Testberichte

Rossignol Soul 7 - Freerideski & Tourenski im Test

30.01.2015

Rossignol Soul 7 – Freerideski & Tourenski im Test

Der Schnee ließ lang auf sich warten diesen Winter – doch kurz nach Weihnachten war es soweit und ich konnte endlich meine neuen Ski, die ich mir für meinen sechswöchigen Skitourentrip nach Kanada gegönnt hatte, austesten. Deutlich breiter als meine alten (Black Diamond Havoc, 88 Millimeter Mittelbreite) sollten sie sein, einen guten Rocker haben, gute Abfahrtsperformance bieten und dennoch leicht genug für längere Aufstiege sein.

Na gut – das sind hohe Ansprüche; doch ich bin fündig geworden. Nach einigem Überlegen habe ich mich für den Rossignol Soul 7 entschieden. Dieser hat mit einer Mittelbreite von 106 Millimeter ordentlich was unter der Bindung – wiegt aber ohne Bindung mit gut 1.900 Gramm pro Ski auch nicht wirklich mehr als mein alter Ski. Ich habe mir, wie bei meinen alten Tourenski auch, eine Dynafit TLT Radical ST montiert. Sie bringt für mich einfach die perfekte Symbiose aus Aufstiegsperformance bei geringem Gewicht und auch in der Abfahrt genügend Support. Wie sich der Ski den Winter über geschlagen hat, könnt ihr im folgenden Testbericht nachlesen:

Technische Daten im Überblick: Der Rossignol Soul 7

  • Hersteller: Rossignol
  • Modell: Soul 7
  • Gewicht: 3.900 Gramm (Paar, ohne Bindung)
  • Maße: 136 Millimeter | 106 Millimeter | 126 Millimeter
  • Preis: 580 EUR (im Set für 429 EUR)
  • Farbe: schwarz / gelb
  • Radius: 17 Meter
  • Konstruktionsdetails
    • Minicap Sandwich Diagonal Fiber Konstruktion
    • light Holzkern
    • AirTip Rocker mit Luftkammern für noch besserer Aufschwimmen
  • verwendete Bindung: Dynafit TLT Radical ST
  • verwendetes Fell: Contour Hybrid

Aufstiegsperformance wie ein Tourenski

Rossignol Soul 7 - Tiprocker mit Fellbefestigung

Rossignol Soul 7 – Tiprocker mit Fellbefestigung

Man wird teilweise schon komisch beäugt unter den alteingesessenen Tourengängern wenn man mit breiten Tourenfreeridern auftaucht und die schöne Spur erstmal etwas verbreitert. Doch dank des geringen Gewichts von nichtmal 2 Kilogramm pro Ski (mit einer Dynafit Radical ST wiegt der Ski 2500 Gramm pro Seite) kann man problemlos mit den normalen Tourengängern mithalten. Auch auf harschigen Abschnitten hat man Dank ausreichender Stabilität keine Probleme mit dem Kantenhalt. Spricht also nichts gegen den Rossignol Soul 7 als Tourenski oder? Aus meiner Sicht nicht. Sicherlich gibt es leichtere Ski und solche, die besser in die Aufstiegsspur passen. Ich hatte jedoch nie Nachteile im Aufstieg – weder bezüglich des Gewichts noch bezüglich Parametern wie Gleiteigenschaften oder Kantenhalt. A propos Gleiteigenschaften: da der Ski eine deutlich größere Auflagefläche als schmälere Ski bietet lohnt es sich an beim Fellkauf ein sehr gleitfähiges Fell (mit Mohair) zu wählen um die Reibefläche nicht unnötig zu vergrößern.

Grenzen hat der Ski sicherlich im Hochgebirge oder bei Skihochtouren mit sehr weiten Zustiegen, da hier das Gewicht und die Breite einfach nicht optimal sind. Für den “normalen” Gebrauch bei Skitouren sehe ich aber bei entsprechender Fitness im Aufstieg keinerlei Nachteile – dafür jede Menge Vorteile bei der Abfahrt.

Abfahrtsperformance wie ein Freeride-Ski

Spätestens wenn man am Gipfel in den Abfahrtsmodus schaltet wandeln sich die kritischen Blicke in leicht neidische Blicke – denn nun kann der Rossignol Soul 7 seine ganze Stärke ausspielen.

Rossignol Soul 7 - Der Rocker schwimmt auf

Rossignol Soul 7 – Der Rocker schwimmt auf

Ich habe den Tourenski anfangs einige Tage bei unterschiedlichstem Schnee (hart gefrorene Piste, Kunstschnee, 30 Zentimeter Neuschnee) im Skigebiet getestet – und egal ob frisch präpariert oder zusammengefahren, ich war ob der Performance überrascht. Ich bin normalerweise kein Freund von breiten Ski auf der Piste, da sie oftmals einfach zu träge sind. Aber der Rossignol Soul 7 zeigte sich hier anders: verspielt, drehfreudig (17 Meter Radius), leichtgängig und dennoch sehr stabil. Sprich ein echter Fun-Ski, den man auch auf der Piste richtig gut fahren kann. Klar fährt sich ein Racecarver stabiler und direkter – doch dafür bietet der Soul 7 unglaublich viel Spaß auf der Piste, bei Ausflügen neben die Piste oder dann, wenn nachmittags die Piste zusammengefahren ist. Dank des Rockers ist er sehr einfach und angenehm zu fahren und dennoch direkt.

Seine wirkliche Stärke zeigte er dann als ich das erste Mal bei 30 Zentimeter Neuschnee neben die Piste konnte. Der Tourenski zeigt hier seine Freerideski-Qualitäten und macht richtig Spaß. Er schwimmt Dank des AirTip Rockers super auf und lässt sich einfach steuern – dabei ist es egal ob man enge Turns durch Bäume oder in steilem Gelände zieht oder lange Turns in weitem offenen Gelände, der Ski macht alles mit. Dieses Potenzial zeigt er dann eben auch bei Skitouren wenn man nach dem Anstieg in den Abfahrtsmodus schaltet und durch (hoffentlich frischen) Powder seine Turns ziehen kann. Spätestens nach der ersten Abfahrt hat man die kritischen Blicke dann endgültig in leicht neidische und anerkennende Blicke verwandelt.

Besonders positiv ist mir die Fahrperformance im zusammengefahrenen Schnee aufgefallen. Durch den kleinen Radius mit 17 Meter dreht der Ski sehr gut und lässt sich mühelos durch enge Turns ziehen – alle restlichen Hindernisse schluckt die Rocker-Schaufel locker weg so dass man auch bei diesen Schneebedingungen richtig Spaß haben kann.

Rossignol Soul 7 - Airtip Konstruktion

Rossignol Soul 7 – Airtip Konstruktion

Was ich bei einer der ersten Touren mit dem Ski jedoch lernen musste – gegen richtig ekligen Bruchharsch kann leider auch dieser Ski keine Wunder vollbringen…

Qualitätscheck

Ich habe den Tourenski diesen Winter in den Alpen und während eines Skitourentrips durch Kanada viele Tage getragen – auf und abseits der Piste. Klar zeigen sich da einige Abnutzungserscheinungen – teils durch ungewollten Steinkontakt, teils durch Schläge der Ski gegeneinander, teils durch unsaubere Lagerung. Doch der Verbrauch hielt sich in normalen Grenzen. Der Belag sah zwar anfangs hübscher aus und auch die Seitenwangen sind nicht mehr so schön wie zu Beginn, doch der Funktion des Skis tut dies kein Abbruch. Von einem Ski der ohne Bindung fast 600 EUR kostet darf man aber auch zu Recht diese Verarbeitungs- und Materialqualität erwarten – und bekommt sie beim Rossignol Soul 7 auch geliefert.

Test-Fazit zum Rossignol Soul 7

Wer einen (Freeride-) Tourenski sucht, der top Abfahrtsperformance verspricht und noch gut für den Aufstieg geeignet ist dem kann ich den Rossignol Soul 7 nur empfehlen. Ich bin mit dem Ski in so ziemlich jedem Gelände und Schnee zufrieden gewesen und würde ihn nicht mehr tauschen wollen. Auch im Aufstieg kann er dank seines für die Breite geringen Gewichtes gut mithalten – in der Abfahrt ist er dann nicht mehr zu halten. So ist der Ski mittlerweile zu meinem Everyday-Ski geworden, den ich für fast alle Skitouren und auch für die meisten Pistentage benutze.

Zwar nicht der wichtigste Punkt aber schließlich will man dem Auge ja auch was Gutes tun: Das Design der aktuellen Rossignol-Serie ist genial – schlicht in schwarz und je nach Breite mit unterschiedlicher Farbe an Tip und Tail. So macht der Ski eine richtig gute Figur!

Alternativen

Wer vom Konzept der Rossignol-Serie überzeugt ist, jedoch eine andere Breite bevorzugt, dem sei die folgende Modellauflistung zur Übersicht empfohlen. Die Modelle sind alle nach dem gleichen Prinzip gebaut und unterscheiden sich nur durch unterschiedliche Breiten:

  • Rossignol Sin 7 (rot): 98 Millimeter Mittelbreite für leichteren Aufstieg , Tourenski
  • Rossignol Soul 7 (gelb): 106 Millimeter Mittelbreite für (aus meiner Sicht) perfekte Symbiose aus Aufstiegs- und Abfahrtsperformance als Freeride-Tourenski
  • Rossignol Super 7 (orange): 116 Millimeter Mittelbreite für noch bessere Abfahrtsperformance im Powder
  • Rossignol Squad 7 (blau): 120 Millimeter Mittelbreite als Waffe für die wirklichen Powdertage

Übrigens gibt es noch baugleiche Frauenmodelle, die durch feminines Design und angepasste Breiten überzeugen können, zum Beispiel der Saffron 7. 

5 Kommentare

    • Hallo Simon,

      Ich fahre den Soul 7 jetzt den zweiten Winter als Allround-Tourenski und bin immer noch mehr als zufrieden. Bei einer Körpergröße von 180cm habe ich mich auch für die 180cm Variante des
      Soul 7 entschieden. Von der Abfahrtsperformance her würde sicher auch der 188er gehen aber der wäre mir persönlich zum Touren zu lang… Bin mit der Wahl aber sehr zufrieden.

      Hoffe ich konnte helfen.
      Grüße, basti

  1. Hallo Basti,

    Schöner Test zum Soul 7! Ich fahre momentan einen Salomon Rocker 2 122 und war überrascht wie zentral man den Ski wegen des ausgeprägten Tapers am Tip fahren muss. Richtig Schaufeldruck kann man ihm bei tiefem Powder nicht wirklich geben.

    Sieht das bei dem Soul 7 anders aus? Kannst du ihn auch bei großen Turns mit Schaufeldruck fahren?

    LG Alex

    • Servus,

      ich kann der Beschreibung nur beipflichten. Der Ski ist watscheinfach zu fahren. Im Powder lässt er sich spielend mit Schaufeldruck regulieren. Fein dosieren und alles ist gut.

  2. Ich fahr den Soul 7 selbst seit einem Jahr. Ebenfalls mit einer Dynafit-Vertical-Bindung. Als einziger Ski, den ich besitze, muss er auch für alles herhalten. Was ich noch ergänzen kann:

    Auf der Piste langt es voll aus – wobei Carving-Fans da sicherlich nicht auf ihre Kosten kommen. Durch die Breite und die flache Dynafit ist er schwieriger auf die Kante zu bringen. Zum entspannten Cruisen ist’s aber perfekt.

    Im Gelände ist die Tiefschnee Performance top, lediglich auf stark zerfahrenen Schnee ist er bissl anfälliger weil der Ski einfach sehr weich ist. Härtere Schnee-Hindernisse werden dann nicht so einfach weggebügelt.

    Das dazu – würde ihn aber wiederkaufen! Macht einfach Spass!

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