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Valle dell'Orco: Klettern südlich des Gran Paradiso

12.09.2014

Valle dell’Orco: Klettern südlich des Gran Paradiso

„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm deine Pläne!“ (Blaise Pascal) Dieses Zitat kann auf zwei Weisen interpretiert werden. Entweder er lacht über Dich, oder er freut sich, dass Du überhaupt (noch) Pläne hast. Wie dem auch sei, er hatte mit uns im Valle dell’Orco bestimmt eine amüsante Woche. Viele Kletter-Pläne wurden geschmiedet, doch Petrus wechselte ebenso oft seine Pläne. Und damit auch wieder unsere.

Steilste Wand zum Klettern im Valle dell'Orco: der Caporal.

Steilste Wand zum Klettern im Valle dell’Orco: der Caporal.

Solche Gedanken gehen mir in Wandmitte am Caporal im italienischen Valle dell‘Orco durch den Kopf, nachdem sich die paar Tropfen schließlich zu einem sich intensivierenden Dauerregen formatiert haben. Nach einem gepflegten Rückzug durch den Regen sitzen wir bald darauf in der durch die Standheizung erwärmten tropischen Luft in unseren Unterhosen im Bus. Ein paar Tage später stehen wir wieder am Fuß des Caporal. Trotz des feuchten Einstands war der erste Kontakt mit dem Valle dell‘Orco begeisternd. Das enge Tal an der Südseite des Berges Gran Paradiso bietet Granitkletterei vom Feinsten und wird immer wieder als das italienische Yosemite angepriesen. Davon wollten wir uns überzeugen – und wurden auch nicht enttäuscht.

Valle dell’Orco: Klettern am Caporal

Valle dell'Orco: Klettern in der Plattenlänge der Itaca ne Sole.

Plattenlänge der Itaca ne Sole – hier könnte man fast den Eindruck bekommen, dass mehr als nur 6b+ gefordert ist.

Statt mit dichten Wolken im Nacken stehen wir bei unserem zweiten Anlauf zum Klettern nun bei Sonnenschein am Fuße des Caporal, einem der größeren Brocken im Valle dell‘Orco. Während wir bei unserem ersten Versuch über den genialen Riss Orecchio del Pachiderma (6b, 40 Meter) das große Band der Itaca nel Sole (8b, 6b+/A0, 300 Meter) erreichten, steigen wir nun über eine direkte Variante in die Fessura del Pipistrello (6c+, 50 Meter) ein.

So klettern wir diesmal trocken an den Anfang der in Wandmitte beginnenden Rattle Snake (6c, 180 Meter). In diesen drei Längen ist der Bohrhaken wohl heiß umkämpft. Aktuell befinden sich keine in den Längen, was aber nichts ausmacht. Auch wenn es nicht immer danach aussieht, die Längen lassen sich alle fair absichern.

Da der Andrang heute deutlich größer ist als beim letzten Mal, machen wir uns schnell aus dem Staub und genießen unseren Mittagskaffee am Bus. Statt am Nachmittag die Fessura della Disperazione (6b+, 90 Meter/200 Meter) zu klettern, entscheiden wir uns für die Tour Legoland (7a – 8a, 50 Meter). Schon allein die Spanne der Schwierigkeitsangabe macht uns neugierig. Das finale Rissdach, welches etwas an Separat Reality erinnert, sorgt für den Ausschlag der Entscheidungsfindung.

Valle dell'Orco: Klettern im Legoland

Das Legoland für die Großen.

Die Architektur der 2. Länge, des Rissdaches, ist äußerst beeindruckend und dürfte wohl bei 7b liegen. Zuvor darf aber ein super Fingerriss geklettert werden, ehe es in die Horizontale geht. Ein Handriss führt circa fünf Meter horizontal raus, der gut mit zwei Sätzen Cams #1 – #3 abgesichert werden kann. Zwei Versuche später ist in dem Dach allerdings der Ofen komplett aus. Eine ganz neue Erfahrung. So ein Rissdach ist der perfekte Ganzkörper-Workout! Jetzt reicht es erstmal.

Beim Abendessen beobachten wir noch zwei Spanier in dem schönen Fessura du Panetton (6c+, 13 Meter) direkt am Parkplatz. Nach diesem Betthupferl im letzten Tageslicht sorgt schließlich noch das Abschlussbier für die perfekte Bettschwere.

Valle dell’Orco: Klettern am Dado

Valle dell'Orco: Klettern in den Risslängen des Rattle Snake.

Geniale Risslängen im Valle dell’Orco: Rattle Snake.

Der nächste Morgen zeigt sich wieder in dem für diese Woche vertrauten Gewand: graue Wolken verheißen nichts Gutes. Vor allem aber keine längeren Kletter-Touren. So schleppen wir unsere müden Körper hoch zum Dado. Neben einigen neuen Sportklettereien bieten die Felsen zwei absolute Rissklassiker des Valle dell’Orco: Bianca Parete (6b+, 25 Meter) und Sitting Bull (6c+, 30 Meter). Tolle Risse, clean und einfach schön zu klettern. Perfekt für dieses Wetter und diesmal erreichen wir rechtzeitig mit einsetzendem Regen die Bar und genießen trocken den Cappuccino. Dabei schmökern wir noch in dem neu erstandenen Valle dell’Orco-Topo (M. Oviglia, Versante Sud) und schmieden die Pläne für den nächsten Besuch. Immerhin, Gott hatte wohl für dieses Mal genug Spaß mit uns.

Infos zum Klettern im Valle dell’Orco

Das Valle dell’Orco liegt in Italien südlich des Berges Gran Paradiso und macht bislang den Eindruck, vom großen Tourismus verschont zu sein. Der für Kletterer interessanteste Teil des Tales befindet sich im letzten Drittel zwischen Noasca und Ceresole Reale. Idealerweise erreicht man die Gegend mit einem vollen Lebensmittelschrank und der entsprechenden Kletterausrüstung inklusive einer großen Rolle Tape. Eine Anleitung zum Tapen findet ihr übrigens auch im Bergzeit Magazin.

Es gibt ein aktuelles Topo über das Klettern im Valle dell’Orco von Maurizio Oviglia und Versant Sud. In der Kletterkiste sollte sich neben Voll- und Halbseil-Exen, ein Satz Rocks und zwei Sätze Cams befinden. Je nach Vorlieben auch die Accessoires für die Techno-Touren. Auf das benötigte Material wird im Topo hingewiesen.

Ach ja, bei Regen finden sich im Valle dell’Orco recht wenige brauchbare Plätze zum Klettern. Dafür Bars mit einem guten Espresso.

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