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Südtirol: Bergtour zum Hinteren Seelenkogel

12.12.2013

Südtirol: Bergtour zum Hinteren Seelenkogel

Hohe Berge faszinieren aus vielerlei Gründen – wegen des meist anspruchsvollen Aufstiegs und der geforderten Ausdauer, der tollen Sicht vom Gipfel oder dem gemeinsamen Bergabenteuer mit Kameraden. Manche imponieren aufgrund ihres klangvollen und prestigeträchtigen Namens, andere sind eher unbekannt und können dennoch ein packendes Erlebnis bieten. Ich habe diesen Sommer eine Bergtour auf den Hinteren Seelenkogel (3.470 Meter) in Südtirol unternommen – sicherlich kein sonderlich bekannter, aber dafür umso schöner Gipfel, auf den sich ein Abstecher sehr gelohnt hat.

Bergtour in Südtirol: Hinterer Seelenkogel (3.470 Meter)

Bergtour in Südtirol: Hinterer Seelenkogel (3.470 Meter)

Ausgangspunkt Pfelders in Südtirol

Ausgangspunkt dieser mit zehn Stunden Gehzeit sehr langen, aber äußerst empfehlenswerten Bergtour ist Pfelders im Pfelderer Tal. Der Ort befindet sich in einem Seitental des Passeiertals. Kurz vor Beginn des Timmelsjochs biegt man in der Ortschaft Moos in Passeier ab und folgt dem kleinen, naturbelassenen Tal bis zum Ende. Direkt bei der Einfahrt in den Ort Pfelders trifft man auf einen sehr großen Parkplatz, der zum Skigebiet gehört und im Sommer kostenfrei benutzt werden kann.

Aufstieg auf den Hinteren Seelenkogel

Haben wir unsere Schuhe geschnürt, beginnen wir am Parkplatz und biegen noch vor dem eigentlichen Ort nach rechts ab, den Wegweisern in Richtung Zwickauer Hütte folgend. Nachdem es anfangs gemütlich über sanfte Wiesen ansteigt, wird der Weg nach und nach etwas steiler. Die gut 1.300 Höhenmeter von Pfelders (1.628 Meter) bis zur Zwickauer Hütte (2.979 Meter) legt man je nach Geschwindigkeit in drei bis vier Stunden zurück. Spätestens an der Hütte ist es Zeit für eine erste ordentliche Pause, denn uns steht noch einiges bevor. Während die Tour bis zur Zwickauer Hütte eher als einfach einzuschätzen ist, beginnt nach der Hütte der anspruchsvolle Teil. Links an der Hütte vorbei weisen Schilder in Richtung Hinterer Seelenkogel direkt auf die Flanke des Berges zu, der sich vor einem aufbaut. Anfangs auf einem schmalen Weg muss man sich zunehmend an Markierungen orientieren.

Bis zur Zwickauer Hütte ist die Bergtour auf den Hinteren Seelenkogel recht einfach - aber nicht weniger schön.

Bis zur Zwickauer Hütte ist die Bergtour auf den Hinteren Seelenkogel recht einfach – aber nicht weniger schön.

Es ist Mitte September, über Nacht gab es rund fünfzehn Zentimeter Neuschnee, so dass vom Weg gar nichts zu erkennen ist, was uns die Orientierung deutlich erschwert. Den mal mehr, mal weniger guten Markierungen folgend steigen wir die knapp 500 Höhenmeter auf. Dabei sind auch einige Stellen in der Schwierigkeitsstufe I (UIAA-Skala) zu meistern und an der ein oder anderen Stelle befindet wir uns in ausgesetzten Lagen.

Da der Weg hier deutlich anspruchsvoller ist, sollte man gute Ausrüstung dabei haben und über Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verfügen. Nach rund eineinhalb Stunden gelangt man schließlich zum Gipfelkreuz und kann einen sensationellen Blick auf die umliegenden Berge genießen – wenn einem die Wolken die Sicht nicht versperren. Eingepackt in dicke Jacken haben wir wegen des ungemütlichen Wetters nur kurz Pause gemacht und uns dann auf den Rückweg begeben.

Insgesamt sind rund 1.900 Höhenmeter und damit gut sechs Stunden Aufstieg in teils schwierigem und bei schlechtem Wetter sehr anspruchsvollem und unübersichtlichem Gelände zurückzulegen. Kondition, Trittsicherheit und gute Bergstiefel sind daher in jedem Fall Pflicht. Die Tour lässt sich gegebenenfalls durch eine Übernachtung auf der Zwickauer Hütte auf zwei Tage verteilen.

Abstieg

Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg. Anfangs ist erneut hohe Konzentration gefragt, um auf dem anspruchsvollen Teilstück bis zur Hütte sicher abzusteigen. Danach lädt uns die Hütte geradezu ein, noch einmal ausgiebig Pause zu machen, bevor wir frisch gestärkt die Bergtour fortsetzen und den von nun an unkomplizierten Abstieg genießen –  die rund 1.900 verbleibenden Höhenmeter erfordern allerdings nach wie vor Konzentration und Kondition.

Alternative Tourvariante

Die Zwickauer Hütte in Südtirol bietet die Möglichkeit zur Übernachtung und ausgiebigen Pause in alpinem Panorama.

Die Zwickauer Hütte in Südtirol bietet die Möglichkeit zur Übernachtung und ausgiebigen Pause in alpinem Panorama.

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, für den könnte folgende Ausweitung der Tour interessant sein:

Von Pfelders aus besteigt man wie oben beschrieben den Hinteren Seelenkogel und übernachtet anschließend auf der Zwickauer Hütte. Am nächsten Tag führt einen der Pfelderer Höhenweg in rund dreieinhalb Stunden zur Stettiner Hütte und anschließend in nochmals etwa zweieinhalb Stunden auf die Hochwilde (3.480 Meter). Nach einer Übernachtung auf der Stettiner Hütte wandert man am folgenden Tag gemütlich das Pfelderer Tal nach Pfelders zurück. So kann man zwei großartige und anspruchsvolle Gipfel hervorragend miteinander verbinden.

Fazit zu meiner Tour auf den Hinteren Seelenkogel in Südtirol

Hinterer Seelenkogel (Südtirol): Impressionen vom Aufstieg

Hinterer Seelenkogel (Südtirol): Impressionen vom Aufstieg

Wer über Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verfügt, vor leichten Kletterstellen im ersten Grad und rund zehn Stunden Gehzeit nicht zurückschreckt, der kann die Bergtour auf den Hinteren Seelenkogel getrost in Angriff nehmen. Man wird dafür mit einer abwechslungsreichen Strecke und einem grandiosen Rundumblick vom Gipfel belohnt und kann sich auf der Zwickauer Hütte für die Aufstiegsmühen mit einem leckeren Essen und einem guten Bier entschädigen.

Das Wichtigste zur Bergtour auf einen Blick:

  • Ziel: Hinterer Seelenkogel (3.470 Meter)
  • Ausgangsort: Pfelders im Pfelderer Tal (Südtirol), ab der Ortschaft Moos in Passeier gut mit dem Auto zu erreichen
  • Dauer: etwa zehn Stunden Gesamtgehzeit (Angabe aus: Südtirol West, Rother Wanderbuch) – je nach Kondition und Bedingungen auch schneller möglich
    Pfelders – Zwickauer Hütte: etwa vier Stunden
    Zwickauer Hütte – Gipfel: rund 90 Minuten
    Gipfel –  Pfelders: etwa vier Stunden
  • Höhenmeter: rund 1.900
  • Anforderungen: bis zur Hütte leichte Wanderung, dann anspruchsvoll; teilweise ausgesetzt und Klettereien bis Grad I (UIAA); Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung für Gipfelanstieg vorausgesetzt
  • Ausrüstung: gutes Schuhwerk und alpine Ausrüstung (auch Mütze & Handschuhe können in dieser Höhe sinnvoll sein)

Ein Kommentar

  1. Für mich als Flachländer sind die Gebirge immer wieder faszinierende Landschaften. Die Berge locken mich deutlich mehr, als die Küsten, vermutlich auch, weil ich in der Freizeit eher aktiv bin, als in der Sonne herum zu liegen. Deshalb bin ich auch im Urlaub beinahe immer im Gebirge.
    6-Stunden-Bergtouren habe ich ja auch schon gemacht. Aber 10 Stunden und dann das anspruchsvolle letzte Drittel wären vielleicht doch etwas über meinem Limit. Reizen würde es mich aber schon.

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