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Skitour Osttirol: Grubachspitze und Marchenkinkerle

13.01.2015

Skitour Osttirol: Grubachspitze und Marchenkinkerle

Folgender Tourenbericht ist die Fortsetzung der Drei-Zinnen-Umrundung, unserer Skitour in den Dolomiten.

 

Auf Skitour in Osttirol: Einfahrt Grubachspitze - es kommt schon etwas Freeridefeeling auf. | Foto: Thomas Plank

Auf Skitour in Osttirol: Einfahrt Grubachspitze – es kommt schon etwas Freeridefeeling auf. | Foto: Thomas Plank

Das Aufstehen am nächsten Morgen verlangt einiges an Logistik – fünf Personen die gleichzeitig auf einem Quadratmeter ihre Skitouren-Ausrüstung packen, Zähne putzen und sich an und umziehen. Fehlt nur noch, dass einer seinen Lawinenairbag einem Test unterzieht.

Für heute ist ab Mittag eine Wetterstörung vorhergesagt, die wir im Westen schon heranschleichen sehen. Wir fahren Richtung Osten nach Kalkstein und wollen eigentlich auf den Toblacher Pfannenhorn, entscheiden uns aber wegen der verlockend gut aussehenden Nordseite der Grubachspitze (2.102 Meter) schnell um und steigen Richtung Marchenkinkerle auf. Während des Aufstieges sind die Augen auf das Face der Abfahrt gerichtet und jedes Kliff wird genauestens studiert. Am Joch angekommen biegen wir links auf einen Kamm ab und steigen die letzten Höhenmeter auf der Südseite zur Einfahrt. Vor uns fällt die Nordseite der Grubachspitze ab, ein Traumgelände für jeden Freerider, ab. Obwohl wir immer und immer wieder versucht haben, uns die Runs genauestens einzuprägen, stehen wir, wie drei Fragezeichen mit Ski an den Füßen, an der Einfahrt. “War das da vorne das Kliff das ich gesehen hab. Mann, alles ist steiler wie von unten eingeschätzt.” Die übliche Skepsis macht sich breit, bis dann der erste in den Hang sticht, ein Kliff mitnimmt und die zwei übrig gebliebenen Fragezeichen zu Ausrufezeichen werden.

Nordseite Grubachspitze: Freerideabfahrt mit Cliffs

Ein kleines Cliff darf man nicht auslassen - auch auf Skitour nicht! | Foto: Thomas Plank

Ein kleines Cliff darf man nicht auslassen – auch auf Skitour nicht! | Foto: Thomas Plank

Für meine Linie, habe ich mir noch einmal in Erinnerung gerufen, wie es sich anfühlt über ein Kliff zu fahren – wenn einen unmittelbar nach der Kante, die Schwerkraft mit einem einzelnen Atemzug in die Tiefe saugt. Beherzt mache ich zwei Schwünge, nehme Tempo auf und ziehe in Richtung Kliff. Kurz vor der Kante des Kliffs taucht plötzlich eine ein Meter tiefe Stufe auf, die ich von unten nicht gesehen habe. Ich bin schnell dran, versuche mit etwas Rücklage die Stufe auszugleichen, werde aber vom Aufprall ausgehebelt und segle wie ein falscher Vogel durch die Luft. Mit enormer Rücklage bombe ich unterhalb der fünf Meter Klippe mit Rucksack voraus ein. Ich rappele mich auf und nehme die letzten Meter des verpatzten Runs zu den anderen. Adrenalingeschwängert fellen wir gleich wieder auf. Wir dampfen erneut hoch zum Joch biegen diesmal rechts ab und fahren einen zweiten atemberaubenden Run, der allerdings aufgrund des schlechten Wetters nicht mehr optimale Sichtverhältnisse bietet. Alles um mich wird ruhig, mein Puls steigt und die Wahrnehmung liegt wie ein scharfgewetztes Messer aufmerksam dar.

Abfahrtsgenuß pur

Ich ziehe einen Turn über die erste Wechte, nehme ein kleines Cliff und fahre nach rechts aus der Falllinie um nicht vom “Eisslush”, der sich hinter mir in Bewegung setzt, erwischt zu werden. Zur kurzen Erkläurung: Slush bedeutet das Abrutschen von oberflächlichen Schnee ausgelöst durch Wintersportler und begünstigt durch die Hangsteilheit. Hier handelte es sich um eine aufgebaute Schicht aus Reif, die abrutschte, also in etwa Eis. Durch die schlechte Kontur erkenne ich eine Stufe vor mir erst sehr spät, der ich im letzten Moment instinktiv nach links ausweiche. Die Ski graben sich in den Schnee, es geht merklich leicht bergauf, das Tempo verlangsamt sich und als ich im Augenwinkel links über mir Schnee anrauschen sehe, ist es schon zu spät. Meine aufgekanteten Ski werden vom abrutschenden Schnee erfasst, ich bekomme eine mächtige Eisslush-Watsche und werde mitgezogen. Innerlich fluchend über den zweiten verpatzten Run, komme ich mit dem Slush in flacherem Terrain zum Stehen. Nach einiger Wühlerei finde ich meinen zweiten Ski, den ich beim Sturz verlor. Mit so einem Run darf man nicht aufhören.

Kalkstein, Badl-Alm und seine Gastfreundschaft

Auf Skitour in Osttirol: Hüttendrop, wenn es keine Cliffs mehr gibt - Spaß muss sein! | Foto: Thomas Plank

Auf Skitour in Osttirol: Hüttendrop, wenn es keine Cliffs mehr gibt – Spaß muss sein! | Foto: Thomas Plank

Wir steigen noch ein weiteres Mal auf, um erneut eine Line an der Grubachspitze zu fahren. Dann sind die Sichtverhältnisse endgültig zu schlecht und wir fliehen vor dem Schlechtwetter ins Tal. Auf dem Weg nach unten lassen wir, adrenalinschwanger von den Runs, keine Möglichkeit aus über Wellen und von Hüttendächern zu springen. Der passende Ausklang der zwei Tage findet sich direkt in Kalkstein. Die Badl-Alm hat einen hellen und mit großen Fensterfronten versehenen Gastraum. Feuer knistert in dem großzügigen Kachelofen, der Wirt ist sehr nett (weiß auch gut über Skitourenbedingungen Bescheid) und die Speisen sind ein Gedicht. Besonders die Hauswurscht und alle Speisen, die ein “K” enthalten – die Osttiroler sprechen “K” immer wie “CH” aus – sind zu empfehlen. Wenn es bei uns nicht bald schneit, dann gibt’s halt weiter “Hauswurscht und Chaspresschnödelsuppe”, also eine Skitour in Osttirol.

Infos zur Skitour Grubachspitze:

  • Startort: Vorderhornbach
  • Länge: 8.1 Kilometer
  • Dauer: 05:00 Stunden
  • Höhenmeter: 1.168

Karte: Lechtaler / Hornbachkette 

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