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Mindelheimer Klettersteig: Alle Fakten zur Tour in den Allgäuer Alpen

01.10.2014

Mindelheimer Klettersteig: Alle Fakten zur Tour in den Allgäuer Alpen

Der Mindelheimer Klettersteig zählt zu den bekanntesten Touren der Allgäuer Alpen. Zusammen mit dem Hindelanger Klettersteig gehört er zu den am meisten begangenen Klettersteigen im Allgäu. Diese Bekanntheit kommt nicht von ungefähr: eine tolle Linienführung, gute Sicherungen, begeisternde Ausblicke, die Möglichkeit ihn in beide Richtungen zu gehen, dazu auf jeder Seite eine Hütte die zur Übernachtung bzw. Einkehr einlädt – was will man mehr? Im folgenden Tourentipp habe ich euch ein paar Details zum Klettersteig zusammengestellt und schildere meine Eindrücke. Die Zeitangaben orientieren sich am Rother-Klettersteigführer Bayern, Tirol, Vorarlberg, Salzburg, da ich die Tour alleine und ohne jeglichen Gegenverkehr gehen konnte und meine Zeiten daher nicht sehr repräsentativ sind.

Charakter/Zusammenfassung zum Mindelheimer Klettersteig

Der Mindelheimer Klettersteig ist abwechslungsreich und bewegt sich im Schwierigkeitsgrad A/B bis B/C.

Der Mindelheimer Klettersteig ist abwechslungsreich und bewegt sich im Schwierigkeitsgrad A/B bis B/C.

Beim Mindelheimer Klettersteig handelt es sich aus meiner Sicht um einen der schönsten Klettersteige der Allgäuer Alpen. Er orientiert sich an den natürlichen Gegebenheiten und spielt mit den Formen, die die Gipfel ihm bieten. Mal links, mal rechts am Kamm entlang bieten sich immer wieder atemberaubende Tief- und Fernblicke. Auch zeigt er sich sehr abwechslungsreich - nach jedem Türmchen, nach jeder Ecke wartet eine kleine Überraschung und man fragt sich teilweise, wo der Weg nun wohl weitergehen wird. Es findet sich aber immer wieder eine kleine elegante Kurve, die einen dann zum nächsten Gipfel führt.

Die Sicherungen auf dem Mindelheimer Klettersteig sind durchweg modern, gut gewartet und ausreichend – dennoch ist der Steig nicht übersichert. Das heißt es kommen immer wieder Gehstücke oder “Kraxelstücke” ohne Sicherung. Auch die hochalpine Lage mit insgesamt mehr als 2.000 Höhenmetern birgt einige Schwierigkeiten: Immer wieder sind Schneefelder bis spät ins Jahr hinein vorhanden und schnelle Wetterumschwünge sollten bei diesen Höhenlagen immer bedacht werden.

Ein Topo des Mindelheimer Klettersteigs gibt es hier.

Ausgangspunkt im Kleinwalsertal

Ausgangspunkt der Tour auf dem Mindelheimer Klettersteig ist Mittelberg im Kleinwalsertal. Dazu hält man sich von Norden her kommend Richtung Oberstdorf und biegt kurz vor der Ortschaft an einem Kreisverkehr ins Kleinwalsertal ab (gut ausgeschildert). Man fährt eine ganze Weile ins Tal hinein, bis man erst die Grenze nach Österreich erreicht und anschließend nach einigen Ortschaften nach Mittelberg gelangt. Hier muss man nun ein wenig auf die Beschilderung achten: Die Hauptstraße biegt links nach Baad ab. Wenige hundert Meter später ist erneut links die Alpe Schwendle ausgeschrieben. Bis hierhin folgt man dem Straßenverlauf und parkt auf dem kostenpflichtigen Parkplatz.

Zustieg zum Mindelheimer Klettersteig

Die Fidererpasshütte auf dem Zustieg zum Mindelheimer Klettersteig lädt nach zwei bis drei Stunden zu einer ersten Pause ein.

Die Fidererpasshütte auf dem Zustieg zum Mindelheimer Klettersteig lädt nach zwei bis drei Stunden zu einer ersten Pause ein.

Vom Parkplatz leicht ansteigend dem Fahrweg gut ausgeschildert ins Wildental hinein folgen. Am Ende des Tals spaltet sich der Weg und man muss sich entscheiden. Links hinauf geht es zur Fidererpasshütte, rechts hinauf zur Mindelheimer Hütte. Da der Mindelheimer Klettersteig prinzipiell in beide Richtung begehbar ist und es keine “Sahnerichtung” gibt, bleibt einem hier die Wahl überlassen. Ich habe mich für den linken Weg entschieden und so geht es nun deutlich steiler hinauf zur Fidererpasshütte. Nach insgesamt rund zwei bis drei Stunden Gehzeit ist man hier angelangt und hat sich eine erste Pause verdient. Anschließend geht es nochmals rund 30 Minuten recht steil bergauf, bis man oben auf dem Kamm angelangt ist. Auf der Südseite quert der Weg nun ein Stück, bevor es dann (nicht ausgeschildert) auf schmalem Pfad zum Einstieg des Klettersteigs geht.

Der Mindelheimer Klettersteig

Nachdem man Klettergurt, Klettersteigset und Helm angelegt hat, kann es losgehen. Die ersten Meter noch sehr gemächlich im A/B-Schwierigkeitsgrad kommt nach wenigen Minuten die erste etwas steilere, aber gut machbare C-Stelle. Hat man diese überwunden geht es zwar steil, aber nur mäßig ausgesetzt auf den Dritten Schafalpenkopf – von hier hat man bereits eine großartige Sicht auf den vor einem liegenden Weg mit dem Zweiten und dem Ersten Schafalpenkopf, und man erkennt, wie sehr die Wegführung des Mindelheimer Klettersteigs gelungen ist und sich an den natürlichen Gegebenheiten orientiert.

Schwierigkeit: B/C mit häufigerem A/B-Gelände

Der Mindelheimer Klettersteig überzeugt durch tolle Linienführung.

Der Mindelheimer Klettersteig überzeugt durch tolle Linienführung.

Über vorwiegend A/B-Gelände und die von vielen Bildern bekannte Leiterbrücke geht es auf dem Mindelheimer Klettersteig weiter zum nächsten Gipfelaufbau. Dabei sind gerade in den Zwischenstücken immer wieder auch ungesicherte und dennoch recht ausgesetzte Stellen zu überwinden, so dass alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit absolute Grundvoraussetzungen sind, um den Klettersteig genießen zu können. Der Zweite Schafalpenkopf wird dann vorwiegend im B-Gelände bezwungen – stets in schöner Linienführung, immer leicht, aber nie erschreckend ausgesetzt. Der Gipfel des Zweiten Schafalpenkopfes bietet sich dank seiner tollen Rundumsicht und seinem grasigen Rücken zu einer ausgiebigen Rast an.

Nach einem erneut etwas einfacheren Überführungsstück geht es auf den Ersten Schafalpenkopf, die Schwierigkeit hat hier aber bereits etwas nachgelassen und es handelt sich meist um A/B-Gelände.

Auf eine grasige Mulde folgt ein kurzer Gegenanstieg auf den Kemptener Kopf, von wo aus man nochmals auf den zurückgelegten Mindelheimer Klettersteig blicken kann. Ebenso sieht man im Südwesten bereits die Mindelheimer Hütte, die von hier in gut 20 Minuten zu erreichen ist.

Dauer: Drei bis vier Stunden

Insgesamt findet man meist die Angabe, dass man den Steig in drei bis vier Stunden durchgeht. Hat man keinen oder sehr wenig Gegenverkehr, so ist die Tour auch deutlich schneller möglich. Bei regem Verkehr (wie es an den Wochenenden bei schönem Wetter die Regel ist) kann es aber auch sehr zäh und schleppend vorangehen. Daher ein kleiner Tipp: wenn man die Möglichkeit hat, am besten unter der Woche gehen, dann hat man den Mindelheimer Klettersteig fast für sich alleine.

Abstieg

Blick zurück auf die Schafalpenköpfe, über die der Mindelheimer Klettersteig führt.

Blick zurück auf die Schafalpenköpfe, über die der Mindelheimer Klettersteig führt.

Entweder man steigt vom Kemptener Kopf direkt in die Kemptener Scharte und steigt ab, oder man nimmt etwas Umweg auf sich (rund 15 Minuten pro Strecke) und macht einen lohnenden Abstecher zur Mindelheimer Hütte.

Unten im Wildental angelangt, folgt man zum Abschluss dem Fahrweg, den man vom Aufstieg her kennt. Für den Abstieg ab der Kemptener Scharte sollten nochmals eineinhalb bis zwei Stunden eingeplant werden.

Achtung: Der Abstieg durch die Kemptener Scharte ist nicht zu unterschätzen. Er ist sehr steil, ausgesetzt und es liegt teilweise recht lang Schnee sowie viel loser Schutt. Ich bin die Tour 2014 im Juni gegangen und ein Großteil der Abstiegsroute war dabei von Schnee und Schutt bedeckt – mehrmals kamen von oben kleinere Steinrutschen oder fliegende Steine herunter, obwohl ich im Abstieg niemanden über mir hatte. Unten angekommen habe ich eine Gruppe überholt, die im Aufstieg umgedreht ist und doch via Fidererpasshütte aufgestiegen ist, da es ihnen schlicht zu heikel war. Auch im restlichen Mindelheimer Klettersteig lag dieses Jahr im Juni noch vereinzelt Schnee, der eine alternative und kurzzeitig ungesicherte Routenwahl notwendig gemacht hat. Durch die vielen Besucher ist aber in der Regel ersichtlich, wo man sich am besten orientieren soll.

Alpin: Selbst im Juni kann noch ordentlich Schnee auf dem Mindelheimer Klettersteig liegen.

Alpin: Selbst im Juni kann noch ordentlich Schnee auf dem Mindelheimer Klettersteig liegen.

Dennoch sollte man nicht unterschätzen, dass es sich beim Mindelheimer Klettersteig um einen sehr alpinen Klettersteig handelt, den reine Anfänger nicht ohne erfahrene Begleitung begehen sollten. Auch eine Übernachtung auf einer der beiden Hütten kann die Tour deutlich entspannen. Als Tagestour ist der Mindelheimer Klettersteig eine sehr lange und anspruchsvolle Sache. Da es keinen wirklichen Notausstieg gibt, sollte man sich den Anforderungen bewusst sein.

Zusammenfassung Mindelheimer Klettersteig

  • Name: Mindelheimer Klettersteig
  • Schwierigkeit: B/C
  • Gesamtdauer: rund acht bis zehn Stunden
  • Anforderungen: Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, alpine Erfahrung, Kondition für eine sehr lange Tagestour
  • Ausgangspunkt: Mittelberg im Kleinwalsertal
  • Übernachtungsmöglichkeiten: Mindelheimer Hütte/Fidererpasshütte
  • Notausstiege: keine
  • Gehrichtung: in beide Richtungen möglich
  • Besonderheiten: toller Grat-Klettersteig mit schöner Linienführung, guter Sicherung und genialer Sicht
  • Achtung: bei gutem Wetter sehr häufig begangen – dadurch kann es durch großen Gegenverkehr zu großen Verzögerungen kommen
  • Negativpunkt: die langen Zustiege und Stau durch die vielen Besucher machen die Tour als Tagestour recht lang – dies sollte man in der Planung ebenso berücksichtigen wie die Tatsache, dass es keinen Notausstieg gibt
Mindelheimer Klettersteig - Tourentopo mit ungefähren Zeitangaben für den "Durchschnittswanderer".

Mindelheimer Klettersteig – Tourentopo mit ungefähren Zeitangaben für den “Durchschnittswanderer”.

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