Testberichte

Arc'teryx Incendo Tights und Short im Test

20.05.2014

Arc’teryx Incendo Tights und Short im Test

Für nichts zu schade: Incendo Short!

Für nichts zu schade: Incendo Short!

Häufig wird unterschätzt, welchen Wert kleine Details an Ausrüstung und Bekleidung haben können, wenn man lange oder intensiv damit unterwegs ist. Die Kanadier von Arc’teryx sind für ein geradliniges Design und eine klare, schnörkellose Ausstattung bekannt. Wie und ob überhaupt eine Tasche platziert wird, welches Material wo zum Einsatz kommt und wie man einen Artikel mit Weiteren kombinieren kann – all das erfährt hier höchste Beachtung. Liebe zum Detail ist es, welche die exklusive Ausrüstung auszeichnet.

Warum häufig so wenig Ausstattung einen umso höheren Preis hat, ist eine berechtigte Frage, die man einfach mit dem erhöhten Praxiswert erklären kann. Arc’teryx Produkte zeichnen sich durch einen Reduktionismus aus, der nicht nur für eine schöne Erscheinung, sondern besonders eine unkomplizierte und intuitive Handhabung sorgt. Reduzieren heißt Spezialisieren und Optimieren. Weniger potentielle Optionen führen zu weniger nötigen Entscheidungen und beschleunigen und vereinfachen Unternehmungen, da man weder viele Taschen durchsuchen noch unnötige Abdeckungen hinterfummeln muss.

Beim Laufen als sehr schweißtreibender Aktivität mit hohem Bewegungsaufwand ist es besonders wichtig, dass die Kleidung nicht reibt, leicht ist und stets angenehmen Klimakomfort gewährleistet – beim Herbst-Marathon auf den letzten Kilometern ebenso wie beim Bergsprint im Hochsommer. Eine durchdachte und aufs Wesentliche reduzierte Ausstattung und Materialzusammensetzung machen sich umso mehr bezahlt, je häufiger und intensiver man trainiert.

Als regelmäßiger und Wettkampfläufer ist mir, was Ausrüstung angeht, neben der Grundlage eines ordentlichen Schuhwerks und eines verlässlichen Trainingscomputers besonders haltbare, unkomplizierte und funktionelle Kleidung wichtig. Sie wird täglich gebraucht, häufig belastet und gewaschen und muss gut passen. Da war es für mich naheliegend, Laufhosen von Arc’teryx zu beziehen, einem Hersteller, der mich bereits durch erstklassige Jacken, Handschuhe und Rucksäcke überzeugen konnte.

Ein Test der Arc’teryx Incendo Short und Incendo Tights

 

Anliegende Innenhose vermeidet Irritationen

Anliegende Innenhose vermeidet Irritationen

Flexibel, athletisch, stringent. Sowohl die Incendo Short (auch Long-Variante als kurze Hose mit längeren Beinen erhältlich) wie auch die gleichnamigen Tights wollen als verlässliche Begleiter für schweißtreibende Laufrunden am Pulslimit getragen werden. Daher sind sie besonders leicht (120g bzw. 210 g), enorm atmungsaktiv und schnelltrocknend. Wetterschutz halte ich beim Laufen ohnehin für überbewertet. Wenn es regnet und man in Bewegung bleibt braucht man keine Softhellhose. Wasserabweisende Shorts sind sowieso irgendwie widersprüchlich.

Beide Hosen sind aus elastischen Geweben gefertigt, die sehr schnell trocknen und damit häufiges Waschen bei täglichem Training ermöglichen. Da man die Short auch prima als Badehose verwenden kann ist sie beim sommerlichen Trip zum Badesee im Nullkommanix wieder trocken. Die Laufhosen haben Reflektoren auf der Vorderseite (leider nicht hinten – insbesondere bei der langen Hose ein Mangel), eine Tasche, Ventilationseinsätze aus Meshgewebe, flache, irritationsmindernde und gewendete Nähte sowie einen Kordelzug im Bund und elastische Beinsäume. Die Etiketten sind gedruckt, so spart man sich unnötige Zettelchen – minimal weniger Gewicht, sehr viel mehr Komfort.

Details der Arc’teryx Incendo Laufhosen

RV-Tasche an Tights

RV-Tasche an Tights

Die Incendo Short besteht aus reinem Polyester. Durch die spezielle Konstruktion kann man sich Elasthan sparen und hat bei ähnlicher Dehnbarkeit eine erhöhte Gewebelebensdauer. Bei häufigen Wäschen zahlt sich das aus. Diese sind übrigens trotz Anti-Müffel-Ausrüstung nötig, da man beim Laufen einfach dermaßen transpiriert, dass alle Synthetikstoffe an ihre Bakteriengrenzen kommen.Die Tights bestehen aus einem Mischgewebe aus Polyester und Elasthan, was für die Formbeständigkeit einer engen Hose nicht anders machbar ist.

Die Short hat hinten in der Hüfte, die Tights an den Waden dünnere Einsätze für mehr Belüftung. Passform und Schnitt sind sehr durchdacht. Die Short kommt mit anliegender und recht langer Innenhose. Das Problem vieler Laufshorts, dass der fest eingenäht Innenslip reibt, wird so effektiv behoben. Außerdem eignet sich die Hose damit zum Schwimmen. Dafür ist der Kordelzug im flachen Saum vorteilhaft. Die Außenlage ist einlagig und sehr dünn, weich und hat einen laminierten Saum. Sie sorgt für eine lässige Optik und ist luftig, aber nicht zu weit geschnitten.

Sehr gut ist, dass beim Beinhub die Außenshort lang genug ist, damit die Innenhose nicht herausschaut. Die kleine vertikale Tasche hinten in der Hüfte ist gegen Herausfallen von oben abgedeckt und beherbergt Schlüssel oder Riegel. Der Bund fällt normal aus, meine Small entspricht einer 30er Bundweite. Die Tight hat eine sehr enge Passform und ist recht lang geschnitten. Es ist etwas fummelig, sie über die Füße zu bekommen. Im Bundbereich könnte sie etwas weiter geschnitten sein, ein Vorteil ist aber der gute Abschluss.

So geschnitten sitzt die Incendo Tight wie eine zweite Haut und hat einen mittelhohen Bund, ebenfalls flach und mit Kordelzug. Die Tasche der Incendo ist eine horizontale RV-Tasche hinten, die ebenfalls für Gel oder Schlüssel genügt. Mehr braucht man in der Regel ja nicht, schließlich hat man beim Laufen meist (außer bei Bergläufen mit Stöcken) die Hände frei für Armlinge und Windjacke oder kann einen Trinkgurt mit Taschen für lange Unternehmungen mitnehmen. Die Hose ist sehr dünn und sinnigerweiße an den Waden ventiliert – da wo man bei kühlerem Wetter am ehesten kalte Luft vertragen kann. Ich würde sie eher für kühles Wetter empfehlen, bei Minusgraden kann es schon etwas dickeres sein. Das schlichte, fast schon elitäre Branding und die sportliche Passform sorgen für eine athletische Erscheinung.

Durchdachtes Konzept: Incendo Tights und Short im Einsatz

Flacher Bund an Incendo Tights

Flacher Bund an Incendo Tights

Beide Laufhosen tragen sich nach längerem Einsatz genial und machen einfach Freude. Sie sind unkompliziert und nach unzähligen Wäschen und Einsätzen optisch und funktionell einwandfrei. Das Material ist formbeständig und behält seine Farbe. Die Nähte halten und es gibt keine Reibung aufgrund der anliegenden Stoffe. Die Kordelzüge kann man auch herausnehmen, da die Bundweite optimal passt und der Bund ohnehin elastisch eingefasst ist. Wenn man die Incendo Short als lässige Boardshorts trägt sollte man das allerdings nicht tun. Die Taschengröße ist optimal, da man in der Regel nur den Schlüssel mitnimmt.

Erfreulich ist der gute Klimakomfort. Denn selbst mit recht langer Innenhose bei der Short sind Läufe bei heißem Wetter angenehm und die Incendo Tights tragen sich auch bei nass-kaltem Herbstwetter unbeschwert. Man kann letztere auch super zum Langlauf oder Mountainbiken (mit Polster drunter) verwenden, die Short wie gesagt zum Baden und als leichte Allround-Sommerhose durchaus zu verwenden. Die Tights sind athletisch und nicht isolierend. Ich würde sie ebenso wenig als lange Unterhose für Wintertouren nutzen, wie die Short zum Mountainbiken oder Sportklettern (wegen der Innenhose).

Mein Fazit zur Incendo Tight und Incendo Short von Arc’teryx

Passform

Perfekte Passform

Die gute Qualität, die ich von den innovativen Arc’teryx Produkten bisher gewohnt bin, hat sich auch bei den beiden Laufhosen Incendo Short und Incendo Tights bestätigt. Passform, Materialauswahl, Ausstattung und Verarbeitung sind sehr zweckmäßig. Die Hosen tragen sich unbeschwert und sind optimal geeignet für intensive Läufe bei jedem Wetter. Schnelle Trocknungszeiten und geringes Gewicht sind weitere Pluspunkte. Nachbessern könnte man bei der Ausstattung mit Reflektoren und der engen Beinweite am Knöchel der Tight. Die Preise von 65 Euro (Short) bzw. 70 Euro (Tights) sind ok, wenn man die Beständigkeit der Stoffe und damit eine lange Haltbarkeit berücksichtigt.

Zur Incendo Long Short bei bergzeit.de

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