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Großer Widderstein: Bergtour im Kleinwalsertal

05.11.2014

Großer Widderstein: Bergtour im Kleinwalsertal

Das Allgäu bietet eine faszinierende Vielfalt für alle, die die Berge lieben. Egal ob Mountainbiken, gemütliches Wandern, anspruchsvollere Bergtouren oder Klettern. Da ich selbst im Allgäu aufgewachsen bin, konnte ich viele Berge und Gipfel kennenlernen. Einen der bekanntesten Allgäuer Gipfel und ein schönes Ziel für eine lange und abwechslungsreiche Bergtour möchte ich euch heute vorstellen: Den Großen Widderstein. Als Wahrzeichen steht er wie ein Wächter am Ende des Kleinwalsertals und bietet die Möglichkeit einer gemütlichen Umrundung – oder ein anspruchsvolles Gipfelziel.

Anfahrt und Ausgangspunkt im Kleinwalsertal

Blick zum Gipfelaufbau von der Widdersteinhütte.

Blick zum Gipfelaufbau von der Widdersteinhütte.

Der Ausgangspunkt dieser langen, aber sehr lohnenden Tour liegt in Baad, ganz am Ende des Kleinwalsertals. Von Norden kommend (A7) hält man sich immer Richtung Oberstdorf und biegt an einem Kreisverkehr kurz vor Oberstdorf rechts ab (Ausschilderung Kleinwalsertal). Dem Tal folgt man bis fast zum Ende und kann dabei schon den ein oder anderen Blick auf die tolle Berglandschaft gewinnen. In Mittelberg angekommen biegt man in Richtung Baad ab, bis am linken Straßenrand (in der Nähe einer Bushaltestelle) ein kostenpflichtiger Parkplatz liegt. Hier heißt es nun Bergstiefel schnüren, den Rucksack schultern und sich auf den Weg ins Gemsteltal machen.

Einfacher Zustieg bis zur Widderstein-Alpe

Der Aufstieg beginnt gemütlich am nördlichen Rand des Gemsteltals. Bis zur hinteren Gemstelalm (rund 45 Minuten, 1.320 Meter) geht es sanft auf einem Fahrweg bergan. Doch dann beginnt der steile Teil des Anstiegs und eine Wand baut sich vor einem auf, durch die der Weg immer steiler in Richtung obere Gemstelalm (1.692 Meter) führt. Hier öffnet sich der Talkessel wieder etwas und man bemerkt die zunehmend alpinere Umgebung. Etwas rechts ansteigend gelangt man zum Gemstelpass (1.972 Meter), von wo aus man bereits den mächtigen Felsaufbau des Großen Widdersteins erblicken kann. Zur Widderstein-Alpe (2.009 Meter) ist es nun nicht mehr weit und man hat sich durchaus eine erste Pause verdient. Weitere fünfzehn Minuten westlich muss man sich entscheiden – entweder man bleibt auf dem Weg und belässt es bei einer schönen Umrundung des Großen Widdersteins und hat eine wunderschöne Tour vor sich. Oder man steigt durch die steile felsige Rinne zum Gipfel des Widdersteins auf (etwa eine Stunde Aufstieg und eine Stunde Abstieg, 500 Höhenmeter zusätzlich). Dann wird jedoch aus einer einfacheren Wanderung eine ordentliche Bergtour.

Kraxelige Bergtour: Die letzten Meter auf den Großen Widderstein (2.533 Meter)

Der Gipfelaufstieg zum Großen Widderstein von Süden her in steilem, aber gestuftem Geh- und Kraxelgelände.

Der Gipfelaufstieg zum Großen Widderstein von Süden her in steilem, aber gestuftem Geh- und Kraxelgelände.

Die Wanderstöcke kann man unterhalb der steilen Felsrinne deponieren – sie sind ab hier mehr im Weg, als dass sie helfen. Der Anspruch steigt – es muss gekraxelt werden, das Gelände ist steil, Einzelstellen gehen bis Schwierigkeitsstufe I UIAA und es ist jederzeit mit Steinschlag durch andere Wanderer zu rechnen (eventuell Helm mitnehmen). Auch für einen selbst gilt, dass man unbedingt aufpassen sollte, keinen Schotter von den Felsbändern loszutreten. Die Markierungen sind jedoch immer gut ersichtlich und damit ist die Orientierung nicht schwierig. Durch die Rinne geht es immer weiter nach oben, bis man auf den Grat aussteigt und hier teils etwas ausgesetzt zum Gipfel aufsteigt. Vom Großen Widderstein (2.533 Meter) selbst kann man dann eine tolle Sicht über die Allgäuer Alpen und das Umland genießen.

Abstieg

Der Abstieg vom Großen Widderstein orientiert sich zuerst am Aufstieg, es geht wieder durch die südseitige Scharte hinunter in Richtung Hochtannbergpass. Nach der steinigen Scharte gelangt man wieder in sanfteres Gelände. Doch diesmal geht es nicht zurück zur Widdersteinhütte, sondern man biegt nach Westen ab. Nach etwa 30 Minuten steht man am Eingang zum Bärgundtal und sieht über die komplette Abstiegsroute fast bis nach Baad hinunter. Durch das sanfte und dennoch natürlich-wilde Tal geht es den gesamten Weg zurück nach Baad. Orientierungsprobleme gibt es auch hier keine. Unten am Talschluss kann man entweder den Bus nehmen, um zum Parkplatz zurückzugelangen, oder man nimmt die letzten Kilometer zu Fuß auf sich. Auf jeden Fall hat man sich am Ende ein Kneippbad in der kalten Breitach verdient.

Zusammenfassung Bergtour Großer Widderstein

Tourentopo: Großer Widderstein

Tourentopo: Großer Widderstein

  • Ziel: Der Große Widderstein (2.533 Meter)
  • Charakter: lange, abwechslungsreiche Umrundung mit einfacher, teils steiler und etwas ausgesetzter Kraxelei bis zum Gipfel
  • Ausgangsort: Baad im Kleinwalsertal
  • gewählte Route: Aufstieg über das Gemsteltal, Gipfel über Normalweg, Abstieg über das Bärgundtal
  • Höhenmeter: rund 1.300
  • Gehzeit: etwa acht bis neun Stunden (Normgehzeit laut Literatur, je nach Fitness auch schneller möglich)
  • Ausrüstung: gute Wanderstiefel und normale Ausrüstung für Bergtouren (siehe Packliste Wandern), evtl. Helm für den Gipfelanstieg
  • Anforderung Rundwanderung: lange, aber einfache Rundwanderung
  • Anforderung Gipfelaufstieg: bis UIAA I, teils steil und am Grat teilweise ausgesetzt, gute Markierungen, Vorsicht Steinschlaggefahr (Helm empfohlen)

Ein Kommentar

  1. Der Aufstieg zum Große Widderstein lohnt sich vor allem wegen der Aussicht. Die ist wirklich prachtvoll, weil ringsum alle anderen Gipfel niedriger sind. Der Aufstieg durch die Südrinne mit ihren feuchten und brüchigen Felsen ist wenig erfreulich. Wer sich auf eine nette Kletterei einstellt, wird eher enttäuscht sein. Man muss sehr aufpassen, keinen Stein loszutreten. Seltsamerweise tragen die wenigsten einen Steinschlaghelm.

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