aus mehr, als der bereits erwähnte Speedster.

Auf dieser und anderen Leisten hielt der Schuh wie angenagelt

Das Treten ist schlicht und einfach phänomenal und lässt sich am besten mit den Worten wie: sensibel, feinfühlig, präzise und ausgewogen/natürlich, beschreiben. Ich persönlich liebe es zu fühlen was ich unter dem Zeh gerade habe und ob die Verbindung Kletterschuh-Tritt optimal ist und auch wirklich “hebt”. All dass bietet mir der La Sportiva Python ohne Ausnahmen. Dabei ist es egal ob es um kleine runde Spax in der Halle ging oder um abgespeckte Tritte in Kochel – Der La Sportiva Python sorgte für ein gutes und super sicheres Gefühl. Egal ob Reibung, senkrechte Wände oder Überhänge bis jetzt hatte ich nirgendwo das Gefühl dieser moderner Slipper würde die Situation nicht meisten. Besonders im Überhang hielt das was man sich gerade mit der Spitze geangelt hat wie festgeklebt. Dabei wäre zwar P3 aus meiner Sicht zum besseren Graben an den Tritten zwar wünschenswert aber nicht zwingend, denn es funktioniert auch so super! Gerade wenn es um Formschluss an miesen Strukturen geht, ist Python wirklich unschlagbar. Die fehlende Unterstützung der recht weichen Sohle ist zwar in Platten merklich jedoch nicht so dramatisch. So hatte ich selbst in längeren Sportkletterrouten nie das Gefühl, dass meine Füße zu müde zum Klettern werden und man anfängt Fehler zu machen. Alles in einem finde ich die Lösung mit einer dünnen Zwischensohle in der Halbsohlenkonstruktion ohne P3 super. nach anfänglicher Skepsis konnte mich die tolle Leistung beim Klettern voll und ganz von diesem Aufbau überzeugen.

Ob Fels oder Plastik man hat Grip und ein gutes Gefühl

War ich schon über das Treten erfreut, so begeisterte mich das Hooken mit dem La Sportiva Python umso mehr. Die modifizierte Ferse hat eine gute Form und lässt sich super auf aller möglichen Hooks platzieren. Die Gummierung der Außenseite kam mir anfangs etwas glatt vor, doch es handelte sich wohl um eine Beschichtung, die nach ein Paar Hooks entweder runter war oder zu kleben begann. Jedenfalls klebte diese Gummierung an allen Hooks die ich bis jetzt gesetzt hatte super Klasse. Da die Fersenstruktur eher dünner und weicher Natur ist, fühlt man durch die Python Ferse sehr gut was man da gerade unter dem Gummi hat, was natürlich auf spitzen Dornen auch man weh tun kann. Das Hooken gefällt mir bei diesem Modell wirklich sehr gut und lässt keine Wünsche offen.

Fast noch besser als die Ferse ist die Funktion der Zehengummierung

Das Toe-Hooken ist schon fast besser als das Hooken mit der Ferse. Die “Gummizunge” auf der Zehenbox funktioniert schlicht und einfach perfekt. Das Anheben der Zehen funktioniert auch super, was in Verbindung mit dem reibungsstarken Gummi des Patches dafür sorgt, dass selbst unmöglichsten und schwierigsten Toe-Hooks mühelos gelingen.

Alles in einem ist dieser Kletterschuh eine Boulderwaffe, die bei mir keine Kritik ernten kann, weil sie wirklich keine Wünsche offen lässt.

Haltbarkeit

Selbst diese oft schwächelnde Stelle ist bis heute noch heile

Dieses “Kapitel” ist wie eine Gleichung mit vielen unbekannten Variablen. Wo klettert man, wie oft und wie intensiv – das alles spiegelt sich im Verschleiß eines Kletterschuhs wider. Kauft man sich den Python, um ihn in der Halle zu prügeln, dann wird man feststellen, dass er bei schlechter Fußtechnik genau so schnell verschleißt wie jeder anderer Kletterschuh mit 3,5mm XSGrip 2 Sohle auch. Bouldert man mit ihm in der Fränkischen am kaum rauen Fels, dann wird er, ein sauberes Treten vorausgesetzt, “ewig” halten. Ich nutze diesen Slipper drinnen und draußen. Der Verschleiß der Sohle hält sich selbst an den besandeten Wänden in Grenzen. Das schreibe ich der extrem präzisen Spitze zu, die unnötigen Wandkontakte vermeidet. Der Rest des Schuh´s ist super haltbar und erlebt noch so manche Wiederbesohlung. Das Leder dehnte sich nach der anfänglichen Behandlung nur minimal, so dass ich mich nach Monaten der Nutzung immer noch über eine exakte, enge Passform freuen kann. Der Kletterschuh La Sportiva Python wird in meinem Fall höchstens bequem ohne sich übermäßig zu weiten. Sehr positiv bin ich von der Haltbarkeit des Velcro´s überrascht, denn er klebt weiter fleißig und leiert am Gummiband nicht aus. Wie ich bereits sagte können die von mir gemachten Erfahrungen bezüglich der Langlebigkeit je nach Konstellation der besagten Variablen bei dem einen oder anderen variieren.  Insgesamt gibt es aber auch in diesem “Kapitel” nur positives zu berichten.

Empfehlung

La Sportiva hat mit der Wettkampfempfehlung natürlich recht, doch dieser Kletterschuh kann deutlich mehr als nur an Plastiktritten hängen zu bleiben. Seine filigrane Art beim Treten befähigt ihn auch das Kleinzeug am Fels sauber wegzudrücken. Egal ob Kochel, Franken oder Elbsandstein: Die Kletterschuhe La Sportiva Python fühlen sich bei genügend Zehenkraft überall zu hause. Die Stärken liegen jedoch ganz klar im Bouldern am Überhang, wo er schlicht und einfach super funktioniert. Ein Allrounder ist Python aufgrund seiner weichen Art und doch ziemlich aggressiven Form für mich persönlich nicht. Am Plastik kann er aber alles und ist auch am Fels bis auf sehr lange, weniger steile Routen sehr stark. Meine Empfehlung hat dieser Kletterschuh daher für alles im Bereich Klettern, wo es auf höchste Präzision und Formschluss an den Problemtritten ankommt.

Fazit zu den Kletterschuhen La Sportiva Python

…in der freien Wildbahn aus…

Mit diesem Kletterschuh aus dem Hause La Sportiva macht man als ambitionierter Kletterer nichts falsch. Man kann ihn überall gut gebrauchen und verliebt sich beim Bouldern sofort in seine Hook-Eigenschaften. Der Preis für solch einen technischen Kletterschuh ist in meinen Augen sehr fair, so dass man höchstens an der Passform beim Kauf scheitern könnte. Mit etwas Mut und Schmerztolleranz (oder dem Wassertrick) bekommt man jedoch einen wirklich perfekt sitzenden Kletterschuh, der selbst bei größten Belastungen fest am Fuß bleibt. Eine richtige Passformproblematik besteht also nicht wirklich. Wer bisher immer noch den perfekten Boulderschuh sucht, wird sich endlich freuen können, denn der Kletterschuh La Sportiva Python lässt in diesem Bereich nichts, aber auch wirklich nichts anbrennen. Die internationalen Wettkämpfer haben den Schuh auch schon lieb gewonnen, wie man letztens sehen konnte. Das wundert mich bei den hervorragenden Eigenschaften ehrlich gesagt kaum. Also: Anprobieren, Ausprobieren und Verlieben, lautet bei diesem Kletterschuh die Devise. Klingt etwas dick aufgetragen, spiegelt aber meine reale Erfahrung mit diesem Slipper wider.

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