Reise

Per Trekkingrad von Giessen nach Istanbul, Teil 3

15.06.2011

Per Trekkingrad von Giessen nach Istanbul, Teil 3

Vom Neusiedler See, wo unserer letzter Fahrrad-Bericht endete, brachen wir gegen Nachmittag auf dem Trekkingrad gen Ungarn auf. Das erste Mal, abgesehen von dem Kurztrip nach Bratislava, sollte es jetzt mit dem Fahrrad in ein Land gehen, dessen Sprache wir überhaupt nicht beherrschen. Der alte Grenzposten war noch aufgebaut, aber dank Schengenerabkommen gibt es keine Kontrollen mehr und wir konnten einfach durchfahren. Das nächste Ziel war der Plattensee, wo wir eine Tag Pause ganz ohne ein Trekkingrad zu nutzen einlegen wollten. Der Weg dorthin führte uns durch sehr spärlich besiedeltes Gebiet. Wir witzelten schon man könne das Zelt hier auch einfach auf der Strasse aufbauen, so gering war der Verkehr. Die Dörfer, die auf unserem Weg lagen, wirkten sehr ärmlich. Überall sah man unbewohnte oder bereits verfallene Häuser, viele schienen seit langer Zeit zum Verkauf zu stehen, doch scheinbar gibt es keine Interessenten. Auch der Luxus, das man mindestens alle 50 km einen Campingplatz findet entfiel hier, so dass wir das ein oder andere Mal auf einer Wiese abseits der Strasse das Zelt aufbauten.

Ungarn – Radeln am Plattensee

Der Weg durch Ungarn verlief vorerst wie bisher ziemlich flach, bis kurz vor dem Plattensee die ersten Rampen in Angriff genommen wurden und wir einen kleine Vorgeschmack auf die künftige Stecke bekamen, die mit dem Trekkingrad zurücklegen werden müssen. Am Plattensee angekommen gönnten wir uns einen Tag Radel-Pause und genossen das warme Wetter. Die Region hier ist sehr stark vom Tourismus geprägt und dadurch deutlich wohlhabender als der bisherige Teil Ungarns, was sich klar an der Infrastruktur und der Bausubstanz erkennen lässt.

Einige Tage später verliessen wir Ungarn und überschritten die Grenze zu Kroatien. Die erste Grenzkontrolle stand bevor. Zwar wurde unser Gepäck nicht durchsucht, doch der Beamte schaute sich genau die Dokumente der Krankenversicherung an und erkundigte sich nach unserer finanziellen Versorgung, dann liess er uns mitsamt Fahrrad-Ausrüstung und Trekkingrad passieren. Auffällig war, dass der nordöstliche Teil Kroatiens, durch den wir nun fuhren, wesentlich besser in Schuss zu sein schien, als die untouristischen Regionen Ungarns. Da aber auch hier wenig Tourismus stattfindet, war noch mal eine Runde Wildcampen angesagt, bevor wir am nächsten Tag in Zagreb einzogen.

Zagreb – Radweglose Metropole

Die erste Grossstadt ausserhalb der EU, was sich gleich dadurch bemerkbar machte, dass es keine Fahrradwege gab und der Weg in das Zentrum ziemlich anstrengend wurde. Ständig musste man darauf achten auf welcher Spur man fährt, am besten so weit wie möglich rechts, von hinten die Strassenbahn, … Irgendwann hatten wir dann das Zentrum erreicht und checkten dort in ein recht alternatives und liebevoll hergerichtetes Hostel ein. In Zagreb ließen wir das Trekkingrad stehen und verbrachten und schauten uns die Altstadt, den Markt und die Kathedrale an. Vorallem die auffällig vielen Cafes und Bar prägten sich bei uns ein. Die Innenstadt, mit ihren vielen kleine Gassen, lässt teilweise gar nicht auf so eine grosse Stadt schliessen und hat etwas sehr gemütliches.

Von Zagreb aus steuerten wir Slowenien an. Wir kamen den Alpen immer näher, es wurde immer bergiger, doch entlang der Sava lies es sich mit dem Trekkkingrad gemütlich radeln. Für das letzte Stück nach Ljubljana fuhren wir in einem kleinen einsamen Seitental, abseits der Hauptverkehrsroute. Hier übernachteten wir bei einem Bauern, der uns freundlicherweise seine Wiese zum Camping zur Verfügung stellte, eine Dusche anbot und zum Frühstück einen selbstgemachten Likör brachte. Die erste wirklich harte Bergprüfung der Tour stand am nächsten morgen mit 15 km kontinuierlichem Anstieg bevor, doch da ja bekanntlich im Schnitt alle Berge eben sind, wurden wir mit einer schönen Abfahrt nach Ljubljana belohnt.

Hier erwartete uns eine wunderschöne Altstadt, entlang des Flusses Ljubljanica säumten sich zahlreiche Bars und Cafes, die ein florierendes Nachtleben bieten. Am nächtsten Tag gönnten wir den Trekkingrädern mal eine Pause und steuerten mit dem Bus den Gebirgssee bei Bled an, um zur Abwechslung mal zwei kleine Gipfel zu bewandern. Der erste wirklich Regentag bescherte uns einen weiteren Tag im Hostel, den wir für Streckenplanung, zur Regeneration und zum Schmökern nutzten.

Genussradeln an der kroatischen Küste

Auf dem Weg nach Opatja an der kroatische Küste erfuhren wir ein weiteres Mal die slowenische Gastfreundschaft, als wir einen begeisterten Tourenradler trafen, der uns bis zum Campingplatz begleitete und dort auf einen Umtrunk mit seinem dauercampenden Freund einlud. In den kommenden Tagen standen die Inseln Cres, Krk, Rab und Pag auf dem Tourenplan. Cres war mit Gipfeln über 600m doch unerwartet bergig. Hier starten wir früh morgens um 4:30 Uhr die bisher ungewöhnlichste Etappe, um die Fähre um 6:30 Uhr nach Krk zu erwischen. Am Hafen angekommen stellte Benni fest das sein Reifen Luft verlor, 15 min früher und wir hätten die Fähre verpasst. Mittlerweile sind es tags über 25 Grad, was das Radeln teils sehr beschwerlich macht. Um stets genug trinken zu können, haben wir täglich zusätzlich 3 l Wasser pro Person dabei, mit denen die Trinkflaschen nachgefüllt warden.

Auf der Insel Pag angekommen erwartet uns zunächste eine Mondlandschaft, die sich zu einer kargen Graslandschaft wandelte, in der viele Schafe weideten. Über die wunderschöne Stadt Zadar mit historischem Stadtkern und einer imposanten, durch die Wellen betriebenen Meeresorgel ging es auf dem Trekkingrad weiter nach Sibenik. Vor dort aus machten wir einen Tagesausflug zum Nationalpark Krka. Hier stürzt der gleichnamige Fluss in mehreren, beeindruckenden Kaskaden über 240m in die Tiefe.

Unsere weiter Route wird uns über Split, per Fähre auf die Insel Brac und anschliessend auf dem Festland von Makaskra Richtung Bosnien führen.

Viele Grüsse, Benni und Martin!

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