Allgemein, Testberichte

Arc'teryx Crosswire Jacket: Freizeitjacke im Test

11.10.2013

Arc’teryx Crosswire Jacket: Freizeitjacke im Test

Zwei mal im Jahr wird ein Begriff sehr gebräuchlich, der als solcher in der deutschen Sprache eigentlich keine Definition findet. Menschen fragen im angehenden Frühjahr und ausgehenden Sommer nach sogenannten “Übergangsjacken” und man fragt sich so häufig, was da eigentlich dahinter steckt. Wenn es sowas wie Übergangsjacken gibt, dann soll die Arc’teryx Crosswire dazuzählen. Es handelt sich dabei nämlich um eine mittelschwere Jacke, die jedenfalls einen Übergang zwischen Freizeit- und Funktionsjacke bildet.

Passform

Passform

Übergangsjacken – Was?

Zunächst ein mal ein paar ganz persönliche Ansichten zum Thema “Übergangsjacke”: Man könnte den Begriff sehr weit fassen und das muss man auch. Die meisten Menschen verstehen darunter (hierzulande) eine leicht gefütterte oder – je nach persönlichem Kälteempfinden – auch leichte Jacke. In Outdoorläden fällt die Wahl dann meist auf mittelschwere Mittelklasse-Softshells mit mehr oder weniger starkem Lining, mal mit, mal ohne Kapuze. Aber es bleibt bei Funktionsjacken. Viele Menschen tragen Übergangsjacken (im Gegensatz zu ordentlichen Funktionsjacken, die als solche definiert gekauft werden wollen) ausschließlich in der (gemütlichen) Freizeit, beim Stadtbummel oder beim Flanieren ins Café. Dass man mit einer Windstopper-Softshell in der Fußgängerzone relativ overequipped ist, bleibt  Nebensache – wenn überhaupt. Der nächste Hagelsturm könnte ja vor der Tür stehen und wenn es beim Döneressen warm wird, dann zippt man auch gerne mal an den Achselventilationen rum – dafür hat man sie ja! Dass 90% der Funktionen und des Zwecks dieser Jacken ungenutzt bleiben, die Funktionstextilien häufig falsch gepflegt und daher reklamiert werden ist eine andere Sache. In meinen Augen gibt es keine Übergangsjacken. Es gibt nur Jacken, die man optimalerweise in der Übergangszeit nutzt und dazu gehören Softshells ohne Frage. Wenn man damit ohnehin nur flaniert bleibt aber die Frage, ob es Windstopper oder Polartec sein muss.

Ich sehe die Crosswire als eine Art Übergangsjacke in dem Sinn, dass sie die Lücke schließt zwischen ordentlichen Funktionsklamotten und reinen Alltagsklamotten ohne jegliche Funktionalität. Für Liebhaber ist sie daher eine schöne Ergänzung für den Alltag, die auch die ein oder andere Belastung wegsteckt, aber nie wirklich zum Sport genutzt würde, da sie dafür auch schlichtweg nicht taugt.

Motto Crosswire – Warum?

Gesamtansicht

Gesamtansicht

Die Arc’teryx  Crosswire ist eine modische Baumwolljacke (!) im urbanen Stil. Sie ist schlicht und macht in der verrauchten Kneipe ebenso eine gute Figur wie beim legeren Vorstellungsgespräch. Keine Schnörkel, keine Kapuze, dezentes Branding. Sie kommt im Stil einer klassischen Bomberjacke, aber eben nicht aus Kunstfaser oder Leder. Genau für diesen Lifestyle ist sie auch gedacht. Die Crosswire ist was für Kletterer, Slackliner, Arc’teryx-Fans und solche, die Wert legen auf gute Qualität bei einer vernünftigen Alltagsjacke, aber auch wissen, dass es sich dabei um eine solche handelt.

Verarbeitung, Konstruktion, Material, Passform – Wie?

Hier halte ich es echt kurz. Diverse andere Testberichte meinerseits bestätigen immer wieder die hervorragende Güte von Arc’teryx-Produkten, in dieser Hinsicht wurde ich noch nie eines Besseren belehrt. Gerne meine anderen Testberichte lesen, Fakt ist jedenfalls: die Crosswire ist perfekt verarbeitet.

Materialdetail und Logostick

Materialdetail und Logostick

Die Crosswire hat eine schöne Schnittführung und besteht zu 70% aus Baumwolle und zu 30% aus Polyamid. Innen gibt es ein Lining, aber als gefüttert kann man sie nicht bezeichnen. Der Zipper ist aus Metall und gibt eine wertige Erscheinung. Ebenso sind an den Ärmelbündchen Knöpfe aus Metall. Der Bund ist flach und ohne Kordelzug, ebenso der Kragen. Es gibt zwei verdeckte Einschub-, zwei Flap-Brust- und eine RV-Innentasche. Der “Bird” schaut einen am linken Ärmel an, ohne aufdringlich zu wirken. Das gestickte Logo unterstreicht außerdem die urbane Optik.

Der Schnitt ist gerade und kurz. Für die “legere Passform” fällt die Crosswire nach all meinen Erfahrungen mit dem Hersteller (und ich kenne die meisten Artikel) sehr schmal und kurz aus. Ein Strato Fleece etwa aus der Whiteline Collection fällt bei derselben “legeren” Passform wesentlich größer aus. Mir passt S bei 1,70 und 64 kg perfekt, weil ich sie als Jacke trage, unter die sowieso nur ein Shirt kommt. Mit Pulli wäre es schon eng. Da könnte man die Passform schon eher mit “trim fit” bezeichnen. Das liegt wohl auch daran, dass das Material in keinster Weise elastisch ist. Der Bund geht bis Höhe Hosentasche (kurzer Schnitt), die Ärmel sind perfekt zum Radfahren, der Kragen ist mehr modisch und nicht funktionell konstruiert (anliegend, aber kurz). Ein obligatorischer Achselzwickel sorgt für Bewegungsfreiheit.

RV-Innentasche

RV-Innentasche

Das Baumwollgewebe des Arc’teryx Crosswire Jacket ist sehr dicht und robust gewebt. Das unterscheidet die Jacke, obwohl aus dem gleichen Ausgangsmaterial, von 0815-Baumwolljacken. Die Verarbeitungsweise des Stoffes ist eben eine Kunst für sich. So ist die Crosswire nicht nur leicht wasserabweisend, sondern auch enorm abriebfest und nahezu winddicht. Das Material kann man schon fast mit dem legendären G-1000 vergleichen, nur etwas schwerer und steifer. Das Material trocknet recht schnell und trägt sich verhältnismäßig klamm und derb – aber das entspricht eben dem Stil.

Vielmehr hat, kann und will die Crosswire nicht. Sie hat noch einen Aufhänger, sieht offen gelassen echt locker aus und die Ärmelknöpfe kann man aufmachen und so durch Umkrempeln die Arme hochfalten (was noch lockerer ausschaut). Achso: Und sie bildet Falten, wenn man sie nicht bügelt. Aber auch das passt m.E. zum Image.

Einsatzzwecke – Wann und Wo

Auf Parkbänken, Kneipenhockern, Volksfesten, Baumhäusern, Herrentoiletten, in Beichtstühlen, Arbeitsämtern, Kasernen, Eisdielen, Plattenbauten, bei Autobahnstaus, Volksbegehren, Mottoparties, Jahreshauptversammlungen und Pizzalieferservices während Rush Hour, Happy Hour, After Hour, Off Season, Halloween und Valentine’s Day – die Crosswire ist da, wo man selbst unterwegs ist – die Frage, ob sie passt, erübrigt sich.

Mein Fazit zur Crosswire von Arc’teryx

Die Crosswire nimmt man bestimmt lange Jahre mit sich, wenn man jung geblieben, freigeistig und unkonventionell ist. Für den UVP von 120 Euro erhält man ein Lifestyle Produkt. Trotz der erstklassigen Verarbeitung ist das ein satter Preis für eine Baumwolljacke. Aber, auch Sneaker sind meist keine 80 Euro wert und trotzdem vermitteln sie das Gefühl dreckig gemacht werden zu müssen. Irgendwie haben sie einen Placebo-Effekt, der bewirkt, dass der Träger sich lockerer fühlt. Warum auch nicht, wenn es wirkt?! Die Crosswire ist weder besser, noch ein Muss. Sie ist eine Möglichkeit und Geschmackssache. Aber sie ist definitiv anders.

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*