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Klettersteige in den Dolomiten: Der Pisciadu-Klettersteig

13.02.2014

Klettersteige in den Dolomiten: Der Pisciadu-Klettersteig

Die Dolomiten sind für vieles bekannt: für die Drei Zinnen, für die Civetta, für viele andere spektakuläre Klettertouren, für sensationelle Fernblicke und einzigartige Gesteinsformationen. Aber für nichts sind die Dolomiten so bekannt wie für Klettersteige. Hier wurden die ersten Klettersteige zu Zeiten der Weltkriege in den Fels gebaut und die Tradition bis heute fortgesetzt. Unzählige Gipfel können so bestiegen werden und die Gesamtanzahl lässt sich kaum mehr in einem Klettersteigführer zusammenfassen.

Deshalb möchte ich euch heute einen besonders schönen Klettersteig vorstellen: Den Pisciadu-Klettersteig am Grödner-Joch, der neben einem kurzen Zustieg mit tollen Blicken, einer schönen Linienführung und einer Überraschung am Ende aufwarten kann.

Ausgangsort Wolkenstein im Grödnertal

Übersichtskarte zum Pisciadu-Klettersteig.

Übersichtskarte zum Pisciadu-Klettersteig.

Ausgangspunkt ist Wolkenstein im Grödnertal. Von hier fährt man zum Grödner-Joch, überquert dieses und fährt auf der Gegenseite Richtung Corvara ab. Rund zwei Kilometer nach der Passhöhe findet sich in einer Kehre am Wandfuß ein unverfehlbarer, großer Parkplatz auf dem man kostenlos parken kann. Hier lässt sich bereits erahnen, dass das Prädikat “meistbegangener Klettersteig der Dolomiten” keine leere Floskel ist. An sonnigen Tagen ist der wirklich große Parkplatz brechend voll und fast alle sind vermutlich auch im Klettersteig unterwegs. Daher ein kleiner Tipp vorab: Am Wochenende entweder sehr früh morgens losgehen oder gemütlich nach der großen Masse. Und wer es sich leisten kann, geht am besten unter der Woche.

Da der Zustieg nur wenige Minuten dauert, kann man bereits auf dem Parkplatz die Klettersteigausrüstung anlegen und den Kletterhelm aus dem Rucksack nehmen. Der Zustieg führt direkt vom Parkplatz aus links am Wandfuß entlang bis man an eine recht steile, mit Eisenstufen versehene rund 50 Meter hohe Einstiegswand gelangt.

Der Pisciadu-Klettersteig

Hier befindet sich also der Einstieg und man kann sich ein gutes Bild darüber machen, wie voll der Steig an diesem Tag ist. Bei uns hielt es sich glücklicherweise in Grenzen, einen großen Stau gab es am Einstieg nicht – wir haben jedoch vor uns einige Seilschaften gesehen und es war schon hier absehbar, dass es sich unterwegs immer wieder stauen wird.

Einstiegswand im Pisciadu-Klettersteig.

Einstiegswand im Pisciadu-Klettersteig.

Die erste Wand ist mit Schwierigkeit B bewertet und führt über viele Eisenstufen gemächlich, aber doch recht steil nach oben. Hier gelangt man wieder auf einen Wanderweg und folgt den Ausschilderungen in Richtung Via Ferrata Pisciadu. Nach etwa 600 Metern gelangt man an den zweiten und eigentlichen Einstieg in den Pisciadu-Klettersteig. Dort steht man vor einer beeindruckenden Wand und kann an den einzelnen Seilschaften entlang die Wegführung erahnen. Mit gemäßigten Schwierigkeitsgraden beginnend steigert er sich im weiteren Verlauf. Rechts des gleichnamigen Wasserfalls zieht der Steig über mehrere Steilstufen empor und steigert sich in einzelnen Passagen bis auf die Schwierigkeit C – also keineswegs zu schwierig und bis auf wenige Stellen auch nicht extrem ausgesetzt.

Erst kurz vor dem Ende zieht die Schwierigkeit etwas an und man muss hier auf Wartezeiten eingestellt sein – beispielsweise vor einer rund 8 Meter hohen Leiter, die einen atemberaubenden Tief- und Fernblick bietet. Auch einige leicht abdrängende Stellen mit Steigbügeln und Stiften müssen überwunden werden. Gekrönt wird dieser wirklich sehr schöne Klettersteig von einer Hängebrücke, die direkt vor dem Ende über eine extrem tiefe Schlucht führt und nochmals einiges an Überwindung kosten kann.

Die Hängebrücke als Überraschung am Ende kann Überwindung kosten...

Die Hängebrücke als Überraschung am Ende kann Überwindung kosten…

Hat man diese letzte kleine Schwierigkeit gemeistert, gelangt man in rund 15 Minuten zur Pisciadu-Hütte. Diese lädt geradezu ein, bei einer leckeren Vesper und einem kühlen Getränk das Panorama zu genießen und sich vor dem Abstieg nochmals zu stärken. Für diesen stehen zwei Varianten zur Verfügung: Entweder man steigt in rund 60 Minuten den Normalweg ab (teilweise sehr steil) oder man wählt die etwas längere, aber deutlich schönere Möglichkeit über das sogenannte Mittagstal (rund 90 Minuten). Hier muss man jedoch aufpassen, im Talboden am Wandfuß nach links abzusteigen – sonst führt einen der Weg hinunter nach Corvara.

Mein Fazit zum Pisciadu-Klettersteig

Herrlicher Ausblick aus dem Pisciadu Klettersteig.

Herrlicher Ausblick aus dem Pisciadu Klettersteig.

Wer in den Dolomiten auf der Suche nach einem schönen Klettersteig in atemberaubender Kulisse ist und nicht nach extrem schwierigen Steigen sucht, der ist mit dem Pisciadu-Klettersteig richtig beraten.

Wichtig: Der Hinweis mit den vielen Begehern ist ernst gemeint und steht nicht umsonst in beinahe jedem Klettersteigführer. Wem der Pisciadu-Klettersteig nicht ausreicht oder wer auf der Suche nach weiteren Klettersteigen ist, der kann sich unter Umständen mal den Klettersteigführer von Rother “Dolomiten – Brenta – Gardasee” zulegen und dort neben dem Pisciadu Klettersteig rund 80 weitere Steige in den Dolomiten im Detail ansehen.

Die wichtigsten Fakten zum Pisciadu-Klettersteig

  • Gesamtgehzeit: rund 4,5 Stunden (ohne Pause und Wartezeiten)
  • Zustiegszeit: circa 15 Minuten
  • Klettersteigzeit: 2,5 Stunden
  • Abstieg: 90m Minuten
  • Schwierigkeit: bis C
  • Höhenmeter: insgesamt 650 Höhenmeter, im Klettersteig rund 530 Meter
  • für Kinder eingeschränkt zu empfehlen (je nach Können und Schwindelfreiheit)
  • Ausrüstung: komplette Klettersteigausrüstung mit Set, Gurt, Helm, Bandschlinge für Pausen bei Stau

Positives:

  • sehr schöne Linienführung
  • spektakuläre Kulisse
  • sehr kurzer Zustieg
  • Hütte am Ende des Klettersteigs
  • angenehmer Schwierigkeitsgrad (bis C) für Klettersteiggenießer

Negatives:

  • teilweise sehr viel los
  • Einstiegswand oftmals feucht

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