Testberichte

Arc'teryx Quiq Hoody Kapuzenpullover im Test

21.06.2013

Arc’teryx Quiq Hoody Kapuzenpullover im Test

Neu in der Frühjahrskollektion 2013 präsentiert sich der Quiq Hoody von Arc’teryx als funktioneller Kapuzenpullover in sehr urbaner Optik zum Bouldern, Klettern, Slacklining und für den Lifestyle. Der Hoody aus Mischgewebe sollte schon einiges mehr können als er auf den ersten Blick hergibt, schließlich liegt der Preis bei ordentlichen 120 Euro. Ob das gerechtfertigt ist wird der folgende Test weisen.

Erster Eindruck: Optik, Verarbeitung und Haptik

Der Quiq Hoody kommt in einer Optik wie sie für den Kletterlifestyle kaum typischer sein könnte: Ein derber Pulli mit Kapuze und Känguruhtasche in melierter Optik. Die aktuellen Farben (demerara, wood violet, blue onyx und utility green) sind alle relativ gedeckt lassen sich bestens mit lockeren Kletterhosen und Bouldershorts kombinieren. Für die sportliche Note sorgen abgesetzte Verstärkungsnähte aus Kontrastfarben an Einschubtasche und Kapuze. Das Branding ist schlicht und nur ein gestickter fliegender Dino lässt auf Ware aus dem Hause der Kanadier schließen.

Erfreulicherweise muss man nach wie vor – wie schon in meinen anderen Testberichten von Arc’teryx Produkten beschrieben – zur Verarbeitungsgüte des kanadischen High-End-Unternehmens kaum Worte verlieren. Alle Produkte sind sehr sorgfältig, geradezu penibel sauber verarbeitet. Für maximale Beanspruchung und lange Lebensdauer ausgelegt kommen somit bei Arc’teryx auch nur die besten Materialien unter die Nähmaschine. Die enge Kooperation mit namhaften Herstellern wie W.L. GORE, YKK, Polartec oder Schoeller und bringt ebenso innovative Neuentwicklungen mit sich wie die aufwendige Herstellung eigens entworfener Stoffe und Verfahren. Arc’teryx steht für Innovation und ist nicht einfach eine Kletter-, Ski- oder Outdoormarke, wie es der Firmenchef Tyler Jordan auf den Punkt bringt. Nicht nur mit bahnbrechenden Neuerungen für die Outdoorbranche wie das Verfahren der Thermolamination oder die Entwicklung der heute für selbstverständlich geltenden WaterTight-Reißverschlüsse hat sich das Unternehmen einen Namen gemacht. Immer wieder bleiben andere Hersteller mit neidischem Blick hinter der Ausgefeiltheit der State-Of-The-Art Produkte der Designschmiede zurück: “Evolution in Action“.

Gestickes Logo auf Brust

Gestickes Logo auf Brust

Die Haptik des Quiq Hoody ist ein Knaller und schon allein ein Kaufargument. Das muss man schlichtweg so sagen. Wer daran zweifelt sollte das Teil (wie die meisten anderen Bekleidungsstücke des Herstellers die immer auch durch die außergewöhnliche Oberfläche bestechen) einfach mal in Händen halten. So weich und angenehm fühlen sich die meisten Fleecegewebe nicht an! Dabei ist das Mischgewebe beim Quiq jedoch dem Gegenüber nur leicht aufgerauht und weist eine recht robuste Außenseite auf. Auch die Innenseite ist extrem kuschelig und quasi-wabenartig verwebt. Das Sorgt für Elastizität und Formbestand. Der ganze Materialgriff ist schlichtweg überwältigend und ungekannt: Weich wie Fleece und robuster als Baumwolle!

Reingeschlüpft: Konstruktion und Passform

Der Quiq kommt mit einem typischen Aufbau und intelligenter Nahtkonstuktion. Flach und innen vernäht, keine störenden Nähte an den Schultern. Elastische Ärmelbündchen und eine große, angeschnittene Kapuze mit Kragen gehören ebenso zur Ausstattung wie die schlichte, leicht hochgesetzte Känguruhtasche vorne. Ein Achselzwickel gewährt ausreichend Bewegungsfreiheit. Hinten ist der Hoody länger geschnitten, ein erfreulich praktsiches Detail (z.B. beim Sitzstart beim Bouldern), das man in der Regel nur von Funktionsjacken, nicht aber von Pullovern kennt. Durch den flachen Saum und die integrierte, nicht abgesetzte Tasche ist die gesamte Konstruktion angenehm flach und zum Tragen eines Klettergurtes konzipiert. Außerdem gibt das dem Quiq seine geradelinige Optik. Durch das elastische Gewebe und den langen Schnitt (der übrigens sehr ungewohnt ist von einem amerikanischen Hersteller und eher an die skandinavische Passform von Haglöfs erinnert) wird auch verhindert, dass der Pulli sich beim Strecken der Arme (auch unter einem Gurt) nach oben zieht.

Die Passform des Hoodies ist relativ schlank (Arc’teryx “trim fit“), der Schnitt ziemlich lang. Bei 1,70 m Körpergröße und sportlicher Statur passt mir die S Größe recht gut. Am Körper liegt der Pulli leger, aber nicht schlabberig, was das ohnehin lässige Image unterstreicht. Der lange Schnitt (insbesondere hinten) lässt mich den Pulli auch über’s Gesäß ziehen, wenn’s mal kälter wird. Für kleine Personen (wie mich eben) kann er mitunter etwas zu lang sein (Geschmackssache), auch die schlanke Passform fällt noch relativ amerikanisch, d.h. weit aus. Stört mich persönlich nicht, da das für einen Pulli eher dünne Material locker fällt und es sich beim Quiq ohnehin um ein Lifestyle-Produkt handelt. Das muss man allerdings berücksichtigen und sollte, sucht man einen richtig eng anliegenden Pulli, sich nicht vom “trim fit“ täuschen lassen und möglicherweise eine Nummer kleiner wählen. Das heißt eben nur, dass der Schnitt nicht für weitere Lagen unter dem Pulli ausgelegt ist. Allerdings würde ich ihn in Bezug auf die Passform doch eher als sportlich bezeichnen, denn als formbetont!

Die Arme sind dafür angenehm anliegend und lang geschnitten wie man es von Kletterklamotten kennt. Durch den Bund vorne und das elastische Gewebe machen die Ärmel alle Bewegungen bestens mit ohne zu verrutschen. Die Tasche ist intelligent platziert und man kann die Arme mit leicht angewinkelten Ellbogen angenehm leicht zum Warmhalten der Hände in den mit weichem Mesh gefütterten Känguruhbeutel stecken.

Passform und langer Schnitt

Passform und langer Schnitt

Der Kapuze beim Quiq gehört fast ein eigenes Kapital gewidmet, obwohl wir es hier natürlich nicht mit einer technischen, verstellbaren Kapuze zu tun haben, wie man sie von guten Hard- und Softshells kennt. Dennoch ist die Kapuze einzigartig! Sie ist nicht allzu lang geschnitten und fällt nach hinten kaum weit aus. Man kann also nicht von einer einfach nur überdimensionierten Kapuze sprechen. Freilich ist sie in der Tat sehr großzügig geraten, allerdings ist der Schnitt eher dreieckig und erinnert sehr stark an eine Jedi-Robe. Aufgezogen hält sie schön warm und sieht schlichtweg locker aus und hebt sich vom Durchschnitt der Kapuzen bei Hoodies (meist rund und mit Kordelzug) definitiv ab! Nicht aufgesetzt sorgt der vorne breite Schnitt der Kapuze dafür, dass diese locker um den Hals liegt und gibt einen schön anzusehenden Kragen ab.

Schönes Detail: Ganz dezent hat sich unter dem Etikett am Kragen ein Aufhänger versteckt. Jedenfalls ist hier eine kleine Lasche vernäht, die man sehr gut als solchen nutzen kann.

Form follows function! – Material und Eigenschaften

Das von Arc’teryx neu entwickelte und alle derartigen Mischgewebe in den Schatten stellende Mischgewebe, das beim Quiq Hoody zum Einsatz kommt, nennt sich Agpar. Es handelt sich dabei um ein Frotteestrick mit relativ leichter Qualität (laut Hersteller: mittelschwer, ca. 350g) aus 57% Baumwolle, 36% Polyester und 7% Elasthan. Während die Baumwolle in dieser Verarbeitung für die angenehm weiche Haptik und die Robustheit der Materials sorgt, gewährleistet das Polyester besten Feuchtigkeitstransport, kühlt und erhöht die Trocknungszeit. Elasthan gibt dem Gewebe seine Dehnbarkeit und macht den Stoff formbeständig.

Detail: Innenmaterial beim Quiq Hoody

Detail: Innenmaterial beim Quiq Hoody

Übrigens gibt es stofflich kein direkt vergleichbares Damenmodell. Der feminine Detente Hoody als Pendant zum Quiq ist auch aus einem Mischgewebe und kommt mit schönen Details wie Daumenschlaufen, einer seitlichen RV-Tasche und einer großen Kapuze mit gefaltetem Kragen. Allerdings ist das sehr weiche Mischgewebe hier ein weniger Atmungsaktives (Espanda: 94% Baumwolle, 6% Elasthan).

Raus damit: Tragekomfort, Tauglichkeit und Einsatzgebiete

Der Quiq hat von Anfang an das Potential zum Lieblingspulli und ist so ein Teil, was man am liebsten nicht mehr ausziehen mag! In Kombination mit der Plumb Line Pants (siehe hierzu meinen anderen Testbericht: ) oder den Back Step Shorts von Patagonia kommt man damit bestens durch den sportlichen und normalen Alltag von Frühjahr bis Herbst! Egal was man macht, man fühlt sich darin immer wohl, weder over- noch underdressed, sei es beim Bouldern, Fels- und Hallenklettern, Slacklining, in der Uni oder im Büro. Durch das geradlinige, schnörkellose Design, den Verzicht auf markante Labels (wie für Arc’teryx typisch) und natürlich mit den dekorativen, farblich abgesetzten Verstärkungsnähten gibt es kaum eine Situation, in denen dieser Pulli keine gute Figur machen würde!

Hinzu kommt, dass es sich gegenüber den meisten Hoodies, die wohl zu 90% aus Baumwolle bestehen, selten aus einem Mischgewebe und wenn dann häufig ohne Elasthan (und damit Stretch) daherkommen, beim Quiq um ein richtiges Funktionskleidnugsstück handelt. Obwohl der Hauptanteil immernoch aus Baumwolle besteht, ist das Material neben der ohnehin über jeden Zweifel erhabenen Haptik auch noch richtig atmungsaktiv, ziemlich robust, sehr elastisch und dazu schnelltrocknend. Da der Hoody nicht aufträgt (ich halte ihn für eher dünn im Vergleich zu normalen Pullis) lässt er sich auch super als mittlere Lage unter weiteren Schichten im Winter statt einem klassischen Fleece tragen, sofern einen die große Kapuze dabei nicht stört. Ansonsten ist er warm genug, um ihn bei allen möglichen Aktivitäten zwischen ca. 10°C und 20°C zu tragen – egal ob Sport oder Alltag, gemütliche Radtour oder hartes Boulderprojekt.

Dabei hält der Quiq auch mal einen Felskontakt oder den Sturz von der Slackline unbeschadet aus. Grenzen im Einsatzgebiet sehe ich lediglich bei richtig schweißtreibenden Aktivitäten und in wechselhaftem Wetter. Für alle schnellen Radtouren, Gipfelanstiege oder zum Alpinklettern würde ich den Pulli nicht verwenden. Da macht sich der Baumwollanteil dann doch bemerkbar und Atmungsaktivität und Wetterschutz kommen gegenüber reinen Synthetikmaterialien an ihre Grenzen. Dennoch war ich positiv überrascht festzustellen, dass der Hoody leicht wasserabweisende Eigenschaften besitzt. Dies mag wohl eher an der Webart des Stoffes, denn an einer DWR-Behandlung liegen.

Für die speziellen Zielbereiche Klettern und Bouldern ist der Quiq von Arc’teryx durch die flache, lange und elastische Konstruktion perfekt konzipiert. Die warme Einschubtasche beherbergt Kleinkram wie Riegel oder Tape und sorgt zwischen Klettereien für warme Hände. Die weiche Kapuze trägt sich so locker wie sie aussieht und spendet an schattigen Kletterspots angenehme Wärme. Lange Arme und der Zwickel im Achselbereich verhindern (wie auch bei allen Arc’teryx Jacken) das Hochrutschen des Ärmelsaumes beim Klettern oder Radfahren.

Dass der Pullover trotz aller für’s Klettern notwenigen Belastbarkeit zudem auch noch so weich ist, ist umso erfreulicher und prädestiniert ihn als kuscheligen Alltags- oder Sofaliebling.

Mein Fazit zum Arc’teryx Quiq Hoody: Luxushoody!

Detail: Außenmaterial beim Quiq Hoody

Detail: Außenmaterial beim Quiq Hoody

Das trifft es wohl am besten. Der Arc’teryx Quiq Hoody ist ganz und gar nicht so schlicht wie er scheint. Die tolle Optik, sportliche Passform, Funktionalität und innovative Austattung mit Känguruhtasche und stofflichem Yoda-Helm werden aber noch getoppt durch die traumhafte Haptik des robust-elastischen Frotteestricks. Das sehr breite Einsatzspektrum und der geniale Tragekomfort machen den nicht ganz günstigen Pullover zu einem luxuriösen Allroundtalent, das Seinesgleichen sucht und welches man definitiv nicht mehr hergeben und wohl auch nicht mal mehr ausziehen möchte! Der mittelschwere Kapuzenpulli ist für alle Kletterer, Boulderer und Slackliner eigentlich schon ein Muss, doch auch jeder andere, der auf der Suche nach dem einem Lieblingspulli für Alles ist, wird früher oder später einen Blick auf den Quiq Hoody werfen müssen!

Pluspunkte:

  • relativ schlanke Passform und langer Schnitt
  • geniale und vielseitige Materialeigenschaften
  • durchdachte Ausstattung
  • unkonventionelle Kapuze
  • tolle Materialstärke
  • erstklassige Verarbeitung
  • schöner Kompromiss zwischen dezenter und sportlicher Optik
  • einzigartige Farbauswahl

Minuspunkte:

  • recht hoher Preis für einen Pullover
  • „trim fit“ fällt eher locker aus
  • für kleine Leute mitunter zu langer Schnitt
  • Größe der Kapuze ohne Einstellmöglichkeiten kann als störend empfunden werden

Rahmendaten:

UVP: 120 Euro

Material: Agpar (57% Baumwolle, 36% Polyester, 7% Elasthan in Frottee-Strickverarbeitung)

Gewicht (mittlere Größe): ca. 370g

Vergleichbares Damenmodell: Arc’teryx Detente Hoody (UVP 100 Euro)

Perfekte Einsatzgebiete: Bouldern, Sportklettern (Halle und Fels; auch Mehrseillängen), Slackline, Skating, Wandern, Alltag, Reisen

Weitere Einsatzgebiete: Trekking, alpines Wandern (Hiking), gemütliches Radfahren, Gymnastik und Yoga, als Midlayer bei gemäßigten Aktivitäten im Winter (Abfahrt: Ski und Snowboard, Schneeschuhwandern )

Eher ungeeignet: Alpinklettern, Laufen, Hochtouren, intensives Radfahren, Skitouren, Bergsteigen, Eisklettern, Big Wall

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