Reise

Trekking in Bolivien: El Choro Trek

12.02.2014

Trekking in Bolivien: El Choro Trek

Rund um La Paz in Bolivien finden sich viele Möglichkeiten für Trekking und Wandern. Eine gut allein zu bewältigende Mehrtageswanderung ist der El Choro Trek. Dieser alte Transportpfad der Inkas ist rund 45 Kilometer lang und startet bei frischen 4.870 Höhenmetern. Er endet auf 1.430 Metern in den Yungas, der Transitzone zwischen dem bolivianischen Hochland und dem tropischen Tiefland. Interessant bei dieser Drei- bzw. Viertagestour ist vor allem der starke Vegetationswechsel und die Berührung mit einer Bevölkerung, die für unsere Maßstäbe ziemlich abgeschnitten und einfach lebt. Wer nicht alleine gehen möchte: Der El Choro Trek wird auch von vielen Touragenturen in La Paz angeboten.

1. Tag: Von La Cumbre bis Cha’llapampa (rund 8 Stunden)

Startpunkt der Wanderung auf dem El Choro Trek in Bolivien ist “La Cumbre”, circa 30 Minuten außerhalb von La Paz gelegen. La Cumbre, das ist ein Jesusdenkmal und ein Nationalpark-Office, in welchem man sich bei Wanderbeginn registrieren soll. Von hier aus geht es 200 Höhenmeter nach oben bis zu einem Pass, der auf 4.870 Höhenmetern liegt. Obwohl ich schon einigermaßen akklimatisiert bin, macht sich die Anstrengung in der Höhe mit schwerem Rucksack bemerkbar. Ich stopfe mir Cocablätter in die Backentaschen und schleppe mich weiter vorwärts. Der Weg zum Pass folgt einem recht gut sichtbaren Fahrweg. Entlang von kargem Terrain, das sich wunderschön ringsum erhebt, durchquere ich kleine Schneefelder, die sich trotz der starken Sonne beharrlich auf der Höhe halten. Zu meiner Rechten und ein gutes Stück tiefer sehe ich eine Frau in traditioneller bolivianischer Kleidung pfadlos durch das Geröll laufen. Woher sie kommt und wohin sie geht, ist mir völlig unerklärlich. Die kleinen Schneewehen verschwinden dann kurz vor dem Pass Abra la Chucura. Ein letzter Blick zurück liefert wunderschöne Aussichten auf das beeindruckende Panorama des bolivianischen Altiplano.

Ausblicke auf dem Weg zum Pass.

Ausblicke auf dem Weg zum Pass.

Nun geht es abwärts. Nebelschwaden ziehen um mich herum und verweigern mir die Aussicht auf das weite, tief unter mir liegende Tal. Sie kommen aus den Yungas, der fruchtbaren Transitzone zwischen kargem Hochland und tiefstem Regenwald. Heute wird es bis auf 2.915 Meter herunter gehen. Also knapp 2.000 Meter nur bergab gehen. Ich laufe auf den Überresten einer von den Inkas angelegten Steinstraße und passiere eine Ruine längst vergangener Tage, die einmal eine Kneipe war. Nach gut drei Stunden Wandern beginnt es nun zu regnen und hört an diesem Tage auch nicht mehr auf. Es ist März, also immer noch Regenzeit.

Nach den Ruinen passiere ich einige Lama-Herden und erreiche einen Ort. Genauer: ein Haus und einen Kiosk, an dem eine erneute Registrierung fällig ist. Als wäre der Regen nicht genug, höre ich es nun entfernt aus scheinbar allen Richtungen donnern. Weiter geht es durch bergiges, aber saftig grün bewachsenes Terrain. Nach insgesamt viereinhalb Stunden erreiche ich ein richtiges Dorf: Chucura. Die Ortschaft ist mit hüfthohen Steinmauern eingegrenzt, die sich entlang des Weges ziehen und somit dieser Häuseransammlung einen typischen Dorflook bescheren. Oft sind auch diese aus Steinmauern und Strohdächern gebaut. Alles an Baumaterial, alltägliche Dinge und Notwendigkeiten wird und wurde hierhin per Lasttier und Mensch getragen. Lebensmittel müssen vor Ort produziert oder irgendwie haltbar gemacht werden. Wollen oder müssen die Anwohner in eine Stadt, so müssen sie erst einmal mindestens einen Tag laufen, meistens bergauf.
Ich pausiere an einem größeren Gebäudekomplex, der eine Touristeninfo, ein Restaurant und eine Unterkunft beherbergt, was nicht viel nutzt, da niemand vor Ort ist. Ein Kind kommt auf mich zu und fragt mich nach Brot. Ich bin mir nicht sicher, was wirklich mehr hilft. Ob ich der Forderung des Jungen nachgebe oder sie ihm verweigere. Die Idee ist, dass er keine Erwartungshaltung und Abhängigkeit entwickelt, dass Touristen die Erfüllung materieller Bedürfnisse bedeuten. Ich gehe, mit dem Gefühl, letztlich eine falsche, rücksichtslose Entscheidung getroffen zu haben, weiter. Kurz bevor ich jedoch das Dorf verlasse, schiebt sich aus der Dorfkirche ein vermutlich gelähmter Mann über den Boden zur Tür und fordert mich freundlich auf, den Wegzoll zu entrichten. Er stellt mir eine akribisch ausgefüllte Quittung aus und es geht weiter.

1. Campingplatz - Cha'llapampa

1. Campingplatz – Cha’llapampa

Nach insgesamt acht Stunden Laufen im Regen erblicke ich endlich ein kleines Dorf, Cha’llapampa, das aus sechs Häusern besteht. Mittlerweile bin ich vom kargen Hochland in den viel wärmeren, schwülen und dicht bewachsenen Yungas gelandet. Der Zeltplatz hier hat einen überdachten Stellplatz, ein ziemlich notwendiger Luxus: Der Regenschutz des Rucksacks hat versagt, so dass ich meinen klammen Schlafsack und die noch klammere Wechselwäsche zum Trocken aufhängen kann. Eine Wandergruppe mit Guide hält sich hier schon seit Längerem auf und ist ähnlich vom Regen durchnässt worden. Müde klettere ich kurz nach Sonnenuntergang in den feuchten Schlafsack.

2. Tag: Von Cha’llapampa nach Buena Vista (rund 4 Stunden)

Der Morgen begrüßt mich mit munter rieselndem Regen und ich frage mich, ob Wandern in der Regenzeit wirklich eine gute Idee war. Doch der Regen verebbt bald nach dem Frühstück und ich starte eine halbe Stunde nach der Gruppe. Bei leichtem Nebel und strahlendem Sonnenschein geht es nun weiter auf dem El Choro Trek durch richtig dicht bewachsenen Bergregenwald. Die Steine sind spiegelglatt und so starte ich auch heute mal wieder einige Abflüge und lande auf dem Hintern. Die Aussicht ist einerseits phänomenal, andererseits auf Dauer auch eintönig. Wo es gestern noch vor dem Pass kilometerweite Ausblicke auf das karge, beeindruckende Altiplano gab, schaue ich nun auf und in jede Menge Wald. Bei Aussichtspunkten sieht man dann kilometerweit… Wald. Abwechslung bringen schöne Wasserfälle, Brücken über Flüsse oder der interessante, dichte Bewuchs des Waldes.

Waldflora im bolivianischen Regenwald.

Waldflora im bolivianischen Regenwald.

Nach drei Stunden treffe ich am Örtchen Choro wieder auf die Wandergruppe und geselle mich zur Pause dazu. Die Sonne strahlt weiterhin, als ob sie den unfreulichen Start von gestern vergessen machen möchte. Ich lege Zelt und Schlafsack zum Trocknen aus. Es scheint, dass alle dem Zeitplan etwas hinterherhängen und es laut Guide bis zum nächsten Zeltplatz noch zwei bis drei Stunden dauert. Nach der Rast kommt ein unerwarteter Anstieg, der sich eine gute Stunde hinzieht. Hier wandelt man wieder merklich auf des Inkas Pfaden, steinerne Treppenstufen ziehen sich die gesamte Anhöhe entlang. Nach insgesamt einer Stunde ist der Zeltplatz Buena Vista erreicht. Der nächste Campingplatz ist nun noch zwei Stunden entfernt; “Casa Sandillani”, das eigentliche Etappenziel noch weiter. Kurz vor dem Eingang höre ich leise das Radio des Campingplatzwächters, der einzige Kontakt nach “draußen”. Friedlich laufen Schafe und Hühner herum und es gibt überwältigend schöne Ausblicke auf das Tal. Kurzum, der Ort mit nur einer Hütte wird seinem Namen gerecht und ich entscheide mich, wie die Gruppe hier zu bleiben.

Ausblicke vom Camp Buena Vista auf dem El Choro Trek in Bolivien.

Ausblicke vom Camp Buena Vista auf dem El Choro Trek in Bolivien.

Zum Abendessen streikt dann zum ersten Mal, nach nur drei Monaten Gebrauch, der Benzinkocher. Die Pumpe baut keinen Druck mehr auf und ich übe mich im slow cooking. Der Druck der Flasche reicht gerade so aus, um die Nudeln fertig zu kochen und dann erlischt er. In der Nacht bricht ein unglaublich starkes Gewitter herein. Das Zelt steht glücklicherweise wieder überdacht und so höre ich nur das donnernde Prasseln auf dem Wellblechdach und das von den Berghängen widerhallende Gewittergrollen. Dem geht stets ein höchst eindrucksvolles Blitzen voraus.

3. Tag: Von Buena Vista nach Chairo (rund 8 Stunden)

Am Morgen regnet es immer noch, doch wie gewohnt hört es pünktlich um acht Uhr auf. Immer wieder wechselt es an kurzen Stellen von einem schwül-warmen zu angenehm-frischen Klima. Nun ist es ziemlich dicht bewachsen und der Weg führt mich entweder durch dichten Wald oder über aussichtsreiche, freie Flächen, auf denen man etwas von der langen noch zu gehenden Strecke erahnen kann. Am Camping San Francisco, nach etwas mehr als einer Stunde, ist wieder Zeit für eine Pause. Eine Frau mit zwei Kindern sitzt vor ihrer Hütte und arbeitet an einem Handwerksgerät. Das ältere Kind, etwa vier Jahre alt, schaut neugierig auf meinen Trekkingrucksack und mir drängt sich der Eindruck auf, dass es etwas zu Essen erwartet. Wie schon am ersten Tag bin ich mir unsicher, ob ich diese Erwartung nun erfüllen soll oder eben nicht. Kurze Zeit später folgt die Gruppe und ein Wanderer gibt dem Kind etwas von seinen Keksen ab. Somit ist die Situation gelöst, für mich ist jedoch immer noch unklar, was das richtige Verhalten ist. Wie beim ersten Mal denke ich, dass für das Überleben des Kindes gesorgt ist. Es lebt zwar sehr einfach, doch haben die Eltern den Campingplatz und betreiben Subsistenzwirtschaft. Es fühlt  sich in der Begegnung mit den Menschen unangenehm an, dass ich Ausrüstung herumtrage, die im Wert sicherlich das Jahresgehalt dieser Familie deutlich übersteigt.

Flussquerung auf dem El Choro Trek.

Flussquerung auf dem El Choro Trek.

Nach einem weiteren steilen Aufstieg bei praller Sonne ist beim nächsten Campingplatz, Bella Vista, eine Rast bitter nötig. Der Aufstieg tut zwar Knien und Füßen gut, doch eigentlich hatte ich mich ja auf bequemes Bergabwandern gefreut. Ein Wanderer flucht, warum die Inkas ihren Pfad nicht einfach entlang der Flüsse gebaut hätten. Grosse, fette Hühner laufen herum und bevölkern diesen ansonsten recht leblosen Ort. Ein geschlossener Kiosk, eine Sitzbank und dahinter ein Verschlag für die Hühner, das war’s. Nach gut vier Stunden erreiche ich Casa Sandillani – eigentliches Endziel des zweiten Tages. Von hier an geht es dann wirklich nur noch bergab, doch mittlerweile schmerzen die Füße, und die Freude an der Wanderung geht so langsam verlustig. Ich schließe mich für den letzten Teil der Wandergruppe an und Serpentine für Serpentine schrauben wir uns herunter. Die Erschöpfung setzt ein und wir beginnen, von Eis, Cola und Pizza zu träumen. In der Ferne ist schon Coroico auszumachen. Schlußendlich, nach guten acht Stunden, kommen wir in Chairo an, von wo ich mich dem Rücktransport der Gruppe nach Coroico anschließen kann. Dort werden die Strapazen der Wanderung dann mit Bier und Pizza belohnt…

Fazit & praktische Tipps zum El Choro Trek

Der El Choro Trek in Bolivien bietet eine sehr schöne, relativ einfache und eindrückliche Wanderung. Wer Zeit hat, sollte sie in vier Tagen machen und sich so mehr Zeit für die spannende Umgebung lassen.

Vorbereitung und Ankunft:

  • Wer den Trek mit einer Agentur macht, zahlt um die 750 boliviano’s (b’s) – circa 80 Euro -, muss sich dafür natürlich um nichts kümmern und nur einen Tagesrucksacktragen. Möglicherweise sind im Paket die Kosten für Zeltplätze und Wegezoll nicht inbegriffen. Die Agenturen bieten den Trek generell in drei Tagen an – wer ihn in vier machen möchte, muss vermutlich draufzahlen und gegebenenfalls andere Mitwanderer suchen.
  • In der Calle Illampu in La Paz gibt es viele Outdoorläden. Viele haben (Billig-)Kopien bekannter Marken, es gibt jedoch auch Läden mit Originalware wie zum Beispiel den Tatoo Store. Auf der Straße finden sich auch Läden, die Equipment vermieten. Bei Problemen mit der eigenen Ausrüstung ist man aber zum Teil aufgeschmissen. So konnte ich kein Ersatzteil für meinen Benzinbrenner finden.
  • Micro’s nach Coroico halten an La Cumbre und verlassen La Paz vom Bus-Terminal des Stadtteils Villa Fatima. Kostenpunkt circa 30b’s (3,2o Euro), man zahlt gegebenenfalls den Sitz für die gesamte Strecke nach Coroico.
  • Für die anfängliche Wanderung in der Höhe oder auch für die Anstrengung empfiehlt es sich Cocablätter auszuprobieren – einfach in die Backentaschen stecken und den Speichel den Rest machen lassen. Wer chemische Produkte bevorzugt, findet für die Höhenanpassung in den Apotheken auch Hilfsmittel.

Tipps zum El Choro Trek:

  • Der Wegezoll in Chucura beträgt 20b’s (2,20 Euro).
  • Der Zeltplatz in Cha’llapampa kostet 20b’s, in Buena Vista 10b’s (1,10 Euro). Für weitere Zeltplätze kann ebenfalls von 10 bis 20b’s ausgegangen werden.
  • Der Transport von Chairo nach Coroico kostet ungefähr 200b’s (21 Euro) pro Wagen (etwa 7 Sitze).
  • Die Wasserversorgung entlang des Trails ist sehr gut. Man kreuzt immer wieder Flüsse oder kommt an kleinen Bächen vorbei – von daher muss man nicht mehr als einen Liter tragen und kann immer wieder nachfüllen. Ich habe nie gefiltert und hatte keine Probleme.
  • Es gibt Kioske, die jedoch teilweise in der Nebensaison noch geschlossen waren.
  • Die Angaben aus den einschlägigen Reiseführern reichen, um den Trek zu bewältigen. Karten sind nicht nötig.

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