Testberichte

Boreal Satori Kletterschuhe im Test

22.01.2015

Boreal Satori Kletterschuhe im Test

Im Überhang zuhause. Der Boreal Satori

Im Überhang zuhause. Der Boreal Satori

Der spanische Traditionshersteller Boreal hat 2014 endlich ein Modell veröffentlicht, welches den Kletterschuhen der Konkurrenz in nichts nachstehen soll. Bis dahin diente der Boreal Falcon als das Modell für Boulderer. Nun soll der Satori den Falcon ersetzen – und die Lücke zur Konkurrenz schließen. Die lange Entwicklungszeit und die reichhaltige Erfahrung der spanischen Kletterschuh-Schmiede prägen diese Kletterschuhe und versprechen Performance, Komfort und Haltbarkeit. Inwieweit die Erwartungen des Boreal Satori erfüllt werden können, zeigt dieser Test. In einem Punkt sei aber schon gesagt, dass die “Erfahrung voraussetzende Erkenntnis des Daseins” (= Name; Satori) hier den Schlüssel darstellt und durch das Lesen dieser Zeilen nicht ersetzt werden kann.

Optik und Verarbeitung des Boreal Satori

Die Boral Satori: Sehr auffällige Kletterschuhe.

Die Boral Satori: Sehr auffällige Kletterschuhe.

Das äußere Erscheinungsbild des Boreal Satori erinnert auf den ersten Blick sofort an den Solution von La Sportiva. Dieses Problem haben auch andere Modelle, die mit starkem Downturn und einer voll gummierten Ferse auftrumpfen. Es ist eben nicht so einfach, sich optisch von etwas so Prägnantem und Dominantem abzusetzen. Ich bin überzeugt, dass der Satori keine schlichte Kopie ist, sondern eine komplette Neuentwicklung. Farblich sind diese Kletterschuhe eher bunter Natur. Blaues Leder, eine gelbgrüne Zunge aus Mesh-Material und ebenfalls gelbgrüne Gummielemente im Bereich der Zehenbox und der Ferse sorgen für einen unverwechselbaren Look am Fels und in der Halle. Diese Farbkombination ist sicher wie immer eine Geschmacksache. Ich persönlich finde die Optik cool und einzigartig. So bleibt der Wiedererkennungswert von Neuzustand bis zum löchrigen Ende hoch.

Die Verarbeitung des Boreal Satori ist 1a

Die Verarbeitung des Boreal Satori ist 1a.

Die Verarbeitung könnte nicht besser sein. Boreal folgt Gott sei Dank nicht dem Trend des Outsourcing und behält die Produktion am Firmensitz in Spanien. Das merkt man in jedem einzelnen Detail dieser Kletterschuhe. Auch der Trend der immer dünner werdenden Materialien im Bereich des Schaftes geht am Satori glücklicherweise vorbei. Was mich besonders froh stimmt, ist die Tatsache, dass der Schaft nach wie vor zur Gänze aus Leder ist und nicht, wie mittlerweile auch üblich, mit Kunstfaser Materialien kombiniert wird. Qualität ist nicht nur das was man sieht sondern dass was spürt und unbewusst wahrnimmt. Beim Boreal Satori, wie auch bei anderen Boreal-Modellen, findet man eine hervorragende Qualität vor. Es bliebt zu hoffen, das Qualitätsmanagement auch in Zukunft greift und uns allen weiterhin Spitzenprodukte aus dem Hause Boreal beschert.

Konstruktion 

Der Vergleich mit dem Solution ist wirklich nicht aus der Luft gegriffen, denn der Boreal Satori weist alle wesentlichen Merkmale auf: Halbsohlenkonstruktion mit Downturn, Toe-Hook Gummierung, gänzlich gummierte Ferse und ein Velcro basierendes Schnellverschlusssystem. An diesen Komponenten kommt man heute aber auch nicht mehr vorbei, wenn am Ende ein ordentlicher Boulderschuh rauskommen soll. Seine Hausaufgaben hat Boreal sehr gut gemacht und präsentiert uns eine wohlüberlegte, ausgewogene, abgestimmte Konstruktion, die den Anforderungen des Boulderns absolut gerecht wird. Soll heißen: Der Satori lässt keine Wünsche offen, wenn es beim Kampf gegen die Schwerkraft um jeden Millimeter geht. All die (für Boreal) neuen Features haben natürlich spezielle Namen, wie: „Tos Flexion System“ für Downturn, Rand Wrap für die Weiterentwicklung des V2 Rands, welche die Vorspannung sicherstellt und M2 Fit für das oben besagte Velcrosystem.

Vorspannung? Ja! Downturn? Auch!

Vorspannung? Ja! Downturn? Auch!

Fakt ist, dass kein einziges Merkmal des Satori irgendwo kopiert wurde, sondern jedes Detail die lange Entwicklungsarbeit widerspiegelt. Das, was ein besonderes Lob verdient ist die von Falcon abgeleitete und verbesserte Ferse. Die Gummierung grenzt für mich an Perfektion! Die Form ist optimal, die Gummikante ist sinnvoll, das Gummi ist griffig – was will man mehr? Die Toe-Hook Gummierung ist ebenfalls voll durchdacht und bietet eine große Fläche zum Setzen von Hooks mit den Zehen. Die Zenith-Gummierung ist etwas kantenstabiler gemacht worden, ohne dabei an Reibung zu verlieren. Die Sohle ist mit 4,5 Millimeter relativ dick für ein Performance Modell. Die Zunge ist angenehm weich und ausreichend dick und verteilt den Druck der Schnürung sehr gut. Insgesamt ist die Konstruktion ein echter Meilenstein in der Entwicklung der Boreal Kletterschuhe. Hätte Boreal den Satori vor Solution rausgebracht, hätten jetzt alle den Satori kopiert.

Passform und Größe

Gerade Schnitt beim Boreal Satori

Gerader Schnitt beim Boreal Satori.

Die Boreal Satori Kletterschuhe bestehen aus ungefüttertem Leder. Nichtsdestotrotz hat die Anpassung des Kletterschuhs seine Grenzen. Der Satori ist mittelbreit und lässt sich für normales Fußvolumen (Extreme wie immer ausgenommen) sehr gut mittels „Schnürung“ anpassen. Die Zehen werden in der entsprechend engen Größe ordentlich aufgestellt. Die kleinen Zehen, die nicht vom Toe-Hook Patch verdeckt werden, können sich im Leder Platz machen, beim großen Zeh ist es leider nicht der Fall. Die Ferse sitzt sehr stramm, was sicher auch an einem relativ steilen Winkel der Ferse liegt. Deshalb wird auch das Anziehen zum Problem, denn die aus Mensch bestehende Slipper-Zunge gibt sehr wenig nach. Leider hat Boreal das Lederband in der Mitte des Fersenrandes beibehalten, dieser macht die Ferse starrer und lässt den Fuß gefühlt schwerer rein gleiten. Dafür sind die Anziehschlaufen perfekt dimensioniert und angebracht, sodass man zwar schwierig rein kommt, aber nicht Gefahr läuft die Ringbänder zu reißen.

Der Einstieg in den Boreal Satori ist nicht leicht

Der Einstieg in den Boreal Satori ist nicht leicht.

Eine optimale Größe ist beim Boreal Satori leicht gefunden.  Man nehme sein Straßenschuhgröße und subtrahiere diese mit 1. In meinem Fall Größe 43 bei Straßenschuhen minus 1 volle Größe ergibt 42 EU oder 8 UK. Diese sitzt an meinem quadratischen Fuß sehr stramm, sodass ich 7,5 UK gar nicht anziehen könnte. Nach ein paar Mal Bouldern passt sich der Kletterschuh an und sitzt dann angenehm eng. Der Komfort ist gut, lediglich am ersten Gelenk der kleinen Zehen drückt mir irgendeine Naht ganz schon drauf. Dieser Hotspot wurde bei mir mit der Zeit leider nicht wirklich besser. Bei anderen Fußformen ist das Problem sich nicht da oder weniger stark ausgeprägt, so dass diese Komfort mit Sicherheit als sehr gut bewerten würden. Ein gemütlicher alpiner Schlappen wird der Satori nie, aber von einer Boulderwaffe kann man so etwas auch nicht verlangen.

Performance & Haltbarkeit dieser Kletterschuhe

Die Konstruktion bringt bringt beim Grip gute Ergebnisse

Die Konstruktion bringt bringt beim Grip gute Ergebnisse

Wenn man die Grundausstattung des Kletterschuhs anschaut, dann stellt man sehr schnell fest, dass diese Kletterschuhe alles besitzen, was man im steilen Gelände benötigt. Doch wie gut ist die erwartete Performance wirklich? Wie schlägt sich der Satori im Vergleich zu der hochkarätigen Konkurrenz? Denn schließlich kosten diese Boreal Kletterschuhe auch eine gute Stange Geld. Alles in einem würde ich dem Satori eine solide 2 als Note vergeben. Diese setzt sich in meiner Bewertung aus der Performance beim Treten und beim Hooken mit allen Teilen des Kletterschuhs. Der Downturn ist sehr hilfreich beim Klettern und Bouldern an sehr steilen Kunstwänden. Beim Balancieren auf Strukturen in senkrechten Felswänden ist er ebenfalls nicht vom Nachteil gewesen. Die etwas härter und stabiler gewordene Gummimischung Zenith, hinterlässt besseres Gefühl auf kleinen Tritten, als ich es noch mit dem Kintaro hatte. Im direkten Vergleich mit XSGrip (2) finde ich Zenith nach wie vor ein Tick schwammiger und instabiler. Reibungswerte sind dafür mit Vibram Mischungen absolut auf Augenhöhe. Das Klettern mit einem Zenith besohlten Kletterschuh ist einwenig gewöhnungsbedürftig, denn man muss Vertrauen lernen, dass der Fuß nicht abrutscht, auch wenn es sich anfangs anders anfühlt – der Satori bleibt kleben.

Auch der Verschluss sorgt beim Boreal Satori für perfekten Halt - und steigert Klettervergnügen

Auch der Verschluss sorgt beim Boreal Satori für perfekten Halt – und steigert das Klettervergnügen.

Je runder und größer die Tritte und je steiler das Gelände wurde, desto besser kam ich mit dem Satori zu Recht. Bouldern im Überhang mit diesem Kletterschuh ist toll und macht wahnsinnig Spaß. Beim Klettern von Routen (egal ob in der Halle oder am Fels) habe ich nicht das gleiche Gefühl und weiche auf das steifere Modell aus: Boreal Dharma. Die Performance beim Hooken mit der Ferse hat mich dagegen völlig fasziniert. Die perfekt geformte und gummierte Ferse lässt sich kinderleicht nahezu überall platzieren und noch einfacher belasten. Dazu fällt mir nur ein Wort ein: genial! Beim Toe-Hooken kommt es ganz darauf an, mit welcher Fläche man sich verbinden möchte. Je diffiziler die Beschaffenheit der Oberfläche desto schwieriger wird es mit dem Satori, trotz hervorragender Zehenbox Gummierung, den Form- und den Kraftschluss herzustellen. Das liegt daran, dass der Kletterschuh insgesamt schon eine festere Struktur aufweist und eben nicht so anpassungsfähig ist wie solche sockenähnliche Konstruktionen etwa beim Speedster. Dennoch auch hier eine grundsolide Leistung, an die ich mich zwar erst gewöhnen musste, die dann aber nach einer Weile keine Wünsche offen ließ.

Die Boreal Satori sind Kletterschuhe aus Leder mit allen Vor- und ohne Nachteile. Die Vorteile überwiegen für mich ganz deutlich. Ein Paar Beispiele? Er stinkt jetzt selbst nach gut einem Jahr Dauereinsatz nicht ansatzweise. Er hat sich zwar nicht sofort aber dafür perfekt an den Fuß angepasst. Satoris Schaft ist sehr haltbar gegen Abrieb, so dass der Zehenbox keinerlei Löcher drohen. Der größte und sehr schwer in Griff zu bekommende Nachteil: die Lederdehnung hat Boreal mittels des vielen Gummis und der guten Wahl der Materialstärke perfekt in den Griff bekommen. So behält mein Satori die Form Session für Session und sichert so die Performance wie am ersten Tag. Die Sohle ist von Beginn an dicker gewesen, als es bei den Performance Modellen üblich ist. Diese Dicke ist aus meiner Sicht ebenfalls eine sehr wohl überlegte Entscheidung von Boreal gewesen, denn Zenith ist und bleibt als ein sehr weicher und klebriger Gummi nicht die haltbarste Mischung auf dem Markt. Nach einem Jahr habe ich zwar keine Löcher aber lange dauert es nicht mehr. Bedenkt man jedoch, dass ich Satori die Masse der Zeit an den aggressiven Kletterhallenwänden nutzte – ist dies eine sehr respektable Leistung. Reibung kostet nun mal bei jedem Zug millimeterweise Gummi. Darüber sollte man sich im Klaren sein.

Test-Fazit – Die Boreal Satori Kletterschuhe

Das hat sonst keiner! Die Satori-Ferse.

Das hat sonst keiner! Die Satori-Ferse.

Der Boreal Satori ist so etwas wie eine Erlösung und Aufbruch in ein neues Zeitalter für den Traditionshersteller aus Spanien. Mit diesem Kletterschuh gelingt Boreal definitiv der Anschluss an die Spitze im Performance Bereich. Ledertypische, persönliche Anpassbarkeit an den eigenen Fuß sowie die extrem starke Ferse gehören für mich zu den absoluten Highlights dieses Modells. In diesen beiden Punkten hat die Konkurrenz nichts Adäquates zu bieten. Die Haltbarkeit und die performative Ausrichtung sind weitere Argumente für eine Pro-Satori Entscheidung. Der Preis absolut in einem für mich vertretbarem Rahmen, wenn man bedenkt, dass die Produktion komplett in Europa stattfindet. Auf dem Satori-Konzept kann Boreal, wie ich finde, gerne aufbauen und evtl. einen Slipper entwickeln, noch agiler und feinfühliger wäre. Zum Schluss möchte ich die Verknüpfung zum Beginn des Berichts und somit zu dem Namen Satori herstellen. Am Ende versteht man diese Kletterschuhe durch ein ausgiebiges Klettern und viele einmalige Erlebnisse in der steilen Welt der Überhänge an Fels und Plastik.

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