Testberichte

Scott LCG: Skibrille mit Wechselgläsern im Test

26.11.2014

Scott LCG: Skibrille mit Wechselgläsern im Test

Lens Change Goggle oder kurz LCG nennt sich Scotts Antwort auf wechselnde Sichtbedingungen beim Wintersport. Die innovative und preisgekrönte Skibrille wurde im Vorjahr auf den Markt gebracht – und bereits ausgiebig getestet.

Die Wechseloptik der Scott LCG Skibrille ist im mitgelieferten Gläser-Etui sicher geschützt. | Foto: Jörg Hackinger

Die Wechseloptik der Scott LCG Skibrille ist im mitgelieferten Gläser-Etui sicher geschützt. | Foto: Jörg Hackinger

“Der morgige Skitag im Tiroler Unterland beginnt mit ungetrübtem Sonnenschein. Gegen Mittag ziehen von Westen her Wolken auf, am Nachmittag ist mit dichten Schneefällen zu rechnen.” Wetteraussichten wie diese stellen Skifahrer, Snowboarder und auch Tourengeher oft vor eine gemeine Wahl: Welche Skibrille packe ich ein? Die mit der dunklen Sonnenschutz-Optik, oder doch lieber das aufhellende Modell für mehr Kontrast? Aber, um sich diese Fragen überhaupt stellen zu können, wird vorausgesetzt, dass man grundsätzlich über den Luxus mehrerer Skibrillen-Modelle verfügt, die den unterschiedlichen Bedingungen gewachsen sind.
Eine kompakte und relativ günstige Lösung sind Skibrillen mit Wechselgläsern, die seit einigen Jahren von mehreren Herstellern mit unterschiedlichen Technologien angeboten werden. Knackpunkt dabei ist, wie gut und einfach sich die Optiken der Skibrillen in der Praxis austauschen lassen. Das bedeutet, dass das Austauschen auch mit klammen Fingern bei einsetzendem Schneetreiben, mitten im Hang oder in der überfüllten Stehplatz-Gondel funktioniert. Wenn das Wechseln der Brillengläser zwangsläufig einen Hüttenaufenthalt nach sich zieht, ist das Austauschen der Gläser zum Beispiel für powderhungrige Freerider recht schnell uninteressant. Wer will schon einkehren, wenn die Kumpels den frischen Tiefschnee zerpflügen?

Scotts Antwort auf die Problematik wechselnder Sichtbedingungen beim Skifahren und Snowboarden ist die 2013 vorgestellte Skibrille LCG. Abhängig von der gewählten Rahmenfarbe kommt die Skibrille jeweils mit zwei Optiken mit unterschiedlichen Lichtdurchlässigkeitsfaktoren. Das Wechseln der Gläser ermöglicht das zum Patent angemeldete „Lens Change System“, das laut Herstellerangabe auch mit Handschuhen einfach zu bedienen ist. Klar, dass ich mir genau diesen Punkt beim Praxistest ganz genau anschaue.

Getestet: Die Scott LCG im Praxischeck

Ehrlich! Der Gläserwechsel bei der Scott LCG Skibrille klappt besser mit Handschuhen. Dann lässt sich der Schiebeverschluss gut öffnen und die Scheibe kann einfach aus dem Rahmen entnommen werden. | Foto: Jörg Hackinger

Ehrlich! Der Gläserwechsel bei der Scott LCG Skibrille klappt besser mit Handschuhen. Dann lässt sich der Schiebeverschluss gut öffnen und die Scheibe kann einfach aus dem Rahmen entnommen werden. | Foto: Jörg Hackinger

Bei der ersten Trockenübung im heimischen Wohnzimmer bin ich noch etwas schüchtern: irgendwie wirkt der Kunststoffschieber zum Lösen der Brillengläser auf den ersten Blick doch recht filigran. Ein erstes Öffnen macht den Zweifel schnell wett: ich darf mich ruhig rantrauen, der Schieber hält und insgesamt ist die Konstruktion zwar kleinteilig, aber robust.

Das Scott Lens Change System flutscht mit warmen Fingern in der guten Stube natürlich hervorragend – aber das sind ja auch keine realistischen Testbedingungen. Viel eher finde ich diese bei einer kurzen Skitour am späten Nachmittag. Es ist kalt, vor allem da die Sonne auf der gewählten Aufstiegsroute bereits vor Stunden ihren Dienst quittiert hat.

Unsere Gipfelrast ist kurz, wir wollen gerade so lange bleiben, wie für das Abfellen und einen Test-Gläserwechsel notwendig ist. Leider mache ich dabei einen entscheidenden Fehler: Da ich Scotts Handschuh-Versprechen nicht so recht glauben will, versuche ich es zunächst mit bloßen Händen. Schnell muss ich einsehen, dass die beißende Kälte die Mobilität meiner Finger in Nullkommanix soweit eingeschränkt hat, dass ich gerade gar nichts mehr anfassen kann.

Das Einsetzen der Wechseloptik läuft "rückwärts": Gläser einhängen und das System mit dem Schieber auf der gegenüberliegenden Seite schließen. Fertig. | Foto: Jörg Hackinger

Das Einsetzen der Wechseloptik läuft “rückwärts”: Gläser einhängen und das System mit dem Schieber auf der gegenüberliegenden Seite schließen. Fertig. | Foto: Jörg Hackinger

Während ich verzweifelt meine Hände wärme, spielt mein Begleiter mit der Skibrille. Trotz (oder gerade aufgrund) seiner dicken Skihandschuhe lässt sich das Lens Change System einwandfrei öffnen. Die Optik schiebt sich ein Stück aus dem Rahmen und kann gut am Rand der Gläser angefasst werden. Man muss die Gläser also nicht an ihrer Oberfläche berühren und Kratzer oder Beschädigungen riskieren.

Wenig später versuche ich mit den Innenhandschuhen erneut mein Glück. Mit geschützten Fingern klappt es auch bei mir hervorragend: Zunächst hole ich die Wechseloptik aus dem mitgelieferten schmalen und stabilen Etui. Die Ersatzoptik lässt sich darin im Rucksack oder der Jackentasche platzsparend und sicher transportieren. Die weiteren Schritte: Schieber auf, Optik aus der Fassung nehmen, Optik einsetzen, Schieber zu, System dicht. Insgesamt ist das Lens Change System mit Handschuhen sehr leicht zu bedienen – definitiv leichter als mit klammen Fingern, daher rate ich bei frostigen Temperaturen vom Ausziehen der Handschuhe ab!

Weitere Ausstattung der Scott LCG Skibrille

Die Scott LCG Skibrille ist mit dem Scott Fit System ausgestattet, das eine individuelle Anpassung der Brille an Gesicht und Nase erlaubt. Reguliert wird der Sitz über zwei Stellschrauben am unteren Rand der Skibrille, die die vorhandenen vier Millimeter Bewegungsspielraum in vier Richtungen so ausnützen, dass die Brille optimal auf den Gesichtskonturen aufliegt. Zugluft ist damit Geschichte. Die dreischichtige Schaumstoff-Gesichtsauflage sorgt zudem für ein angenehmes, druckfreies Gefühl. Achtung: Laut Herstellerangabe ist die Scott LCG Skibrille für mittlere bis große Gesichtsgrößen gemacht, Kinder, Jugendliche und Personen mit kleinem Gesicht sollten sich nach anderen Modellen umsehen.

Die in Europa hergestellten Polycarbonat-Optiken der Scott LCG Skibrille sind mit einer No Fog™-Beschichtung gegen Beschlagen ausgerüstet. Diese bewährt sich in Kombination mit dem Air Control System (ACS) für optimale Belüftung bei allen Praxistests im Winter 2013/14 sehr gut, egal ob auf Skitour oder beim Pisteln.

Mit dem Öffnen des Schiebers wird die Optik sanft aus dem Rahmen geschoben. So lässt sie sich gut an den Rändern anfassen. Die Scheiben selbst müssen nicht berührt werden. | Foto: Jörg Hackinger

Mit dem Öffnen des Schiebers wird die Optik sanft aus dem Rahmen geschoben. So lässt sie sich gut an den Rändern anfassen. Die Scheiben selbst müssen nicht berührt werden. | Foto: Jörg Hackinger

Das verwendete Polycarbonat-Material bietet nach Herstellerangabe hohen Aufprallschutz, den ich zum Glück nicht persönlich testen durfte. Nur sehr subjektiv einschätzen kann ich nach den Praxistests auch die Qualität der Optiken, die auf mich einen sehr guten Eindruck macht. Beide mitgelieferten Optiken des Testmodells bewähren sich im jeweiligen Einsatzbereich hervorragend. Scott verspricht für alle Gläser 100 Prozent Schutz vor schädlicher UVA- und UVB-Strahlung, was sich allerdings nur mittels Labortest überprüfen ließe.

Helmkompatibel? Die Scott LCG passt

Spannend bei Skibrillen ist immer der Aspekt der Helmkompatibilität: Optimal schließt die Scott LCG Skibrille natürlich in Verbindung mit den Skihelmen von Scott. Aber auch mein POC Frontal sowie die im Test-Haushalt verfügbaren Skihelm-Modelle Smith Variant, POC Receptor Bug und Sweet Trooper verstehen sich prima mit der Scott LCG. In jedem Fall empfiehlt es sich jedoch, die Skibrille vor dem Kauf in Kombination mit dem eigenen Helm auszuprobieren, auch um mögliche unangenehme Druckstellen auszuschließen.

Ein weiteres angenehmes Extra der Scott LCG: Ein im Halteband eingearbeiteter Silikonstreifen sorgt dafür, dass gesamte Brille auf dem Skihelm an Ort und Stelle bleibt und nicht lästig nach hinten über den Helm rutscht.

Test-Fazit zur LCG Skibrille von Scott

Ois easy! Zum zugegeben stolzen Preis von knapp 200 Euro gibt's gute Sicht, hochwertige Gläser und eine Menge Komfort. | Foto: Jörg Hackinger

Ois easy! Zum zugegeben stolzen Preis von knapp 200 Euro gibt’s gute Sicht, hochwertige Gläser und eine Menge Komfort. | Foto: Jörg Hackinger

Knapp 200 Euro muss man für die Scott LCG auf den Tisch legen – eine Menge Geld, wenn man bedenkt, dass die Preisspanne bei Marken-Skibrillen für Erwachsene bei rund 50 Euro beginnt. Neben dem Argument „Zwei-in-Eins“ setzt die Scott LCG auf Hochwertigkeit bei Gläsern und Verarbeitung, die sich in bestmöglichem Schutz, Flexibilität und einfacher, praktischer Handhabung ausdrückt. Besonders Vielskifahrer und Freerider, die großen Wert auf beste Sichtverhältnisse legen, werden die Vorteile der Scott LCG zu schätzen wissen. Gut geschützt im schmalen Etui ist die zweite Optik immer mit dabei und kann notfalls im Handumdrehen gewechselt werden. Die Skibrille selbst lässt sich einfach mit dem mitgelieferten Tool an die eigene Gesichtsform anpassen und trägt sich so super komfortabel. „Komfort“ ist daher sicherlich das Stichwort, wenn man danach sucht, worin sich die Scott LCG von den diversen Mitbewerbermodellen am Markt unterscheidet.

2 Kommentare

  1. Hallo,

    Konntet ihr auch testen wie sich die LCG bei schlechten Sichtverhältnissen wie Bewölkung oder Nebel schlägt? Ist ausreichend Kontrast vorhanden um noch einige Konturen ausmachen zu können?

    LG Alex

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*