Mountain Equipment – Alpincamp

Meine Ostwandgeschichte

15.04.2011

Meine Ostwandgeschichte

Für die Bewerbung möchte ich von einer meiner aufregendsten, intensivsten und anstrengendsten Bergtour erzählen. Sie ist zwar weder sehr lustig, noch im alpinistischen Sinn sehr extrem war aber für mich doch eine unvergessliche Tour, deshalb habe ich diese Geschichte ausgewählt.

Vor ein paar Jahren kam ein Freund, mit dem ich schon einige Bergtouren gemacht habe, zu mir ins Büro und sagte: „Was hältst du davon wenn wir heuer die Watzmann Ostwand über den Kederbacher Weg machen?“ Meine Antwort: „Passt, wann gehen wir.“ Der Termin wurde fixiert und mit dem Routenstudium begonnen. Dass die Wand, schließlich die Höchste in den Ostalpen, mit ihrer Dimension eine Herausforderung ist wusste ich schon, als ich dann aber im Internet Artikel fand die über 100 Todesopfer sprach wurde ich ein wenig nachdenklich. Deshalb war ich dann froh als es endlich losging und die Vorbereitungszeit vorbei war.

Am ersten Tag fuhren wir nach Berchtesgaden, verstauten unsere mitgebrachen Räder an der Wimbachbrücke und fuhren anschließend zum Königssee. Wir packten unseren Rucksack und quälten uns durch die Touristenströme zum letzten Schiff nach St.Bartholomä welches wir auch knapp erreichten. Als wir mit dem Schiff über den See fuhren waren wir froh dass es ruhiger geworden ist, diese Ruhe sollte aber nur von kurzer Dauer sein. In Bartholomä angekommen merkten wir dass wir das Wochenende des Kirchweihfest für unsere Besteigung ausgewählt hatten, Volksfest am Königssee mit vielen lauten und betrunkenen Bayern. Das war zwar nicht das was wir uns unter ruhiger Nacht vor der Bergtour gewünscht haben aber um das Beste daraus zu machen setzten wir uns dazu und genehmigten uns auch eine Maß Bier.

Die Nacht war dann überraschend angenehm, das Lager war nicht voll und geschnarcht hat auch fast keiner. Deshalb starteten wir gut erholt sehr zeitig in der Früh in unsere Tour. Mit uns brach eine Gruppe mit zwei Bergführen auf die Ostwand durch den Berchtesgadener Weg zu durchsteigen, als wir Richtung Eisfeld abbogen waren wir jedoch allein und das sollte in der gesamten Tour auch so bleiben. Der Kederbacher Weg wird im Vergleich zum Berchtesgadener Weg nämlich sehr viel weniger begangen, da dieser zwei Eisfelder und schwierigere Kletterstellen aufweist. Nun waren wir also auf uns allein gestellt.

Gut aufgewärmt durch den Zustieg legten wir unsere Gurte und die Steigeisen am ersten Eisfeld an und überquerten es. Das Eisfeld stellte kein Problem dar und nach kurzem Suchen hatten wir auch eine Brücke über die Randkluft gefunden. Jetzt begann die schwierige Orientierung, dadurch dass die Tour eher wenig begangen wird gibt es kaum Steigspuren, Markierungen gibt es hier sowieso nicht. Wir hielten uns an die Rasp Beschreibungen und fanden uns ganz gut zurecht, so stiegen wir in leichter Kletterei auf bis zum zweiten Eisfeld. Was wir bis hierher noch nicht wussten das ab hier für die nächsten zwei Stunden all unser Bergsteigerisches Können gefordert wurde.

Das zweite Eisfeld schien zunächst kein Problem, als wir aber zur Randkluft kamen waren wir etwas Ratlos, weit und breit keine sichere Brücke zum rettenden Fels, was sollten wir also tun? Umkehren und Aufgeben erschienen uns nicht wirklich als eine Option so entschieden wir uns einen riskanten Übergang zu versuchen. Ich baute im Eis einen Stand mein Kollege balancierte über eine sehr schmale, fragile Brücke zum Fels. Leider konnte ich ihn dabei nicht sehen da die Brücke bergab zum Fels führte. Nach einigen Minuten, die mir wie eine Stunde vorkamen, hörte ich das erlösende „Stand“. Er war gut am Fels angelangt, sofort wurde mir aber klar dass es erst die halbe Miete war, ich musste ja auch noch da rüber. Also Stand abbauen, alle Utensilien am Gurt verstauen und los geht’s. Die Brücke ist wirklich sehr schmal und relativ steil bergab geht sie auch noch, mein Puls ging ohne körperliche Belastung auf ca. 200. Vorsichtig balancierte ich, ein Fuß vor dem anderen, für nebeneinander war kein Platz. Das knacken und knirschen des Eis beunruhigte zusätzlich, nach und nach kam der Fels näher. Dann, ich setzte gerade meinen linken Fuß auf wollte ihn gerade belasten da brach ein Eisbrocken aus, gerade so konnte ich mich noch ausbalancieren. 2 Minuten musste ich durchschnaufen danach ging ich vorsichtig weiter zum Fels, geschafft meine Erleichterung war riesen Groß, stürzen hätte hier sicher zu schweren Verletzungen geführt.

Nach dieser Schlüsselstelle brauchten wir eine kurze Pause, ehe wir zu der lt. Führer Schlüsselstelle kamen. Diese sowie der weitere Verlauf stellten aber für uns im Vergleich zu der Überwunden Randkluft keine großen Probleme dar und so erreichten wir nach ca. 7 Stunden den Watzmann Gipfel. Von dort stiegen wir über das Wimbachgries ab zu unseren Rädern und fuhren mit diesen zu unserem Auto am Königssee. Dort angekommen waren wir sehr glücklich eine aufregende und anstrengende Bergtour gut überstanden zu haben.

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