Testberichte

Hardfleece-Jacke im Test: Arcteryx Epsilon SV Hoody

15.04.2014

Hardfleece-Jacke im Test: Arcteryx Epsilon SV Hoody

Während Funktionsbekleidung aus Softshell-Material nicht nur sehr beliebt, sondern auch enorm verbreitet ist, gibt es nur wenige Hersteller, die Hardfleece-Textilien anbieten. Was der Unterschied ist und warum die kanadische Edelschmiede Arcteryx meines Erachtens zurecht auf das harte Fleece schwört, soll im Folgenden am Beispiel der Hardfleece-Jacke Arcteryx Epsilon SV Hoody gezeigt werden.

Was ist Hardfleece?

Softshellgewebe sind im Gegensatz zu wasserdichten Hardshells bekanntermaßen weicher und elastischer, rascheln nicht und bieten eine weitaus bessere Atmungsaktivität. Mittlerweile gibt es jedoch so viele innovative, wasserdichte Stoffe, dass der Übergang zwischen Hard- und Softshell oftmals nur noch schwer zu erkennen ist. Gore-Tex Active Shell etwa ist ebenso dampfdurchlässig wie ein guter Windstopper und Polartec Neoshell bietet darüber hinaus noch eine enorme Elastizität. In Anbetracht des herausragenden Klimakomforts dieser neuen High-Tech-Stoffe ist es wohl eher angebracht, von wasserdichten Softshells als von elastischen Hardshells zu sprechen (denn diese gab es bereits Jahre zuvor, etwa in Form elastischer 2,5-Lagen-Jacken).

Hardfleece ist widerstandsfähiger und wetterresistenter als Stretchfleece und atmungsaktiver als Softshell. Ich habe die Arc'teryx Epsilon SV Hardfleece-Jacke getestet.

Hardfleece ist widerstandsfähiger und wetterresistenter als Stretchfleece und atmungsaktiver als Softshell. Ich habe die Arcteryx Epsilon SV Hardfleece-Jacke getestet.

Zusätzlich gibt es seit Jahren Mischformen aus Fleece und Softshells, die sogenannten Hardfleece-Textilien. Dabei handelt es sich um sehr windresistente Fleecestoffe aus Polyester, die zwar stark den Softshells ähneln, aber dennoch deutlich von diesen zu unterscheiden sind.
Im Gegensatz zu Softshells, die meist aus Nylon kombiniert mit Elasthan bestehen und häufig eine Membran aufweisen, besteht Hardfleece aus 100 Prozent Polyester. Softshells sind in der Regel windundurchlässig und weisen einen soliden Wetterschutz auf. Hardfleece dagegen bietet wesentlich weniger Wind- und Nässeschutz, dafür aber maximalen Dampfdurchlass. Die Polyesterstoffe von Hardfleece sind nur bedingt elastisch, da kein Elasthan beigemischt wird. Dafür macht die glatte Außenseite einen für Polyester ungewohnt robusten Eindruck.
So unterscheidet sich Hardfleece auch von Stretchfleece. Gewebe wie Polartec Power Stretch und Polartec Wind Pro sind enorm dehnbare Fleece-Mischgewebe. Sie weisen eine höhere Atmungsaktivität als Hardfleece auf, sind aber weniger windresistent und abriebfest als Hardfleece. Sie gelten als Midlayer, während Hardfleece durch seine Widerstandsfähigkeit eher als Außenlage betrachtet werden sollte.

Man könnte daher sagen, Hardfleece bildet funktionstechnisch ein Mittelding zwischen Stretchfleece und Softshell. Dennoch würde ich, was die Belastbarkeit angeht, einigen Hardfleecestoffen mehr zutrauen als vielen Softshells. Im Gegensatz zu Softshell ist Hardfleece meist besser isolierend, dampfdurchlässiger und mitunter sogar robuster. Da es sich um reines Polyester handelt, wird innen meist ein Lining aus Fleece angebracht, das bei Softshells nur bei bestimmten Modellen zu finden ist.

Für welchen Einsatz eignen sich Hardfleece-Jacken?

Arcteryx Epsilon SV Hoody im Test

Ideal bei kühlem, trockenen Wetter im Herbst und bewegungsintensiven Aktivitäten wie Radfahren und Klettern.

Damit eignen sich die Materialien am besten für intensive Aktivitäten bei kälterem Wetter. Wenn es windig und relativ trocken ist, bieten sie ein ausgewogenes Körperklima, solange man in Bewegung bleibt. Softshells haben mehr Wetterschutzcharakter, Hardfleece eben mehr Tendenzen zu Isolation. Durch die glatte Außenseite und die meist flachen, elastischen Bündchen rutschen Hardfleece-Jacken besser als viele Softshells unter eine weitere Lage. Als Außenschicht getragen bieten sie in den Bergen mehr Abriebfestigkeit und Wetterschutz als das beliebte Stretchfleece.
Einsatzgebiete für Hardfleece-Jacken sind: Radfahren, Skitouren, Bergsteigen, Schneeschuhwandern, Alpinklettern, Sportklettern, All-Round. Am besten eignen sich die Hardfleece-Jacken für kühlere Bedingungen und für Anstiege, solange man in Bewegung bleibt und den Körper warm hält.

Preis und Vertreter von Hardfleece

Arcteryx ist wohl der bekannteste Vertreter und Verfechter solcher Gewebe und bietet sie in den Epsilon- und Acto-Modellreihen an, zum Beispiel das Epsilon AR Jacket und den Epsilon SV Hoody. Zu den technischeren Produkten gehört der Artc’teryx Acto MX Hoody. Andere Jacken aus Hardfleecestoffen sind die Patagonia Adze Jacket und die Jack Wolfskin Ultrasonic XT Jacket.

Generell ist Hardfleece eher im Preissegment zwischen 130 und 200 Euro angesiedelt und damit häufig etwas günstiger als eine ordentliche Softshell. Die Arcteryx Acto MX bildet mit 250 Euro eine Ausnahme und ist ein sehr technisches Teil für Liebhaber und Enthusiasten. Viele Hardfleecejacken kommen ohne Kapuze, was auch den vergleichsweise geringeren Preis gegenüber Softshells erklärt.

Konstruktion und Ausstattung des Arcteryx Epsilon SV Hoody

Der Arcteryx Epsilon SV Hoody hat ein dezentes Design mit laminierter Ärmeltasche.

Der Arcteryx Epsilon SV Hoody hat ein dezentes Design mit laminierter Ärmeltasche.

Ich bevorzuge bei Wetterschutzjacken (fast) ausschließlich Kapuzenmodelle. Die Wahl des Artc’teryx Epsilon SV Hoody statt des Jacket hat sich gelohnt. Die Kapuzenjacke hat einen insgesamt flachen Aufbau, einen laminiertem Saum mit Kordelzug und flachen, leicht spitz zulaufenden Ärmelbündchen. Diese sind mit einem elastischen Einsatz versehen, ebenfalls laminiert und damit sehr flach. Die angeschnittene Kapuze ist nur vorne verstellbar und zwar über Kordelzüge, die man auch über die Einschubtaschen erreicht. So etwas sieht man selten. Der Schnitt der Kapuze ist schlichtweg genial und man vermisst keine zusätzliche Verstellbarkeit am Hinterkopf, da sie sich so, wie sie ist, perfekt an den Kopf anschmiegt, ohne dass der laminierte Schirm im Gesichtsfeld hängt.
Es gibt zwei verdeckte Einschubtaschen und eine laminierte Ärmeltasche links. Die aktuelle UVP liegt bei 220 Euro. Das ist für eine Hardfleece-Jacke schon oberes Preissegment, wird aber durch die makellose Verarbeitung der Arcteryx-Jacke und eine sehr durchdachte Konstruktion gerechtfertigt.

Optik, Material und Fütterung

Mir persönlich gefällt das schlichte Branding des Herstellers. Bei der Arcteryx Epsilon SV wird aber noch eins drauf gesetzt und man verzichtet bis auf einen kleinen, reflektierenden Logovogel auf der Ärmeltasche völlig auf ein Statement. Das macht die Jacke, die aufgrund ihres matten Außengewebes, der angeschnittenen Kapuze und der verdeckten Taschen ohnehin schlicht wirkt, umso alltagstauglicher.

Die Arcteryx Epsilon SV ist innen mit einer eher dünnen Qualität von niederflorigem Fleece gefüttert. So bringt sie es trotz Kapuze auf knapp unter 500 Gramm. Sie ist definitiv, was die Fütterung angeht, weder eine richtige Winter-, noch eine Sommerjacke. Dennoch ist es erstaunlich, wie weit man damit im Frühjahr und Herbst kommt. Sie funktioniert bei Temperaturen zwischen null und zehn Grad optimal, wenn man dauerhaft in Bewegung bleibt. Zum Radfahren oder Schneeschuhwandern dürfte sie aber auch bei leichten Minusgraden noch genügen.

Am Kragen der Arcteryx Epsilon SV kommt etwas feineres Fleece vor; alles ist laminiert. Man sieht kaum eine Naht und die Hardfleece-Jacke macht bereits beim Auspacken den Eindruck, ein langjähriger Begleiter auch für intensive Unternehmungen zu werden! Ausnahmsweise hat Arcteryx hier mal einen gewendeten Spiralzipper von YKK statt einen Kunststoff-Reißverschluss. Der ist aber sehr leichtgängig und wohl durch die Tatsache gerechtfertigt, dass die Jacke eher als stabiler Midlayer, denn als Außenlage bei richtig groben Bedingungen gedacht ist.

Der Arcteryx Epsilon SV Hoody in der Praxis – Oder: warum mich die Kapuzenjacke überzeugt

Super Passform, auch mit Zwischenlage drunter. Damit eignet sich die Arcteryx Epsilon SV auch als Außenlage, zumal sie robust und bis zu einem gewissen Grad wetterbeständig ist.

Super Passform, auch mit Zwischenlage drunter. Damit eignet sich die Arcteryx Epsilon SV auch als Außenlage, zumal sie robust und bis zu einem gewissen Grad wetterbeständig ist.

So, jetzt zum tatsächlichen Gebrauchswert der Jacke. Ich liebe sie! Die Arcteryx Epsilon SV ist nicht zu dick und nicht zu dünn und bietet tatsächlich unter den meisten Wetterumständen hierzulande ausreichend Schutz. Gerade aber, wenn es kälter ist, spielt sie ihre Stärken hinsichtlich Atmungsaktivität voll aus. Ich nutze sie am liebsten auf dem Rad bei kühlem Wetter um fünf Grad, aber auch zum Felsklettern, Wandern und All-Round-Gebrauch ist sie schlichtweg genial.

Die Reißverschlüsse sind angenehm gut zu bedienen und es genügt für die Ventilation meist, den Front-Reißverschluss zu öffnen. Es gibt generell keine Hardfleece-Jacken mit Pit-Zips, das wäre ob der guten Atmungsaktivität schlichtweg unnötiger Firlefanz. Dennoch kann man zusätzlich die mit Netz gefütterten Einschubtaschen zur Ventilation öffnen.

Das Material hat eine unglaublich gute Haptik. Innen ist die Kapuzenjacke weich, außen leicht gitterartig strukturiert (und damit besonders robust), aber weich im Griff. Ärmeltasche und elastische Einsätze am Saum sind besonders geschmeidig und sehr dehnbar. Sehr wertvolle Details sind die leicht gefütterten Taschen, die beim Warten am Fels für warme Griffel sorgen.

Auch die Kapuze überzeugt, da sie sich gut und einfach einstellen lässt und mit leicht angezogenen Kordelzügen ausreichend Schutz am Hals vor kaltem Wind bietet. Ein Kragen wäre überflüssig.

Die Ärmeltasche reicht eher für den Schlüsselbund denn für Riegel oder GPS. Wer gerne einen besseren Zugriff vorne hat, der sollte sich die Arcteryx Acto MX Hoody mit zwei Brusttaschen oder die Arcteryx Epsilon SV Jacket (ohne Kapuze) mit einer Brusttasche ansehen.

Arcteryx Epsilon SV Hoody: Hardfleece-Jacke im Test

Weiches Microfleece am Kragen.

Neben der Kapuze und der genialen Haptik und Optik überzeugt mich aber vor allem die flache, schnörkellose Konstruktion der Jacke. Sie hat keine hakelige Zippergarage, aber einen ausreichenden Kinnschutz. So kann man den Zipper bestens bedienen und keine Windleiste verklemmt sich. Am Saum trägt sie kaum auf und ist optimal lang geschnitten (hinten leicht über’s Gesäß, vorne Höhe Gürtel), um sie unter einer Hardshell derselben Größe zu tragen. Ich trage bei Arcteryx ausschließlich Größe S und liebe die Weite, da die Epsilon SV ohne Pulli nicht schlabbert, aber ich bei kaltem Wetter noch etwas drunterziehen kann. Man kann super einen Hüftgurt (Klettern oder Rucksack) tragen, ohne dass etwas drückt.

Außerdem sind die Ärmel perfekt zum Klettern und Radeln. Vorgeformt und schön lang. Die Ärmelbündchen sind für mich ein absolutes Highlight! Sie sind enorm flach und laufen leicht spitz und gut schließend auf das Handgelenk zu. Es gibt einen kleinen Zwickel an der Manschette, so dass der Handrücken etwas mehr bedeckt und die Handinnenseite frei ist. Was man anfangs für Spielerei halten mag, will man bald nicht mehr missen! Durch die elastischen Einsätze ist der Bund nicht nur enorm formstabil, sondern die Ärmel lassen sich auch ohne lästiges Verstellen per Velcro nach oben ziehen. Die Bündchen schließen tatsächlich eng genug, damit beim Radfahren kein kalter Fahrtwind reinpfeift, und rutschen somit auch nicht zu weit nach vorne. Auch unter der Hardshell machen sich die Bündchen bezahlt – besser kann man nicht unter eine weitere Lage rutschen!

Arcteryx Epsilon SV Hoody: Hardfleece-Jacke im Test

Laminierte Tasche im Detail.

Arcteryx-Textilien haben von Haus aus eine solide DWR-Imprägnierung und so kann man auch mit der Epsilon SV (besonders in Kapuzenversion) gut einen leichten Schauer überstehen. Da Hardfleece aber eben doch Polyester ist, hat man nach einer Weile das Problem, dass sich das Gewebe vollsaugt und weniger schnell trocknet als Softshell. Es ist eben „stoffartiger“ als Polyamid, außerdem geht das Außengewebe direkt ins Lining über (ohne Membran oder Materialmix).

Der Windschutz ist in Ordnung, aber nicht so stark wie bei winddichten (Membran-) Softshells. Dafür hat man etwas mehr Zirkulation, was wiederum dem Körperklima zugute kommt. Dieses Prinzip macht man sich bei Polartec Neoshell übrigens auch zu Nutze. Daher ist es sinnvoll, mit Hardfleece bei kühlem, windigem Wetter in Bewegung zu bleiben. Wer empfindlich ist und öfters pausiert, sollte eher zu Softshell greifen.

Hinsichtlich der Robustheit braucht man sich bei der Arcteryx Epsilon SV keine Sorgen machen. Da hinterlassen schwere Rucksäcke ebenso wenig Schäden wie grobes Gebüsch am Singletrail oder gelegentlicher Felskontakt. Durch die enorm dichte Webart ziehen sich keine Fäden, eher würde man vermutlich ein Loch ins Gewebe reinschrubben. Dazu bedarf es aber schon grober Gewalt.

Als Midlayer habe ich die Epsilon weniger im Einsatz, da bevorzuge ich bei kaltem Wetter Polartec Powerstretch und bei mildem Wetter nichts. Für Touren in bergigem und wechselhaftem Gelände, wenn man ins Schwitzen kommt und ab und an die Hardshell überstreift oder auszieht und meist einen (schweren) Rucksack dabei hat, ist Hardfleece aber optimal. Auch beim Felsklettern macht sich das Gewebe bezahlt. Ich würde ein Hardfleece einem winddichten klassischen Fleece (mit Membran) vorziehen. Das ist eher was für Leute, die den Fokus auf Kuschelkomfort legen.

Mein Fazit zum Arcteryx Epsilon SV Hoody: Multitalent!

Arcteryx Epsilon SV Hoody: Hardfleece-Jacke im Test

Die Hardfleece-Jacke ist extrem robust, bietet soliden Wetterschutz, unglaubliche Haptik und hochwertige Verarbeitung und Ausstattung.

Enorm robust, solider Wetterschutz, genialer Tragekomfort, durchdachte Ausstattung, perfekte Verarbeitung, wertige Optik! Was will man mehr? Der Arcteryx Epsilon SV Hoody ist ein funktionales Genie, das man von der Stadt bis an den Berg fast das ganze Jahr über dabei haben kann. Im Sommer wird sie wohl zu warm, aber im Winter kann man die Hardfleece-Jacke mit Außenlagencharakter auch gerne mal als Midlayer tragen. Die Lebensdauer lässt viel erwarten und rechtfertigt den Preis, der mit dem einer guten Softshell vergleichbar ist. Besonders gut gelöst finde ich Kapuze, Ärmelbündchen und die eher schlanke Passform mit flacher Konstruktion. Das Gewebe hat einen weichen Griff und die Wärmeleistung befindet sich im Mittelmaß. Die Jacke ist zudem recht leicht und lässt sich gut in die Kapuze einrollen und überzeugt durch eine klare, schlichte Optik.

Ich für meinen Teil hoffe, dass es bei den Kanadiern von Arcteryx im Sortiment noch ein vergleichbares Teil geben wird, wenn meine mal den Geist aufgibt. Bis dahin ist aber noch Zeit und ich bleibe bei Hardfleece, Windstopper und Pro Shell, denn Allround-Jacken können nie in allen Teilbereichen so glänzen wie spezialisierte Teile. Die Arcteryx Epsilon SV ist meine klare Empfehlung für kühleres und weitgehend trockenes Wetter sowie intensive Touren.

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