Testberichte

La Sportiva Katana Laces: Kletterschuhe im Test

11.02.2014

La Sportiva Katana Laces: Kletterschuhe im Test

Wenn der Kletterer von Katana spricht und dabei ehrfürchtig den Taten dieser Waffe huldigt, dann meint er nicht das gleichnamige japanische Schwert, sondern ein Paar Kletterschuhe. Doch Katana ist mehr als ein Kletterschuh aus Italien. Katana ist eine Legende und zu recht ein Allzweckwerkzeug des Alpinisten sowie des Boulderers. Groß war das Unverständnis bei vielen, als La Sportiva diese Kletterschuhe modifizierte und eine Lace Up-Variante herausbrachte. Die Kletterschuhe Katana Laces yellow-black von La Sportiva sind nun schon seit ein paar Jahren auf dem Markt und haben sich mittlerweile auch in meinem Kletterrucksack einen Platz erarbeitet. Für all jene, die vielleicht noch am Zweifeln sind, ob La Sportiva Katana Laces die richtige Wahl sind und ob der Schnürer der Velcro-Ikone auch nur annähernd das Wasser reichen kann, hoffe ich hier einige Informationen für die Entscheidungsfindung bieten zu können. Da ich den klassischen Katana bereits mein eigen nennen konnte, versuche ich an verschiedenen Stellen dieses Testberichts beide La Sportiva-Kletterschuhe miteinander zu vergleichen.

Optik und Verarbeitung

An der Optik der Katana Laces Kletterschuhe stimmt einfach alles.

An der Optik der Katana Laces Kletterschuhe stimmt einfach alles.

Ist es möglich, in La Sportivas aktueller Kollektion ein Paar Kletterschuhe zu finden, das nicht formschön und bildhübsch ist? Gut, bis auf die farbliche Gestaltung der aktuellsten Modelle, über die man mit Sicherheit streiten kann, gibt es für mich auf dem Markt kaum so ausgewogene und dennoch markante Designs wie aus dem Hause La Sportiva. Auch die Kletterschuhe Katana Laces folgen der Tradition und erben neben der gelben Farbe auch das gute Aussehen des Velcro-Modells. Dabei wird immer wieder konsequent mit den gleichen Details und Farbkombinationen gearbeitet. Sehr beeindruckend finde ich dabei, dass die Optik sich dennoch immer wieder so stark voneinander unterscheidet und nie als ein Abklatsch nach Schema 0815 wirkt. Das ist die wahre Leistung des Designs und bleibt für mich als Fähigkeit weiterhin beneidenswert. Diese Kletterschuhe gehören für mich optisch definitiv zu der Top 5. Dabei finde ich sie sogar ansehnlicher als den Klassiker selbst.

Was die Verarbeitung angeht, muss man bei La Sportiva mittlerweile Abstriche in Kauf nehmen. Seit circa zwei Jahren stelle ich einen gewissen Rückgang in der Qualität fest. Wärhend man früher einen quasi nahezu perfekt verarbeiteten Kletterschuh in den Händen hielt, fallen heute einige wenige Details negativ auf. Diese negative Entwicklung sollte jetzt nicht überbewertet werden, da es sich um Kleinigkeiten handelt, die keine Auswirkungen auf die Funktion haben. Meist sind es Klebereste auf dem Schaft oder Gummireste auf der Sohle oder den Gummierungen der Zehenbox. Bei den aktuell vorliegenden La Sportiva Katana Laces Kletterschuhen betrifft es massive Klebespuren auf dem Obermaterial, die ich so von La Sportiva nicht gewöhnt bin. Trotz der ganzen Kritik ist die Verarbeitung im Kern immer noch sehr gut, nur das Äußere fällt irgendwie nicht so positiv auf.

Konstruktion der Katana Laces Kletterschuhe

Der Downturn ist bei den Katana Laces Kletterschuhen ein echter Gewinn.

Der Downturn ist bei den Katana Laces Kletterschuhen ein echter Gewinn.

Wenn mich an Katana etwas gestört hat, dann war es neben der Fersenform vor allem der nicht vorhandene Downturn. Beide mir unliebsamen Punkte wurden bei La Sportiva Katana Laces verbessert bzw. abgestellt. Neben der etwas modifizierten Ferse haben diese Kletterschuhe eine P3-verstärkte Sohle, welche ganz lange ihre Form behält. Gleichzeitig wurde dieses Modell steifer und unterstützender auf kleinen Tritten konzipiert. Die XS Edge-Gummierung ist hier genau richtig aufgehoben und geht im Präzisionskonzept gänzlich auf. Der Downturn ist in etwa wie beim Miura VS ausgeprägt, was ich persönlich noch nicht zum Extremen dazuzählen würde. Die Zwischensohle leistet bei der “Versteifung” hervorragende Dienste und drängt den Katana Laces Kletterschuh performancetechnisch ganz klar in Richtung Präzisionsgerät.

So funktioniert es halt, wenn man eine altbewährte Form nimmt und mit modernen Methoden verbessert – das kann nur besser werden. Der Schaft ist – leider – eine Zweiteilung aus Leder und Lorica (im Bereich der Zehenbox). Leider, weil Lorica für mich einige Nachteile im Bereich des Dauerkomforts hat und nach meiner Bewertung dem Leder nicht das Wasser reichen kann. Sei es drum, es hält die Zehenbox formstabil und das über den gesamten Verlauf hinweg. Zum Glück ist das Innenleben der Zehenbox mit einem Pacific-Futter versehen, welches sehr geschmeidig ist und für erhöhten Komfort sorgt. Die Ferse ist von innen ebenfalls mit einem Futter ausgestattet, um das unnötige Weiten des Hinterteils zu verhindern.

La Sportiva Katana Laces sind etwas kurviger als die Katana Kletterschuhe.

La Sportiva Katana Laces sind etwas kurviger als die Katana Kletterschuhe.

Eine Innovation war seiner Zeit die eingenähte Neoprenzunge, welche den Fuß am Spann optimal umschließt und ein wenig Slipper-Feeling suggeriert. Zusätzlich schützt dieses kuschelige Teil den Fuß vom Druck der Schnürsenkel. Diese Verschlussart bleibt die präziseste und gleichzeitig die aufwendigste Lösung, um die Kletterschuhe am Fuß zu befestigen. Im Fall der La Sportiva Katana Laces Kletterschuhe fällt der zweitgenannte Faktor kaum noch ins Gewicht, denn die Schnürsenkel gleiten schnell und sicher durch die Ösen und garantieren eine millimetergenaue Anpassung an den Fuß. Alles in allem ist die Konstruktion keine Weltneuheit gewesen, stellt aus heutiger Sicht dennoch den aktuellsten Stand der Kletterschuh-Technologie dar. So oder so ist La Sportiva Katana Laces ein bis ins letzte Detail durchdachtes Produkt, das keine Wünsche offen lässt und sich auf seine Stärken konzentriert.

Passform und Größe

Dieser Bereich ist mit Sicherheit der Knackpunkt für viele umstieginteressierte La Sportiva Katana-Fans. Ich kann bereits vorab beruhigen – die Passform ist weitestgehend die gleiche geblieben. Die einzige Änderung hat aus meiner Sicht die Gesamtsymmetrie erfahren. La Sportiva Katana Laces sind nun merklich asymmetrischer als die Velcro-Kletterschuhe. Meinem Fuß kommt es zugute, deshalb empfinde ich die Passform der Lace-Kletterschuhe deutlich besser und angenehmer, als es beim Velcro der Fall war. Die bereits erwähnte Änderung in der Form der Ferse betrifft ebenfalls Nuancen und ist im Grunde die gleiche. So wurde, meiner Meinung nach zurecht, das Volumen etwas reduziert und die Breite verschmälert. Die Höhe der Zehenbox und die Gesamtvorspannung sind ebenfalls identisch im Vergleich zum Klassiker.

Die Passform der La Sportiva Katana Laces ist im Vergleich zu den Katana Kletterschuhen sehr ähnlich.

Die Passform der La Sportiva Katana Laces ist im Vergleich zu den Katana Kletterschuhen sehr ähnlich.

Wem La Sportiva Katana am Rist zu viel Volumen bot, der hat nun die Möglichkeit, mit den Schnürsenkeln dieses nochmals zu reduzieren und das sogar bis in die Zehen runter. In meinem Fall sind die Schnürsenkel gerade so ausreichend – wenn ich sie fest zuziehe, reicht die Länge noch für einen Knoten. Die Anziehschlaufen und der großräumige Einstiegsbereich sorgen für unproblematisches Reinkommen mit dem Fuß. Man muss zwar einmal die Neo-Zunge zurechtziehen, aber dann sitzt der Katana Velcro auch ohne Schnürung fest am Fuß. Die Polsterung der Zehenbox verteilt den Druck auf die aufgestellten Zehen und garantiert so viel Komfort, wie man ihn in solch einem leistungsorientierten Modell nur erwarten kann. Natürlich drückt der La Sportiva Katana Laces am Anfang hier und da, doch diese Unannehmlichkeiten werden schnell besser. Bereits nach zwei Wochen im Dauereinsatz fühlt sich der Kletterschuh sehr viel bequemer und komfortabler an. Bei der Größenwahl kann man sich am alten Katana orientieren. Bei La Sportiva hat man modellübergreifend eine Größe in allen Kletterschuhen. Wer keine Erfahrung mit La Sportiva Kletterschuhen hat, ist gut damit beraten in etwa 2,5 EU-Größen (+/- 0,5) von seiner Straßenschuhgröße abzuziehen, um sauber klettern zu können. Für alpine Zwecke lohnt sich entweder das Einklettern über Wochen oder der direkte Griff zu einer größeren Variante. Einfach ausprobieren und dabei nicht übertreiben, denn das Lorica-Material in der Zehenbox dehnt sich nicht wirklich.

Performance der La Sportiva Katana Laces Kletterschuhe

Mittlerweile ist es schwierig geworden, irgendetwas Neues zu erfinden, um die Performance in eine nächste Dimension zu katapultieren. Es ist aber auch nicht immer nötig, der Cutting Edge-Technologie nachzurennen. Oft ist es einfach sinnvoller, das Bewährte zu verbessern und ein Stück perfekter zu machen. Die Hersteller versuchen die Klassiker um Eigenschaften zu ergänzen und so die Lücken in der Performance zu füllen. La Sportiva Katana Laces sind im Prinzip eine steifere Version des Klassikers, wenn man die Fülle an Eigenschaften auf einen Kern reduzieren muss. Die P3-Technologie gepaart mit der gut versteifenden Zwischensohle sorgt für eine hervorragende Stabilität beim Antreten auf der Spitze. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um einen unglaublich runden und unförmigen Spax handelt oder einen muldigen Kalkfiesling – die Katana Laces Kletterschuhe lassen all diese Herausforderungen mühelos bewältigen. Besonders in “Old School Routen”, wo das frontale Klettern an schlechten Strukturen oft der Schlüssel zum Erfolg ist, schneiden La Sportiva Katana Laces bei mir besonders gut ab.

Leisten und Mulden...

Leisten und Mulden…

Das einzige Manko beim Treten auf problematischen Tritten stellte die sehr rudimentär ausgeprägte Sensibilität dar. Gerade beim Steigen auf polierten Fels in der Fränkischen wünschte ich mir des Öfteren etwas mehr Gefühl unter dem Fuß und einen Tick mehr Flexibilität beim Greifen mit den Zehen. Natürlich kam ich trotzdem zurecht und konnte den Umlenker klippen, aber ein wenig diskomfortabel war das Treten dennoch. Wie alle relativ steifen Kletterschuhe sind La Sportiva Katana Laces unschlagbar beim Belasten der Tritte, wenn sie sich im Lot des Körperschwerpunkts befinden. Gilt es aber seitlich liegende Tritte zu erwischen, muss man schon sauber und gefühlvoll Spannung halten, um nicht abzurutschen. Es liegt auch nicht am Grip des Gummis, sondern einzig und allein an der stabileren Konstruktion. Wer da den weicheren Katana gewohnt war, muss zu Beginn etwas umlernen und umdenken. Man wird aber schnell die hohe Präzision und den unglaublichen Support dieser Kletterschuhe lieben lernen. Als Trost sei erwähnt, dass der Schnürer nach rund vier Wochen auch weicher und flexibler wird. An Sensibilität gewinnt er durch das Einklettern jedoch für meinen Geschmack etwas zu langsam, aber auch das wird mit der Zeit besser.

Wie alle Kletterschuhe mit Schnürung sind La Sportiva Katana Laces eher befriedigend bis ausreichend gut beim Lösen von Toe-Hook dominanten Schlüsselsequenzen. Warum das so ist, liegt auf der Hand, beziehungsweise auf der Zehenbox. Geht die Schnürung sehr tief zu den Zehen, ist nicht genügend Platz für ein Toe-Hook Patch vorhanden. Allein das lässt die Performance in diesem Bereich sinken. Dazu kommt noch, dass die meisten Lace Up-Modelle eher steiferer Art sind, sodass die notwendige Flexibilität nicht gegeben ist, um die Zehen ordentlich anheben zu können. Die Katana Laces Kletterschuhe sind da leider keine Ausnahme. Beim Hooken mit der Ferse gehen diese Kletterschuhe dagegen voll ab, was die Nutzung bei High End Boulderbegehungen durch Daniel Woods zeigt. Die recht schmale und hinten als Lippe zulaufende Ferse lässt sich ungemein gut auf schmalen Bändern und mittelgroßen Leisten platzieren. Dank der Schnürung hatte ich bis jetzt beim Hooken nie das Gefühl, aus dem Schuh zu rutschen. Ganz im Gegenteil: Hooken mit den La Sportiva Katana Laces ist eine wahre Freude und pure Entspannung für meine schwachen Unterarme.

Haltbarkeit und Einsatzbereich der Kletterschuhe

Edge hält schon echt gut lange. Für krasse Reibungsaktionen sind diese Kletterschuhe jedoch zu hart.

Die Kante, oder in der Sprache von La Sportiva “Edge”, hält relativ lang. Für intensive Reibungskletterei sind diese Kletterschuhe jedoch zu hart.

Am klassischen Katana nervten mich zwei Dinge ungemein: die Ablösung an der Ferse und der vorzeitige Querriss im Randgummi direkt an der Spitze. Beides blieb beim Katana Laces bis jetzt nach mittlerweile gut fünf Monaten Dauereinsatz aus. An sich eine wirklich erfreuliche Erfahrung die mich in meiner Meinung, dass der Schnürer für mich der bessere Kletterschuh ist, nur bestärkt. Die übrige Haltbarkeit ist tadellos gut und ich sehe ganz optimistisch noch mindestens zwei Wiederbesohlungen entgegen. Leider habe ich nicht die Erfahrung gemacht, dass XS Edge-Gummi im Vergleich zum älteren XS Grip deutlich länger hält. Beim Vergleich mit dem neuen XS Grip 2 ist genau dies jedoch der Fall. Man sollte also von seinem Katana Laces Kletterschuh keine unendliche Lebensdauer der Sohle erwarten, aber acht Monate bis zu einem Jahr würde ich durchaus anpeilen. Vorausgesetzt man hat eine saubere Fußtechnik und klettert diese Leistenknaller nur am Fels.

Die Kletterschuhe werden oft für alpines Sportklettern empfohlen. Ich möchte die Katana Laces jedoch ungern auf eine Disziplin reduzieren. Viel mehr sei betont, das diese Kletterschuhe auf kleinen Tritten in technischem, senkrechten Gelände sehr hilfreich sind und dort ihre Präzision und ihren Support am besten ausspielen. Natürlich kann man mit ihnen Bouldern und steile Routen in Franken ziehen, mit genügend Strom und Körperspannung kann man mit allem auf allem stehen… Aber ihre pure Überlegenheit zeigen sie eben woanders, und wenn man alpin im besagten Gelände unterwegs ist, gibt’s kaum bessere Kletterschuhe für derartige Projekte. Es versteht sich von selbst, dass reibungsabhängige Gebiete wie zum Beispiel Fontainebleau und Elbsandstein andere Qualitäten verlangen, als der La Sportiva Katana Laces bieten kann. Dementsprechend lohnt es sich, beim Kauf die eigenen Vorlieben und das jeweilige Hausgebiet zu berücksichtigen.

Mein Fazit zu La Sportiva Katana Laces yellow-black

Der La Sportiva Katana Laces lässt den ein oder anderen alteingesessenen Schnürer der Konkurrenz alt aussehen.

Der La Sportiva Katana Laces lässt den ein oder anderen alteingesessenen Schnürer der Konkurrenz alt aussehen.

La Sportiva Katana Laces yellow-black ist ein Kletterschuh, der neben seinem Komfort vor allem mit seiner Präzision und Kantenstabilität auf unmöglichsten Tritten beeindruckt. Dort lässt er den ein oder anderen alteingesessenen Schnürer der Konkurrenz alt aussehen und setzt fast schon neue Maßstäbe. Die Flexibilität bei der Regulierung von unterschiedlichen Fußvolumen macht ihn für viele Fußformen und -arten interessant. Wer sich normalerweise von der Umständlichkeit der Schnürsenkelbedienung abschrecken lässt, dem kann ich entgegnen, dass man bei diesem Modell kaum langsamer beim Anziehen ist als bei vergleichbaren Velcro-Kletterschuhen. Alles in allem fällt es mir schwer, Argumente gegen einen Kauf oder den Umstieg vom klassischen Katana auf den Katana Laces zu finden. Die La Sportiva Katana Laces Kletterschuhe bleiben für mich eine gelungene und sinnvolle Ergänzung der La Sportiva-Kollektion, denn mit ihnen sind die klassischen Touren irgendwie nicht mehr ganz so schwer.

Ein Kommentar

  1. Die im Jahr 2014 gekaufte Schuhe halten noch kurzer als die in 2013(die eh schon schlecht waren). nach ca. 15 Klettertagen gibt es schon rissen auf den Spitzen. Also Finger weg von La Sportivas!

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