Alpin

Kleines Aletschhorn Nordwand - Extrem-Skiabfahrt in den Berner Alpen

04.07.2011

Kleines Aletschhorn Nordwand – Extrem-Skiabfahrt in den Berner Alpen

Jedes Frühjahr geht von Neuem die Suche nach den perfekten Verhältnissen in den steilen Alpenwänden los, um sie mit Skiern zu befahren. Diesmal zieht es uns, Stephan Wagner und Christian Treimer von Schneestolz, in die Berner Alpen, Ziel ist die Nordwand des Großen Aletschhorns. Im Juli 1975 von Heini Holzer zum ersten Mal befahren, zählt sie immer noch zu den ganz großen und nur sehr selten wiederholten Extremabfahrten in den Alpen. Doch die Verhältnisse wurden über die Jahre durch die Klimaerwärmung nicht besser: Wo früher plane Eiswände waren, trifft man heute auf kombiniertes Gelände, wo man seinerzeit im Firn fahren konnte, muss man heute mit Pulverschnee auf Blankeis zurecht kommen. Das richtige Timing, um die optimalen Verhältnisse zu erwischen, wird beim Extremskifahren immer wichtiger.

Blankeis und Felsen am großen Aletschhorn – Alternativen?

Die Nordwand des Großen Aletschhorns im Berner Oberland

Die Nordwand des Großen Aletschhorns im Berner Oberland

Auf dem Bild, das Christian bei einer Führungstour vor zwei Wochen aufgenommen hat, sehen die Bedingungen in der Nordwand des Großen Aletschhorns vielversprechend aus, lediglich die Gipfelwand ist blank. Doch wir hoffen, dass die Schneefälle der letzten Tage in Verbindung mit den hohen Temperaturen die Situation dort verbessert haben. Als wir die Nordwand dann zum ersten Mal zu Gesicht bekommen werden wir enttäuscht, nach wie vor ist die Gipfelwand blank, an eine Abfahrt nicht zu denken.

Bei der Suche nach Alternativen fällt unser Blick auf die Nordwand des Kleinen Aletschhorns. Sie ist zwar nicht ganz so hoch, stellt aber mit ihrer anhaltenden Steilheit von bis zu 52° mehr als eine gute Alternative dar. Den Plan, noch am Nachmittag in die Wand einzusteigen, verwerfen wir wieder, wir wollen dem noch frischen Neuschnee ein wenig Zeit geben sich zu setzen und die Lawinengefahr so kalkulierbarer machen.

Aufstieg aufs kleine Aletschhorn

Aufstieg durch die Nordwand des kleinen Aletschhorns

Aufstieg durch die Nordwand des kleinen Aletschhorns

Am nächsten Morgen stehen wir um 6 Uhr unter der Wand, 650 m über uns sehen wir die ersten Sonnenstrahlen an der Gipfelwechte. Die Kletterei erfordert Wachsamkeit. Im unteren Teil müssen wir wegen Spalten immer wieder sichern, im oberen Teil Blankeisstellen scouten, um die Linie für die Abfahrt planen zu können. Der Ausstieg wird dann nochmal interessant, hüfttiefer Neuschnee unter der Gipfelwechte macht das Spuren mühsam und lässt die Lawinengefahr unkalkulierbar werden. Nach gut zwei Stunden haben wir die Wand im Aufstieg hinter uns und stehen am Ausgangspunkt unseres Abenteuers.

Extremabfahrt in bis zu 65° Gefälle

Die Einfahrt in die Wand stellt die größte Schwierigkeit dar, die ersten Meter sind bis zu 65° grad steil, seitlich steigen wir mit den Skiern zwischen zwei Wechten ab, um die plane Eiswand zu erreichen. Die ersten Schwünge in der Wand fahren wir vorsichtig, die Neuschneeauflage auf dem Eis ist gerade einige Zentimeter dick. Nach und nach werden die Verhältnisse besser, das Selbstvertrauen steigt, die Geschwindigkeit wird höher und das Fahren fängt an Spaß zu machen. Der Sprung über den Bergschrund entlässt uns aus der planen Eiswand, der folgende mit Powder gefüllte 45°-Hang kann mit wenigen Schwüngen befahren werden, sodass wir nach weniger als zehn Minuten unser Materialdepot am Wandfuß erreichen.

Einige wirklich steile Stellen gabs...

Einige wirklich steile Stellen gabs...

Bei der Abfahrt über’s Lötschental bekommen wir dann zu spüren, wie schneearm dieser Winter auch in den Berner Alpen ist. Wo man normalerweise 15 Minuten seine Ski trägt, gehen wir zwei Stunden, dafür schmeckt das Bier im Tal dann umso besser. Und wir beschließen zurück zu kommen – zum Großen Aletschhorn!

Ausrüstung: Ski- und Expeditionsbekleidung von Marmot, Skitouren-Equipment von K2

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