Reise

Neuseeland: Trekking-Paradies am anderen Ende der Welt

19.05.2011

Neuseeland: Trekking-Paradies am anderen Ende der Welt

Neuseeland liegt für Mitteleuropäer am anderen Ende der Welt und ist, spätestens seit die Trilogie „Herr der Ringe“ in den Kinos lief, jedem ein Begriff. Atemberaubende Landschaften, Weidetiere und Rugby könnten einem in den Sinn kommen wenn man an den Inselstaat mit 4,3 Millionen Einwohnern und zehnmal so vielen Schafen denkt. Und genau das waren auch meine ersten Eindrücke während des Landeanfluges auf und im Flughafen von Christchurch. In Gedanken noch bei den hohen kargen Bergen, tiefgrünen, weißgespickten Wiesen und das überdimensionale Rugby-Weltmeisterschafts-Plakat betrachtend, fragte mich ein Zoll-Beamter freundlich ob ich Trekkingschuhe, Outdoor-Zelt oder sonstige Trekkingausrüstung dabei hätte? Natürlich hatte ich, schließlich wollte ich in den kommenden vier Monaten nicht nur studieren sondern auch möglichst viel Zeit in der Natur verbringen. Meine Ausrüstung wurde daraufhin inspiziert und meine Bergstiefel abgespült; eine Vorsichtsmaßnahme um das Einschleppen von fremden Tier- und Pflanzenarten zu verhindern.

Typisch Neuseeland

"Wildlife" beim Trekking durch Neuseeland: Merino-Schafe

Da die Uni erst zwei Wochen später anfangen sollte fuhr ich, zusammen mit zwei Studienkollegen, in den Norden der Südinsel. Die ersten Tage verbrachten wir erholsam mit leichten Wanderungen in Havelock, der „Grün-Muschel“-Hauptstadt der Welt. Danach ging es weiter über Nelson in Richtung Golden Bay. Der Sommer am anderen Ende der Welt neigte sich dem Ende zu und wir wollten die letzten warmen Tage nutzen um einen der berühmtesten und wohl auch meistbegangenen Trekks Neuseelands zu gehen: den „Abel Tasman Coast Walk“. Abel Tasman war der erste Europäer der Neuseeland entdeckte, es jedoch niemals betrat, und nach dem nun der Norden der Südinsel und ein wunderschöner Küstennationalpark benannt ist. Der Trekk ist je nach Tide bis zu 54 km lang und wird in drei bis vier Tagen meist von Osten nach Westen begangen. Aus logistischen Gründen entschieden wir uns ihn jedoch in zwei Tagen entgegen der gängigen Marschrichtung zu gehen. Nachdem die letzten Lebensmittel-Einkäufe in Motueka getätigt waren ging es mit dem Auto über den Takaka-Hill und über eine steile, enge Straße durch dichten Wald hinab an den Strand der Totaranui Bay, unserem Ausgangspunkt.

Ein zu überquerender Bach am Abel Tasman Coast Walk

Ein zu überquerender Bach am Abel Tasman Coast Walk

Es war schon Mittag als wir unsere Rucksäcke mit Proviant, Schlafsack, Regenjacke und Wechselkleidung schulterten, und zum Strand marschierten; Wolfgang und ich in stabilen Bergschuhen, Korbinian in für den Trekk optimalen, wasserdichten und leichten Salomon XA Pro Trailrunning-Schuhen. Zu unserer linken ruhte die türkisfarbene Tasman Bucht, zu unserer Rechte zwitscherten Vögel im dichten Wald an den steilen Hängen und unter unseren Füßen knirschte der weiße Muschelsand; schöner kann es auch im Paradies kaum sein. Die ersten eineinhalb Stunden verläuft der Weg fast eben zwischen Meer und Hügel teils am Strand und teils im Wald und bietet wunderschöne Einblicke in die Flora des Nationalparks, bevor die Awaroa Bucht erreicht wird. Diese kann nur eineinhalb Stunden vor und nach Eintreffen der Ebbe durchquert werden. Wir waren drei Stunden davor dort. Kurz nachdem wir unsere Rucksäcke abgestellt und die Schuhe ausgezogen hatten wurde uns erkenntlich gemacht dass wir uns doch nicht im Paradies befanden: Sandfliegen. Wir wurden attackiert von Sandfliegen. Solange wir uns bewegt hatten, hatten wir sie nicht wahrgenommen, doch nun stürzten sie sich auf uns und stachen sogar durch die Kleidung. Eine Plage der nur durch sehr gutes Insektenspray oder leichtem, mückenfestem Stoff entgangen werden kann; ein Glück dass es Fjällräven´s G1000 Hosen gibt.

Nachdem wir etwas über eine halbe Stunde aif die Ebbe gewartet hatten versuchten wir die etwa einen Kilometer breite Bucht zu queren, schließlich hatten wir an diesem Tag noch über elf Kilometer zu gehen. Die erste Hälfte war ohne Probleme passierbar doch dann wurde es langsam tiefer. Die Hosen hatten wir vorsichtshalber schon ausgezogen und nun legten wir die Rucksäcke auf die Schultern und waren bis über die Hüften im türkisfarbenen Meer. Für die letzten Meter musste ich meinen Rucksack sogar über den Kopf stemmen da ich plötzlich bis zu den Achseln im Wasser stand und langsam, um nicht von der starken Strömung umgerissen zu werden, an den Strand wartete. Erfrischt, wieder voll bekleidet und dank Funktionshirt auch schnell wieder trocken, ging es dem Strand entlang, vorbei an einer Hütte und den Hügel hinauf.

Ausblick auf die Tasman Bay

Ausblick auf die Tasman Bay

Der Weg schlängelt sich durch dichten Scheinbuchen-, Manuka- und Kanuka-Mischwald bis ein Sattel erreicht ist. Der Ausblick, der sich einem auftut, ist atemberaubend: Türkisfarbene Buchten, sattgrüne Wälder und markante graue Felsen. Und so gestalten sich auch die letzten paar Stunden der Etappe bis zur Bark Bay, rauf und runter und immer wieder wurden wir von der Aussicht überwältigt. An der einfachen aber sauberen Hütte angekommen suchten wir uns zwei freie Matratzen, Wolfgang stellte sein MSR-Hoop-Zelt auf und wir begaben uns an den Strand um Abendessen zu kochen. Auf dem Trangia-Kocher bereiteten wir ein nahrhaftes Nudelgericht zu und genossen dazu einen Becher neuseeländischen Rotwein, es hatte sich doch gelohnt ihn mitzuschleppen. Müde wie wir waren, nach einem anstrengenden erlebnisreichen Tag kuschelten wir uns in die Schlafsäcke und wachten am nächsten Morgen ausgeschlafen auf.

Am Abel Tasman Coast Walk

Trekking auf dem Abel Tasman Coast Walk

Das Wetter meinte es gut mit uns und auch der zweite Tag war wolkenlos und warm. Der Weg verläuft weiter der Küste entlang durch den Wald, und wir wanderten frohen Mutes gen Osten mit nicht weniger Foto-Stopps als am Vortag. Als wir die Torrent Bay erreichten stellten wir fest dass die Flut zu weit fortgeschritten war um diese zu durchqueren und wir wohl oder übel die extra fünf Kilometer in Kauf nehmen und außen rum gehen mussten. Das letzte Weg-Stück des Trecks verläuft einige hundert Meter über dem Meer bevor es nach einen letzten Anstieg nach Marahau hinunter geht. Nach 54 km waren wir am Ziel angekommen und fast traurig dass es schon vorbei war; bei so schönen Ausblicken hätte ich auch noch ein, zwei Tage weiter gehen können. Aber immerhin gab es, strategisch günstig am Anfangs- bzw. Endpunkt des Weges, ein Restaurant und wir beendeten den Treck im Schatten sitzend und durch ordentliche Trekkinghosen vor Insekten geschützt mit einem kühlen Bier.

Die letzten Tage, vor Semesterbeginn, verbrachten wir entspannt mit langen Spaziergängen und Wanderungen in der Golden Bay und am Cape Farewell. Auch wenn ich nur diese zwei Wochen in Neuseeland geblieben wäre, wären die weite Anreise und der lange Flug es wert gewesen! Zum Glück habe ich aber noch einige Wochen vor mir und kann noch mehr Buchten, Berge und Landstriche dieses traumhaften Landes, am anderen Ende der Welt, erkunden.

Cape Farewell

Cape Farewell

Ein Kommentar

  1. Hey Lisa,
    toller Bericht mit wahnsinnig schönen Bildern. Ich glaub ich weiß wohin die nächste Trekking-Reise geht…

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