Reise

Kurz-Wander-Trip - Karnischer Höhenweg

20.06.2011

Kurz-Wander-Trip – Karnischer Höhenweg

Italien?! Nein ich war noch nie in Italien. Ein Grund ist sicher meine chronische Infektion mit dem Nordlandvirus, welche bis jetzt verhindert hat dass ich es in die südlichen Alpen schaffe. Das wird sich in den nächsten Tagen ändern, auch wenn ich sicher nur ein paar Meter auf italienischem Boden zurücklegen werde.

Das Ziel unserer 5-tägigen Tour ist das Grenzgebirge Karnische Alpen, genauer gesagt der Karnische Höhenweg, welcher sich als Kammweg auf über 130 km erstreckt. Im 1. Weltkrieg verlief über die Karnischen Alpen die österreichisch- italienische Kriegsfront. Aus dieser Zeit stammen eine große Anzahl von noch heute sichtbaren Spuren, wie Geschützstellungen, Stellungsgräben, Kasematten und eben Versorgungswege auf welchen heute der Höhenweg verläuft.

1. Tag

Starten wollen wir in Sillian, das Ende aber offen lassen, und von Wetter und Schneelage abhängig machen. Da uns die 1300 Höhenmeter von Sillian bis zur Sillianer Hütte für den ersten Tag als zuviel erscheinen, beschließen wir mit dem Auto die Forststraße bis zur Leckfeldalm zu fahren und es dort für die Tage zu parken. Man sollte allerdings nicht zu sehr um sein Auto besorgt sein. Ich werde mich wohl eine ganze Weile an den Urlaub erinnern, verpasste mir doch ein Rindvieh auf der Alm ein paar nette Dellen in die Autotür.

Von der Leckfeldalm steigen wir recht leicht bis zur Sillianer Hütte auf 2447 Meter auf. Vorbei an wunderschönen blühenden Alpenrosen. Die Sillianer Hütte hat, wie die nächsten Hütten auf der Tour noch bis zum Wochenende geschlossen. Erster Vorteil…wir werden wohl den Höhenweg für uns alleine haben, zweiter Vorteil …wir dürfen im Zelt übernachten mit allen dazugehörenden Annehmlichkeiten.

Wir lassen die Hütte hinter uns und laufen vorbei an alten Unterständen aus dem ersten Weltkrieg zu den Hollbrucker Seen wo wir bleiben werden. Das Wetter hält noch, auch wenn aus dem Tal immer wieder Nebelschwaden zu uns ziehen. Wir genießen Travellunch und Süßer Moment, und gehen wie immer auf Tour sehr früh schlafen.

2. Tag

Der nächste Morgen beginnt so wie der letzte aufgehört hat. Nebel hat alle Gipfel im Griff. Zum Frühstück gibt es Porridge…. warm, sättigend, geschmacklos, hervoragend. Der Weg führt uns an der Hollbrucker Spitze und einem Kriegerdenkmal vorbei. Die Sicht beträgt meist nur 100 Meter, es fängt an zu regnen, kein toller Auftakt. Normalerweise sollte man bis zu den 3 Zinnen im Süden und zur Großglocknergruppe im Norden blicken können. Wir sind schon froh wenn sich der Nebel lichtet und das nächste Tal zu erkennen ist. Dazu kommt, dass nordseitig noch einige Schneefelder in den Steilhängen liegen welche es zu queren gilt. Irgendwann merken wir, dass wir uns im Nebel verstiegen haben und weit vom Weg in Richtung Italien abgekommen sind. Dank GPS finden wir aber wo wir hin wollen. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Obstanserseehütte, ganz schon geschafft und glücklich. Nachdem das Golite Shangri La 3 steht, und die Thermarest NeoAir aufgepustet sind, statten wir der Eishöhle unter der Hütte einen Besuch ab (Unbedingt eine Lampe einpacken!). Das 800 Meter lange Höhlensystem kann auf etwa 100 Meter begangen werden. Die Decke ist vereist, der Boden von einem dicken Eispanzer überzogen. Auf alten Fotos kann man aber erkennen, dass auch hier der Permafrost wohl auf dem Rückzug ist. Das Wetter wird nicht besser, am Abend beginnt es zu regnen. Ich zweifle ob wir am nächsten Tag abbrechen sollten. Die Gipfel sind hier noch sehr schneebedeckt, und noch einmal im Nebel auf 2500 Meter rumkraxeln möchte ich eigentlich nicht.

3. Tag

Wider Erwarten begrüßt uns am Morgen die Sonne. Normalerweise führt der Weg über Pfannspitze, Kinigat zur Standschützenhütte. Wir versuchen in die Scharte einzusteigen und lassen es bald bleiben. Der Weg ist im oberen Bereich noch voller Schnee. Und einen Rutscher in 45° steilen Gelände möchten wir eigentlich vermeiden. Wir entscheiden uns für die Variante über Roßkopftörl und Tscharrhütte und bereuen es nicht, auch wenn dieser Weg deutlich mehr Höhenmeter bedeutet. Immer wieder beschweren sich Murmeltiere mit lautem Pfeifen über unsere Anwesenheit. Das Wetter hält diesmal und scheint noch besser zu werden. Wir beschließen bis zu den Stuckenseen zu laufen. Die Fotos die wir noch machen wirken fast kitschig wie aus dem Bilderbuch.

4. Tag

Der Tag führt uns über Heretriegel zur Porzehütte, wo man gerade dabei ist alles für die Eröffnung am Wochenende herzurichten. Etwas unsicher ob wir den Kammweg in Angriff nehmen sollen steigen zum Tillicher Joch auf. Die Wolken ziehen etwas zu, es sieht nach Schauer aus. Über das Joch führte bis 1870 ein wichtiger Handelsweg. Wohl eben wegen dem leichten Übergang wurde das Joch im 1. Weltkrieg mit einigen Betonanlagen befestigt.

Weiter geht es aufwärts Richtung Bärenbadegg auf 2431 Meter. Trittsicher und schwindelfrei sollte man auf dem kommenden Abschnitt schon sein, führt doch der Weg oftmals direkt ab Abgrund entlang. Ab Bärenbadegg geht es in einem ständigen Auf- und Ab Richtung Winkler Joch. Die Kammlage gestattet uns heute gute Sicht auf die Sextner und Lienzer Dolomiten. Wir wechseln sicher ein dutzend Mal die Grenze. Ich hatte also meinen Italienurlaub. Von der Porzehütte bis Hochweissteinhaus zieht sich der Weg normalerweise über 8-9 Gehstunden. Unmöglich für uns zu schaffen! Da das Wetter ab Winkler Joch immer mehr zuzieht, beschließen wir die Tour hier zu beenden und abzusteigen.

Weit unten im Tal an einem Bach, auf einer Lichtung errichten wir das unser Tipi und genießen den Rest von Travellunch, Milchreis und Oatsnack.

5.Tag

Wir laufen bis Obertilliach wo wir dem ersten Bäcker einen Besuch abstatten. Cappucchino und mehrere Kuchenstücke als Belohnung für die letzten Tage müssen einfach sein. Wir besteigen den Bus Richtung Sillian. Dort angekommen gebührt mir die Ehre des letzten Kraftaktes. Unser Auto parkt 800 Höhenmeter weiter oben. Nur mit dem Nötigsten mache ich mich auf dem Weg welcher mit 2:15 Stunden ausgeschrieben ist. Nach 1:10 Stunden stehe ich am Auto..puh. In Benediktbeuern wartet die erste Dusche nach 5 Tagen!

Fazit:

Eine sehr lohnende Tour, welche auch in der Hauptsaison wenig frequentiert ist.Die Möglichkeit alle paar Stunden die Tour durch Abstieg ins Tal abzubrechen ist sehr bequem, falls ein Notfall eintritt oder ein Wettersturz droht.

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