Mountain Equipment – Alpincamp

Gipfelsturm mit Hindernissen

15.04.2011

Gipfelsturm mit Hindernissen

Ich bin Mitte dreißig und ein durchschnittliche Hobbysportlerin. Nachdem ich in meiner Umgebung so ziemlich jeden Berg bestiegen habe, ist in mir die Sehnsucht gewachsen, auch einmal ein bisschen höher hinaus zu kommen. So war die Idee Kilimanjaro geboren. Nachdem dieser zu den Seven Summits zählt, war der Anreiz gleich noch größer. Im Oktober 2008 war es dann so weit. Mein Mann und ich machten uns auf den Weg nach Afrika.

Tag 1 Machame Gate 1.840m – Machame Hut 3.000m
Tag 2 Shira Hut 3.840m

Bis hierher ist alles gut verlaufen. Wir konnten die Tour genießen und die Landschaft ist überwältigend. Ein bisschen Appetitlosigkeit und etwas unruhigere Nächte schrecken uns keineswegs vom Gipfel ab. Doch meistens kommt es anders als man denkt, denn Tom hat sich eine kräftige Verkühlung zugezogen.

Tag 3 über Lava Tower 4.600m -Barranco Hut 3.950m

Toms Nebenhöhlen sind komplett zu und ihm fällt das Atmen schwer! Somit starten wir heute mit ein bisschen Verspätung und gehen es ruhiger an. Wir versuchen brav zu trinken und machen ein paar Pausen mehr. Tom hat heute nichts gegessen. Schon der Anblick von Essen reicht ihm und er fühlt sich zum kotzen! Er überlegt somit ob er nicht, so wie die Porters, direkt ins Camp gehen soll. Schließlich entscheidet er sich doch zum „Lavatower” aufzusteigen. Nachdem er jetzt allerdings auch noch das Trinken verweigert, mache ich mir ersthafte Sorgen!!

Tag 4 über Karanga Valley 4.000m – Karanga Hut 3.950m

Die heutige Etappe führt uns relativ steil hinauf zur „Breakfastwall“. Es sind ein paar Kletterpassagen zu bewältigen. Eine willkommene Abwechslung zu dem stupiden Schritt für Schritt, aber anstrengend.
Danach geht es Richtung Camp am Karango Valley. Tom fühlt sich schlechter und jeder Schritt fällt ihm schwer! Auch ich habe ein bisschen Kopfweh. Später an diesem Nachmittag erzählt mir Tom wie schlecht es ihm wirklich geht und das drückt die Stimmung gewaltig! Der Gipfel kommt für ihn somit nicht in Frage! Wir diskutieren mit unserem Guids und kommen zum Entschluss, dass Tom morgen bis zum letzten Camp mitgeht und ich alleine zum Gipfel aufbrechen werde.

Tag 5+6 Barafu Hut 4.600 m
über Stella Point 5.745m – Kilimanjaro 5.895m –Mweka Hut 3.100m

Nach einer schlaflosen Nacht für Tom ist der Entschluss von gestern aufgehoben! Nachdem er richtige Angstzustände wegen Atemproblemen verspürt hat, ist die einzig richtige Entscheidung gleich abzusteigen getroffen! Ich mach mir große Sorgen und überlege mitzugehen. Doch nachdem ich relativ fit bin, entscheiden wir uns doch zu trennen.
Für mich heißt es also weiter ins 4.600m hohe Barafucamp. Gleich zu Beginn geht es zirka 400hm hinauf und es geht mir nicht besonders gut! Meine Gedanken sind zwischen Tom, seinem Gesundheitszustand und dem Gipfel hin und hergerissen. Das Atmen fällt mir heute auch ziemlich schwer. Die Steigung scheint nicht enden zu wollen und ich mache freiwillig ein paar Trinkpausen mehr. Auch der Tag hat sich meiner Stimmung angepasst! Trüb, nebelig und kalt!
Die Nacht ist fast nicht auszuhalten! Mein Körper zuckt beim Einschlafen wie verrückt und auch Schüttelfrost hat sich dazugesellt. Ab zirka 21:30Uhr schaue ich im 10 Minutentakt auf die Uhr. Gegen 23:30Uhr werde ich endlich „geweckt“ und bin ziemlich dankbar dafür!
Gleich zu Beginn kann ich zum ersten Mal die berühmte Lichterkette den Berg hinauf beobachten. Auch die Aussicht auf Moshi, Arusha sowie der Mond in Form einer kleinen Sichel rot, blau und gelb leuchtend, beeindruckt mich zutiefst. Doch dann kam wie angekündigt die Kälte und der Weg zieht sich ins Unendliche! Ich wage es nicht mehr die Lichterkette vor mir zu beobachten, dem dann sehe ich auch wie weit es noch ist! Lieber schaue ich ins Tal und erwarte voller Sehnsucht den Sonnenaufgang. Ich habe zwar nicht die Spur von Kopfweh oder Magenbeschwerden, dennoch denke ich ständig ans Aufhören! Meine Gedanken kreisen um Tom und meinen kuschlig warme Schlafsack. Mit der Zeit beginnen meine Zehen und vor allem mein rechter Daumen vor Kälte so sehr zu schmerzen, dass ich mir schon ernsthafte Sorgen mache! Ich sehne mich nach jeder Trinkpause, da die Kälte anschließend ein bisschen aus meinem Körper weicht. Ich bin so dankbar, dass Theo weder die Höhe noch die noch zurückzulegende Zeit erwähnt, so kann ich nämlich nur rätseln wie lange es noch dauern wird! Endlich kommt die Morgendämmerung und ich bekomme wieder positive Energie! Nun meldet sich auch Theo zu Wort und zeigt mir die Leute von der sogenannten „Cocacolaroute“ und ich weiß, dass der Stella Point unmittelbar bevorsteht! Kaum dort angekommen umarmt mich Theo auch schon und gratuliert mir! Ich bin überwältigt es geschafft zu haben. Nachdem meine Hände und Füße vor Kälte immer noch wehtun, bin ich zwischen Glückgefühlen und Tränen vor Schmerzen hin und her gerissen! Die Sonne geht nun endlich auf und ich bitte Theo ein Foto zu machen, weil ich unter diesen Umständen meine Handschuhe auf keinen Fall ausziehen möchte! Das Reden, die Kälte, die Ungewissheit wie es Tom geht und das große Glücksgefühl sind plötzlich zu viel für mich! Mir wird von einer Sekunde auf die andere schwindlig, schlecht und ich habe Angst gleich umzukippen. Nach heftigen Brechreizattacken, sind wenigstens meine Finger wieder aufgetaut und wir gehen zum Gipfel weiter! Eine Gruppe hat eine Gitarre mitgeschleppt und spielt in der langsam wärmer werdenden Sonne auch gleich ein Lied! Es geht zu wie bei einem Straßenfest und ich bin mir unsicher, was ich davon halten soll.

Bei fast 3.000hm bergab komme ich wieder ordentlich ins schwitzen und kann, im Lager angekommen, Tom endlich wieder in die Arme schließen.

Tag 7 Mweka Gate 1.790m – Arusha

Die letzte Nacht am Berg ist angebrochen und ich bin glücklich es geschafft zu haben. Aber noch glücklicher macht mich, dass es Tom wieder besser geht. Von einer ausgiebigen Dusche und einem richtigem Bett träumend, schlafe ich diese Nacht tief und fest.

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