Reise

Per Fahrrad von Gießen nach Istanbul, Teil 2

13.05.2011

Per Fahrrad von Gießen nach Istanbul, Teil 2

Am Samstag morgen, nach einer grossen Abschiedsparty in unserer künftig ehemaligen Studienstadt Giessen führte uns die erste Etappe unserer Radtour mit dem Fahrrad von Giessen nach Grosskrotzenburg an den Main. Hier wartete nach den ersten knapp 90 km eine weitere Abschiedsfeier mit Bennis Familie, denn auch sein älterer Bruder begibt sich bald auf einjaehrige Reise durch Australien. Die letzte Chance das Reisegepäck nocheinmal zu verändern wurde genutzt und manch unnötig erscheinendes noch ausgeladen. Bei super Wetter ging es zunächst am Main nach Freudenberg zur ersten Übernachtung um am nächsten Tag schon die Routenpläne fuer Deutschland zu grossen Teilen zu verändern. Ein älterer und sehr erfahrener Radreisender hatte uns das Taubertal und anschliessend das Altmühltal empfohlen um zum Donauradweg zu gelangen. Die Strecke stellte sich als landschaftlich unglaublich schön und abwechslungsreich dar, vor allem wegen der schon blühenden Natur. Der gut ausgeschilderte und bequeme  Radweg führte durch schöne Städte wie Wörth, Wertheim, Rothenburg o.d. Tauber, Eichstaett und schliessslich nach Regensburg und Passau. In der wunderschönen Universitätsstadt Eichstätt begann übrigens vor wenigen Jahren eine Reise ähnlicher Art, jedoch anderen Ausmaßes – „Die Grosse Reise“ von Daniel Snaider und Susanne Bemsel (www.grossereise.de). Schöne Altstädte, einladende Plätze oder Traditionsgastronomie haben uns zwischendurch oft zum Verweilen eingeladen- so zum Beispiel die älteste Wurstkuche der Welt, am Donauufer in Regensburg.

Fahrrad-Tour von Gießen nach Istanbul

Fahrrad-Tour von Gießen nach Istanbul

Unsere gut 30 kg Gepäck waren in den 4 Radtaschen und dem Rack-Pack optimal untergebracht und so stellte sich recht bald eine gewisse Routine beim Auf- und Abbau des Camps ein, was uns morgens häufig eine Runde länger schlafen lies. Unser stetiger Begleiter war ein konstanter Gegenwind, sowohl im Taubertal als auch auf dem Donauradweg von Passau über Linz nach Wien bis Bratislava. Dies hatte zur Folge, dass neben warmen Mahlzeiten regelmässig bis zu 16 Brötchen pro Tag „verbrannt“ wurden. Im Schnitt machten wir etwa 80-90 km pro Tag und benötigen dafür eine Fahrzeit zwischen 4 bis 6 Stunden – so hatten wir uns das im vorhinein auch erhofft! Kurz nach dem von uns unbemerkten Grenzübertitt nach Österreich campierten wir am Ufer der Donau in der sog. Schlinge von Schlögen, einer eindrucksvollen, von steilen Hängen eingefassten 180 Grad Schlinge der Donau. Hier kam zum ersten Mal unsere Regenbekleidung zum Einsatz, die dank praktischem Fullzip-System von Vaude ruck-zuck angelegt war. Weiter führte uns die Reise entlang des ruhigen Radweges durch Ybbs in die Weinbauregion Wachau in Niederösterreich. Beim Campen in Rossatz-Arnsdorf genossen wir das perfekte Wetter und die herrliche Landschaft rund um den Platz gegenüber des elegant am Hang gelegenen Ortes Weissenkirchen. Die nächsten Tage wurden in Wien verbracht. Hier gönnten wir uns 3 Tage Aufenthalt und Übernachtung im Gasthaus. Tagsüber besichtigten wir Sehenswürdigkeiten wie Stephansdom, Peterskirche, Spanische Hofreitschule, Heldenplatz, das Rathaus und Parlamentsgebäude, sowie Schloss Schönbrunn. Auch das Riesenschnitzel bei Figlmueller liesen wir uns natürlich nicht entgehen. Nachts stürtzen wir uns in das Wiener Nachtleben. Die meiste Zeit bekam auch das Rad in Wien eine Regenerationspause und wir nutzten das vorzüglich ausgebaute öffentliche Verkehrssystem.

Mit dem Fahrrad durch Wien

Mit dem Fahrrad durch Wien

Den längeren Stopp wollten wir auch nutzen um mal wieder richtig zu waschen, doch als wir beim Frühstück in der Pension nach einem Waschsalon fragten, wusste die Wirtin nicht weiter, weshalb sie die Frage in den Raum stellte, wo auch einige Ortsansässige versammelt waren: „Kennt hier jemand einen Waschsalon?“ – „I bin verheirated!“ War die Antwort eines älteren Herren – letztlich erbamte sich eine ältere Frau für uns eine Maschine zu waschen und wenige Stunden später hatten wir bereits alles Sachen frisch duftend und trocken zurück!
Die Einkaufsmöglichkeiten der Stadt nutzten wir um noch einige vergessene Ausrüstungsgegenstände nach zu kaufen. So entschieden wir uns fuer eine Kartenhuelle, die man an der Ortlieb Lenkertasche befestigen kann, da in den kommenden Ländern die Navigation wohl einiges schwieriger werden würde, was einen häufigeren Blick auf die Karte erfordert.
Weiter ging es dann Richtung Bratislava. Den letzten Stopp auf österreichischem Boden machten wir in der alten Römerstadt Petronell – Canuntum, hier übernachteten wir auf einem sehr schlichten Campingplatz, mehr eine Zeltwiese, wo wir einige andere Radreisende trafen, u.a. eine Schweizerin, die entlang der Donau bis an das Schwarze Meer faehrt. Auf dem Weg nach Bratislava gerieten wir in ein starkes Unwetter, mit Regen und Hagel. In solchen Situationen wird einem schnell bewusst wie wichtig eine gute Ausrüstung ist. In den atmungsaktiven Regenkleidung konnte man problemlos weiter fahren und um die Kleidung und Ausrüstung in den Fahrradtaschen mussten wir uns keine Sorgen machen, sie war Wasserdicht verpackt. Einziger Nachteil der Back- und Frontroller Taschen von Ortlieb ist vielleicht, dass sie nur über eine kleine Innentasche verfügen, was es prinzipiell nicht leicht macht Ordnung zu halten. Diesem Problem haben wir im Vorfeld aber bereits durch zahlreiche Packbeutel Abhilfe verschafft, so dass es waehrend der bisherigen Reise nicht negativ aufgefallen ist.
Bratislava befand sich im Eishockeyfieber, da hier gerade die Weltmeisterschaft statt fand. Eine schöne Altstadt, das Schloss und die zahlreichen Public Viewing Möglichkeiten bescherten uns einen interessanten Aufenthalt.
Eine weitere spontane Routenänderung fuehrte uns auf dem Weg zum Balaton in Ungarn am Neusiedler See vorbei. Dort fand gerade ein Windsurf Weltcup statt. Hier genossen wir einige Stunden das gute Wetter, schauten uns die Wettkaempfe an und planten in aller Ruhe den weiteren Routenverlauf für die Strecke nach Zagreb.

Bis bald, Benni und Martin!

Ein Kommentar

  1. Dankeschön für den Artikel
    Schaue ab jetzt hier häufiger Vorbei. Hoffentlich gibt es bald mehr über Istanbul zu berichten :)

    Grüße aus Bonn

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*