Alpin

HMS-Karabiner - ein bunter Strauß an Sicherheit

23.07.2013

HMS-Karabiner – ein bunter Strauß an Sicherheit

Als ich vor über einem Jahrzehnt mit dem Klettern begonnen habe, war einer meiner ersten Ausrüstungsgegenstände ein HMS-Karabiner. In der Hauptsache gab es zwei verschiedene Varianten, Schraubkarabiner und Twistlockkarabiner. Seit damals hat sich viel getan und es sind sowohl neue Typen wie Magnetkarabiner als auch Weiterentwicklungen der klassischen Formen hinzugekommen.

Funktion und Eigung:

Der HMS-Karabiner hat in der Regel eine große Öffnung, so dass das Seil beziehungsweise der Sicherungsknoten einfach und schnell eingelegt werden kann. Zum Sichern und Standplatzbau sind HMS-Karabiner nach wie vor unverzichtbar, obwohl es für das alpine Sportklettern kleinere und in der Regel leichtere Varianten dieses Karabiners gibt, die sich für den Standplatzbau eignen. Der klassische HMS-Karabiner ist aufgrund seiner Form und vor allem wegen seines universalen Nutzens, nämlich durch die Möglichkeit der Benutzung des HalbMastwurf-Sicherungsknoten, ein nicht wegzudenkender Sicherungskarabiner. Der HMS-Karabiner kann in Kombination mit dem namengebenden Sicherungsknoten, dem Halbmastwurf,  im Vor- und Nachstieg verwendet und auch zum Abseilen genutzt werden. Bei ausreichend großem Karabinern klappt das auch an zwei Halb- oder Zwillingsseilen.

Herkömmlicher HMS-Karabiner mit Schraubverschluss:

Schraubkarabiner - die Allzweckwaffe

Schraubkarabiner – die Allzweckwaffe

Schraubverschlüsse kennzeichnen den Klassiker unter den HMS-Karabinern. Sie sind sehr robust, leicht zu bedienen und bestechen gegenüber anderen Varinaten durch einen zumeist niedrigeren Preis. Der Schraubkarabiner erhält seinen Namen von einem Verschluss am Schnapper, der nach oben geschraubt werden kann und somit den Karabiner sicher verschließt. Zum Transport an der Materialschlinge des Klettergurts kann der Schraubverschluss geöffnet bleiben, sodass dieser schnell vom Gurt zu lösen ist. Dies ist sowohl eine Stärke als auch eine Schwäche dieses Karabinertyps, da der Kletterer bei jedem Einsatz des Karabiners daran denken muss den Schnapper zu verriegeln. Des Weiteren kann sich die Verschraubung öffnen, wenn das Seil beim Sichern über den Verschluss läuft. Schraubkarabiner werden von allen namhaften Herstellern produziert.

Vorteile:

  • leichte Handhabung
  • niedriger Preis

Nachteile:

  • Verschluss muss zusätzlich verriegelt werden
  • Schraubverschluss kann sich beim Sichern öffnen

Herkömmlicher Twistlockkarabiner:

Twistlockkarabiner - langlebig und robust

Der Tri-Lock-Karabiner ist aus dem Twist-Lock Karabiner entstanden: Statt nur einer Drehbewegung muss beim Tri-Lock  geschoben und gedreht werden. Das macht den Karabiner  sicherer als seinen Vorgänger

Ein weiteres Urgestein in der Familie der HMS-Karabiner sind Twistlockkarabiner. Durch Drehen des Verschlusses kann man den Karabiner öffnen. Der Karabiner verriegelt bei sachgerechter Handhabung immer automatisch, dies führt zu einem Maximum an Sicherheit. Das Bedienen mit einer Hand ist sehr einfach und deshalb findet der Twistlock-Karabiner in vielen Arbeitsanwendungen Anwendung. Twistlockkarabiner werden von vielen namhaften Herstellern produziert.

Vorteile:

  • Hohes Maß an Sicherheit

Nachteile:

  • Handhabung gewöhnungsbedürftig
  • höherer Preis
  • kann sich beim Sichern durch Seilreibung öffnen

Tri-Lock-Karabiner

Der Tri-Lock Karabiner (oben im Bild) ist aus dem Twistlock-Karabiner entstanden, bei dem ein versehentliches Öffnen durch eine Seilschlaufe oder eine Bandschlinge möglich ist. Die Weiterentwicklung heißt „Tri-Lock“-Karabiner, hier benötigt man drei Bewegungen um die Schnapperöffnung zu öffnen. Dabei wird die lange Verschlusshülse am Schnapper (ähnlich der des Twist-Lock-Karabiners) erst entlang der Verschlussachse nach oben geschoben, anschließend um 90° gedreht. Oft kommt es zu Verwechslung mit Twistlock-Karabinern. Die Tri-Lock-Karabiner bieten jedoch mehr Sicherheit durch die drei Bewegungsabläufe zum Öffnen (Hochschieben, Drehen, Öffnen).

Karabiner mit Feder- oder Magnetverschluss:

Sichern mit HMS

Sichern mit HMS

Vergleichsweise neu in der Garde der HMS-Karabiner sind Feder- bzw. Magnetkarabiner. Beide Technologien beruhen auf dem gleichen Prinzip: Mittels Feder- oder Magnetplättchen wird der Schnapper fixiert. Beide Systeme sind leicht zu bedienen und durch die automatische Verriegelung absolut sicher. Zwar bleibt der Karabiner durch die fixierenden Plättchen in geschlossenem Zustand dauerhaft verriegelt, die Handhabung mit Handschuhen oder einer Hand wird dadurch dennoch nicht beeinträchtigt. (Hersteller: Skylotec, Black Diamond)

Vorteile:

  • leichte Handhabung
  • hohes Maß an Sicherheit

Nachteile:

  • nur zum Sichern oder im Notfall zum Abseilen geeignet

Schraubkarabiner mit Querbelastungsschutz:

Climbing Technology Concept HMS spring bar

Karabiner mit Querbelastungsschutz

Jeder Kletterer kennt das: Man sichert und plötzlich ist der Karabiner verdreht. Das ist nicht nur lästig, sondern auch gefährlich, da alle Karabiner bei Querbelastung geringere Zugkräfte aushalten. Um diesem Problem entgegenzuwirken wurden Karabiner entwickelt, deren Mechanismus ein Verdrehen unmöglich macht. Um in Extremsituationen beim Sichern nicht an die Grentzen seines Materials zu gehen, haben sich einige Hersteller Gedanken gemacht und Auswege aufgezeigt.

  • Schraubkarabiner mit Drahtbügel: Durch einen Schutzbügel im unteren Bereich des Karabiners wird der Karabiner an der Sicherungsschlaufe des Gurtes fixiert. Ein Verdrehen ist somit nicht möglich. (Hersteller: Climbing Technology, Edelrid, Camp, Simond)
  • Schraubkarabiner mit Plastikclip: Die Technik ist so einfach wie genial. Zusätzlich zu einem herkömmlichen Verschluss sind die Karabiner einen Plastikclip ausgestattet, der vor den Einsatz verschlossen werden muss. Dies ist aber nur möglich, wenn der Schnapper fixiert ist. Somit kann sichergestellt werden, dass der Karabiner bei fachgerechtem Einsatz immer verschlossen ist. Des Weiteren wirkt der Clip einem Verdrehen des Karabiners entgegen, da die Sicherungsschlaufe des Gurtes zusätzlich separiert wird. (Hersteller: Mammut, DMM)

    DMM Belay Master

    DMM Belay Master mit Kunststoffclip

Fazit:

Den idealen HMS-Karabiner gibt es nicht. Je nach Einsatzgebiet hat jede der beschriebenen Varianten ihre Vorzüge. Benutzt man einen Karabiner überwiegend zum Sichern, so ist ein Querbelastungsschutz sicherlich sinnvoll, da er ein unerwünschtes Verdrehen des Karabiners verhindert. Nutzt man einen Karabiner vermehrt zum Standplatzbau, so kann ein Querbelastungsschutz eher hinderlich sein. Egal für welche Form von HMS-Karabiner man sich letztlich entscheidet, das Wichtigste ist, dass man sicher damit umgehen kann.

Persönliche Favoriten: Black Diamond Magnetron Rocklock, DMM Belay Master, Climbing Technology Concept HMS spring bar.

 

 

Ein Kommentar

  1. Grundsätzlich ja schön, dass hier die vorhandenen Varianten aufgelistet werden. Mir fehlt jedoch zum einen eine Erklärung, warum die genannten Karabiner die Favoriten sind und zum anderen fehlen die Trilock-Karabiner völlig (bzw. werden die Twistlockkarabiner vorgestellt, bei denen jedoch auch ein Öffnen durch das Seil beim Sichern möglich ist -> Sicherheitsrisiko!).

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