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Estergebirge per Bike: Vier MTB-Touren zwischen Wank und Walchensee

26.08.2013

Estergebirge per Bike: Vier MTB-Touren zwischen Wank und Walchensee

In den bayerischen Alpen gibt es viele Gebiete für spannende Mountainbiketouren. Eines davon ist das Estergebirge, das ich in den letzten beiden Jahren erkundet habe. Zwischen Wank, Krottenkopf und Simetsberg bin ich über Waldwege aufgestiegen und habe schöne Trails für die Abfahrten ausprobiert. Mir hat dabei insbesondere die Variantenvielfalt im Estergebirge sehr gut gefallen. Wer sich von ein wenig tragen nicht abschrecken lässt, kann sogar ganz besondere Routen entdecken. Das Estergebirge ist gut erschlossen und bietet eine hohe Hüttendichte. Besonders bekannt sind unter anderem die Esterbergalm (1.265 Meter), Kuhalm (1.650 Meter), Krüneralm (1.621 Meter) und die Weilheimer Hütte (1.955 Meter).

Die folgenden vier Touren lassen sich beliebig erweitern, notfalls auch verkürzen. In der Bildergalerie habe ich zur groben Navigation den Streckenverlauf markiert. Ich denke das für jeden etwas dabei ist und die Auswahl einen guten Überblick über die Möglichkeiten bietet.

Runde 1: Über die Esterbergalm nach Wallgau

(ca. 36 Kilometer, 1.200 Höhenmeter)

Die bekannteste Tour im Estergebirge fängt direkt mit einem Hammer an: dem Anstieg zur Esterbergalm (1.265 Meter). Am Garmischer Klettergarten vorbei, bike ich gemütlich die Höhenmeter hinauf. Unmerklich wird es steiler, nach einigen Kilometern präsentiert sich vor mir die erste Rampe. Die folgenden Höhenmeter trennen die Spreu vom Weizen. Ich behaupte mal, das mindestens die Hälfte aller Mountainbiker bei diesem Anstieg das Rad schiebt. Meinen Zwangsstopp muss ich bei den beiden Kehren einlegen.

Hinter Gschwandtnerbauer geht's mit Ausblick auf's Karwendel weiter

Hinter Gschwandtnerbauer geht’s mit Ausblick auf’s Karwendel weiter

Der Lohn für die Strapazen ist das Finzbachtal mit der bewirteten Esterbergalm. Bei schönem Wetter rollt der Biker in ein kleines Paradies hinein. Die Sonne zeichnet scharf die Konturen der umliegenden Gipfel (Hoher Fricken, Wank, Bischof und Riedberg). Ich gönne mir eine kurze Stärkung in der Esterbergalm und beobachte die vielen Wanderer, die aus allen Richtungen hierher finden. Mein Weg führt mich nach Osten tiefer in das Finzbachtal. Trailartige Passagen lassen hier das Bikerherz höher schlagen. Der Weg ist leicht macht dennoch viel Spass. An einer Abzweigung kann man direkt rechts Richtung Gschwandtnerbauer fahren. Diese Variante verkürzt die Runde und bietet zudem einen schönen Trail. Ich fahre aber weiter und komme letztendlich bei Wallgau raus.

An zwei idyllischen Seen vorbei (Barmsee und Wagenbrüchsee) geht’s Richtung Gerold und weiter in den Wald. Im Sommer sollte sich jeder wenigstens eine halbe Stunde zum Baden Zeit nehmen! Es folgt nur noch eine kurze Steigung und dann ein gemütlicher Forstweg zum Gschwandtnerbauer. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt und vielleicht einem Ausklang im Klettergarten von Garmisch-Partenkirchen. Wer den anspruchsvollen Anstieg direkt am Anfang der Tour zu anstrengend findet, kann die Tour auch in die andere Richtung fahren.

Runde 2: Bike-Tour zur Krüneralm

(ca. 34 Kilometer 1.400 Höhenmeter)

Eine Bike-Tour die Spaß macht! Kompakte Anstiege, längere Abfahrten und zwei flowige Trails geben der Runde ihren Reiz. Die Krüneralm (1.621 Meter), mitten im Estergebirge gelegen, ist das Ziel.
Viele starten in Wallgau Richtung Krüneralm, ich beginne die Tour jedoch ab Gerold. Hier geht es direkt hinein in den Wald und in den ersten Anstieg. Der Weg schlängelt sich am Rücken des Bletschertalkopfs hinauf. Das Wetter ist sehr unbeständig und die Blätter rascheln mysteriös im Wind. Ich fühle mich ständig beobachtet und glaube Geräusche zu hören. Kurz vor dem Übergang ins Finzbachtal quert unmittelbar vor mir eine große Hirschkuh den Weg. Selten das man so ein schönes Tier in freier Wildbahn so nah sieht. Ganz beeindruckt von meiner Begegnung rolle ich in die erste Abfahrt Richtung Wallgau. Auf dem Weg treffe ich insgesamt auf vier E-Biker und bin wirklich erstaunt wie schnell die bergauf unterwegs sind.

Da freut sich das Bike Herz auf einen schönen Trail

Da freut sich das Bike Herz auf einen schönen Trail

Kurz vor Wallgau nehme ich den Abzweig zur Finzbach-Klamm. Hier wechsle ich die Talseite über das trockene Flussbett. Jetzt geht’s stetig bergauf wieder hinein ins Tal. Nach ca. zwei Kilometern erreiche ich die Kehre zur Krüneralm. Jetzt wird der Weg immer steiler und steiler. Die Beine sind schwer als ich das Wildbädermoos erreiche. Hier fährt sogar ein Bus hoch – zumindest suggeriert mir das die Bushaltestelle mitten im Wald. Ich setze meine Bike-Tour fort, jetzt ist es nicht mehr weit. Kurz vor der Alm endet der komfortable Forstweg und ein schmaler Pfad beginnt. Ich schiebe mein Bike die letzten Höhenmeter aus Rücksicht auf die Wanderer. In der Krüneralm wartet eine leckere Brotzeit auf mich bevor ich mich in die Trails stürze.

Zunächst geht’s den selben Weg hinunter. Kurz vor der Wildbädermoos Hütte zweige ich jedoch rechts weg. Ein schneller, flowiger Trail entlang einer Schlucht schlängelt sich ins Finzbachtal hinunter. Es macht wirklich Spass hier das Bike ein wenig laufen zu lassen. Ich orientiere mich nun weiter in Richtung Esterbergalm. Irgendwann kommt dann der Abzweig zum Gschwandtnerbauer, dem ich folge. Nach weiteren Höhenmetern bin ich wieder am Fuße des Bletschertalkopfs: Nun geht es in die letzte Abfahrt von heute.

Am Hang des Rotenkopfes schlängelt sich ein schmaler Trail mit schönen Stein- und Wurzelpassagen. Das ist mein Highlight an diesem Tag. Danach ist es nicht mehr weit nach Gerold, wo mein Auto steht.

Runde 3: Estergebirge Umrundung

(ca. 58 Kilometer, 1.350 Höhenmeter)

Wer eine schöne Umrundung im Estergebirge sucht, kann sich diese Tour anschauen. Sie ist nicht schwer, hat dafür einige landschaftliche Highlights und sehr schöne Abschnitte.
Es geht in Partenkirchen los, leicht ansteigend zum Gschwandtnerbauer. Die Augen schweifen immer wieder auf die Karwendelkette, die den Horizont dominiert. Ich kämpfe mich durch die Forstwege in Richtung Gerold und weiter an den beiden Seen (Wagenbrüchsee und Barmsee) vorbei nach Wallgau. Hier geht es durch die Stadt bergauf nach Norden. Nach einer kurzen Weile ist links ein Wanderparkplatz und ein weiterer Forstweg.

Jetzt beginnt der zweite Anstieg der Tour, der sich ziemlich homogen nach oben zieht. Im oberen Teil gibt es einige schöne Ausblicke auf den türkisen Walchensee. Am höchsten Punkt unterhalb des Simetsbergs mache ich meine Rast und überlege mir einen kleinen Schlenker. Daher geht’s nun nach links weiter hinauf. Der Weg ist ziemlich grob und fordert bei mir viele Körner. Nun sollte man den kleinen Trail nach rechts hinab nicht verpassen, sonst radelt man auf dem Forstweg in eine Sackgasse. Den schmalen Trail kenne ich noch von einer Skitour, der macht im Sommer definitiv mehr Spaß.

Wunderschöner Ausblick auf den Walchensee nach anstrengender Bike Auffahrt

Wunderschöner Ausblick auf den Walchensee nach anstrengender Bike Auffahrt

Ich stoße unten wieder auf den Forstweg, von dem ich abgezweigt bin. Jetzt geht’s erstmal weiter hinab, bis ich ins Eschenlainetal abbiege. Ab hier zieht sich nun ein schöner Abschnitt direkt am Bach entlang – da kann man gut Gas geben und die Kilometer genießen. Das Tal öffnet sich und das kleine Dorf Eschenlohe kommt zum Vorschein. Dort sollte man sich nun Richtung “Sieben Quellen” orientieren. Ab jetzt führt ein flacher Fahrradweg wieder zurück nach Partenkirchen.

Runde 4: Zur Hohen Kiste und ein Stückchen weiter

(ca. 42 Kilometer, 1.500 Höhenmeter)

Diese Tour ist meine absolute Königstour im Estergebirge. Wer sich den Streckenverlauf ab der Kuhalm anschaut weiß auch wieso: Trails im S3/4-Bereich machen diese Tour attraktiv aber auch anstrengend – nicht zuletzt durch die langen Tragepassagen. Mein Ziel war es, die Hohe Kiste (1.922 Meter) so gut es geht mit dem Bike zu erreichen. Der restliche Verlauf hat sich dann spontan ergeben ;-) …

Ich starte die Tour in Eschenlohe und orientiere mich in Richtung Eschenlainetal. Die Schranke am Anfang des Forstwegs ist der Beginn eines knapp 14 Kilometer langen und 1.000 Höhenmeter hohen Anstiegs. Der Weg ist nicht zu unterschätzen, da die Steigung von Meter zu Meter steiler wird. Nach ca. fünf Kilometern wird die Mühe mit einer kurzen Abfahrt belohnt. Auf dieses Zuckerl folgt jedoch direkt die nächste kräftige Rampe. Jetzt wird es wirklich anstrengend, der Weg bleibt steil. Man sollte dennoch die schöne Aussicht ins Eschenlainetal und den Simetsberg würdigen. Der Anstieg windet sich um den Kesselkopf herum. Jetzt befinde ich mich auf der Zielgeraden zur Kuhalm, die nochmal alles aus meinen Beinen fordert.

Einsame Waldanstiege im Estergebirge

Einsame Waldanstiege im Estergebirge

Die Kuhalm lädt zum Entspannen ein und ist vielen Bikern bekannt. Ich trete mein Bike aber weiter in Richtung Hohe Kiste hinauf. Die weiteren Meter sind schweißtreibend aber durchaus fahrbar. Irgendwann muss ich aber absteigen, ab jetzt wird getragen. Ich begegne einigen Wanderern die mich mild lächelnd anschauen. Kurz unterhalb der Hohen Kiste lasse ich mein Bike stehen und laufe die letzten Meter hinauf. Der Ausblick belohnt alle Mühen, es ist wirklich wunderbar.

Während ich gemütlich meine Brotzeit einnehme, sehe ich die Weilheimer Hütte (1.955 Meter). Sie wirkt so nah und der Gegencheck mit der Kompasskarte bringt mich auf die Idee dorthin zu queren und zur Esterbergalm abzufahren. Entschluss gefasst! So geht es weiter per Pedes den Wanderweg entlang. Ich habe auf etwas Fahrbares gehofft, leider wurde ich enttäuscht. Der Pfad ist zwar beschwerlich aber wirklich schön und die Weilheimer Hütte ist auch schnell erreicht.

Von hier könnte man noch zum Krottenkopf aufsteigen, dafür habe ich an dem Tag leider keine Zeit mehr. Nach einer stärkenden Suppe in der Hütte, stürze ich mich in den Trail hinunter zur Esterbergalm. Der Trail ist steil, hat einige enge Stufen und ist für mein Können sehr technisch. Im oberen Teil (Singletrail Skala S3/4) kann ich Stücke abfahren, muss aber öfters runter schieben. Im unteren Teil wird alles etwas fahrbarer und der Trail öffnet sich zu einem schmalen Forstweg. Mit viel Schwung erreiche ich die Esterbergalm, die ich auf den Weg nach Garmisch hinter mir lasse. Zum Ausrollen dient der Talweg von Garmisch nach Eschenlohe.

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