Leidenschaft, Reise

Wrangell St. Elias National Park: Planung einer Erstbegehung in Alaska

25.06.2014

Wrangell St. Elias National Park: Planung einer Erstbegehung in Alaska

Eine Trekkingtour am anderen Ende der Welt erfordert umfassende Planung und Vorbereitung. Ben und Kai berichten über die Organisation ihrer Erstbegehung im Wrangell St. Elias National Park in Alaska – vom Ausfindigmachen eines unbestiegenen Gipfels bis hin zur konkreten Tourenplanung.

Nach diversen Outdoorabenteuern in Schweden und Kanada war uns schnell bewusst, dass wir auch künftig gemeinsam Abenteuer in der Natur und Wildnis erleben und als funktionierendes Team der gleichen Leidenschaft nachgehen wollten. So begannen wir im Juli 2013, circa ein Jahr im Vorfeld, mit der Planung unserer nächsten Tour: im Wrangell St. Elias National Park in Alaska. Diesmal wollten wir auch unsere zweite, in den letzten Jahren gewachsene Leidenschaft einbeziehen, das Klettern und Bergsteigen.

Auf dem Weg zum Abenteuer

Wohin soll es diesmal gehen? Am besten so abgeschieden und ursprünglich wie möglich -  da kommt uns Alaska gerade recht.

Wohin soll es diesmal gehen? Am besten so abgeschieden und ursprünglich wie möglich – da kommt uns Alaska gerade recht.

Ein richtiges Freiheits- und Abenteuergefühl stellt sich bei uns erst bei völliger Abgeschiedenheit und nahezu unberührter Natur ein. Diese Vorliebe und die Tatsache, dass wir uns bei der Kletterei stetig verbesserten, führte uns unweigerlich zu der Idee, die Erstbegehung eines Berges in einer abgeschiedenen Region in Angriff zu nehmen. Da wir beide überzeugt waren, dass aus diesem Traum mit entsprechender Planung und Vorbereitung Wirklichkeit werden konnte, machten wir uns eifrig an die Arbeit. Mehrere Wochen durchstöberten wir Bücher, Fachzeitschriften und diverse Internetseiten, bis wir uns für die faszinierenden Weiten Alaskas entschieden.

Nun musste die Zeitfrage geklärt werden. Wir wollten auf alle Fälle eine Tour im Sommer vermeiden, da die schmerzlichen Erfahrungen mit Moskitos in Schweden unangenehme Erinnerungen in uns aufstiegen ließen. So fiel die Entscheidung auf den September 2013. Zu dem Zeitpunkt sollten die klimatischen Bedingungen in Alaska noch relativ stabil sein, die Moskitopopulation sich in Grenzen halten und die Unmengen an Schnee noch eine Weile ausbleiben. Fasziniert von der Idee einer Erstbegehung in Alaska, buchten wir bereits im Februar 2013 einen Flug von Frankfurt am Main nach Anchorage. Die Rahmenbedingungen standen also fest.

Wie macht man einen unbestiegenen Berg ausfindig?

Nun gingen wir die weit schwierigere Frage an: Wie macht man einen unbestiegenen Berg in der Wildnis ausfindig, der sich für eine Erstbegehung eignet? Nach entsprechender Internetrecherche setzten wir uns mit dem Mountaineering Club of Alaska in Verbindung und schilderten dort unser Vorhaben. Wir waren erstaunt, mit welcher Offenheit und Hilfsbereitschaft man uns begegnete. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass es keine konkrete Auflistung aller (un)bestiegenen Berge in Alaska gibt, daher mussten wir zumindest die Region etwas eingrenzen. Wir entschieden uns nach ausgiebigen Recherchen schließlich für eine der spektakulärsten Regionen im Süden Alaskas: Es sollte in den Wrangell St. Elias National Park am östlichen Rande der Alaska Range gehen.

Im Wrangell St. Elias National Park in Alaska gibt es gigantische Gletscher. Einen davon müssen auch wir überqueren, wenn wir den namenlosen Peak 9055 besteigen wollen.

Im Wrangell St. Elias National Park in Alaska gibt es gigantische Gletscher. Einen davon müssen wir überqueren, wenn wir den namenlosen Peak 9055 besteigen wollen.

Beim Wrangell St. Elias National Park handelt es sich um den größten Nationalpark der Vereinigten Staaten. Das Küstengebirge der Wrangell St. Elias Mountains ist eines der am stärksten vergletscherten Gebirge der Welt, da es unmittelbar am Golf von Alaska liegt. Die feuchten Luftmassen, welche auf das Gebirge prallen, ziehen starke Schneefälle nach sich, deren Folge die Bildung gigantischer Gletscher ist. Im September sollte zumindest in den niedrigeren Lagen kaum oder nur wenig Schnee vorhanden sein. So erhielten wir schließlich vom Mountaineering Club of Alaska eine Liste mit unbestiegenen Bergen der Region: unsere Entscheidung fiel auf den bislang namenlosen „Peak 9055“, wobei die 9055 lediglich die Gipfelhöhe von 9.055 Fuß, also 2.760 Metern beziffert. Der Berg ist circa 50 Kilometer von Mc Carthy, der letzten kleinen Ortschaft am Rande des Wrangell St. Elias National Park, entfernt und besitzt ein Höhenprofil, welches eine Erstbegehung mit unseren Fertigkeiten möglich erscheinen ließ.

Logistik: Wie kommt man in die Wildnis?

Unser Zeitplan begrenzte unsere Tour auf 24 Tage. Mit einem geschätzten Gewicht von rund 35 Kilogramm Gepäck pro Person war ein Trekking von Mc Carthy bis zu dem Berg, dessen Besteigung und ein anschließendes Trekking zurück in die Zivilisation in dieser Zeit schlichtweg unmöglich. Wir mussten uns also eine Transportalternative überlegen. Im weg- und straßenlosen Gelände des Wrangell St. Elias National Park blieb nur ein Flug mit einem Air Taxi, ein durchaus gängiges Transportmittel in den schier endlosen Weiten Alaskas. Es stellte sich allerdings heraus, dass unser Vorhaben, sich in der Wildnis absetzen zu lassen und in die Zivilisation zurückzumarschieren, auch in dem Outdoorparadies Alaska eine Ausnahme darstellt. Wir machten schließlich mit Wrangell Mountain Air folgenden Deal: Ein Pilot wird uns am Skolai Landing Strip, etwa zwölf Kilometer Luftlinie von unserem auserkorenen Berg „Peak 9055“ entfernt, absetzen. Wir werden uns einen Weg durch den Wrangell St. Elias National Park bis hin zum Fuße des auserwählten Berges bahnen und dort unser Basiscamp errichten. Mit leichterem Gepäck und spezieller Kletterausrüstung wie Klettergurt, Seil usw. sowie Steigeisen und Eispickel werden wir die Erstbegehung des 2.760 Meter hohen Berges in Angriff nehmen. Die Besteigung erfolgt über den teilweise vergletscherten Nordostgrat und die dortige Bergkette. Nach der Begehung werden wir uns 50 Kilometer in Richtung Südwesten zum Ausgangspunkt nach Mc Carthy durchschlagen.

Vorbereitung auf die Tour: Training und Ausrüstung

Trekking mit einem großen Rucksack und schwerer Ausrüstung will trainiert sein. So bauten wir unsere Kondition beim Laufen mit schwerem Gepäck nach und nach aus.

Trekking mit einem großen Rucksack und schwerer Ausrüstung will trainiert sein. So bauten wir unsere Kondition beim Laufen mit schwerem Gepäck nach und nach aus.

Uns war klar, dass ein solches Unternehmen nicht ohne harte Vorbereitung gelingen würde, daher stellten wir uns einen Trainingsplan auf: Mehrmals die Woche stand Klettertraining in der Halle, Lauftraining, Rucksacktraining und Kraftausdauertraining auf dem Programm. Ausdauerläufe sollten unsere Grundkondition ausbauen. Nach einer gewissen Zeit nahmen wir den Rucksack dazu und füllten diesen von Mal zu Mal mit mehr Gewicht. Wir hatten aus unserem Schwedentrip gelernt, dass sich der Rücken langsam an eine ungewohnte Belastung gewöhnen muss. Wann immer es uns möglich war, suchten wir Klettergebiete auf und bildeten dort unsere Techniken weiter aus. Wir wollten zudem unsere Ausrüstung einem echten Härtetest bei winterlichen Verhältnissen unterziehen, so dass wir zusätzlich eine Winterbegehung in den Allgäuer Alpen unternahmen. So besserten wir unsere Ausrüstung auf, beispielsweise mit wintertauglichen Schlafsäcken, zusätzlichem Sicherungsmaterial wie Friends und Klemmkeilen und einigem mehr.

Organisation der Tour im Wrangell St. Elias National Park

Neben dem Training fiel allerhand Organisatorisches an. Wir mussten einen Händler in Anchorage finden, bei dem wir einen ordentlichen Kocher leihen und Trekkingnahrung kaufen konnten. Mit dem REI-Shop und Alaska Mountaineering & Hiking wurden wir diesbezüglich fündig. Ebenso mieteten wir vorab bereits ein Satellitentelefon als minimales Sicherheitstool bei Anchorage satellite phones. Wir stellten uns einen Ernährungsplan auf, um unseren Tagesbedarf an Kalorien und damit einhergehend das Gewicht unserer Nahrung berechnen zu können. Zudem waren die Einreisebestimmungen in die USA wie ESTA und Secure Flight abzuarbeiten. Wir beschafften uns beim U.S. Geological Survey erstklassiges topografisches Kartenmaterial, welches wir für die detaillierte Routenplanung am Berg benötigten. Nächtelang grübelten wir über die perfekte Route zur Erstbegehung, verwarfen unsere Pläne und einigten uns letztlich auf den vergletscherten, jedoch weniger lawinengefährdeten Nordostgrat. Fachliteratur wie “Hiking Wrangell St. Elias National Park and Preserve” und Informationsaustausch mit uns bekannten Abenteurern, die bereits in Alaska unterwegs waren, brachten uns Erfahrungswerte über das Gelände und die Gegebenheiten sowie Informationen über den Umgang mit Bären. Zu guter Letzt organisierten wir unseren Transport zum Flughafen und zurück und besorgten uns amerikanische Dollar für die Besorgungen vor Ort.

Auf nach Alaska

Was wir auf unserer Tour im Wrangell St. Elias National Park in Alaska erlebt haben, lest ihr im <a href=http://www.bergzeit.de/magazin/wrangell-st-elias-national-park-trekking-alaska/ titel=Tourenbericht Wrangell St. Elias National Park">Bergzeit Magazin</a>.

Was wir auf unserer Tour im Wrangell St. Elias National Park in Alaska erlebt haben, lest ihr im Bergzeit Magazin.

Wir fiebern bereits seit Wochen dem ersten September entgegen, wenn unser Großprojekt der Erstbegehung im Wrangell St.Elias National Park in Alaska endlich startet. Monate der intensiven Vorbereitung und Planung liegen hinter uns. Die letzten Wochen waren wir so fokussiert auf unser Ziel, dass wir uns kaum noch auf andere Dinge konzentrieren konnten. Wir sind der vollen Überzeugung, dass man seine Ziele nur erreichen kann, wenn man hart dafür arbeitet, und dass sich die Mühen der vergangenen Zeit durch eine anspruchsvolle, ereignisreiche und überwältigende Tour in den Weiten Alaskas lohnen werden.

 

Ein Kommentar

  1. Super Projekt und super spannender Bericht… Ich finde es beeindruckend wie ihr auf Abenteuersuche geht!! Ich hoffe hier bald noch mehr von euch zu lesen!

    Grüße, Andi

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