Alpin

Klettersteig Große Ochsenwand mit Mountainbike

01.09.2011

Klettersteig Große Ochsenwand mit Mountainbike

Was gibt es Schöneres, als nach ordentlicher Kraxelei am Berg per Moutnainbike ins Tal zu sausen…? Wer dem hiesigen Wetter mit den Bikes im Gepäck Richtung Gardasee oder sonstwohin gen Süden entflüchtet, der mag vielleicht noch die Klettersteigausrüstung dazu packen und die lange Fahrt durch eine Tour zwischen drin auflockern. Auf halber Distanz kann man im Stubai nämlich eine schöne kombinierte Bike und Klettersteig Tour einlegen. Der Schlicker Klettersteig auf die Große Ochsenwand bei Fulpmes ist eine lohnende, hochalpine Klettersteigtour in den landschaftlich eindrucksvollen Kalkkögeln, welche einen Abstecher lohnt – oder bei frühem Start aus dem bayerischen Raum sogar als Tagestour machbar ist.

Von Innsbruck kommend geht es auf der Brennerautobahn kurz nach der Europabrücke schon ab ins Stubaital Richtung Fulpmes/ Neustift. Parkieren lässt sich bei den Bergbahnen der Schlick2000 in Fulpmes. Unterhalb des Bahngebäudes querend führt eine zunächst geteerte Strasse in engen Kehren östlich, welche bald zu einem Forstweg wird (Beschilderung Richtung Schlicker Alm).

erste Kehren der MTB Zufahrt zur Schlicker Alm mit Stubaipanorama

erste Kehren der MTB Zufahrt zur Schlicker Alm mit Stubaipanorama

Vom Startpunkt bis zur Schlicker Alm auf 1643m über Normalnull warten bei gesamt 1700 Höhenmetern in dieser Tour knapp 700 Höhenmeter Forststrasse mit teils ordentlichem Anstieg, jedenfalls durchwegs freundlichem Belag. Natürlich ist man mit etwas Gepäck am Rücken unterwegs: Im Rucksack sind die für den Klettersteig obligatorische Klettersteigausrüstung, sowie des hochalpinen Geländes an der 2700m hohen Großen Ochsenwand angemessene Wetter- und Schutzausrüstung. Ein Hoch auf leichtgewichtiges Material und Funktionstextilien!

Durchaus warm gestrampelt erreicht man die Schlicker Alm und deponiert kurz danach das Mountainbike. Auch wenn noch fahrbares Gelände im weiteren Aufstieg folgt, der Abstieg endet wiederum an der Schlicker Alm. Der Schlicker Klettersteig ist eine Überschreitung der Großen Ochsenwand von Süd nach Nord in die Alpenklubscharte – und hierbei als Besonderheit auch im Abstieg vom Gipfel in die Scharte durchweg fordernd! Bekanntlich ist dabei das Absteigen eines Klettersteiges meist fordernder als das Erklimmen, also sollte für den zudem nordseitigen Teil der Ferrata noch Reserve-Schmalz zur Verfügung stehen!

Über einen breiten Weg durch das Almgelände steigt man südöstlich etwa eine halbe Stunde weiter auf bis eine Tafel rechts (nordwestlich) Richtung Große Ochsenwand weist.

Zustieg durchs Gelände westliche der Schlicker Alm

Zustieg durchs Gelände westliche der Schlicker Alm

Gut ausgetretenem Weg folgt man durch Geröll zur Wand und erblickt aus der Distanz schon den riesigen Markierungspunkt am Einstieg des Klettersteiges. Der Zustieg hierher ist sonnenexponiert und folglich schweißtreibend – hoffentlich ist genug Flüssigkeit für die lange und bis zur Rückkehr zur Schlicker Alm stützpunktfreie hochalpine Tour im Gepäck! Ich bediene mich immer wieder begeistert meines 3Liter Trinkbeutels samt Trinkschlauch, der es erlaubt, ohne lästiges Absetzen des Rucksacks (gerade beim Klettern!) rechtzeitig und wohldosiert Flüssigkeit zu zu führen. Durch einen entsprechenden Trinkschlauch Adapter kann man übrigens jede PET-Flasche derart umrüsten!

Wie es bei guten Klettersteiganlagen üblich ist – der Klettersteig beginnt zapfig mit leicht überhängender Schlüsselstelle und gemahnt den Begeher zur Prüfung seiner (Tages-)Verfassung.

der wirklich große Markierungspunkt am Einstieg zur Südsteig auf die Große Ochsenwand

der wirklich große Markierungspunkt am Einstieg zum Südsteig auf die Große Ochsenwand

Die Kategorie “D” für diesen Klettersteig ist schon allein durch die senkrechten, kraftfordernden Passagen begründet, gleichwohl auch wieder Gehgelände folgt. “Schwer” ist der Klettersteig jedoch auch, da es sich um hochalpines Gelände handelt, das je nach Wetter und Schnee/Nässe heikel sein kann. Bei meiner Begehung im September letzten Jahres gab es nordseitig ordentlich Schnee zu treten und den einen oder anderen Eiszapfen vom Drahtseil zu klopfen.

Das Studium eines detailiertnKletter Führers samt topographischer Skizze macht wie immer Sinn. Ein Tipp am Rande – da es mitunter vorkommen soll, dass bei der Autoanfahrt der Kletter Führer konsultiert und dann beim Packen am Beifahrersitz vergessen wird: Von relevanten Karten kann man ja immer ein Bild per Smartphone mitführen! Unbeschadet einer tieferen Beschreibung durch gute Kletter Literatur - hier seien im Schnelldurchlauf ein paar Züge beleuchtet, welche mir von der Begehung nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Dabei sind zunächst die geologischen Formationen der Kalkkögel zu nennen, an denen man sich kaum satt sehen kann.

unterm Dach blickt sich's besonders schön um

unterm Dach blickt sich's besonders schön um

Schön ist nicht nur die Landschaft ringsum, auch die Führe begeistert dadurch, dass sie eher einen schweren alpinen Klettersteig, denn einen artifiziell-artistischen “Sportklettersteig” darstellt. Es gibt immer wieder gute Felsgriffe (meist fester Fels), allerdings kann sich in der Höhe die Nässe lang halten. Dann ist Griff ins Seil oder die sporadischen Klammern umso angenehmer, je mehr geeigneter Handschuh die Hände und Kraftreserven schützt. In dieser Höhe sind natürlich Wetterschutzkleidung, Handschuh, Mütze und Co sowieso dabei, ein griffiger Handschuh aber ist ein Vorteil. Innenseitig gummierte Klettersteighandschuhe sind dabei eine Option – wer per Mountainbike unterwegs ist hat vermutlich seine griffigen Radhandschuhe dabei.

Geh- und also Aussichtspassage im Steig

Geh- und also Aussichtspassage im Steig

Der Klettersteig folgt teilweise mit Gehgelände der gebänderten Struktur des Berges, bleibt aber sehr abwechslungsreich, mit immer wieder erneuten Steilaufschwüngen. Gegen den Gipfel hin nehmen die Versicherungen mit nachlassender Steilheit des Geländes ab und der Charakter wechselt bisweilen hin zu Bergsteigen durch Schrofengelände mit Stellen von I-er Kletterei. Trittsicherheit ist gefragt und die Konzentration sollte auch dem Weg und seiner Findung gelten – nicht nur der großartigen Kulisse.

großartige Stelle - ein "Spreizsprung" reizvollster Art vor Traumpanorama (bei entsprechendem Wetter)

großartige Stelle - ein "Spreizsprung" reizvollster Art vor Traumpanorama

Kurz vor dem Gipfel wartet eine Stelle auf, welche nochmals Adrenalin durch die Gefäße pumpt – ein Spreizschritt über eine kleine Schlucht, extra nochmals versichtert… Bei der verdienten und Dank mitgeführter Windschutzkleidung hoffentlich nicht zu kalten Gipfelrast streift der Blick ringsum. Er triff die wilden Felszacken der benachbarten Riepenwand und große Gipfel ringsum, dominierend und optisch in Griffweite der Habicht (3277m) südlich. Nördlich geht es schließlich (rechtzeitig!) über den Nordgrat und den ebenfalls großteils versicherten Nordsteig (immerhin Kategorie C!) zur Alpenklubscharte.

im Nordsteig (C) - auch im Abstieg noch forderndes Gelände, meist gut versichert

im Nordsteig (C) - auch im Abstieg noch forderndes Gelände, meist gut versichert

Hier kann sich lange Schnee halten; sehr spät oder sehr früh im Jahr können unversichterte Passagen bei Schnee oder Eisauflage ohne Steigeisen Probleme bereiten (aktuelle Informationen entsprechend einholen). Phantastisch sind im Nordsteig jedenfalls die Tiefblicke nördlich hinab auf einige gigantische Felsnadeln, kontrastiert durch sattes Grün im nördlichen Talboden oberhalb der Adolf-Pichler-Hütte.

phantastische Tiefblicke im fordernden Abstieg  zur Alpenclub-Scharte

phantastische Tiefblicke im nochmals fordernden Abstieg zur Alpenclub-Scharte

Nach Erreichen der Alpenclubscharte wird das Gelände bald wieder lieblicher, vor allem nach einigen Serpentinen hin zur grünen Rossgrube oberhalb der Schlicker Alm. Langsam aber macht sich auch die Dimension der Tour in den Oberschenkeln bemerkbar – und die Vorfreude auf den nahenden, wohlverdienten Moutainbike Downhill nach Fulpmes dürfte das Grinsen im Gesicht noch steigern…

Allen viel Freude am Berg!

In Kürze:

Start: Fulpmes, PKW Parkplatz bei den Bergbahnen Schlicker2000 (knapp 1000m üNN)
Ziel: Große Ochsenwand (2700m üNN)
Höhenmeter: Gesamt ca. 1700 Hm, dabei 700 Hm MTB auf Forststrasse bis zur Schlicker Alm, 1000 Hm Auf- und Abstieg zu Fuß, dabei volle 700 Hm im südlichen Klettersteig zum Gipfel, Abstieg knapp 250 Hm im nördlichen Klettersteig
Dauer: Je nach Kondition und Eile ohne Pausen 6-9 Stunden

Ausrüstung: Wetterschutzkleidung, Kletterhelm und Klettersteigset obligatorisch; hinreichend viel Nahrung und Getränk für die Überschreitung (kein Zwischenstützpunkt)
Anforderungen: Langer, alpiner, sehr schwerer Klettersteig (D) ohne Notausstieg, großteils mittlere, im unteren Teil des Südsteigs höhere technische Schwierigkeiten mit einigen stark Armkraft fordernden Steilstufen/ Überhang; fordernder Abstieg (C); Klettersteig- und Alpin-Erfahrung von Nöten
Alternativen: Ohne Mountainbike Auffahrt per Bahn zum Kreuzjoch und Zustieg via Zirmachalm
Literatur: Klettersteigführer Österreich oder auch Extreme Klettersteige, jeweils im Alpinverlag erschienen

Als Ausblick:

Es gibt weitere Klettersteige, die in der Variante Bike&Steig (erst richtig) schön sind. Erstens –  nahe Garmisch-Partenkirchen, vom Kreuzeckparkplatz via Toni-Hütte und Kreuzeck ackert sich der konditionell starke Biker den Forstweg bis zur Hochalm hinauf. Je nach Anspruch gibt es hier den sehr schweren Mauerläufer-Steig, die Schöngänge oder die Ferrata zur Alpspitze als Optionen für eine Tour der Größenordnung 2000 Hm Gesamtleistung. Zweitens – der bekannte und sehr schwere, lange Pidinger Klettersteig macht auch erst wirklich Spaß, wenn man die lange Forststrassenhatscherei in eine knackige ca. 400 Hm Zufahrt per Mountainbike mit Downhill-Aussicht ummünzt. Drittens – das schöne Karwendel kommt bekanntlich oft mit langen Zuwegen daher; einer führt per Mountainbike von Scharnitz via Gleirschklamm zur Kristenalm, von wo aus man zum Solnsteinhaus (bald zu Fuß) und weiter steil in die Eppzirler Scharte gelangt; ein einsamer Klettersteig mit Traumaussicht von der Erlspitze bildet das Finale; absteigen lässt sich in Überschreitung nördlich zurück zum Solnsteinhaus.

2 Kommentare

  1. hab die tour selbert vor 2 wochen gemacht… bin von innsbruck mit der STB bahn nach reith, dann mit dem MTB nach fulpmes, Grosse ochsenwand, kleine und Steingrubenkogel auch no trangehaengt… macht dann bissal mehr hoehenmeter is aber ne super herausforderung :)

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