Testberichte

Zustiegsschuhe Mammut Redburn

10.07.2011

Zustiegsschuhe Mammut Redburn

Zustiegsschuhe sind in aller Regel Multitalente. Sie sollen: bequem sein, stabile Konstruktion haben, um auch längere Zustiege meistern zu können, Kletterfähigkeiten besitzen und auch im Alltag gut aussehen. All diese Kriterien zu erfüllen ist aus meiner Sicht nicht einfach und wird nur von wenigen Herstellern fertig gebracht. Nach einem Praxistest konnte ich mich nach anfänglicher Skepsis davon überzeugen, dass die Zustiegsschuhe Mammut Redburn zu diesem erlesenem Kreis gehört.

 

Optik, Verarbeitung

Gut aussehen ist die halbe Miete!

Wenn Mammut im internationalen Vergleich in einer Kategorie führend ist, dann beim Design seiner Produkte. Egal ob Karabiner oder Jacke die Mammut Sachen fielen mir schon immer positiv auf. Die Leistung der Designer wollte ich an dieser Stelle daher besonders herausheben, weil sie den Redburn zu der Optik verholfen haben, die ihn zu einem der coolsten Zustiegsschuhe macht. Das besondere an dem Aussehen dieses Schuhs finde ich die gelungene Balance zwischen der Auffälligkeit eines “Bergschuhs” und die Dezentheit eines Freizeitschuhs. Der Zustiegsschuh Mammut Redburn sticht zwar sofort ins Auge, geht aber nach meiner Bewertung noch als stylisch-neutral durch. Diese Ausgewogenheit findet man bei anderen Herstellern leider nicht immer. Das grelle Grün des Obermaterials wird in Kombination mit der schwarzen Zunge und den gelben Details an der Ferse sowie gelben Schnürsenkeln zu einem gelungenen, stimmigen Ganzen und ist nach meiner Bewertung absolut alltagstauglich.

Die Verarbeitung ist sauber, solide und zeigt keine Schwächen auf. Ich konnte weder schlampig verklebte Stellen an der Sohle, noch schwach vernähte Stellen am Obermaterial finden – alles sieht auf den ersten (und auch zweiten) Blick super aus. Das Sohlengummi ist griffig und bietet ein wohl überlegtes nicht zu dichtes Profil. Die Schnürsenkel sind flach und für mein Geschmack etwas dünn. Die Details wie Anziehschlaufen etc. sind ebenfalls absolut tadellos umgesetzt.

Alles in einem können die Zustiegsschuhe Mammut Redburn in Sachen Optik und Verarbeitung bei mir punkten.

Konstruktion

Die Sohle ist zwar nicht von Vibram aber dennoch griffig

Der Leisten erinnerte mich von seiner Form sofort an Scarpa Zen und wich höchstens in Sachen Volumen etwas ab. Der Approachschuh von Mammut ist ein Modell mit einem mittel breiten Leisten und einer immer spitzer werdender Zehenbox. Die Schnürrung ist im Prinzip ein Speed-Lace-System und ist definitiv nicht asymmetrisch. Durch die abgeschrägte Optik des Zehenkappe und dem Schnüransatz entsteht jedoch in der Tat ein Eindruck der Schuh wäre etwas nach Ihnen gebogen. Das Besondere an diesem Schuh stellt die auf beiden Seiten angenähte Zunge, die mich von der Bauweise durchaus an einen Slipper erinnert. Der Einstiegsbereich ist wohl dimensioniert, dennoch braucht man beide Hände um in den Schuh zu gelangen. Die Ferse ist anatomisch geschnitten und ist außen mit Gummi verstärkt, so dass eine solide Stabilität Zustande kommt. Die Sohle bietet dank der PU-Schaum Schicht eine merklich gute Dämpfung und das trotz der relativ geringen Dicke. Die Gummimischung ist griffig und weist ein gut konzipiertes Profil, welches nicht zu tief nicht zu dicht und einseitig ist. Die Partie unter dem großen Zeh und der Schuhspitze besteht aus einem geschlossenem grauen Gummi welches mit seinen festen Kanten die Climbingzone markiert. Diese ist schwächer bis gar nicht profiliert und soll das Antreten an kleineren Tritten im Fels unterstützen. Auch die hintere Außenseite der Fersesohle besteht aus dem grauen Gummi, welches wahrscheinlich den Abrieb an dieser belasteten Stelle verhindern soll.

Wie immer denk Mammut an viele kleine Details und setzt sie souverän um

Leder und künstliche Materialien bilden einen guten Mix

Das Rolling System von Mammut merkt man sofort, wenn man in den Schuh steigt und ihn in verschiedene Richtungen belastet. Sofort werden Supinationsstützen im Bereich der Ferse und auf Höhe des Zehgrundgelenks deutlich. Ein Umknicken ist mit dem Mammut Redburn gar nicht mehr so einfach. Doch dazu gleich mehr… Der außen größtenteils aus Veloursleder bestehende Schuh ist sehr weich und angenehm mittels Gore-Tex gefüttert. Die besagte Zunge schliesst den Fuß zudem gut um und sorgt für einen relativ festen Sitz auch ohne Schnürsenkel.Die Innensohle ist im Gegensatz zu anderen Herstellern aus einem synthetischen Material welches im hinteren Teil dem Gummi ähnelt und entsprechend das hin und her rutschen der Einlegesohlen verhindert.

Insgesamt kommen in diesem Schuh einige interessante Details zusammen, die Mammut in gekonnter Manier mit spektakulären Namen (siehe Produktbeschreibung) versieht.

Passform und Größe

Die Passform ist perfekt für ägyptische Füße und lässt sich durch schnelle Schnürrung gut anpassen

Da der Leisten auf ägyptische Zehenform abzielt, ist er für meinen quadratischen Fuß vom Haus aus suboptimal. Um mehr Platz an den kleinen Zehen zu haben, muss ich eine halbe Größe größer nehmen und lande bei 43,5 EU. In dieser Größe habe ich zwar etwas viel Luft am großen Onkel aber es bewegt sich noch im tolerierbaren und hinnehmbaren Bereich. Der Einstieg verlangt beide Hände und ist leider nicht mit einem offenem Salomon XA Pro zu vergleichen. Dennoch kann man den Schuh locker gebunden lassen und relativ schnell rein und raus schlüpfen, was beim Klettern im Klettergarten sehr praktisch ist.

Menschen mit extrem flachem Spann werden meiner Meinung nach etwas Probleme mit dem Volumen des Redburn bekommen, das man mit der Schnürrung nur bedingt verringern kann. An meinem Fuß sitzt Redburn auch im offenem Zustand, nur mit der Zunge gehalten, relativ sicher und lässt sich durch die leichtgängige Schnürrung sehr gut am Fuß befestigen. Die gut gleitenden Schnürsenkel gehen jedoch auch leicht auf, so dass der Standartknoten auch schneller aufgeht.

Die Ferse ist wohl geformt und sehr stabil

Aus diesem Grund empfehle ich an dieser Stelle ganz unverbindlich die doppelte Schleife!

Mein Senk-Spreizfuss fühlt sich mit dem Rolling-System etwas überfordert und verlangt nach der orthopädischen Einlage, welche ich ohne weiteres im Redburn platzieren kann. Mit dieser passt mir dieser Zustiegsschuh noch besser und läuft sich natürlicher. Die Passform würde ich dank des Veloursleders und der ausgewogenen Fütterung als sehr komfortabel und bequem bezeichnen. Die nicht allzu stark dimensionierte Stärke der Materialien trägt natürlich zum Komfort bei und geht hoffentlich nicht zu Lasten der Haltbarkeit. Mammut Redburn fällt normal aus, so dass man bei der Bestellung keine Größenfallen zu erwarten hat.

 

Praxistest

Die ganzen Mammut eigenen Innovationen der Konstruktion hin oder her, die Wahrheit offenbart sich wie immer in der Anwendung. Die erste praktische Berührung belief sich auf den Gang zum Supermarkt um die Ecke und bescherte mir leichte Schmerzen im Fußgewölbe. Meine Rolling-System-Unverträglichkeit löste ich prompt mit einer eigenen Einlegesohle und merkte ab da an beim folgenden Stadtbummel nichts von dem anfänglichen Problem. In der Stadt fühlte ich mich mit meinem neuen Multifunktionsschuh super wohl und freute mich über die peppige Optik.

Am glitschigen Hang biss sich Redburn super fest

Zustiegsschuhe wie der Mammut Reburn sind jedoch für das Gelände gedacht und da führte mich am Wochenende das schöne Wetter auch hin. Auf einer leichten Gratüberschreitung konnte ich den Mammut Redburn alles abverlangen was er theoretisch können sollte. Beim Zustieg durch den Wald schlug er sich gleichermaßen gut sowohl auf der steilen Forststrasse wo es auf den Gripp im feinem Geröll ankam, als auch auf matschigen Serpentinen des Waldhanges. Auf dem regennassen Steig erinnerte mich die Leistung der Sohle an den bewährten Klassiker Salomon XA Pro (welcher eine wirklich starke Referenz darstellt). Das Profil der Sohle biss sich regelrecht in den glitschigen Hang und hielt mit nur wenig Druck wie angenagelt. Obwohl ich anfangs bezüglich der Sohlenfähigkeit recht skeptisch war, wurde ich sehr schnell überzeugt und konnte mich ohne weiteres auf das Gelände konzentrieren ohne Gedanken an das Abrutschen zu verschwenden. Beeindruckend fand ich die Tatsache, dass der Sohlenprofil nach ein Paar Kontakten mit Schlamm nicht voll war und ohne Funktionsverlust anhaltend “gegriffen” hat.

Am Fels überzeugte mich Redburn voll und ganz

Weiter oben in felsigen Schroffen ging es mit überzeugenden Leistungen weiter. Der Zustiegsschuh Mammut Reburn  hielt an gut strukturierten noch nassen Felsschroffen sehr gut und vermittelte mir ein sicheres Gefühl beim höher steigen. Lediglich an glatteren und/oder speckigen Stellen hatte ich das Gefühl die Mammut Sohle sei ein tick rutschiger als Vibram. Vom “Rumgerutsche” kann ich jedoch nicht berichten – alles was ich trat hielt. Das Gefühl war lediglich ein kleines bisschen schwammiger als beim Vibram besohlten Scarpa Zen, den ich davor genutzt habe.

Redburn hat eine gute Dämpfung ohne kipplig zu wirken

Da die Sohle nicht so steif ist, wie es bei einem Bergschuh der Fall ist merkte ich meine Fußmuskeln nach 3 Stunden deutlich. meiner Meinung nach ist die Redburn Sohle ein guter Kompromiss zwischen Gehentlastung und Trittgefühl auf dem felsigen Untergrund.

Obwohl ich zum klettern etwas viel Luft in der Schuhspitze habe, fielen mir die IIer Stellen nicht schwer. Die Climbingzone funktioniert ganz gut und lässt Redburn deutlich besser performen als die Salomon Patschen. Kantenstabilität lässt sich natürlich nicht mit einem Kletterschuh vergleichen, für leichte Kletterpassagen auf Zustiegen reicht mir das jedoch alle mal.

Alles in einem konnte ich auf dem Weg nach oben, beim Auf und Ab, sowie bei den “Kletterstellen” eine wahre Begeisterung für den Mammut Redburn bei mir feststellen, die bis heute unverändert anhält.

Dieser Sohlenbereich ist kantenstabiler als der Rest

Auf dem langen Weg nach unten machte sich die für mich suboptimale Passform bemerkbar – ich bekam Druckstellen am kleinen Zeh und entging nur knapp ein Paar Blasen. Insgesamt überstanden meine Füße die Tour gänzlich unbeschadet: ohne Blasen und ohne ein einziges Umknicken.

Da der Schuh eine Gore-Tex Fütterung hat, konnte ich es nicht lassen diesen Approachschuh auf die “Durchnässungsprobe” zu stellen. Solche Kleinigkeiten wie Pfützen und kleine Bäche überwindet Redburn ja ohne Probleme und hält die Füße trocken. Anders sieht es aus, wenn man mit ihm durch nasses Gras geht. Zugegeben ist das der härteste aller Tests, denn im nassem Gras geben, meiner Erfahrung nach, selbst robuste Gore-Tex Stiefel klein bei. Natürlich war Redburn nach 15 min des Gehens in einer nassen Wiese durch und zwar zuerst am Beginn der Schnürrung im Zehenbereich. Da die Schuhe für solche Belastungen nicht konzipiert wurden, kreide ich des dem Mammut auch nicht an, denn wirklich wasserdicht sind nur Gummistiefel.

 

 

Fazit

Mammut Redburn nach getaner Arbeit

Die Mammut Redburn ist ein Zustiegsschuh der vor allem mit seiner Optik besticht. Doch der schicke Design ist nicht alles was Mammut Schuhe bieten können. Seine primären Aufgaben, die beim Zu- und Abstieg zu/von den Kletterfelsen auftauchen erledigt Redburn bravourös und lässt dem Nutzer einen freien Kopf, um sich um die Orientierung oder andere Dinge zu kümmern. Besonders das Auf- und Absteigen auf steilen matschigen Hängen, wie sie oft in Franken und anderen deutschen Klettergebieten existieren gefiel mir sehr gut. Zum Klettern gibt es sicher stärkere Modelle, aber als ein alltagstauglicher Allrounder für die gesamte Saison ist dieser Approachschuh absolut überzeugend. Wer also einen bequemen und hoch funktionellen Schuh für diverse Zustiege sucht, sollte auch dieses Modell in Betracht ziehen.

5 Kommentare

  1. Ich habe den Redburn in den Gore-Tex-Variante und muss leider sagen, dass dieser Schuh sein Geld nicht wert ist. Nach ein paar Monaten, ohne dass ich den Schuh harten Bedingungen ausgesetzt habe, löste sich erst das Innenfutter des rechten Schuh in Wohlgefallen auf. Nahezu zeitgleich fing der Schuh an zu knarzen und zwar so extrem, dass an längere Märsche oder Wanderungen nicht mehr zu denken war. Und das bei einem Schuh der mit 159.- € zu Buche schlägt. Man merkt anhand der Qualiät und im Vergleich zur Konkurrenz leider, dass Mammut mittlerweile die Schuhe in China fertigen lässt und dies vermutlich auch nicht von gelernten Schuhmachern wie z. B. bei La Sportiva, Scarpa, Meindl, Lowa, Hanwag, etc. Mammut ist meiner Meinung nach dabei den guten Ruf, den sich Raichle erarbeitet hat mit dieser Preis-/Leisungspolitik zu verspielen.

  2. Ja, die Schuhe sind absolut Top. Habe ich selber schon mit einige Touren unternommen. Ich persönlich kann der knalligen Farbe nicht so viel abgewinnen, aber als ich sie das erste Mal im Laden entdeckt habe, war mir sofort klar, dass richtig viel Potential in denen steckt.

  3. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Eine Frage: Bist du dir sicher, dass der von beschriebene Schuh Goretex hat? Gilt das nicht nur für den Schuh mit der Bezeichnung GTX? (ich dachte bisher den Schuh gibt es mit und ohne Goretex)

    • du hast recht. Der grüne Redburn war/ist ohne GoreTex. Ich weiß gar nicht wie ich drauf komme, dass er Gore hatte… Spricht auf alle Fälle für den Schuh, den im nassen Gras und kleinen Bächen, wird er nicht sofort nass. Sorry für die Verwirrung!

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