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Skitouren in der Ostschweiz: Pizol, Fulfirst, Rosswis, Chapf

30.04.2014

Skitouren in der Ostschweiz: Pizol, Fulfirst, Rosswis, Chapf

Ich hatte den Winter über das große Vergnügen, in der Ostschweiz leben und arbeiten zu dürfen – und meine freie Zeit in einer traumhaften Skitourenregion genießen zu können. Neben anspruchsvollen und sehr bekannten Gipfeln wie dem Clariden oder dem Tödi bietet die Region um die Churfirsten, Walenstadt und um Liechtenstein aber auch viele kleinere, unbekanntere, doch dabei nicht weniger schöne Gipfelziele. Im folgenden Bericht möchte ich euch vier Gipfel in der Region vorstellen, die in der Regel in einer Halbtagestour gut machbar sind, sich durch wenig Lawinengefahr auszeichnen und trotzdem tollen Skitourengenuss bieten. Drei weitere Skitouren in und um Liechtenstein stelle ich euch in einem separaten Bericht im Blog vor. Die Tipps sind bewusst kurz gehalten und sollen hauptsächlich als Anregung dienen – für Details und eine ausführliche Tourenplanung verweise ich auf folgende Literatur:

  • Viele der hier aufgeführten Touren sind auch im Skitourenführer Ostschweiz vom Rother Verlag ausführlich erläutert.
  • Als Kartenmaterial empfehle ich entweder die Wanderkarte “Sarganserland/Liechtenstein” vom Verlag Kümmerly + Frey (1:60 000) oder die Kompasskarte “Feldkirch/Vaduz“ (1:50 000).

Skitour Ostschweiz #1: Pizol (2.844 Meter)

  • Höhenmeter Aufstieg: mindestens 700 Höhenmeter, je nach Ausgangspunkt im Skigebiet deutlich mehr
  • Höhenmeter Abfahrt: bis 2.500 Höhenmeter (wenn Talabfahrt geöffnet)
  • Hang-Ausrichtung: West/Nord/Ost
  • Ausgangspunkt: Parkplätze im Skigebiet Pizol (Vilters-Wangs)
  • Routenführung nicht ganz einfach, wenn nicht vorgespurt; durch die Nähe zum Skigebiet jedoch häufig begangen; dennoch ruhige und naturnahe Skitour, da man das Skigebiet schnell verlässt
  • Tipp: je nach Tagesplanung nach einer “Tourenkarte” am Lift fragen – diese ist günstiger als die normale Tageskarte fürs Skigebiet
Skitouren Ostschweiz: Pizol - Blick vom Skidepot in Richtung Wildsee

Pizol – Blick vom Skidepot in Richtung Wildsee

Den Anfang macht der Pizol (2.844 Meter). Ausgangspunkt ist Wangs (499 Meter), wo man in der Regel in die Bahn einsteigt und sich über das Pizol-Skigebiet bis zur Pizolhütte (2.227 Meter) hinaufbringen lassen kann. Möchte man die Aufstiegshöhenmeter steigern, kann man natürlich auch beliebig weiter unten einsteigen und entlang der Pisten aufsteigen.

Ausgangspunkt der eigentlichen Skitour ist dann die Pizolhütte, von wo aus man nach Westen auf einem Rücken entlang läuft. Nach einer kurzen Abfahrt (Abfellen lohnt nicht) ins Valpona-Tal steigt man der logischen Aufstiegsroute folgend in eine kleine Scharte auf (Wildseeluggen, 2.493 Meter). Achtung – hier kann lokal Schneebrettgefahr herrschen. Anschließend erfolgt erneut eine kurze Abfahrt. Dabei heißt es entweder kurz Ski schultern oder Ab- und Anfellen. Von hier sieht man nun zum ersten Mal den Gipfel des Pizol und auch gleich die Aufstiegsroute über offene Hänge. Die Spur führt nun über den Wildsee hinüber (Vorsicht im Frühjahr, bei warmen Temperaturen besser außen herum gehen), um anschließend über einige Wellen an den Fuß des Pizols zu gelangen. Nun geht es über den deutlich steileren Gipfelhang zum Skidepot in einer Scharte unterhalb des Gipfels. Die letzten Höhenmeter können dann recht steil und teils ausgesetzt zu Fuß bewältigt werden.

Die Abfahrt erfolgt entlang der Aufstiegsroute und ist besonders bis zum Wildsee sehr genussvoll. Dann muss jedoch für einen kurzen Gegenanstieg wieder aufgefellt werden, bevor man sich auf die finale Abfahrt zur Pizolhütte macht. Bei entsprechender Schneelage im Skigebiet kann man nun bis zur Talstation abfahren – in der Summe macht das dann fast 2.500 Höhenemeter Abfahrt. Oder man lässt den Tag mit einigen Abfahrten auf der Piste ausklingen – das Ticket hat man ja bereits.

Skitour Ostschweiz #2: Fulfirst (2.384 Meter)

  • Höhenmeter Aufstieg: ca. 1.000 Höhenmeter
  • Hang-Ausrichtung: Nord/Nordost
  • Ausgangspunkt: Berghaus Malbun, oberhalb von Buchs
  • Achtung: Gipfelgrat sehr ausgesetzt
Skitouren Ostschweiz: Blick auf den Fulfirst und die Aufstiegsspur

Blick auf den Fulfirst und die Aufstiegsspur

Unter der Woche frei, Neuschnee und Lawinenstufe 2 – das will sinnvoll genutzt werden. Ziel war diesmal der Fulfirst – mit seinen 2.384 Meter einer der höheren Gipfel der Alviergruppe. Ausgangspunkt dieser sehr schönen, zum Ende hin anspruchsvollen Skitour ist das Berghaus Malbun oberhalb von Buchs (Achtung, nicht mit dem Malbun in Liechtenstein verwechseln, siehe Skitouren Ostschweiz – Teil 1). Von hier steigt man erst entlang des Schleppliftes nach Westen auf, um am Ende der Piste nach Nordwesten durch den Wald weiter aufzusteigen. Meist in gespurtem, sehr übersichtlichen und weitestgehend lawinensicheren Gelände steigt man weiter die sanften Hänge empor und geht an den Almen Obersäss vorbei. Bei rund 1.900 Höhenmetern muss man sich entscheiden – entweder man hält sich rechts und steigt Richtung Rosswis weiter. Oder man hält sich eher links und geht ab hier direkt auf den Fulfirst zu. Erst ein Stück relativ flach durch eine Hochebene, dann steht man jedoch schon bald vor dem steilen Gipfelhang. Da dieser sich nordseitig erstreckt, hält sich der Schnee hier oftmals gut und man kann in schönem Pulver abfahren – erst steht aber noch der Aufstieg an. Durch das steile Gelände gelangt man zum Skidepot unterhalb des Gipfels und hier muss man sich wieder entscheiden. Entweder man fährt direkt ab oder man steigt über den Nordwestgrat sehr luftig auf den Gipfel. Achtung: Nach Westen hin bricht der Gipfel wirklich sehr steil ab – dadurch erfordern die letzten Meter Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Die Abfahrt führt erst den wunderschönen Gipfelhang hinunter bis zu einer Hocheben – hier verabschiedet man sich von der Aufstiegsspur und hält sich etwas östlich, bis man nördlich unterhalb des Glännli entlang kommt. Erst über offene Flächen und schließlich durch einen Waldgürtel, den man gut durchfahren kann, gelangt man zurück zum Berghaus Malbun. Dieses sieht man schon aus der Ferne und kann es so gut als Anhaltspunkt nehmen. Achtung, frühzeitig wieder zurückqueren, sonst muss man nochmals aufsteigen.

Skitour Ostschweiz #3: Rosswis (2.334 Meter)

  • Höhenmeter Aufstieg: ca. 1.000 Höhenmeter
  • Hang-Ausrichtung: Nordost
  • Ausgangspunkt: Berghaus Malbun (oberhalb von Buchs)
  • Lawinengefahr bei richtiger Spurwahl sehr gering
  • Variante: wenn die Beine und die Kondition mitmachen, lassen sich Fulfirst (Tour 2) und Rosswis auch kombinieren, dann sammelt man aber dank der Gegen- und Zwischenanstiege einige Höhenmeter
Skitouren Ostschweiz: Rosswies - Gipfelblick

Rosswis – Gipfelblick

Die Rosswis ist so etwas wie der “kleine Bruder” des Fulfirst – etwas weniger imposant, etwas weniger steil, etwas weniger anstrengend. Dafür wird er umso öfter begangen, da er ziemlich lawinensicher ist und eine traumhafte Abfahrt über den breiten Gipfelhang bietet. Ausgangspunkt ist wieder das Berghaus Malbun, die Aufstiegsroute ist lange Zeit dieselbe wie zum Fulfirst und trennt sich erst unterhalb des Glannachopf. Während die Spur zum Fulfirst nach links abbiegt, steigt man weiter in den Sattel zwischen Glannachopf und Margelchopf auf. Hier fellt man kurz ab, um knapp 100 Höhenmeter in eine Mulde unterhalb des langen Gipfelhanges der Rosswis abzufahren. Unten angekommen steigt man nach Belieben über die weiten und übersichtlichen Hänge zum Gipfel empor und kann sich schon währenddessen auf die bevorstehende Abfahrt freuen. Knapp 400 Höhenmeter sind es nochmals bis zum Gipfel auf 2.334 Meter, von wo aus man eine tolle Sicht auf das Umland genießen kann.

Die Abfahrt kann sich auf den ganzen Gipfelhang verteilen, so dass auch bei dem vielen Verkehr, der hier oftmals herrscht, oft noch ein freies Fleckchen für unberührte Tiefschneeabfahrten gefunden werden kann. In der Mulde muss nochmals kurz angefellt werden, um in den oben schon erwähnten Sattel zurück aufzusteigen. Man belässt die Felle dann am besten noch ein Stück, denn nach dem Sattel geht es mal auf- und mal absteigend über flache Hänge zur Abfahrtsroute. Wie beim Fulfirst auch fährt man nicht entlang der Aufstiegsroute ab, sondern quert bis nördlich unterhalb des Glännli, von wo aus man bereits wieder das Berghaus Malbun erblickt und erst über freie Flächen und dann durch einen nicht zu dichten Waldgürtel zurück zum Ausgangspunkt gelangt.

Skitour Ostschweiz #4: Chapf (2.043 Meter)

  • Höhenmeter: bis zu 1.600 (je nach Startpunkt)
  • Hang-Ausrichtung: Nordost
  • Ausgangspunkt: Parkplatz am westlichen Ortsrand von Grabs, je nach Schneelage an der Straße hinauf zum Studner Berg
  • wunderschöner Aufstieg, wunderschönes Panorama, wunderschöne Abfahrtshänge
Skitour Chapf: Das Rheintal unter einem und endlos Neuschnee - was will man mehr.

Skitour Chapf: Das Rheintal unter einem und endlos Neuschnee – was will man mehr.

Eine der Standardtouren in der Region für den Hochwinter: Bei entsprechender Schneelage kann man direkt vom Parkplatz am westlichen Ortsende von Grabs im Rheintal fast 1.600 Höhenmeter über freie, weite und sanft ansteigende Hänge ohne wesentliche Lawinengefahr auf den Chapf aufsteigen. Die Orientierung ist leicht und normalerweise ist auch vorgespurt – der Weg führt immer über den Rücken des Studner-Bergs hinauf zur Gampernei (im Winter an den Wochenenden bewirtschaftet, Öffnungszeiten siehe Homepage). Nach einer kurzen Steilstufe geht es dann weiter auf perfekten Genusshängen hinauf zum Chapf (2.043 Meter). Bei ausreichend dicker Schneedecke bietet sich auf der Abfahrt absoluter Skigenuss bis ins Tal hinab mit einem traumhaften Blick aufs Rheintal.
Sollte nicht ausreichend Schnee vorhanden sein, um vom Tal aus zu starten, kann man ein kleines Sträßchen den Studner-Berg hinauffahren und je nach Schneelage weiter oben in die Tour einsteigen (Parken teils entlang der Straße möglich).

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