Testberichte

Der Hanwag Alaska Lady GTX im Praxistest

14.05.2013

Der Hanwag Alaska Lady GTX im Praxistest

Viele Leute tragen ihn, viele mögen ihn. Ist es falsch der Masse zu folgen, weil dort ein entsprechender Hype dahintersteckt oder ist das einfach ein verdammt guter Schuh? Für unsere Neuseeland-Wanderreise habe ich den Hanwag Alaska Lady GTX gekauft und ausgiebig getestet.

Erste(r) Eindruck & Gehversuche

Gesamtansicht

Gesamtansicht

Als ich den Alaska Lady GTX von Hanwag ausgepackt habe, ist mir gleich die gebogene Form der Sohle aufgefallen. Daran erkennt man die Eigenschaft eines Trekkingstiefels. Der Schuh ist durch die gebogene Sohle der Laufbewegung seines Trägers angepasst. Der umlaufende, von Hand aufgezogene Geröllschutzrand sieht sehr robust und langlebig aus. Der Schuh ist sauber verarbeitet, keine offenen Nähte oder unschöne Verklebungen sind zu erkennen. Der Schuh ist schmal geschnitten und dadurch sehr gut an die Füße einer Frau angepasst. Für meine Trekkingtour in Neuseeland (meist Größe 38) habe ich die Größe 6/39,5 gewählt, da eine dicke Wandersocke auch noch genügend Platz haben soll. Die ersten Meter im Schuh sahen etwas unbeholfen aus, da er zuerst sehr hart wirkte.

Material Alaska Lady GTX

Schnürung mit Kugelschlaufen

Schnürung mit Kugelschlaufen

Kräftiges gewachstes Nubukleder als Außenstoff und feuchtigkeitsleitendes Innenfutter von Gore Tex: Hanwag hat beim Alaska Lady GTX auf eine geringe Anzahl an Nähten gesetzt. Das verringert das Risiko von Druckstellen und Nahtverschleiß. In der Herstellung ist das kostenintensiver, da nur größere Lederstücke verwendet werden können. Vibram, eine Firma, die seit Jahren an der Spitze der Sohlenhersteller steht, hat beim Alaska Lady GTX ihre Fuora Laufsohle aus Kautschuk einfließen lassen. Eine Zwischensohle sorgt für gedämpftes und angenehmes Laufen. Der Schuh ist verwindungssteif genug, um den Fuß auch bei schlechtem Gelände zu schützen. Wenn nach vielen Kilometern die Sohle doch ihren Geist aufgeben sollte, muss man die Schuhe nicht wegschmeißen, sondern kann sie sich neu besohlen lassen. Auffällig ist, dass die Schnürung über Kugelschlaufen funktioniert, das verringert nicht nur den Verschleiß der Schnürsenkel, sondern man kann mit einem Zug die gesamte Schnürung straffen. Das Zusammenspiel von Zunge, Schaft und Sohle führt zu einem Pumpen, welches den Fuß optimal belüften soll. Hanwag selbst zählt den Schuh zur Kategorie BC (Trek: Bequemes Schuhwerk, das einen festen und soliden Halt für mehrtägige Wanderungen mit viel Gepäck bietet, teilweise sogar bedingt steigeisenfest).

Meine Erfahrungen mit dem Alaska Lady GTX

wenige Nähte, oben Belüftungslöcher

Wenige Nähte, oben Belüftungslöcher

Der Schuh war den verschiedensten Bedingungen ausgesetzt: etliche “Rivercrossings”, mehrere Bergbesteigungen und stures Den-ganzen-Tag-geradeaus-Wandern. Der Alaska Lady GTX hat alles überstanden. Der hohe stabile Schaft bewirkt, dass die Knöchel immer sicher im Schuh liegen. Auch nach 35 Kilometern am Tag und mit 20 Kilogramm auf dem Rücken tut der Schuh, was er soll: Er rollt perfekt ab und dämpft das Gewicht des Rucksacks. Seine ganze Stärke zeigt er aber im groben Gelände. Der Geröllschutz ist fest, stabil und löst sich auch nach vielen schroffen Felskontakten nicht vom Schuh.

Geröllschutz

Geröllschutz

Das Pieksen, welches ich am Anfang zwischen Schaft und Schienbein spürte, war schnell verschwunden. Die Wasserdichtigkeit ist auch nach einer Strecke von 500 Kilometern durch verschiedenstes Terrain gegeben. Ein angenehmes Fußklima kann ich ebenfalls bestätigen, wobei ein Gore-Tex-Schuh natürlich nur bei einem Temperaturgefälle richtig funktionieren kann. Durch die Kugelschlaufen musste man nicht lange am Schuh zerren und ziehen, um ihn fest am Fuß sitzen zu haben, sondern man kann sofort starten.

Vibram Figuora Multigrip

Vibram Figuora Multigrip

Beim Start unserer Tour  hatte ich zunächst mit Blasen zu kämpfen. Das lag aber daran, dass ich den Schuh so gut wie gar nicht eingelaufen habe. Jetzt, nach mehreren Wochen auf Tour, läuft er sich wunderbar ohne Druckstellen oder ähnliches. Die Sohle sieht aus wie neu, keine Stellen wurden durch die scharfkantigen Steine herausgeschnitten, im Gegensatz zu den Schuhen (Meindl Kansas GTX) meines Freundes. Der Gummirand (nicht der Geröllschutz) an der Fußspitze löst sich jedoch schon leicht. Das kann an den extremen Bedingungen liegen, jedoch hätte ich mir auch hier die gleiche robuste Verarbeitung gewünscht wie beim Rest des Schuhs. Durch die Multigrip-Form der Sohle hatte ich stets festen Halt. Klettern ist zum großen Teil auch möglich, jedoch sollte beim Schuhkauf das Einsatzgebiet an erster Stelle stehen und gegebenenfalls ein Alpinstiefel gekauft werden. Alle Abnutzungserscheinungen, die an den Schuhen meines Freundes zu sehen sind, lassen bei meinem Alaska Lady GTX auf sich warten. Bei guter Pflege (hin und wieder wachsen) wird man mit den Hanwag Alaska Lady GTX über Jahre einen guten Begleiter haben.

Zurück zu meiner anfänglichen Frage: Nein, es ist kein Hype, hier hat man für 250 Euro ein sehr gutes Paar Trekkingstiefel, welches nicht ohne Grund von so vielen Outdoorfreunden empfohlen wird. Ich würde mir die Schuhe jederzeit wieder kaufen und mein Freund meinte, dass die Entscheidung für sein nächstes Paar Trekkingstiefel auch schon gefallen ist.

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