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Ein Haus im Schnee – Wie baue ich eine Schneehöhle

31.05.2011

Ein Haus im Schnee – Wie baue ich eine Schneehöhle

Für Skitourengeher zählt gerade bei längeren Unternehmungen oftmals jedes Gramm. Ein Zelt, das fast immer mit 1-2 KG pro Person zu Buche schlägt, passt da nicht immer perfekt ins Konzept. Doch im Schnee gibt es erfreulicherweise Abhilfe. Mit ein bis zwei Stunden Arbeit kann man sich ein nettes „Haus im Schnee“ bauen. Wie man sich eine solche Schneehöhle baut, erfahrt ihr hier.

Schnee hat die wunderbaren Eigenschaften, dass er hervorragend isoliert, stabil und doch gut formbar ist. Diese Eigenschaften, kann man sich bei einer Übernachtung im Schnee oder auch in einer Notsituation zu nutze machen. Statt einem Zelt, das pro Person meist 1-2 Kg Gepäck und nicht wenig Platz in Anspruch nimmt, kann man sich auch schnell seine eigenen vier Outdoor-Wände selbst bauen. Ob Iglu oder Schneehöhle besser geeignet sind, hängt dabei von der Art des Schnees ab, und der Mächtigkeit der Schneedecke. Fluffiger Pulverschnee oder Nassschnee sind denkbar ungeeignet für ein Iglu und erfordern größeren Aufwand um an die darunter liegenden Schneeschichten zu kommen. Eine Schneehöhle dagegen gräbt man am besten an einer geeigneten Geländekante oder einer Schneewechte. Die Schneedeckendicke sollte mindestens zwei Meter betragen. Einfach gemessen werden kann dies mit einer Lawinensonde, die man im freien Skiraum sowieso immer mit sich führt.

Wichtig ist der Standpunkt einer Schneehöhle. Eine Schneewechte ist meist ideal.

Wichtig ist der Standpunkt einer Schneehöhle. Eine Schneewechte ist meist ideal.

Hat man einen geeigneten Platz gefunden gräbt man mit der mitgeführten Lawinenschaufel von unterhalb der Wechte einen Eingang. Dieser sollte soweit unter dem obersten Punkt der Schneewechte liegen, dass man später von innen nach oben graben kann, bis man eine bequeme Sitzhöhe erreicht. Außerdem sollte noch mindestens 2 Meter Raum sein, in die man sprichwörtlich hineingraben kann. Den Eingang legt man leicht nach unten an, und gräbt nach ca. einem halben Meter nach oben. In der entstehenden Mulde soll sich später die kalte Luft sammeln. Außerdem verhindert sie, dass möglicher Wind direkt in die Höhle ziehen kann und hält die Temperaturen im Innenraum somit bei vergleichsweise angenehmen 0° Celcius. Wenn es draußen bei -30° stürmt, sind die 0° Celcius plötzlich extrem angenehm. Ein warmer Schlafsack mit einer isloierenden Matte macht die Nacht dann erst richtig kuschelig.

Ist man zu zweit oder in einer größeren Gruppe unterwegs, empfiehlt es sich in Reihe zu schaufeln. Eine Person macht die eigentliche Grabarbeit an der Schneefront, der oder die andere(n) Person(en) tragen den Schnee ab. Da die Schaufelarbeit sehr anstrengend ist, sollte man sich alle paar Minuten abwechseln, möchte man zügig fertig werden.

In Reihe schaufeln spart Zeit

In Reihe schaufeln spart Zeit

Schließlich gräbt man leicht nach oben und legt eine eiförmige Decke an. Je höher man gräbt, desto bequemer wird die Höhle schließlich. Gerade beim morgendlichen Einsteigen in die eiskalten Skischuhe ist man um jeden Zentimeter Luft nach oben froh. Eine geeignete Höhle für 2 Personen misst etwa 2,5 m Länge, 1,8 m Breite und 1,5m Höhe. So lässt sich das Gepäck bequem verstauen, und ein nässeempfindlicher Schlafsack stößt kaum mehr an die Schneewand.

Nach der Grobarbeit, verfeinert man noch die Höhle. Einige „Regalfächer“ an den Wänden erleichtern das Verstauen vom mitgebrachten Material. Man sollte auch die Decke und Wände von „Schneenasen“ befreien, da sich hier schnell Kondenswasser sammelt und tropfen kann. Eine ebene Liegefläche erhöht den Schlafkomfort. Vor dem Schlafen verschließt man noch den Eingang mit großen Schneebrocken und den mitgebrachten Rucksäcken.

Rucksäcke verschließen letztlich den Eingangstunnel

Rucksäcke verschließen letztlich den Eingangstunnel

Für eine durchschnittlich bequeme Höhle benötigt man etwa eine bis zwei Stunden. Eine Nothöhle ist auch in einer halben Stunde gegraben. Wer es richtig bequem will und Stehhöhe genießen will, braucht mindestens etwa drei Stunden. Für eine größere Gruppe von vier Leute oder mehr, ist es ratsam  gleichzeitig an zwei Höhlen nebeneinander mit zwei Eingängen zu graben, da man so doppelt so schnell voran kommt. Einen Eingang schüttet man danach mit größeren Schneebrocken wieder zu.

Sicherheit

Gemütliche Unterkunft für vier Personen mit Selbstversorgung.

Gemütliche Unterkunft für vier Personen mit Selbstversorgung.

Wichtig für eine Schneehöhle ist eine stabile und gut gesetzte Schneedecke. Nasser Faulschnee ist beispielsweise denkbar ungeeignet. Beim Graben sollte man auch berücksichtigen, dass, je breiter die Höhle, desto eher setzt sich die Decke nachts etwas ab. Diese Setzung kann auch gut einen halben Meter Höhe betragen.

Um nicht am eigenen ausgestoßenen CO(2) zu ersticken, aber auch um Wasserdampf entweichen zu lassen, empfiehlt es sich von oben mit der Lawinensonde mehrere Lüftungslöcher zu stechen. Eine Kerze sollte zudem auf Schlafhöhe die Nacht durch brennen. Geht sie aus, wacht man in der Regel schnell auf und weiß, dass die Belüftung nicht in Ordnung ist und man etwas ändern muss.

Die Höhle sollte von außen mit aufgestellten Ski markiert sein. Nach dem Verlassen der Höhle sollte diese zerstört werden, um keine unangenehme Falle für andere Tourengeher zu werden.

Natürlich sollte der gewählte Ort vor alpinen Gefahren und insbesondere Lawinen sicher sein. Hier sollte man besondere Sorgfalt walten lassen.

Tipps

Beim Schneehöhlen Bau merkt man meist nach wenigen Minuten ob die eigene Lawinenschaufel wirklich tauglich ist. Eine stabile Metallschaufel ist hier einer Plastikschaufel deutlich im Vorteil. Wasserdichte Kleidungsstücke mit Membranen, wie z.B. Gore-Tex spielen beim Graben mit stundenlangem Sitzen und Liegen im Schnee ihren Vorteil voll aus. Hat man nach getaner Arbeit das Gefühl die Kleidung ist nass, einfach kurz fünf bis zehn Minuten draußen rumlaufen, und schon ist alles wieder trocken.

Als Liegeunterlage der mitgebrachten Matratze empfiehlt sich ein Biwaksack oder eine Rettungsdecke. Eines von beidem sollte man beim Skitourengehen sowieso immer mitführen und braucht so kein extra Gepäck.

Bei nassen Ski-Innenschuhen kann man diese mit in den Schlafsack stopfen, damit sie etwas trocknen und morgens beim anziehen warm anstatt gefroren sind. Allerdings kann hierdurch der Schlafsack stark nass werden, was bei Daune auf Dauer die Wärmeleistung beeinträchtigt.

Für weitere Ordnung im Innenraum kann man die Lawinensonde horizontal seitlich in die Wand stecken und als Wäscheleine umfunktionieren.

Je besser die Mulde am Eingang angelegt ist und je dichter er verschlossen ist, desto eher erreicht man selbst bei einer klirrend kalten Nacht angenehme Höhlentemperaturen um 0°C.

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