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Mit Höhenangst auf Bergtour: Der Große Priel

18.03.2014

Mit Höhenangst auf Bergtour: Der Große Priel

Bergtour mit Höhenangst? Das geht! Bernd Rieffel beschreibt in seinem Tourenbericht zum Großen Priel, wie er gelernt hat, mit der Angst umzugehen, und was dagegen hilft. Zum Beispiel ein Klettersteigkurs.

Ich sitze auf einem Felsen, nur noch rund 400 Meter vom Gipfel entfernt, und genieße den wundervollen Blick zum Gipfelkreuz des Großen Priel (2.515 Meter). Näher komme ich nicht an den Gipfel. Der Grund: Der Grat ist mir zu schmal. Meine Höhenangst meldet sich wieder. Sie ist ein treuer Begleiter. Der eine oder andere wird den Gipfel kennen und sich denken: das ist doch gar nichts. Wer keine Höhenangst hat, für den ist das sehr schwer nachzuvollziehen. Auch meine Lebensgefährtin Sibille hat keine Probleme und geht bis zum Gipfel weiter. So sitze ich hier auf einem kleinen Felsen und habe Zeit für einen kurzen gedanklichen Rückblick.

Vom Umgang mit der Angst

Nur noch wenige Meter trennen mich vom Gipfel des Großen Priel. Trotzdem bleibt er für mich in weiter Ferne: Ich habe Höhenangst.

Nur noch wenige Meter trennen mich vom Gipfel des Großen Priel. Trotzdem bleibt er für mich in weiter Ferne: Ich habe Höhenangst.

Mit den Jahren habe ich gelernt, mit der Angst umzugehen. Ich komme gebürtig aus dem Rheintal. Hier hatte ich früher wenig bis keine Probleme. Im Urlaub in den Alpen war das schon etwas anderes. Trotzdem habe ich in der Jugend einige tolle Touren gemacht. Bis zur Hörnlihütte am Matterhorn beispielsweise. Ich habe schnell gemerkt, dass ich, solange ich mich irgendwo festhalten kann, ganz gut weiterkomme. Das kann ein Fixseil sein, Latschen oder natürliche Griffe am Fels. Wenn das nicht vorhanden ist, wird es für mich schwierig. Gerade eine Grattour ist für mich nur bedingt möglich.

Als wir 2008 eine Tour zur Spitzmauer im Toten Gebirge unternommen haben, wussten wir von einem Klettersteig, der unseren Weg gewaltig abgekürzt hätte. Wir durften um den ganzen Berg herum gehen, da wir zu diesem Zeitpunkt keine Klettersteiggeher waren. Ein Weg, der hier im Toten Gebirge sehr heiß werden kann. Schon beim Gedanken an den Klettersteig bekam ich weiche Knie. Für mich war es nicht vorstellbar, dort aufzusteigen. Vom Einstieg bis zu der Stelle, wo die Klettersteiggeher auf unseren Weg trafen, brauchten sie in der Regel 90 Minuten. Wir dagegen waren schon vier Stunden unterwegs. Nach halber Strecke zum Spitzmauergipfel sind wir umgekehrt. Wir mussten noch an den Rückweg denken. Bei dieser Tour waren wir insgesamt 14 Stunden unterwegs. Und so haben wir uns entschlossen, einen Klettersteigkurs zu besuchen.

Klettersteigkurs gegen Höhenangst

Kaum vorstellbar: Das Foto an der Drachenwand habe ich gemacht. Es beweist, dass man auch mit Höhenangst einen Klettersteig gehen kann.

Kaum vorstellbar: Das Foto an der Drachenwand habe ich gemacht. Es beweist, dass man auch mit Höhenangst einen Klettersteig gehen kann.

Ja auch ich. Mein erster Klettersteig führte mich mit einer Alpenvereinsgruppe zum Predigtstuhl-Gipfel. Nach Anlegen von Helm und Klettersteigset sowie einer kurzen Einweisung ging es den Felsen rauf. Um es kurz zu machen: Ich habe diesen Klettersteig geschafft. Und seitdem noch viele weitere.

Da kommt Sibille zurück vom Gipfel des Großen Priel und ich werde aus meinen Gedanken gerissen. Wir gehen gemeinsam bis zum breiten Gebirgsrücken. Diese Tour wurde von uns als Zwei-Tagestour geplant. Am Freitag Nachmittag sind wir vom Almtalerhaus zur Welser Hütte aufgestiegen. Einige Passagen zum Klettern, dann wieder Bereiche, wo es etwas gemütlicher bergauf geht. In drei Stunden erreicht man vom Almtalerhaus die Welser Hütte. Am nächsten Tag geht es zum Gipfel und zurück zum Almtalerhaus.

Anmerkung

Der eine oder andere wird schmunzeln oder den Kopf schütteln. Ich habe den Bericht für alle geschrieben, denen es ähnlich geht. Für die oft der Weg das Ziel ist und der Gipfel in der Ferne bleibt. Auch so sind es wundervolle Touren. Auf das wir die Natur genießen und wieder gut im Tal ankommen.

Die Tour zum Großen Priel in Kürze

  • Anreise: Grünau im Almtal, weiter zum Jagersimmel und Almtalerhaus (Jagdsperre im September beachten)
  • Start: Almtalerhaus
  • Ziel: Großer Priel (2.515 Meter)
  • Aufstieg: Tag eins zur Welser Hütte, rund drei Stunden
  • Aufstieg: Tag zwei zum Gipfel, rund drei Stunden
  • Abstieg: 5,5 Stunden
  • Schwierigkeit: schwarz (trittsichere Bergschuhe sind Pflicht!)
  • Hütten: Almtalerhaus, Welser Hütte
  • Weitere Bilder der Tour: Picasa Album
Auf unserer Zweitagestour zum Großen Priel überwinden wir immer wieder Kletterpassagen.

Auf unserer Zweitagestour zum Großen Priel überwinden wir immer wieder Kletterpassagen.

2 Kommentare

  1. Kann das mit den Klettersteigen nur unterschreiben. Hab das gleiche Problem, das (fast) nur auf Graten auftritt. Bei Schitouren kann’s z.B. steil oder sehr steil sein, kein Problem. Aber wenn’s auf beiden Seiten runter geht, wird’s kritisch.
    Bei den Klettersteigen tritt so eine Situation natürlich auch auf. Hab dann versucht, mich auf eine Seite des Grates zu konzentrieren, so dass der Blick nicht “frei” ist, sondern die nahe Wand den Blick “stabilisiert”. Das habe ich mir vor dem Klettersteiggehen auch schon zu Hause möglichst realistisch vorgestellt. Bin dann letztlich beim 4. Klettersteig auch einen 25 m lange Seilbrücke gegangen, oben und unten jeweils nur ein Stahlseil. Blick immer schön auf’s obere Seil und alles hat geklappt.
    Ich mache da auf jeden Fall weiter.

  2. Mir geht es da ähnlich wie Dir: Solange ich was zum festhalten hab, geht es. Einen Klettersteig-Kurs müsste ich wohl auch mal in Angriff nehmen.
    Danke für den offenen Bericht.

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