Testberichte

Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide

22.07.2011

Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide

Sucht man gutes Schuhwerk für die Berge, dann kommt man an italienischen Schuhmachern nicht vorbei. Die wenigsten Hersteller in der Welt verstehen es so gut, die traditionelle Qualität mit neusten Innovationen in Einklang zu bringen. Während La Sportiva seit Jahren eine bekannte Adresse für modernste Bergschuhe ist, kommt Scarpa seit der Berufung des Heinz Mariacher zum Produktmanager mit immer mehr Neuentwicklungen auf den Markt.

Genau so eine Neuentwicklung stellen die Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide dar.  Was nun genau an der versprochenen perfekten Fusion von Klettern und Gehen dran ist, soll im folgenden Bericht einwenig näher betrachtet werden.

Optik und Verarbeitung

Orange lockert die schlichte Optik auf

Diese Kategorie entzieht sich leider einer objektiven Betrachtung, so dass der Leser mit meinen Geschmacksurteilen auskommen muss. Da ich bei der Berichterstattung die Ehrlichkeit für wichtig halte, komme ich nicht drum herum zu sagen, dass mich die Optik der Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide ursprünglich nicht sonderlich beeindruckt hat. Erst nach dem Durchlesen der Produktbeschreibung und der Recherche im Internet verstand ich, dass an diesem Schuh etwas sein müsste und entschied mich diesen zu checken.

Die Verarbeitung ist tadellos

Wie auch sei, sind die Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide recht neutral und vergleichsweise unauffällig designt. Es dominieren die Farben Grau, Schwarz und diverse Orange Töne, die gehörig Laune in das ehe schlichte Aussehen bringen. Der aus weichem, geschmeidigen Leder gefertigte Schaft sorgt zusätzlich für eine hochwertige Optik des sonst so schlichten Schuh´s. Da der Scarpa Gecko Guide mittelhoch ist, wirkt er wie eine Mischung zwischen einem normalen Halbschuh und einem leichtem Bergschuh. Mein erster Eindruck ist positiv, denn die stimmige durchschnittliche Optik, wird von der sehr guten Verarbeitung umrandet und ergibt zusammen ein sehr hochwertiges Bild.

Was die angesprochene Verarbeitung angeht, so bin ich froh, dass es noch Hersteller gibt, die eine Produktion im eigenem Land den günstigeren Lösungen aus dem fernem Osten vorziehen. Wo und mit welchem Aufwand die Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide hergestellt wurden, sieht man ihm sofort an. Egal wie genau ich die einzelnen kritischen Punkte begutachtet habe, konnte ich bis auf nicht immer sauber abgeschnittenen/geschliffenen Sohlenränder nichts, aber wirklich gar nichts finden. Ich hoffe Scarpa bewahrt diese traditionelle Qualität weiterhin bei, um uns auch in Zukunft erstklassige Schuhe bieten zu können.

Schuhaufbau, Besonderheiten

Die Ferse ist Stabil und Kletterschuh mäßig gummiert

Wie bereits bei der Optikbeschreibung angedeutet, ist Gecko Guide ein höherer Halbschuh, der aus weichem Leder gefertigt ist und in seiner Struktur insgesamt auch weicher Natur ist. Eigentlich ist alles weich, von der Dämpfung, über das nur zum Teil gefütterten Schaft, bis hin zu den Sohlenkanten. Anfangs wirken die Zustiegsschuhe Scaroa Gecko Guide im Vergleich zu einem Scarpa Zen eher labil und weniger zum Klettern geeignet – aber der Schein trügt. Das einziger was an diesem Schuh etwas fester ist, ist die Ferse, die nach oben zur Polsterung hin jedoch auch immer weicher wird. Dieser weicher Abschluss schont die Achillessehne ungemein und bildet am Knöchel einen “sockenähnlichen” Abschluss, der sicher im Geröll einige Steine aus dem Schuh fern halten wird. Die traditionelle Zunge ist genau so abgeschlossen und trägt wesentlich zum beschriebenen “Sockenabschluß” bei.

Die Cage-Schnürung funktioniert sensationell

Die bis in den Zehenbereich reichende Schnürung findet man bei vielen Zustiegschuhen, dennoch ist diese hier anders. Auf eine sehr interessante aber simple Art und Weise kann man dank dieser Schnürrung den Schuh oben lockern, ohne dass er im Zehenbereich lose wird. Das Geheimnis besteht in den drei Streifen im vorderen Bereich, deren Enden jeweils eine Schlaufe bilden. Diese ist so genäht, dass Sie zu Schuhspitze hin enger wird, so dass die Schnürsenkel geklemmt werden und nicht zurückgleiten. Auf diese Weise bekommt man den Schuh schneller und einfacher an und aus gezogen als einen Scarpa Zen und kann zudem leichter die Passform justieren.

Der umlaufende Gummirand der Zehenbox und der Ferse wecken sofort Assoziationen an einen Kletterschuh. Entgegengesetzt meinen Erwartungen ist dieses Randgummi weich, was sich unmittelbar positiv auf dem Komfort auswirkt. Den Clou stellt jedoch die neue Vibram Sohle dar. Sie gibt dem Namen Gecko nämlich erst Sinn. Dank der vielen Mini Saugnäpfe klebt man auf glatteren Oberflächen förmlich fest. Leider zieht sich der weiche Sohlenaufbau durch das gesamte Konzept durch. Deshalb sind die Kanten der Sohle (dank der Dämpfung) sehr leicht verformbar und bieten fast keine Kantenstabilität.

Für mich entpuppen sich die Zustiegsschuhe Scarpa Gecko uGide auf den zweiten Blick, als Hightech und Innovation getarnt als traditioneller, schlichter, etwas höherer Halbschuh.

Passform und Größe

Die Passform ist definitiv geeignet für breitere Füße

Der Leisten der Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide sind im Zehegrundgelenk normal breit und werden vorne etwas schmaler und “ägyptischer”. Das weiche Leder und die recht geräumige Zehnbox machen meinem quadratischen Fuß keine Probleme – alles fühlt sich super bequem an. Die bestellte Größe 43,5 EU wirkt auf mich
bei meiner Fußlänge von 27,5 cm als etwas zu groß. Ich kann leider nur vermuten, ob die 43 optimal gepasst hätte oder unnötig zu eng wäre. Zum Klettern und Begehen von Klettersteigen wäre die 43 EU für mich ganz klar besser. Da die Zehenbox aus ungefüttertem Leder besteht gehe ich davon aus, dass sich diese dehnen wird. Obwohl ich meinen Fuß nicht zu den schmälsten und schlanksten zählen würde, reicht das Volumen nur bedingt aus, um den Gecko Guide zu füllen, geschweige denn auszulasten. Auch hier denke ich wäre die 43 für mich zielführender. Einzig die für mich zu lockere Passform der Ferse bereitet mir etwas Sorge, da ich nicht weiß ob der Schuh in 43 besser/enger in diesem Bereich sitzen würde.

Alles in einem ist die Passform recht “lässig” und bequem und zwar ohne lästige Eintragezeit. Menschen mit sehr schmalen und schlanken Füßen, sollten vielleicht zum Ganda Guide greifen.

Eindrücke beim Klettern&Gehen

Die Dämpfung ist super beim Gehen

Die weiche Aufmachung der Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide schlägt sich wie erwartet in der Performance beim Gehen und beim Klettern nieder. Dank der guten Dämpfung und der recht dünnen “Saugnapfsohle” ist die Kantenstabilität recht rudimentär ausgeprägt. Dafür geht man sehr weich und freut sich Berg runter über die Energieaufnahme des EVA Materials und die damit verbundene Schonung der eigenen Knochen. Einen Schutz gegen das Umknicken bietet der Gecko Guide leider nicht. Auf mich wirkt dieses Modell nicht so kippstabil wie andere vergleichbare Zustiegsschuhe. Wer jedoch ein totales Gehkomfort bevorzugt und weniger am chronischen Umknicken leidet, wird so wie ich sehr zufrieden sein.

Da ich den Schuh nur kurz gecheckt habe, kann ich leider keine Angaben zur Praxis in der Natur machen.

Diese Sohle passt 100% zum Namen

Beim Klettern an einer Kunstwand stellte ich fest, dass die Zustiesschuhe Scarpa Gecko Guide zwar nicht mit der Kante auf kleineren Tritten stehen können, ihre Reibungseigenschaften jedoch in diesem Bereich für einen ordentlichen Ausgleich sorgen. Soll heißen: ich konnte all die kleinen Tritte dennoch stehen und zwar sicher und mit viel Gefühl. Das Treten funktioniert beim Gecko Guide durch das großzügige Aufrollen der Sohle auf den Tritt und die Haftfähigkeit der Vibram Sohle. Das was mich am meisten beim Klettertest beeindruckt hat war das Gefühl für den Tritt. Dieser war definitiv besser als bei jedem anderem Zustiegsschuh den ich bis dato ausprobiert hatte. Das beschriebene Gefühl kommt dem eines Kletterschuhs sehr nah.  Das Treten und Steigen zählt dadurch zweifelsohne zu den herausragenden Eigenschaften dieses Schuhs.

Alles in einem ist der Gecko Guide ein sehr bequemer Zustiegsschuh, der sich auf Trails und vor allem im Fels wohl fühlt. Grasige Hänge und matschige Steige sich weniger sein Metier. Da ist die “Gecko-Sohle” einfach zu wenig profiliert.

Fazit

Die Kombination aus Leder und Mesh sorgt für viel Komfort

Trotz der bequemen Passform, super Verarbeitung und weichen Eigenschaften, fehlt mir, zum totalen Verlieben die bedingungslose Geländetauglichkeit bei diesem Zustiegsschuh. Für lange Touren mit vielen felsigen Passagen ist dieser Schuh [für mich!] ideal. Für ewige Zustiege auf Forststrassen kann ich mir die Zustiegsschuhe Scarpa Gecko Guide auf Dauer nicht vorstellen. Letztendlich bleibt es die Frage des persönlichen Geschmacks, ob der Schuh zu einem passt oder/und ob der eher einfache Aufbau zu wenig Struktur mit sich bringt. Da dieses Modell kein “normaler” Bergschuh ist, sollte man den geplanten Einsatzzweck nicht aus den Augen lassen. Die Fusion aus Klettern und Gehen ist dem Gecko Guide und dem Scarpa R&D Team letztendlich zu 100% gelungen, wobei langes Klettern als deutlich besser zu bewerten ist, als langes Gehen mit Gepäck. Einfach ausprobieren, denn dieser Schuh lohnt sich definitiv!

3 Kommentare

  1. Der Terrex Solo ist ziemlich schmal und eng geschnitten. Optimal wenn auch etwas Feslen beim ansteig mit dabei ist. Für welchen hast Du denn jetzt entschieden?

    • Hallo,
      Gecko ist ein weicher Zustiegsschuh. Boulder X und Redburn sind eher mi einander vergleichbar. Terrex Solo kenne ich leider nicht. Entscheidend ist die Passform, deshalb würde ich einfach alle 4 bestellen und ausprobieren.
      VG

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