Testberichte

LVS-Set im Test - Teil 1: Das Mammut Element Barryvox LVS-Gerät

01.04.2014

LVS-Set im Test – Teil 1: Das Mammut Element Barryvox LVS-Gerät

Das Skitourengehen und Freeriden boomt: Immer mehr Skifahrer und Boarder wagen den Sprung von der Piste ins Gelände und müssen sich zwangsläufig auch mit einigen Sicherheitsfragen auseinandersetzen. Welches LVS-Gerät ist für mich das Beste? Welche Lawinenschaufel und Sonde benötige ich? Brauche ich einen Lawinenrucksack?
Ich werde euch in drei aufeinanderfolgenden Testberichten meinen Lawinenpiepser (Mammut Element Barryvox), meine Schaufel und Sonde (Salewa Scratch T Schaufel und Ortovox 240 Economic Sonde) sowie meinen Lawinenrucksack (Mammut Pro RAS ready 35) vorstellen und jeweils die Vor- und Nachteile aufzeigen.
Im ersten Teil der LVS-Set Testreihe soll es um das LVS-Gerät Mammut Element Barryvox gehen.

Das Mammut Element Barryvox LVS-Gerät

Mammut Element Barryvox - Größenvergleich

Das Mammut Element Barryvox – der kleine Bruder des Pulse Barryvox – ist klein, handlich und bietet trotz abgespeckter Funktionen viele Vorteile.

Das Mammut Element Barryvox gilt als kleiner Bruder des Mammut Pulse Barryvox – und bietet trotz teilweise abgespeckter Funktionen viele Vorteile, die es für viele Tourengeher oder Freerider attraktiv macht. Ich gehe nun das zweite Jahr mit dem LVS-Gerät ins Gelände und möchte euch über meine Erfahrungen berichten.

Eines vorweg: Der Bericht soll keine Bedienungsanleitung werden. Ich werde daher nicht jede Bedienfunktion erklären – dafür gibt es das Handbuch von Mammut. Auch ist es nicht Zweck dieses Berichts den genauen Ablauf einer Lawinenverschüttetensuche zu erläutern – ich gehe davon aus, dass sich jeder, der ein LVS-Gerät kaufen möchte, bereits intensiver mit der Verschüttetensuche auseinandergesetzt hat.

Um sich den “Ablauf” einer Lawinenverschüttetensuche nochmals ins Gedächtnis zu rufen, kann ich das Trainingsprogramm von Mammut sehr empfehlen. Hier werden online Schritt für Schritt die Abläufe nochmals durchgegangen (allerdings mit dem Pulse statt dem Element – die Displayanzeigen sind jedoch weitestgehend identisch). Natürlich ersetzt dies keinesfalls ein Training im Gelände unter fachkundiger Anleitung.

Technische Fakten zum LVS-Gerät

  • 3-Antennen-Digitalgerät (d.h. Anzeige der Laufrichtung auf einem Display) und akustische Unterstützung
  • Anzeige von Distanz, Richtung, Anzahl der Verschütteten
  • Umkehrfunktion (Vermeidung von 180°-Suchfehlern: man läuft bei der Lawinenverschüttetensuche immer entlang der Feldlinien, die das Gerät aussendet; nun kann es theoretisch passieren, dass man in die falsche Richtung losläuft und den längeren Weg nimmt – die Umkehrfunktion verhindert dies)
  • Markierfunktion von Verschütteten
  • Signaltrennung bei mehreren Verschütteten
  • Gruppentest
  • Umschalten von Search auf Send nach acht Minuten ohne Benutzereingriff
  • Suchstreifenbreite (= maximale Suchweite) circa 50 Meter
  • Betrieb mit drei AAA Batterien
  • Betriebsdauer: mindestens 200 Stunden im Modus Send, anschließend noch eine Stunde Search-Modus möglich
  • Möglichkeit für zukünftige Updates ist gegeben

Funktionen des Mammut Element Barryvox

Mammut Element Barryvox - Grobsuche

Mammut Element Barryvox – Grobsuche

Bei der Bedienung spielt das Mammut Element Barryvox meiner Meinung nach seine größten Stärken aus. Bei fast identischen Ergebnissen bezüglich Grob- und Feinsuche im Vergleich zu den hochpreisigen Geräten, die es auf dem Markt gibt, ist die Bedienung des Element Barryvox einfach und sehr intuitiv.

Auf der Oberseite des Geräts befindet sich ein Schiebeschalter mit mehreren Arretierungsstufen: Ist der Schalter ganz nach links geschoben, ist das LVS-Gerät aus. Drückt man den Arretierungsknopf durch und schiebt den Schalter in die Mitte, ist das Gerät auf “Send” eingeschaltet. Eine kleine, in den Schalter eingearbeitete rote Leuchte signalisiert durch Blinken, dass das Gerät tatsächlich sendet. Während des Hochfahrens wird gleichzeitig ein Check durchgeführt und die Batterieladezeit angezeigt (hier empfiehlt Mammut übrigens, die Batterien bei einer Anzeige von unter 40 Prozent auszutauschen, da je nach Temperatur anschließend auch eine schnellere Entladung möglich ist).
Durch erneuten Druck auf den Arretierungsschalter und Schieben nach rechts gelangt man in den Modus “Search”. Hier werden je nach Status der Suche für Grobsuche/Feinsuche unterschiedliche Displaybilder angezeigt, die sehr selbsterklärend sind – sobald ein Verschütteter detektiert wird, gilt es dem Pfeil nachzulaufen. Zusätzlich zur Displayanzeige wird ein analoger Ton übertragen, der signalisiert, ob man sich nähert oder entfernt. Gelangt man in einen Radius von unter drei Metern in der Nähe des Verschütteten, ändert sich die Anzeige und man befindet sich in der Feinsuche und kann anschließend mit dem “Auskreuzen” beginnen. Dennoch sollte die selbsterklärende Anzeige natürlich nicht davon abhalten, sich regelmäßig in der Lawinenverschüttetensuche zu üben. Egal, wie gut das Gerät ist: Solange man selbst mit dem Ablauf nicht vertraut ist und diesen routiniert durchführen kann, ist keine zielstrebige und schnelle und damit hoffentlich auch erfolgreiche Suche möglich.

Mammut Element Barryvox - Suchfunktion

Mammut Element Barryvox – Suchfunktion

Mit dem Arretierungsschalter kann man also primär alle wichtigen Funktionen einfach und unkompliziert ansteuern. Für einige wenige Zusatzfunktionen gibt es an der rechten Seite des Mammut Element Barryvox noch einen Druckknopf – dieser hat im wesentlichen zwei wichtige Funktionen:

Zum einen wird beim Hochfahren des LVS-Gerätes der sogenannte Gruppencheck ermöglicht. Drückt man zum Zeitpunkt des Startvorgangs, wenn “Check” im Display angezeigt wird, den Knopf, so wird der Gruppencheck durchgeführt. Geht nun ein Tourengeher nach dem anderen an demjenigen vorbei, der den Check durchführt, so wird auf dessen Display jeweils angezeigt, ob das Signal ausreichend stark ankommt.

Zum anderen dient der Druckknopf der Mehrfachverschüttetensuche: So kann man einen Verschütteten, wenn man ihn gefunden hat, markieren und damit “aus der Suche rausnehmen”. Auch hier erscheint zum entsprechenden Zeitpunkt (ab Feinsuche) eine kleines Häkchen auf dem Display, das signalisiert, dass nun markiert werden kann. Die wichtigen Informationen werden dabei stets gut lesbar auf dem Display angezeigt. Neben der Entfernung zum nächsten Lawinenopfer und der Laufrichtung wird auch die Anzahl der insgesamt detektierten Lawinenopfer angezeigt (durch kleine Figuren).

Das Mammut Element Barryvox LVS-Gerät im LVS-Test des DAV

Da die objektiven Messwerte schwer in der Praxis überprüfbar und relativierbar sind, werde ich mich an den LVS-Geräte-Test des Deutschen Alpenvereins (DAV) aus der Saison 2013/14 halten und diese kurz zusammenfassen:

  • Allgemeines: einfaches, leicht zu bedienendes Gerät, sehr überzeugende Leistung
  • Signalsuche: fast identische Ergebnisse wie das Mammut Pulse Barryvox
  • Grobsuche: im Test eines der besten LVS-Geräte – gelobt wurde die gute Zielführung ab dem Erstempfang, kleiner Unschärfebereich
  • Feinsuche: laut Testbericht dem Mammut Pulse Barryvox sogar minimal überlegen
  • Mehr-Personen-Verschüttung: Hier gibt es einen kleinen Kritikpunkt im Test, da bei bestimmten Konstellationen das Separieren der Signale etwas Zeit benötigte. Davon abgesehen sehr gute Auflösung von mehreren Verschütteten, vorbildliche Markierfunktion (laut Test eine der besten unter den derzeit erhätlichen LVS-Geräten), klare Zielführung zu mehreren Sendern (wenn sie separiert sind).
  • Fazit: “Für einen Gelegenheitsnutzer erscheint uns dieses Gerät als das am einfachsten zu bedienende”.

Quelle: alpenverein.de

Vor- und Nachteile des LVS-Geräts im Überblick

Vorteile:

  • einfache, intuitive Bedienbarkeit
  • sowohl Grob- als auch Feinsuche vorbildlich
  • gute Markierung bei Mehrfachverschüttetensuche
  • automatisches Umschalten von “Search”  in “Send” nach acht Minuten
  • robuste Bauart, guter Tragekomfort
  • sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • sehr gute Testergebnisse bzgl. der technischen Fakten

Nachteile:

  • einziger Negativpunkt im großen DAV-Test 2013/14: bei speziellen Konstellationen dauert die Signaltrennung bei Mehrfachverschüttetensuche etwas länger - Ich selbst hatte bei Feldversuchen damit jedoch nie Probleme!
  • aktuell noch kein Update erhältlich

Fazit zum Mammut Element Barryvox

Zusammen mit der robusten Halterung von Mammut ist das LVS-Gerät unterwegs im Powder immer gut dabei.

Zusammen mit der robusten Halterung von Mammut ist das LVS-Gerät unterwegs im Powder immer gut dabei.

Gerade für Einsteiger, Gelegenheitsnutzer, aber auch für den Vielnutzer, der ein einfaches und dennoch hochfunktionales LVS-Gerät sucht, ist das Mammut Element Barryvoxsicherlich mehr als ein Geheimtipp: das fast unschlagbare Preis-Leistungsverhältnis (im Set ab 290 Euro), die gute und intuitive Bedienbarkeit und vor allem die Zuverlässigkeit und Genauigkeit, mit der sich mit dem Element Barryvox in Grob- und Feinsuche Lawinenopfer aufspüren lassen, sind nur einige Argumente, die für das LVS-Gerät von Mammut sprechen. Ich habe für mich festgestellt, dass eine einfache Bedienung gerade in Stresssituationen wichtig ist – und mich daher für das Mammut Element Barryvox entschieden. Bei verschiedenen Versuchen im Gelände konnte mich das LVS-Gerät immer optimal unterstützen und ich habe mich immer sicher und gut “geführt” gefühlt. Ich hoffe, dass ich das Gerät nie im “Einsatz” brauchen werden, weiß jedoch aus Übungen, dass ich im Ernstfall damit umgehen und es richtig einsetzen könnte.

Für Profis oder Vielnutzer, die gerne auch eigene Einstellungen vornehmen und noch etwas mehr Funktion wünschen, könnte der große Bruder, das Mammut Pulse Barryvox vielleicht die bessere Wahl sein.

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