Testberichte

Kletterschuhe Edelrid Cyclone im Test

17.09.2013

Kletterschuhe Edelrid Cyclone im Test

Kaum ein Hersteller im Bergsportbereich ist engagierter in Sachen Innovationen als Edelrid.

Oasis-Grün und Schwarz - typisch für Edelrid Kletterschuhe

Oasis-Grün und Schwarz – typisch für Edelrid Kletterschuhe

Die deutsche Firma aus dem Allgäu räumt jedes Jahr bei der Outdoor die Preise und Auszeichnungen für die innovativsten Produkte ab. Kletterschuhe sind vergleichsweise neu in der Produktpalette des Traditionsherstellers. Der noch verfügbare Edelrid Raven, soll nun durch ein neues Performance Modell abgelöst werden. Die neuen High End Kletterschuhe von Edelrid heißen Cyclone und kommen wie erwartet mit ein paar frischen Ideen auf die Kletterer und Boulderer zu. Was die ganzen Neuerungen so mit sich bringen, bringt der folgende Praxistest ans Tageslicht. Eins kann bereits jetzt verraten werden: Diese Kletterschuhe sind ein Quantensprung für den Hersteller aus dem Allgäu.

Optik und Verarbeitung

Das Aussenmaterial der Kletterschuhe ist weich und geschmeidig

Das Aussenmaterial der Kletterschuhe ist weich und geschmeidig

Edelrid bleibt seiner Farbe treu und schickt den Cyclone genau so ins Rennen wie seine anderen Kletterschuhe. Die Farbe Edelrid-Grün, oder Oasis wie sie in Produktbeschreibungen genannt wird, ist nicht zu verwechseln und wirkt auf jedem Kletterfoto wie ein Magnet für die Augen. Diesmal haben die Designer auf grüne Gummibänder für weitere Kontraste verzichtet und den Cyclone komplett in schwarz gehüllt. Der Grundsatz weniger ist mehr bestätigt sich eben immer wieder. Ob man aus der gelungenen Optik Rückschlüsse auf den Namen und evtl. sogar das Motto schließen kann, bleibt dem Urteil des Lesers überlassen.

Die Übergänge und Nähte sind top!

Die Übergänge und Nähte sind top!

Die Verarbeitung ist rein optisch absolut makellos. Man kann keine Schwächen und Hinweise auf schlechte Arbeit der osteuropäischen Schuhmacher feststellen. Besonders häufig sind ja die Klebereste an den Übergängen zwischen Gummi und Obermaterial, aus denen man seine Schlüsse ziehen kann. Ich bin unverändert der Meinung, dass die Edelrid Produktionsstätte mindestens genauso saubere und wertvolle Arbeit leistet, wie die Vorreiter aus Italien. Dies ist nicht nur für die Performance essentiell, sondern auch für die Haltbarkeit solch stark beanspruchter Produkte wie Kletterschuhe. Kurz um: gute Arbeit Edelrid, weiter so!

Konstruktion der Kletterschuhe Edelrid Cyclone

Die Vorspannung ist merklich aber nicht extrem

Die Vorspannung ist merklich aber nicht extrem

Bei Edelrid findet man hier immer neue Ideen. Die auffälligste Neuerung springt einem sofort ins Auge, wenn man den Verschluss anschaut. Schnellschnürung gewinnt dabei eine ganz andere Bedeutung, denn sie bezieht sich nicht nur auf das Festziehen, sondern auch auf das Festmachen. Die Zugschnur wird dabei von einem Klemmrad gehalten und hindert den Verschluss daran sich zu lockern. Das Verschlusssystem kann man nach dem Anziehen, ganz einfach unter der großzügigen Schlaufe mittels Klett befestigen und so sicher verstauen, damit es beim Klettern nicht im Weg ist. So kombinieren diese Edelrid Kletterschuhe das slippertypische Gummiband mit einem Schnürsystem, welches bis dato noch an keinem Kletterschuh verbaut war.

Ein super umgesetzter Tos-Hook Patch

Ein super umgesetzter Tos-Hook Patch

Die Sohle ist eine Halbsohlenkonstruktion und verwendet die von Edelrid eigens entwickelte Gummimischung namens”E-Grip”. Die Sohle ist an der wichtigsten Stelle 3,5mm dick, was momentan den Standard im Performance Bereich darstellt. Unter dem großen Zeh findet man einen kleinen Hügel, welcher sich bei verschiedenen Modellen immer mehr und mehr durchsetzt. Hier ist die Sohle härter, ansonsten kann man sie getrost als relativ weich bezeichnen.” 2 Tension” ist ebenfalls eine eigene Entwicklung von Edelrid. Diese sorgt für den Spannungsaufbau von der Ferse in das Fußgewölbe hinein, leider geht sie nicht bis zum Zehengrundgelenk, sondern endet davor. Der Verlauf der Gummibänder des Systems ist auf der Innen- und Außenseite unterschiedlich. Die Ferse ist massig gummiert und ist etwas breit geraten. Die Vorspannung des gesamten Schuhs würde ich als mittel bezeichnen. Das Obermaterial besteht aus Microfibre und ist erstaunlich angenehm zu tragen. Die Oberseite der relativ flachen Zehenbox ist mit einem dünnen und griffigen Gummistück versehen. Nach meiner Bewertung einer der funktionellsten Toe-Hook Patches zurzeit auf dem Markt. Insgesamt weist die Konstruktion viele interessante Details auf.

Größe und Passform der Kletterschuhe Edelrid Cyclone

Die Form ist wenig asymmetrisch und eher breit

Die Form ist wenig asymmetrisch und eher breit

Kauft man neue Kletterschuhe, ist man gut damit beraten sich bei der Wahl der Größe an älteren Modellen zu orientieren. Genau dies führte bei mir leider nicht zum Erfolg. War beim Edelrid Raven eine 43 EU richtig eng, ist sie beim Cyclone viel zu groß. Da ich bequeme Kletterschuhe haben wollte, entschied ich mich vernünftigerweise für die 42,5 EU. In dieser Größe saß der Cyclone bei Straßenschuhgröße 43 bequem und gleichzeit eng. Die kleinen Zehen waren gut aufgestellt und der große Zeh war, wenn überhaupt, leicht gebeugt. Die Ferse hatte etwas Luft. Dies würde sich auch bei einer kleineren Größe nicht ändern, da sie in ihrer Form so vorgsehen ist. Für das Klettern und Bouldern am Limit hätte ich locker die 42 EU oder vielleicht sogar die 41,5 EU kaufen sollen. Da künstliche Materialien sich kaum dehnen, würde ich Strassenschuhgröße minus eine ganze EU Größe als Formel empfehlen.

Die Ferse ist auch breit - leider...

Die Ferse ist auch breit – leider…

Die Passform ist erstaunlich breit und bietet viel Volumen. Abhängig von der Anatomie der eigenen Füße ist die Passform sehr gut und vor allem komfortabel. Das Gummiband bietet viel Platz nach oben. Das kann man bei einem flachen Spann natürlich mit dem Schnürsystem einigermaßen regulieren. Es gilt bei flachen und schmalen Füßen entweder eine kleinere Größe zu kaufen oder schmalere Kletterschuhe auszusuchen. Die deutlich Richtung Mitte geschnittene Spitze drängt den großen Zeh in eine Position die eigentlich der Anatomie nicht so ganz entspricht. Dafür aber hält die Performance was sie verspricht. Bis jetzt führte es bei mir zu keinen Problemen. Auch Menschen mit einem längeren zweiten Zeh bietet Cyclone genügend Platz in der Zehenbox. Diese Kletterschuhe dehnen sich nicht. Sie passen sich dem Fuß an und kehren nach ein Paar Tagen in die ursprüngliche Form zurück. Edelrid Cyclone sind sehr bequeme Kletterschuhe, die eine angenehme, wenn nicht überall optimale Passform haben.

Performance der Kletterschuhe Edelrid Cyclone

Die Ferse hebelt gut und bleibt dran

Die Ferse bleibt dran

Die Kletterschuhe Edelrid Cyclone sollen laut Hersteller in der High Performance Liga mitspielen können. Wenn man die Videos von Pirmin Bertle sieht oder die Ergebnisse der Schuhe auf den Worldcups weiß man, was mit diesem Kletterschuh tatsächlich auch möglich ist. Für mich persönlich beginnt die High Performance an meinem eigenem Limit. der Schuh sollte auf jeden Fall nicht zu groß gewählt werden. Die Spitze und ihre Eigenschaften ist Geschmacksache. Sie ist relativ weich, was in der Halle zu Vorteilen führt udn draussen am Fels auf kleinsetn Tritten zu Enttäuschungen führenkann. wählt man die Größe richtig und passt der schuh zur Anatomie des Fußes hat man mit dem Edelrid Cyclone einen Kletterschuh für Trainingstage und Ausdauerpumperein in der Halle. Beim Graben im Überhang hatte ich ebenfalls keinerlei Probleme, was mich beim Bouldern am Plastik immer wieder begeisterte. Ein bequemer Schuh für den Einsatz in der Halle beim training bis hin zum worldcup wie man sieht.

Schlechte Tritten sind recht schwammig zu stehen

Schlechte Tritten sind recht schwammig zu stehen

Nach dem ich Edelrid Cyclone in Granit Platten genutzt hatte, stellte ich leider fest, dass er sich zum Drehen um den Fuß neigt. Ein Manko, welches sicherlich auch der Größenwahl zugeschrieben werden kann. Ansonsten lässt er sich sauber anpressen und durchdrücken, um den besten Form- und Kraftschluss beim Reibungsklettern zu bekommen. Die Reibungswerte des E-Grip Gummi sind in Ordnung, an Stealth und Vibram kommt diese Gummimischung jedoch noch nicht heran. Ganz überrascht war ich von der Hookperformance des Edelrid Cyclone. Nach dem ich festgestellt habe, dass man diese Kletterschuhe selbst bei 100% angezogenem Verschluss ohne Probleme von der Hacke ziehen kann, muss ich sagen, dass Hooken dennoch gut funktioniert.

Toe-Hooks halten!

Toe-Hooks halten!

Dies liegt sicher zum großen Teil an der Fersenform dieser Kletterschuhe. Die Keilform der Außenseite bietet die Möglichkeit gut zu hebeln, die ganzheitliche Gummierung sorgt für ordentliche Reibung. Ganz so supersicher ist das Gefühl bei schweren und komplexen Hooks nicht, aber mit etwas Druck und Spannung konnte ich bis jetzt alles wegdrücken. Die Toe-Hook Performance ist sensationell. Ich habe bereits erwähnt, dass die Umsetzung der Zehenbox Gummierung beispielgebend ist. Das spiegelt sich auch in der Anwendung wieder: Anheben der Zehen – kein Problem. Anpressdruck auf die Fläche bringen – kein Problem. Kleben bleiben – kein Problem. Alles in einem ist die Performance sehr ordentlich. Verglichen mit Standards wie Solution oder dem Instinct VS ist sie zwar eher im Mittelfeld anzusiedeln, aber mit ein Paar Änderungen könnte Cyclone ganz oben mitspielen.

Einsatzbereich und Haltbarkeit 

An dieser Ferse löst sich nichts ab!

An dieser Ferse löst sich nichts ab!

Den Cyclone nutze ich persönlich mittlerweile sehr gern zum Trainieren am Plastik. Ich komme dort einfach gut auf ihn klar, da die Tritte nicht so klein wie am Fels sind und die Wandneigung deutlich Richtung Überhang tendiert. In dieser Umgebung spielen Kletterschuhe Edelrid Cyclone ihre Vorzüge voll aus. Am Fels fehlt mir für diese Sohlenkonstruktion einfach die nötige Zehenkraft, da bevorzuge ich dann doch etwas stabilere Kletterschuhe mit mehr Dampf. Ein perfekter Trainingsschuh ist Cyclone für mich nicht zuletzt wegen seines Komforts. Er drückt nirgendwo punktuell und sorgt für ein gutes Wohlfühl-Gefühl bei längeren Bouldersessions und Routenspulen in der Halle. Die Haltbarkeit ist alles in einem in Ordnung. Der E-Grip Gummi reibt sich schon merklich ab und dies nicht zu langsam. An der Stelle von Edelrid hätte ich mich bei solch einem Performance Modell für XS Grip entschieden. Es ist nicht so, dass nach einem Klettertag die halbe Sohlenkante weggefressen ist, aber länger als ein halbes Jahr gebe ich dem Cyclone bei mir nicht. Das ist durchaus ein guter Wert, wenn man bedenkt, dass ich bis jetzt nur am Plastik und ihm Granit belastet hatte.

Sehr innovativ und funktional - die Schnürung

Sehr innovativ und funktional – die Schnürung

Das Durchhaltevermögen des Obermaterials bewerte ich momentan, nach 3 Monaten ständiger Benutzung, als gänzlich unproblematisch. Einzig die Anziehschlaufe hat angefangen sich auszufransen, doch das sieht nur schlimm aus und hat keine Auswirkungen auf die Funktion, dennoch ist mir das bei hochwertigen Kletterschuhen noch nicht begegnet. Der Verschluss zeigt keine Schwächen und den Toe-Hook Patch habe ich bis jetzt immer noch nicht geschafft abzulösen. Alles in einem kann man Edelrid Kletterschuhe mit dem VW Käfer vergleichen: er läuft und läuft und lauf, und braucht ab und an neue Reifen.

Fazit

Zur Zeit sind diese Kletterschuhe mein Favorit beim Training

Zur Zeit sind diese Kletterschuhe mein Favorit beim Training

Die Kletterschuhe Edelrid Cyclone haben mich deutlich mehr überzeugt, als der Vorgänger Raven. Sie sind bequem und weisen einige interessante Ansätze in der Konstruktion auf. Für anspruchsvolles Klettern am persönlichen Limit sollte der Cyclone eng gekauft werden, ansonsten braucht man Zehenkraft. Dafür trumpft er mit einer guten Sensibilität und Greifvermögen. Beim Hooken ist ebenfalls alles von der Schuhgröße abhängig. Sitzt er sehr knapp, dann ist er mit Sicherheit eine richtige Bouldermaschine. Aufgrund seines Komforts und der Einfachheit des Ein- und Ausstiegs ist er beim Bouldern, sowie beim Sportklettern genau richtig aber auch in höheren Wänden fühlt er sich gut und bequem an. Für die 5 Sterne muss Edelrid noch ein Paar Sachen verbessern, dann hat Cyclone das Zeug zu einer richtigen Kletterschuhlegende, die Grundvoraussetzungen dafür bringt er jedenfalls bereits mit.

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