Testberichte

BCA Float 22 Lawinenrucksack im Test

07.02.2014

BCA Float 22 Lawinenrucksack im Test

Skifahren abseits der Pisten hat sich in den letzten Jahren zum Trend entwickelt und sowohl Tourengehen als auch Freeriden sind mittlerweile Trendsportarten geworden. Jeder, der sich im freien Gelände bewegt, sollte sich mit dem Thema Lawinensicherheit und der richtigen Lawinenausrüstung beschäftigen. Ein Lawinenrucksack gehört neben einem Lawinenset auf jeden Fall mit in den Powder.

Warum braucht man einen Lawinenairbag?

Abseits der Piste existentiell: ein Lawinenrucksack mit Lawinenairbag.

Abseits der Piste existentiell: ein Lawinenrucksack mit Lawinenairbag.

Um das Risiko, von einer Lawine verschüttet zu werden, zu reduzieren, ist es besonders wichtig, an der Oberfläche zu bleiben und somit die Bergungszeit zu minimieren. Diesem Zweck dient ein Lawinenairbag. Hersteller und Wissenschaftler erklären den Sinn eines Airbags gerne mit dem Müsli-Effekt. In einem Müsli schwimmen große Zutaten wie Nüsse und Trockenfrüchte meist obenauf. Dieses Phänomen nennt man in der Wissenschaft Segregation, oft wird auch vom “Paranuss-Effekt” gesprochen.

“Von den 32 Personen mit aufgeblähten Ballons waren 16 Personen nicht verschüttet, elf Personen teilverschüttet und fünf Personen ganz verschüttet. Bei vier der fünf ganz verschütteten Personen waren die Ballons an der Oberfläche der Lawine sichtbar geblieben. Dadurch war eine schnelle Ortung und Bergung durch nicht mitgerissene Kameraden möglich.” (Quelle: SLF)

Lawinenairbag-Systeme

Der BCA Float 22 setzt auf ein Einkammer-System mit mechanischer Auslösung. Damit werden Kopf, Hals und Oberkörper geschützt.

Der BCA Float 22 setzt auf ein Einkammer-System mit mechanischer Auslösung. Durch die Positionierung hinter dem Kopf werden Kopf, Hals und Oberkörper geschützt.

Eines will ich vorweg nehmen. Alle auf dem Markt existierenden Airbag-Systeme haben ihre Berechtigung und Vorteile, je nachdem in welchem Bereich man den Lawinenrucksack vorzugsweise einsetzen will. Die Systeme unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise. Drei der am Markt existierenden Lawinenairbag-Systeme will ich kurz erklären. Das Avalanche Airbag System von ABS löst zum Beispiel pneumatisch aus. Beim Ziehen des Griffes zündet eine Kapsel und die beiden 85-Liter-Airbags werden in zwei bis drei Sekunden aktiviert. Snowpulse verwendet ein Einkammer-System und beim Ziehen am Auslösegriff löst der Airbag (150 Liter) mechanisch aus. BCA setzt mit seinem Float-System ebenfalls auf ein Einkammer-System und eine mechanische Auslösung. Der 150-Liter-Airbag wird durch den 186-Bar-Druckluftzylinder und das effiziente Venturi-System aufgeblasen. In diesem Testbericht möchte ich euch den BCA Float 22 Avalanche Airbag vorstellen und dessen Vor- und Nachteile aus meiner Sicht erläutern.

Der BCA Float 22 Lawinenrucksack

Im Falle eines Lawinenabgangs kommt es sehr stark auf das eigene Verhalten, eine schnelle Reaktion und die dementsprechend gute und schnelle Funktion des Airbags an. Aber natürlich sind Gewicht, Packvolumen, Ski/Snowboardbefestigung, Tragekomfort und Verarbeitung auch von großer Bedeutung. Der BCA Float 22 ist preislich mit 630,- Euro etwas günstiger als andere Hersteller, mit einem Gewicht von 2.650 Gramm inklusive Kartusche (laut Hersteller) verhältnismäßig leicht und mit einem Packvolumen von 22 Litern gut für Skitouren geeignet. Der Rucksack bietet ausreichend Platz für Sicherheits-/Rettungsausrüstung, Wasserflasche, Brotzeit und Wechselkleidung. Er hat ein neu gestaltetes Fach für Schaufel und Sonde, eine Helmhalterung, eine diagonale Ski-Befestigung, ein Reißverschlussfach im Hüftgurt sowie eine Snowboard-Halterung (separat erhältlich).

Der Auslösegriff

Der Auslösegriff sollte gut greifbar sein. Beim BCA Float 22 Lawinenrucksack befindet er sich in einem der Schultergurte und ist nicht abnehmbar. Man kann ihn zwar verstauen, aber im Vergleich zu ABS-Lawinenrucksäcken nicht abnehmen, was ich nicht so gut empfinde.

Das Kammer-Prinzip

Der BCA Float 22 lässt sich unkompliziert zusammenfalten.

Der BCA Float 22 lässt sich unkompliziert wieder zusammenfalten.

Kann ich mich auch mit aufgeblasenem Airbag bewegen und versuchen einen Fluchtweg zu finden? Sowohl das Ein-Kammer-System als auch das Zwei-Kammer-System haben ihre Berechtigung. Für mich erscheint das TwinBag System von ABS sehr sinnvoll, da die Kammern seitlich platziert sind und so noch ausreichend Bewegungsfreiheit bieten. Seitliche Kammern ermöglichen eine flache Position des Körpers im Lawinen-Auslauf, und die Gefahr, von nachfließenden Lawinenablagerungen verschüttet und von ablagernden Schneemassen festgehalten zu werden, wird reduziert. Ein Vorteil des Ein-Kammer-Systems ist der Schutz von Kopf, Hals und Oberkörper. Außerdem ist die Positionierung des Airbags hinter dem Kopf und weg von Hüften und Armen sehr angenehm.

Montage der Druckluftflasche und Zusammenfalten des Airbags

Die Montage der Druckluftflasche erklärt sich eigentlich von selbst und ist in der Bedienungsanleitung sehr genau und detailliert beschrieben. Das Zusammenfalten des Airbags ist nach kurzem Einlesen auch gut nachvollziehbar und leicht selber durchzuführen. Nach dem Auslösen der Patrone ist das Wiederbefüllen der Flasche sehr leicht. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Druckluftflasche wieder zu befüllen oder auszutauschen: Man kann die gebrauchte Flasche bei seinem Händler gegen eine neue Druckluftflasche austauschen (Kosten etwa 10 Euro). Für ungefähr den gleichen Betrag kann man die Flasche auch im Tauchgeschäft befüllen lassen.

Mein Fazit zum BCA Float 22 Lawinenrucksack

Der BCA Float 22 ist ein sehr leichter Lawinenrucksack und somit gut für Skitouren geeignet. Das System funktioniert einwandfrei und die Kammer ist blitzschnell in vollem Umfang aufgeblasen. Ich war angenehm überrascht, wie schnell sich die Kammer gefüllt hat und wie leicht das Auslassen der Luft und das Zusammenlegen der Airbags waren. Ein weiterer Pluspunkt ist das einfache Austauschen oder Wiederbefüllen der Druckluftflasche. Der Tragekomfort könnte besser sein, ist aber für Tagestouren ausreichend.

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