Mountain Equipment – Alpincamp

Wer winkt, dem wird gewinkt

21.06.2011

Wer winkt, dem wird gewinkt

Vor ca. 4 Jahren haben mein Kletterpartner und ich uns entschlossen die ersten Mehrseillängen Touren in Südfrankreich zu steigen. Im Sportklettern waren wir bis dahin gut unterwegs, jedoch völlig ohne alpine Erfahrung. Nach Lektüre eines DAV Artikels Standplatzbau übten wir den diesen am Abend vor Abreise in der heimischen WG Küche. Für Kletterkurse war leider kein Geld da. In Frankreich angekommen legten wir in den Calanques bei Cassis los. In der Bucht „en Veau“ kletterten wir die erste Mehrseillänge. An jedem Stand wurde anhand der DAV Zeichnungen kontrolliert, ob der optimale Stand gebaut war. Erst dann wurde nachgesichert. Nachdem die erste Tour optimal verlaufen war, machten wir uns am nächsten Tag an eine anspruchsvollere Tour im Sektor „Castelviel“. Hier läuft man über ein Hochplateau um dann auf ein schmales Band über Wasser abzuseilen. Die Abseilpiste startet an einem großen wackligen Block. Für das gute Gefühl hintersichern wir diesen mit einer Bandschlinge am nächsten Busch. „Wird schon halten!“ ist unser Credo. Ich darf zuerst. Mein Puls rast. Nachdem die Abbruchkante überwunden ist genieße ich die wilde Fahrt. Nach den ersten 50 Meter sichere ich mich an einem rostigen Standplatz in einer kleinen Höhle und beobachte Thomas beim abseilen. Alles läuft wunderbar. Thomas kommt unten an und bindet sich am Standplatz ein. Ich bin gedanklich schon bei den nächsten 50 Metern und sehe, wie Thomas sich ausbindet. Bevor ich Ihn noch warnen kann, läßt er die Seile los und wir schauen ihnen nach. Die Seile hängen in Fallinie. Leider hängen wir ca. 3 Meter von der Fallinie entfernt, da die Abseilpiste leicht überhängt. Was nun. Ab oder aufklettern scheint unmöglich. Winken wir den Touristenbooten, so winken diese zurück. Endlich haben wir die zündende Idee. Aus unseren Bandschlingen und einem Karabiner bauen wir eine Wurfleine. Der erste Versuch die Seile zu erreichen scheitert kläglich. Für den zweiten Versuch hänge ich mich mit Druck in die Selbstsicherung. Der rostige Stand wird schon halten, denke ich. ENDLICH. Im vierten Versuch windet sich die Bandschlinge um unsere Zwillingsseile und wir können diese wieder heranziehen. Geschafft. Erleichtert seilen wir die letzten Meter ab und genießen den perfekten und scharfen Kalk an der französischen Riviera.

Gelernt haben wir viel, vor allem, daß nicht sämtliche alpine Erfahrungen der Panorama entnommen werden können

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