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Trailrunning in und um München: Ein Winter-Marathon

21.02.2014

Trailrunning in und um München: Ein Winter-Marathon

Ein Marathon ist 42,195 Kilometer lang. Die Strecke von meinem Wohnort im Münchner Westen zu meinem Elternhaus in Bad Tölz nur einen halben Kilometer länger. Warum also nicht einfach mal einen Marathon “nach Hause” laufen?

Warm eingepackt: Für längeres Trailrunning im Winter muss man seine Klamotten sorgfältig auswählen.

Warm eingepackt: Für längeres Trailrunning im Winter muss man seine Klamotten sorgfältig auswählen.

Die letzten Jahre bin ich auf den Geschmack gekommen. Neben der Liebe zum Radfahren ist Laufen für mich zum Lebensinhalt geworden. Pro Woche radle ich etwa 80 Kilometer und laufe zwischen 40 und 50 Kilometern. Was liegt also näher, als die früher lediglich “beradelten” Strecken nun auch im Laufschritt unter die Füße zu nehmen? Im November bin ich bereits einen Marathon von meinem Arbeitsplatz “nach Hause” gelaufen, heute soll es die Direttissima mit Ausgangspunkt München-Laim sein.

Startpunkt vor der Haustür in München

Ein kalter Samstagmorgen Anfang Februar. Heute ist es soweit, ich wittere gute Laufbedingungen. Also nix wie rein in die warmen Laufklamotten, Trinkrucksack auffüllen, Laufschuhe schnüren und MP3-Player auf eine angenehme Lautstärke einstellen. Die Haustür geht auf, ein Druck auf meinen GPS-Armbandtrainer Garmin Forerunner 610HR – und ich bin bereits mittendrin im Lauferlebnis.

Die Temperatur liegt bei etwa minus fünf Grad Celsius, der Himmel klart auf. Bestes Wetter für einen Winterlauf also, ganz ohne Überhitzungsgefahr. Über Nacht hat es leicht geschneit, die Gehwege und Straßen sind angezuckert. Zunächst geht es knapp zehn Kilometer durch München. Nach einer Viertelstunde bin ich auf der Fürstenrieder Straße und laufe Richtung Süden. Noch ist wenig Verkehr, nach einigen Ampel-Intermezzi unterquere ich die Garmischer Autobahn und renne weiter die Forstenrieder Allee entlang bis zum Münchner Stadtrand. Jetzt wird es einsam.

Kurzer Verhauer beim Laufen im Forst

Ein kurzer Verhauer im Forstenrieder Park sorgt für ein wenig Abwechslung auf dem Marathon.

Ein kurzer Verhauer im Forstenrieder Park sorgt für ein wenig Abwechslung auf dem Marathon.

Die Idealroute meiner Trailrunning-Etappe durch den Forstenrieder Park habe ich mir mehrmals sorgfältig eingeprägt. Zunächst die geteerte Diagonale bis zum Ende, dann das Geräumt links, dann rechts, dann – Ja was dann? Ich stehe im Forst wie der Ochse vor dem Berg. Der Forstenrieder Park ist zu groß und unübersichtlich, um sich an Geländemerkmalen zu orientieren. Instinktiv folge ich einem Geräumt nach Osten, Richtung aufsteigender Sonne, und prompt erreiche ich die Umzäunung, die die Forstenrieder Park-Wildschweine vom Ausbüchsen abhalten soll. Zum Glück aber nicht mich. Nach dem Zaun biege ich rechts ab – und komme direkt am S-Bahnhof Buchenhain heraus. Die Ideallinie war das nicht, aber egal.

Der weitere Weg Richtung Heimat ist nun deutlicher vorgezeichnet als die Irrfahrt, pardon, der Irrlauf durch den Forst. Ich folge dem Radweg Richtung Schäftlarn, der mit einem 670 Meter hohen “Mini-Pass” direkt an der B11 aufwarten kann. Leider friert der Schlauch meines Trinkbeutels ein – das nächste Mal werde ich eine Neopren-Ummantelung anbringen, denn mit dem genüsslichen Nuckeln beim Laufen ist jetzt erst einmal Schluss.

In Schäftlarn verlasse ich die B11 und schlängele mich durch den Ortskern. Die Sonne kommt komplett zum Vorschein, das Isartal liegt in winterlicher Pracht da. Auf der nun folgenden Strecke über Irschenhausen nach Icking sind viele Autos unterwegs – vermutlich Langschläfer auf dem Weg zum Bäcker – und Fußwege sucht man hier meist vergeblich. Also aufpassen! Am Ickinger Kreisverkehr laufe ich schließlich wieder direkt auf dem Radweg an der B11, auf dem heute kein einziger Radler unterwegs ist.

Kurz vor Dorfen führt mich der Pfad zum linken Isarhochufer. Nach rund 27 Kilometern gönne ich mir eine erste Fünf-Minuten-Pause auf meinem Winterlauf und einen Müsliriegel. Zudem schaffe ich es mit etwas Mühe, meinen Trinkschlauch durch stetes Hin- und Herbiegen wieder zur Kooperation zu bewegen.

Steiler Abstieg und Marathon-Finale

Quer Beet: Auf der Marathonstrecke nehme ich eine Abkürzung quer durch einen Acker.

Quer Beet: Auf der Marathonstrecke nehme ich eine Abkürzung quer durch einen Acker.

Nun geht es flott hinunter, der alte Steig das Loisach-Hochufer hinab ist tief verschneit und rutschig. Ich muss aufpassen, dass ich nicht aus Versehen unter dem Geländer in das kleine Bachtal “abfahre”, das mich schließlich doch wohlbehalten zur Floßlände in Wolfratshausen führt. Bald laufe ich am S-Bahnhof vorbei und biege auf den gut geräumten Radweg Richtung Geretsried ein, auf dem sich inzwischen – es ist etwa halb zehn –  einige hartgesottene Winter-Zweiradler tummeln. Ich nehme die Geschwindigkeit etwas raus, auf den letzten 12 Kilometern meines Solo-Wintermarathons machen sich die Beine langsam bemerkbar.

Nach 35 Kilometern Trailrunning gönne ich mir in der Nähe des Geretsrieder Verkehrsübungsplatzes noch einmal fünf Minuten Pause. Ich stretche und genieße die Wintersonne. Die letzten Kilometer sind wie immer die härtesten – also bloß nicht zuviel wollen. Vorsichtig taste ich mich wieder an einen angenehmen Pace heran – er liegt nun zwischen 5:15 und 5:30 Minuten pro Kilometer, vorher konnte ich einen Fünfer-Schnitt halten.

Nach drei Stunden und vierzig Minuten erreiche ich die Marathon-Marke von 42,195 Kilometern. Geschafft! Rechne ich die Pausen mit ein, sind es drei Stunden fünfzig Minuten geworden. Ich bin zufrieden, war das Laufen durch Schnee und Eis doch alles andere als “barrierefrei” und mitunter recht hügelig. Mal sehen, was man im Sommer auf der Strecke beim Trailrunning so ‘rausholen’ kann…

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