Reise

Bike-Touren in der Region Rimini/Emilia Romagna

24.05.2013

Bike-Touren in der Region Rimini/Emilia Romagna

Eines Morgens finde ich eine E-mail in meinem Postfach: Wer hat Lust auf eine Bike-Reise für Blogger in der Emilia Romagna, Rimini? Prompt melde ich mich bei Bergzeit für diese Reise an, ohne zu wissen worum es eigentlich geht. Und diesmal ist das Glück tatsächlich auf meiner Seite: Ich darf Koffer packen!

Rimini also? Und biken? Irgendwie kann ich diese beiden Gedanken eingangs gar nicht unter einen Hut bringen. Rimini ist doch der Badeort schlechthin: Die Adria, Strände, Sonnenliegen, Hotelskyline und eine Menge Badetouristen. Andererseits fühlte sich der Radprofi Marco Pantani in dieser Region sehr wohl. Er ist da geboren, hat da für die Klassiker trainiert und ist dort auch verstorben. Wenn es also für Ihn reicht, reicht es auch für mich!

Daher ist die Vorfreude riesengroß. Ich bike gerne und Emilia Romagna war mir bis dato unbekannt. Außerdem würde die Blogger-Reise einen guten Auftakt in meine Saison darstellen. Also auf ins Abenteuer Rimini!

Rimini Bike Hotels

Kartenmaterial und Tourbeschreibungen in der Emilia Romagna

Kartenmaterial und Tourbeschreibungen in der Emilia Romagna

Die Gastgeber dieser Reise sind die Betreiber der Rimini Bike Hotels. Es gibt insgesamt 14 Bike-Hotels entlang der Küste, die geführte und individuelle Bike-Reisen anbieten. Seit einem Jahr wird diese Idee entwickelt, um die Passion der Einheimischen für den Radsport für die Gästen erlebbar zu machen. Daraus ist ein ansehnliches Komplettpaket für Biker entstanden. Angeboten werden Rennrad, Mountainbike und Trekkingtouren in allen Schwierigkeitsgraden. Professionelle Guides, Bike-Verleih und -Service gehören ebenfalls dazu. Zusätzlich gibt’s gutes Kartenmaterial (15 MTB-Touren, 20 Rennrad-Touren), ausführliche Wegbeschreibungen und jede Menge weiterer Extras.

Tag 1. Ankunft und Kennenlernen

Nach nur etwa einer Stunde landet unser Flieger aus München in Bologna. Wir werden von Nicholas Montemaggi (Tourismusverband Rimini / Emilia Romagna) mit einem sehr freundlichen Lächeln empfangen. Weiter geht es mit einem Minibus Richtung Rimini. Die 1,5 Stunden Autofahrt werden zum ersten Kennenlernen unter den Bloggern genutzt. Um uns herum baut sich die typisch italienische Landschaft der Apenninen auf: Sonne satt, grünes Gras, Hügel am Horizont und überall kleine italienische Dörfchen. Hier ist der Frühling schon angekommen, auch wenn man uns versichert, dass es die ersten schönen Tage in diesem Jahr sind.

Bike Blogger in den Startlöchern am Oxygen Lifestyle Hotel

Bike Blogger in den Startlöchern am Oxygen Lifestyle Hotel

Unser Hotel (Oxygen Lifestyle Hotel ***) ist direkt an der 15 Kilometer langen Küste von Rimini. Andrea von Rimini Bikes stürmt heraus um uns zu begrüßen. Wir bekommen unsere Zimmer zugeteilt und werden darauf hingewiesen das bald die allgemeine Kennenlern-Party stattfindet. Die Zimmer waren die erste Überraschung – jeweils zwei Zimmer mit Bad, alles groß, sauber und im modernem Design. Ich persönlich hab mich besonders über den Balkon und die Regenwalddusche gefreut.

Die zweite Überraschung folgt am Abend: Die Kennenlern-Party ist mit einem unheimlich opulenten Buffet garniert, dass keine Wünsche offen lässt. Wir lernen nun auch die Gastgeber kennen. Man merkt schnell wie groß die Passion fürs Biken hier ist. Jeder hat seine eigene kleine Geschichte auf Lager, dabei fällt immer wieder der Name “Pantani” und der berühmte Satz “Monte Carpegna mi basta”. Der Abend wird somit lang und endet mit dem Besuch der lokalen Mountainbike Clique Top Bikers, die auf Ihrer Nachtfahrt einen kleinen Abstecher zu uns gemacht hat.

In den kommenden drei Tagen stehen zwei Rennradtouren und eine Mountainbike-Tour auf dem Programm. Wir fahren mit dem Rennrad nach Sogliano al Rubicone, wo wir den traditionellen Grubenkäse probieren können. Am nächsten Tag machen wir eine Mountainbike-Tour nach San Marino auf den Monte Titano. Als Abschluss ist eine Rennradtour nach Monteleone geplant, so dass wir am Nachmittag unseren Flieger noch erwischen.

Tag 2. Rennrad Tour Sogliano al Rubicone (ca. 77 km, 690 Hm)

Nach dem guten Frühstück geht es um 9:00 Uhr los! Es ist erst die zweite Rennradtour in meinem Leben – die Aufregung ist entsprechend groß. Die geliehene Ausrüstung ist in einem top Zustand, so dass wir kurz darauf starten. Zu unserer Rennrad-Gruppe gehören 15 geladene Blogger und  Journalisten aus Deutschland, Slowenien, Belgien, Holland und der Schweiz sowie unsere vier Guides (Ole, Andrea, Marco und Daniele). An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass uns ein ehemaliger Giro d’Italia Fahrer, Primoz Cerin, begleitet. Das ist natürlich ein sehr cooles Gefühl mit so jemanden mitzufahren – zumindest die flachen Passagen ;-).

Das Biker Peloton beim Einrollen an der Strandpromenade

Das Biker Peloton beim Einrollen an der Strandpromenade

Selten ist das Einrollen so schön wie in Rimini. Die ersten Kilometer legen wir entlang der Küste hinter uns. Die Sonnenstrahlen wärmen das Gesicht und die Meeresbrise umschmeichelt unsere Haut. Wir fahren Richtung Valmarecchia-Tal etwa 20 Kilometer auf schönen, kleinen italienischen Straßen, vorbei an idyllischen Anwesen. Unsere Guides sind bemüht uns über verkehrsarme Wege zu führen. Ich merke von Anfang an wie viel Mühe sich hier alle geben, damit es uns gut geht. Die Tour ist ein Genuss! Wir fahren oft nebeneinander, unterhalten uns und tauschen Erlebnisse und Geschichten aus. Die Guides checken regelmäßig, wie es uns geht und dokumentieren die ganze Tour akribisch mit Fotos.

Im Laufe der Tour stehen zwei Anstiege auf dem Programm. Der erste wird für Filmaufnahmen von Bike TV genutzt, der zweite stellt die Kondition aller Teilnehmer auf den Prüfstand. Es wird schnell klar wer hier Pfeffer in den Beinen hat, als wir in Sogliano al Rubicone ankommen.

Hier wartet nun ein kulinarisches Highlight auf uns. Wir besuchen das Fosse Brandinelli – hier reift der bekannte Grubenkäse. Der Käse wird in speziellen Vorratsgruben gelagert, die mit Stroh bedeckt vor Plünderern geschützt sind. Schon vor ca. 800 Jahren haben die Bewohner bemerkt, das in den Gruben der Käse unheimlich gut reifen kann. Die Methode wurde zur Tradition und Besonderheit. In der Tat schmeckt der Käse außerordentlich lecker! Wir dürfen verschiedene Sorten probieren, dazu gibt es Piadina Romagnola (Fladenbrot), Wein und Wasser. Frisch gestärkt geht es wieder zurück nach Rimini. Die Tour endet wie sie angefangen hat: entlang der Küstenpromenade.

Tag 3. Mountainbike Tour San Marino (ca. 55 km, 990 Hm)

Heute hat uns unser Guide Marco am frühen Morgen abgeholt. Es wird Zeit ein wenig die Gegend auf dem Mountainbike zu erkunden. Schnell werden uns die passenden Bikes zugeteilt. Bevor ich richtig aufgewacht bin, sitze ich schon im Sattel und radl hinter Marco her. Wir treffen auf einem Parkplatz auf die Top Bikers (Torre Pedrera) und merken schnell: Hier sitzt pure Energie auf den Bikes! Also gibt’s einen kurzen Handschlag und die Gruppe nimmt Fahrt auf.

Es geht über schöne Schotterwege mitten hinein in die Natur von Emilia Romagna. Die Jungs sind wirklich ein tolles Team – es wird viel gelacht, italienisch ausgelassen gestikuliert und fotografiert. Auf dem Weg nach San Marino legen wir die ersten Höhenmeter auf einem kurzen Steilstück zurück. Nun wird es schmaler und steiler, irgendwann muss ich auch schieben. Doch dann öffnet sich ein flowiger Trail direkt unterhalb der Festung “La Guaita”.

Die letzten Höhenmeter zur Festung legten wir gemütlich auf Asphalt zurück. Unglaublich wie sich San Marino auf dem Monte Titano über die Landschaft erhebt. Der Ausblick ist dementsprechend phänomenal! Wir gönnen uns einen Kaffee, schauen beim dortigen Downhill-Event zu und genießen die Sonne.

Durchstieg des Monte Titano in San Marino - die Bikes mussten geschoben werden

Durchstieg des Monte Titano in San Marino – die Bikes mussten geschoben werden

Luca von den Top Bikers und Marco führen uns auf den Rückweg über weitere schöne Trails. Die letzte Station ist die kleine Ortschaft Verucchio, wo wir auf unsere Rennradkollegen treffen. Diese kommen mit einem Lächeln im Gesicht gerade vom San Leo zurück – zuerst Primoz dann lange lange niemand ;-). Es warten noch ein paar Kilometer über Schotterwege auf uns, bis wir am Bikeshop (Cicli Matteoni) von Ole’s Frau ankommen. Hier gibt es wieder eine Verpflegungsstation, jede Menge Erlebnisaustausch und diverse Fotoshootings. Gekrönt von einer Beinmassage und einem fantastischen Abendessen geht auch dieser Tag zu Ende.

Tag 4. Rennrad Tour Monteleone (ca. 85 km, 850 Hm)

Letzter Tag, letzte Tour, viel Motivation und viel Energie! Heute sollten wir eine große Gruppe werden, da sich einige Top Biker unserer Rennradtour angeschlossen haben. Ich habe für die heutige Tour Andreas persönliches Rennrad bekommen – ein Scott Carbonbike.

Wie kann man solche fantastischen Tage am besten abschließen? Genau – mit einem internen Rennen der Nationen! Der Anstieg zum Castello di Monteleone soll die Entscheidung bringen. Schon die Anfahrt ist angespannt: Diverse kleine Ausreißergruppen bilden sich, das Tempo auf meinem Tacho ist höher als am ersten Tag und die Gruppe nervöser. Im Anstieg nach Pietracuta rufen schon erste Akteure ihre Leistung ab – darunter auch ich. Blöderweise kennen wir den Weiterweg nicht und müssen knapp fünf Minuten auf das Peloton warten.

Ausgelassene Stimmung unter den Bikern am Castello di Monteleone

Ausgelassene Stimmung unter den Bikern am Castello di Monteleone

Wäre ich klug gewesen, hätte ich mir meine Kräfte für den Hauptanstieg nach Monteleone aufgespart. Es warten nun harte Kilometer auf uns. Schnell kristallisieren sich die Favoriten heraus. In einem knappen Finale konnte Andrea (unser Guide) das Rennen für Italien entscheiden. Ich komme im vorderen Mittelfeld an und bin extrem guter Laune. Fast übersehe ich dabei das malerische Monteleone. Das wunderschöne Bergdorf lädt auf einen Kaffee, auf grüner Wiese am Fuße des Castellos, ein. Was für ein Abschluss! Die Freude ist allen anzusehen, sogar unserem Nicolas vom Rimini Tourismus!

Die Fahrt zurück nach Rimini ist ein echter Genuss. Wir geben alle nochmal Gas, da machen sogar die flachen Kilometer richtig Spaß! Wie gewohnt wird auch diese Biketour über die Strandpromenade ausgerollt. Im Hotel warten schon die letzten Snacks auf uns, die wir dankend annehmen. Am Ende folgt der große Abschied von allen und ehe man sich versieht, sitzt man schon im Flugzeug zurück in den Alltag.

Rimini und Emilia Romagna

Rimini ist bekannt für seinen Badetourismus, schon 1843 wurde die erste Badeanstalt eröffnet. 1200 Hotels, 230 Strandbäder, 40.000 Sonnenschirme, 370 Restaurants und Pizzerias laden ein – auf 15 Kilometer Küste verteilt.

Schöner Ausblick in die Apenninen, ins Hinterland von Rimini

Schöner Ausblick in die Apenninen, ins Hinterland von Rimini

Man sollte aber auch das geschichtliche Erbe dieser Region nicht außer Acht lassen: Römische Ruinen, wie die Brücke Ponte di Tiberio, der Triumphbogen Arco d’Augusto, das Amphitheater, der Dom Tempio Malatestiano mit Fresken und Gemälden von Giotto und nicht zuletzt die Burg Castello Sigismondo, laden zur spannenden kulturellen Reise ein. Rimini ist eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, die zu einer Seite durch das Meer begrenzt wird und sich zur anderen Seite ins Hinterland öffnet. Gerade im Frühjahr erlebt man eine besonders schöne Blütenpracht (Aprikosen- Pfirsichbäume) in der mediterranen Landschaft. Kleine Castellos und Dörfer sind malerisch in diese Szenerie eingebettet und laden zum Anhalten und näheren Kennenlernen der Kultur ein. Das alles macht man am besten mit dem Bike!

Fazit

Ich habe in den vier Tagen extrem viele Eindrücke sammeln können. Die Gastfreundschaft, das italienische Temperament, die Begeisterung fürs Biken und auch die perfekte Organisation sind nur einige davon. Rimini und die Region Emilia Romagna bieten jede Menge Möglichkeiten. Das Hinterland ist schnell erreicht und es gibt spannende Touren für jedes Niveau: die mediterrane Landschaft, das warme Klima (Biken ab März ist kein Problem!) und die kulinarischen Gaumenfreuden machen diese Gegend noch einmal interessanter! Gekrönt wird das Ganze durch das Engagement der Betreiber der Rimini Bike Hotels, die auf die Bedürfnisse der Biker eingehen. Mille Grazie an alle, insbesondere an unsere Gastgeber “Rimini Bike Hotels”, unsere Guides, an Nicholas Montemaggi von Rimini Tourismus und unsere nette Stadtführerin! Es war eine schöne Zeit und ich werde sicherlich wiederkommen!

Ein Kommentar

  1. Hi martin,

    ich war letzten Sommer mit ein paar Freunden in Rimini und wir haben etliche Touren zwei Wochen lang durchgezigen, eine wirklich tolle Landschaft und die Gastfreundlichkeit der italiener ist nicht mit unserer vergleichbar! Schönen Dank für deinen Beitrag!

    und viele Grüße aus Südtirol!

    Horst!

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