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Skitouren in der Schweiz: Rund um Bivio und den Julierpass

06.06.2014

Skitouren in der Schweiz: Rund um Bivio und den Julierpass

Bivio am Fuße des Julierpasses ist Ausgangspunkt für zahlreiche Skitouren in jedem Schwierigkeitsgrad. Sowohl für Tourenski-Anfänger als auch für Profis bietet das Gebiet um den Julierpass großes Genusspotenzial. Blogger Basti stellt drei unterschiedlich anspruchsvolle Touren vor.

Kurz vor dem Julierpass auf dem Weg nach St. Moritz kommt man durch das idyllische Örtchen Bivio. In einem ruhigen, traditionell gebliebenen Tal der Schweiz gelegen bietet es den Startpunkt für eine Vielzahl an traumhaften Skitouren in jedem Schwierigkeitsgrad. Die drei hier vorgestellten Skitouren sollen lediglich als Anregung dienen – die Gegend rund um Bivio und den Julierpass bietet noch viele weitere Möglichkeiten.

  • leicht - Piz dal Sasc (2.720 Meter): großartiges Panorama, einfacher Aufstieg, wenig Lawinengefahr
  • mittel – Piz Campagnung (2.826 Meter): etwas schwieriger, aber nicht weniger schön
  • schwierig – Piz d’Emmat Dadaint (2.927 Meter): für erfahrene Skitourengänger, bietet mit der traumhaften, aber anspruchsvollen Südflanke eine Herausforderung

1. Skitour Piz dal Sasc (2.720 Meter, leicht)

  • Ausgangspunkt: Parkplatz des Skilifts am Südende von Bivio
  • Höhenmeter Aufstieg: ca. 950 Höhenmeter
  • Dauer Aufstieg: ca. 3 Stunden
  • Hangrichtung: v.a. Nord
  • Lawinengefahr: sehr gering
Piz dal Sasc - Blick zurück nach Bivio

Piz dal Sasc – Blick zurück nach Bivio

Ausgangspunkt dieser Skitour ist der Parkplatz des Skiliftes am südlichen Ende von Bivio. Leider kostet der Parkplatz zehn Schweizer Franken pro Tag – aber für die wunderschöne Tour ist es das allemal wert. Wir starten an dem kleinen Schlepplift und steigen anfangs entlang der Piste auf. Nach gut 100 Höhenmetern gelangen wir auf eine Hochebene mit mehreren Alpen und Ferienhäusern. Hier kann man auf dem schön gespurten Winterwanderweg direkt nach Süden weitergehen. Anfangs sehr flach und dann langsam ansteigend geht es den Winterwanderweg entlang. Nach einiger Zeit (das Gelände bleibt sehr übersichtlich, eher flach und nahezu lawinensicher) endet der Winterwanderweg bzw. Schneeschuhtrail und wir folgen dem Tal in Richtung Süden. Danach geht es (wenn nicht gespurt ist) eher nach links, um unterhalb des Piz Grevesalvas die etwas steileren Stufen zu besteigen. Tendenziell bleibt die Richtung immer noch Süden. Wir queren dann unterhalb des Piz Grevesalvas und gelangen erneut auf eine Hochebene – hier sehen wir zum ersten Mal den eigentlichen Gipfel, der sich bisher hinter einer Kuppe versteckt hatte. Weiter entlang des Wandfußes gelangen wir auf die Nordflanke des Piz dal Sasc und anschließend auf den flachen Gipfel. Dieser selbst ist wenig spektakulär, doch er bietet eine traumhafte Rundumsicht.

Piz dal Sasc - Gipfelpanorama

Piz dal Sasc – Gipfelpanorama

Piz dal Sasc - Gipfelhang

Piz dal Sasc – Gipfelhang

Die Abfahrt führt entlang der Aufstiegsroute. Um für das letzte, recht flache Stück genügend Schwung zu sammeln, bietet es sich an, sich bei der Abfahrt eher rechts (also wieder nahe an der Flanke des Piz Grevesalvas) zu halten und nicht früh in den Talboden abzufahren. Die gesamte Abfahrt ist auch für Tourenski-Anfänger problemlos zu meistern. Es ist stets offenes und abfahrtsfreundliches Gelände. Wer rasante und steile Abfahrten sucht, ist bei dieser Skitour eventuell unterfordert – für den Genießer bietet sie jedoch sehr tourenfreundliches Gelände in Auf- und Abstieg.

2. Skitour Piz Campagnung (2.826 Meter, mittel)

  • Ausgangspunkt: Hospiz, entlang der Passstraße
  • Höhenmeter Aufstieg: 650 Höhenmeter (nur auf den Gipfel), mit Zusatzgipfel rund 800 Höhenmeter
  • Dauer Aufstieg: 2,5 Stunden (+30 Minuten)
  • Lawinengefahr: entlang der Aufstiegsroute bis auf wenige Steilstufen relativ gut machbar, bei der Abfahrt je nach Variante und Steilheit etwas kritischer
Gipfelpanorama auf dem Piz Campagnung

Gipfelpanorama auf dem Piz Campagnung

Ausgangspunkt dieser Tour ist das Hospiz am Julierpass. Man merkt schnell, dass auch andere die Idee hatten, das wundervolle Wetter und den Neuschnee der letzten Woche auszunützen, denn die Parkplätze sind eng. Nach kurzem LVS- und Materialcheck beginnen wir unseren Aufstieg nach Norden über die sanften Hänge des Val d’Agnel, bis wir an den Fuß des Piz Campagnung gelangen. Die letzten Höhenmeter geht es etwas steiler hinauf, bis man den kleinen Gipfel des Piz Campagnung (2.826 Meter) erreicht. Hier müssen wir uns entscheiden – entweder wir fahren die Aufstiegsroute entlang hinab bis zum Parkplatz oder nordseitig nach Marmorera über das Val Natons ab – von dort geht es mit dem Bus zurück zum Julierpass. Bei dieser Variante empfiehlt es sich, die Abfahrtszeiten vorher anzusehen, denn der Bus fährt nicht wirklich regelmäßig. Wir entscheiden uns für die Abfahrt nach Marmorera und bauen noch eine kurze Alternative ein: Wir fahren nicht vom Piz Campagnung direkt ab, sondern steigen etwas westlich nochmals rund 100 Höhenmeter auf und fahren von dem unbenannten Gipfel in einen Sattel ab. Hier stehen wir vor einer sehr steile Rinne (ca. 40 Grad), queren in diese hinein und können bei bestem griffigen Schnee abfahren – unten öffnet sie sich und wir haben einen riesigen, unzerfahrenen Pulverhang vor uns. Ab hier gibt es Tourengenuss pur und wir gelangen über traumhafte offene Hänge bei erstaunlich pulvrigem Schnee nach Marmorera. Erst weiter unten im Tal wird der Schnee sulzig.
Aber auch die Abfahrt entlang der Aufstiegsroute sieht vielversprechend aus, liegt allerdings südseitig, sodass im Frühjahr mit sulzigem Schnee gerechnet werden muss.

3. Skitour Piz Emmat Dadaint (2.927 Meter, schwer) und Piz Grevesalvas

  • Ausgangspunkt: Hospiz an der Julierpass-Straße
  • Höhenmeter Aufstieg: 700 Höhenmeter + 500 Höhenmeter
  • Dauer Aufstieg: 2,5 Stunden (+1,5 Stunden)
  • Lawinengefahr: gerade die südseitige Abfahrt im Frühjahr nicht zu spät angehen, Achtung im steilen Nordostanstieg auf den Piz d’Emmat Dadaint
Blick vom Piz Grevesalvas nach Bivio

Blick vom Piz Grevesalvas nach Bivio

Es geht wieder bei absolutem Traumwetter an den Julierpass. Statt wie beim Piz Campagnung Richtung Norden halten wir uns diesmal in Richtung Süden und steigen in das sanfte Tal unterhalb des Piz d’Emmat Dadaint auf. Erst noch sehr schattig gelangen wir pünktlich zum etwas steileren Gipfelanstieg in die Sonne und kommen frühzeitig auf dem Gipfel des Piz d’Emmat Dadaint (2.927 Meter) an. Hier können wir bei Windstille einen traumhaften Blick genießen. Wir schnallen bald wieder an und fahren über gerade aufgefirnte Hänge in angenehmer Steilheit nach Süden ab. Nach ca. 400 Höhenmetern heißt es wieder anfellen, denn wir wollen ja noch auf den Piz Grevesalvas. Südwestlich steigen wir in der mittlerweile prallen Mittagshitze nochmals ca. 450 Höhenmeter auf – diese zehren gewaltig, da die Sonne wirklich unbarmherzig auf uns niederbrennt. Doch die Mühen des Aufstiegs auf den Gipfel des Grevesalvas (2.932 Meter) lohnen sich und wir genießen erneut ein traumhaftes Panorama. Für die Abfahrt hat sich unser Tourenleiter wieder ein Schmankerl rausgesucht. Von einem Sattel unterhalb des Gipfels fahren wir nordseitig in eine sehr steile Flanke – auch hier ist der Schnee trotz der warmen Temperaturen noch erstaunlich gut. Unten angekommen gilt es nur noch zu genießen – mal in feinem Pulver, mal eher auf Firn gelangen wir über immer flacher werdende Hänge wieder nach Bivio.

Literaturempfehlung zu Skitouren rund um Bivio und den Julierpass:

Wer sich näher mit dem Gebiet rund um Bivio und den Julierpass in der Schweiz beschäftigen möchte, dem sei unter anderem folgende Literatur und Karte empfohlen:

  • Swisstopo Skitourenkarte 268S – Julierpass
  • Skitourenführer Rother – Rund um Davos (enthält alle hier beschriebenen Touren)

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