Testberichte

Fleecejacke im Test: Arc'teryx Delta LT

11.10.2013

Fleecejacke im Test: Arc’teryx Delta LT

Leicht, atmungsaktiv, warm, schnelltrocknend, robust, elastisch, weich und dazu ein durchdachter Schnitt mit tollem Design! – Mehr kann man von einem vernünftigen Midlayer nicht verlangen, weniger sollte er nicht bieten, um perfekt zu sein! Das alles bietet die Arc’teryx Delta LT Jacket. Die dünne Fleecejacke aus Polartec Micro in Waffelstruktur ist die ideale Ergänzung für alle Situationen, in denen man sich diese kleine Extraportion Wärme und Komfort wünscht. Egal ob im Alltag oder zum Sport – die Jacke bewährt sich als vielseitiger Begleiter zum Immer-Dabei-Haben. Hier erfahrt ihr, warum.

 

Das Prinzip

Die Delta LT ist eine sehr dünne Fleecejacke von Arc’teryx mit durchgängigem Zipper. Der Gedanke dahinter ist, dass man sie als Ergänzung wie ein warmes Baselayer schnell über ein Shirt ziehen und so für zusätzliche Wärme sorgen kann. Dabei ist das Material wärmend, aber extrem atmungsaktiv. Durch einen körpernahen, anatomischen Schnitt soll garantiert werden, dass die Delta eng anliegt und bestens unter weitere Layer passt. Das wird unterstützt durch die flachen Bündchen, Taschen und den anliegenden Kragen. Je näher am Körper, desto besser sind außerdem Wärmeleistung und Feuchtigkeitstransport. Die natürliche Elastizität des Stoffes sorgt außerdem für beste Bewegungsfreiheit. Egal ob als warmer Drüberzieher für kühle Sommerabende oder als Isolation beim Skifahren, Bergsteigen, Klettern und Trekking – als leichter Begleiter steht die Delta LT vor allem für Universalität und ein nahezu unbegrenztes Einsatzspektrum.

Weiches Innenmaterial

Weiches Innenmaterial

 Konstruktion,Schnitt, Ausstattung und Optik

Nun ins Detail. Wir haben es hier mit einer sehr dünnen Fleecejacke zu tun. In meiner S-Größe bringt sie gerade einmal 300 Gramm auf die Waage. Man kann, hält man die Jacke ins Licht, sogar leicht durchschauen. Wenn man sie zusammenknüllt, nimmt sie wohl gerade einmal einen Liter Volumen in Anspruch. Ich glaube, damit kann man sich ganz gut vorstellen, wie dünn das Material ist. Das Material wird zwar als 100er-Fleece angegeben, wirkt durch die innen weiche, außen waffelig-strukturierte Oberfläche aber dünner als klassisches Fleece würde ich sagen. Das hat einige Vorteile in puncto Trocknungszeit und Atmungsaktivität – mehr dazu unten.

Der Schnitt  der Arc’teryx Delta LT ist durchdacht anatomisch und optimiert für das Lagensystem. Für Arc’teryx ist die Passform tatsächlich schlank, nennt sich “trim fit”. Bei meinen 1,70 Metern und ca. 62 Kilo passt die Größe Small sehr gut. Sie könnte noch leicht enger sein, ist aber für einen amerikanischen Hersteller durchaus körpernah und deutlich kleiner geschnitten als die meisten anderen Arc’teryx-Produkte. Mit einem dünnen Shirt drunter ist die Jacke leicht leger, allerdings gefällt mir das persönlich bei dem dünnen Material sehr gut. Sie passt perfekt unter weitere Lagen (z.B. Atom LT Hoody oder Epsilon SV Hoody) ohne einzuengen. In dieser Kombination macht man sozusagen aus einer ungefütterten eine leicht gefütterte Jacke. Hat eine Jacke keine spezielle Wärmeleistung (z.B. Hardshell und Softshell ohne Liner) lässt sich die Delta LT wie eine leichte zusätzliche Fütterung einfügen. Zieht man sie unter eine Jacke ist das Tolle, dass sie wärmt, ohne merklich die Atmungsaktivität oder Bewegungsfreiheit einzuschränken (auch dazu mehr unten). Die Arme sind ausreichend lang und eignen die Jacke zum Radfahren und Klettern. Sehr angenehm: hinten ist die Jacke (wie fast alle Jacken des Herstellers) deutlich länger geschnitten: uneingeschränkter Zugriff auf den Hüftgurt vorne und bester Schutz und Wärme hinten sind die optimale Konsequenz. Der Kragen ist eng und kurz. So wärmt er, ohne am Kinn einzuengen. Die Bündchen sind leicht gerafft und tragen nicht auf, da sie nur umgenäht sind. Dasselbe am Saum. Der Kragen verfügt oben über einen Abschluss aus Lycra.

Kragen und Front-Zipper

Kragen und Front-Zipper

Staumöglichkeiten bietet die Delta LT in Form von zwei hochgesetzten, flachen RV-Einschubtaschen und einer schönen, laminierten Ärmeltasche (links). Alle Taschen tragen nicht auf und sind gut zugänglich und leicht bedienbar: warme Hände oder Stauraum für Handy und Riegel in den schrägen Einschubtaschen, Platz für Kleinigkeiten wie Schlüssel am Arm. Alle Zipper und RVs sind sehr leichtgängig, aber zur Qualität von Arc’teryx Produkte brauche ich hier keine weiteren Worte verlieren (das gilt auch für die Verarbeitung der Jacke – siehe hierzu andere meiner Testberichte). Besonders angenehm ist, dass diese Jacke, die als Midlayer gedacht ist, einen stabilen, eher groben Kunststoff-Frontzipper hat, wie man ihn von Außenlagen kennt. Ich liebe diese Zipper, da sie leichtgängiger sind und nicht dazu tendieren, bei Kälte, Schmutz oder Regen und Schnee schlecht zu laufen.

Das Branding ist gekannt schlicht. Gestickter Urzeitvogel auf der linken Brust, Punkt. Innen am gedruckten Logo ist ein speziell weiches Material angebracht, das angenehm am Hals liegt. Allerdings wäre m.E. eine leichte Schlaufe zum Aufhängen der Jacke beim Trocknen auf Touren wünschenswert. Die gesamte Optik der Jacke ist sehr wertig und locker-sportlich. Die Einschubtaschen und das Logo sind eher dezent, für einen markanten Look sorgen der athletische Schnitt und die laminierte Ärmeltasche. Die Haptik ist außen eher robust, innen angenehm weich.

Logostickerei

Logostickerei

Material und -Eigenschaften

Verwendet wird beim Delta LT Jacket Polartec Classic 100 Micro Velour Small Grid. Materialstärke ca. 150g/ m². Das klingt dicker, als es ist. Ich habe noch nie eine so dünne, leichte Fleecejacke aus Waffelfleece gesehen. Durch die Strukturierung der äußeren Oberfläche erhält man ein schachbrettartiges Stöffchen, dessen Zwischenräume tatsächlich extrem dünn sind (wie erwähnt: man kann durchschauen). Innen ist das Material durchgehend gleich und weich. Diese Verarbeitungsweise hat einige Vorteile gegenüber herkömmlichem Fleece. Zum einen ist durch die Waffelstruktur mehr Fläche vorhanden, so dass das Material deutlich schneller trocknet. Außerdem kann durch die dünnen Zwischenräume mehr Luft dringen, man erhält eine deutlich besser Atmungsaktiviät als bei Standardfleece. Auch die Robustheit des Außengewebes ist durch die gröbere Struktur deutlich erhöht. Allein, die Wärmeleistung geht durch die nicht ganz geschlossene Fläche gegenüber normalem Fleece etwas zurück. Aber hier hat man es ja schließlich mit einem atmungsaktiven Midlayer und nicht mit einem Wärmewunder zu tun.

Praxiswert

Passform Delta LT Jacket

Passform Delta LT Jacket

Im Sommer verlasse ich kaum mehr noch das Haus ohne die Delta LT im Gepäck. Sobald es abends etwas kälter wird wirft man sie über und ist glücklich. Aber auch bei kühlerem Wetter habe ich die Delta LT zum Radfahren und auf Touren mit Rucksäcken getestet und wurde nie enttäuscht. Sie tut genau das, was man sich von ihr erwartet, ist stets parat und erhöht die Wärmeleistung einer Jacke, ohne die Atmungsaktivität einzuschränken wie man es mitunter bei Kunstfaser oder dickerem Fleece feststellt. Auch als Außenlage kann man sie bei mildem Wetter tragen. Dann zieht es zwar durch, aber das sorgt bei mildem Wind für nochmals erhöhten Tragekomfort. Auch die Belastbarkeit ist genial: Ein schwerer Rucksack kann direkt auf dem Material getragen werden – kein Pilling! Besonders angenehm ist, wie die Jacke unter alle weiteren Lagen rutscht, ob Hard- oder Softshell oder auch Kunstfaser und Daune – wenn die Delta LT nicht mehr drunter passt, ist die Jacke zu eng!

Dabei wird die Bewegung nie eingeschränkt (dafür sorgt besonders der ergonomische Schnitt mit Achselzwickel) und weder Taschen noch Bündchen tragen durch die sehr flache Konstruktion auf. Am allermeisten haben mich aber die durch die Waffelstruktur erreichte Trocknungszeit und die erstaunliche Atmungsaktivität überzeugt. Waschen, auswringen, aufhängen und sofort sammelt sich die Feuchtigkeit unten am Saum und oben ist die Jacke schon fast trocken. Ich habe bisher bei Polartec Fleece stets sehr gute Erfahrungen gemacht, was Trocknungszeiten angeht. Aber hier setzten Verarbeitungsweise und Materialstärke (oder besser. -Dünne) noch eins drauf! Der andere Vorteil ist, dass Waffelfleece Luft noch besser zirkulieren lässt und somit wärmt, aber kaum merklich die Atmungsaktivität einschränkt. Selbst beim schnellen Radfahren oder Tragen von massig Gepäck – der Dampf geht raus! Dennoch ist das Material wärmer als man erwarten würde. Das allerdings muss man selbst ausprobieren, schließlich hängt das Wärmeempfinden sehr stark vom subjektiven Maßstäben und Ansprüchen ab.

 Mein Fazit zur Arc’teryx Delta LT

Midlayer ohne Schwächen! Die Delta LT hat mich in allen Punkten überzeugt und bietet als leichter und warmer Begleiter im ganzen Jahr über die kleine Extraportion Wärme, die man so oft sucht. Im Sommer drüber, im Winter drunter – sie ist schnell angezogen und trägt nicht auf. Die Konstruktion und der Schnitt sind sehr durchdacht, ebenso gefallen die Ausstattung und eine für amerikanische Verhältnisse schlanke Passform. Vom Waffelfleece kann man gegenüber herkömmlichem Fleece deutliche bessere Werte hinsichtlich Trocknungszeit (wichtig auf Touren!), Atmungsaktivität und Robustheit erwarten. Für eine so vielseitige, hochwertig verarbeitete und sowohl sport- wie alltagstaugliche Jacke aus bewährtem Polartec-Fleece erscheint mir die aktuelle UVP von 120 Euro absolut gerechtfertigt. Die Delta LT gibt es in tollen Farben und sie ist ein Teil, das definitiv nicht häufig im Schrank liegt!

Neuer Kommentar

Deine Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!

*


*