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Rund um das Hirschbachtal - Höhenmeter-sammeln in den Voralpen

08.05.2013

Rund um das Hirschbachtal – Höhenmeter-sammeln in den Voralpen

Sie meinen, im Alpenvorland könnte man keine Höhenmeter sammeln? Man könnte nicht auf einer Tour mehrere respektable Gipfel mitnehmen? Weit gefehlt. Von Lenggries aus lassen sich bequem fünf oder sogar sechs Wander-Gipfel aneinanderreihen. Ambitionierte können eine hübsche Summe an Trainingsmetern sammeln, ohne allzu weit zu fahren.

Fährt man von Bad Tölz nach Lenggries, fällt linker Hand ein Berg ins Auge, der einem Hahnenkamm ähnelt: der Geierstein. Der knapp 1.500 Meter hohe Voralpengipfel markiert den Anfang (oder das Ende) einer wunderschönen Wanderrunde, die auch ehrgeizigen Höhenmetersammlern einige Stunden bester Unterhaltung bietet. Ausgangspunkt der Tour ist der Lenggrieser Bahnhof (677 Meter), der von der BOB mindestens im Stundentakt bedient wird. Oder auch der Wanderparkplatz hinter dem Schloss Hohenburg, über den wir den Schlossweiher, den eigentlichen Startpunkt hinter dem Burgberg, erreichen.

Schöne Aussicht: Zwischen Halserspitze und Leonhardstein schauen die Zentralalpen durch.

Schöne Aussicht: Zwischen Halserspitze und Leonhardstein schauen die Zentralalpen durch.

Nachdem wir den künstlich aufgestauten Weiher hinter-, oder besser unter uns gelassen haben, schlängelt sich der Pfad Richtung Geierstein durch wunderschönen Laubwald – bald links, bald rechts des Westrückens. Es ist etwas Aufmerksamkeit von Nöten, das Laub verdeckt mitunter Wegspur und Markierung. Schließlich betreten wir ein kleines Tälchen, steilere Passagen und Querungen durch den Wald folgen.

Der zum Schluß recht steile Anstieg auf den Geierstein bietet nach etwa ¾ der Strecke die Möglichkeit, mit einem kleinen Abstecher nach links (die Stelle ist kaum zu verfehlen) zu einer großartigen Aussichtsskanzel abzuzweigen.  Das sogenannte Markeck bietet einen 180-Grad-Blick über Lenggries und die angrenzenden Berge. Ein eindrucksvoller Vorgeschmack auf die noch folgenden Gipfel! Nach einer kürzeren felsigen Passage ist der erste Höhepunkt des Tages, der Geierstein (1491 Meter, ca. zwei Stunden Gehzeit ab Hohenburg), erreicht. Zeit für eine kleine Pause!

Das Seekarkreuz ist der Endpunkt der Runde.

Das Seekarkreuz ist der Endpunkt der Runde.

Unser nächstes Etappenziel ist der Fockenstein, ein beliebter Bad Wiesseer Wandergipfel. Um ihn zu erreichen, verlassen wir den Geierstein nach Osten. Nachdem der Weg kurz den Kamm entlang geführt hat, geht es einen steilen Wiesenhang hinab und eine Flanke querend in den Bergwald. Vorbei an einer Hütte erreicht der Wanderer eine Einsattelung (ca. 1260 Meter), auf der sich mehrere Ziehwege kreuzen – wir folgen dem Hinweisschild “Fockenstein”. Bald geht es wieder hinauf durch Nadelwald und auf ein Almgelände, wo der Weg abflacht. Will man nun den Fockenstein “mitnehmen”, muss man am Ende des Almgeländes halb links auf einen Vorgipfel steigen (oder knapp links daran vorbei) und dem klassischen Aufstiegsweg von Westen auf den meist gut besuchten Gipfel (1564 Meter, eine Stunde ab Geierstein) folgen. Ein wunderschöner Blick auf den Tegernsee, Hirschberg und das Mangfallgebirge öffnet sich!

Schönster Gipfel: Spitzkamp

Nun folgt der Höhepunkt der Tour – zumindest für Liebhaber einsamer Gipfel. Wir verlassen den Fockenstein wie wir ihn betreten haben – wenden uns aber nicht zurück Richtung Westen, sondern steuern den südwestlich gelegenen Hirschbachsattel (1230 Meter) an, den wir über einen gut ausgebauten Wanderweg in einer halben Stunde ab dem Gipfel erreichen. Wer den Schwung gleich mitnehmen will, startet am besten zum nächsten Gipfel durch, alle anderen finden am Sattel eine gemütliche Bank zum Pausieren.

Ein Blick zurück auf die Kampen.

Ein Blick zurück auf die Kampen.

Unsere Route wendet sich nun vom Sattel direkt nach Süden und windet sich steil durch die Latschen auf einem ausgewaschenen Steig nach oben. Nur wer gute Kondition hat und unbedingt Gipfel sammeln will, sollte den 10-minütigen Abstecher nach links zum höchsten Punkt des Ochsenkamp (1594 Meter) wagen. Alle anderen zweigen am Kamm gleich nach rechts ab und folgen dem dicht mit Latschen bewachsenen Gratrücken der drei “Kampen” in mäßigem Auf- und Ab nach Westen. Der schmale Steig führt zum Teil durch dichtes Latschendickicht, immer wieder öffnen sich großartige Blicke nach Süden auf Blauberge, Guffert, das Karwendel und bei gutem Wetter weit hinein in die Zillertaler Alpen und Hohen Tauern. Der höchste Punkt der Tour, der nur wenig ausgeprägte Auerkamp (1607 Meter), wird einfach überschritten. Schließlich erreichen wir den Gipfel des markanteren Spitzkamp (1604 Meter, zwei Stunden ab Fockenstein), der steil nach Westen abfällt. Er ist der wohl schönste und auch einsamste Gipfel der Tour, eine ausgedehnte Gipfelrast lohnt sich. Allein schon der Blick in den Kessel der Mühltalalm ist wildromantisch und die Karwendel-Schau überwältigend. Erst recht, wenn der Abend langsam hereinbricht.

Die Tour ist fast geschafft

Der nun folgende Abstieg über steile, seilversicherte Felspassagen ist der schwierigste Wegabschnitt. Nach zehn Minuten Kraxelei hat man ihn jedoch hinter sich gelassen – für trittsichere Bergsteiger kein Problem. Wir steigen bis auf ungefähr 1480 Meter ab, der weitere Weg auf das Seekarkreuz ist nun harmlos. Er folgt dem ausgeprägten Ostrücken bis auf den Gipfel des 1601 Meter hohen Lenggrieser Promenadebergs, den wir in einer dreiviertel Stunde ab Spitzkamp erreichen. Ohne Pausen liegen nun rund sechs Stunden hinter uns. Bis nach Lenggries ist nur noch der Abstieg zu bewältigen.

Seilversicherungen am Spitzkamp: Für Trittsichere kein Problem.

Seilversicherungen am Spitzkamp: Für Trittsichere kein Problem.

Der zunächst stark erodierte Weg vom Seekarkreuz Richtung Lenggrieser Hütte wurde im Wald oberhalb der Hütte aufwändig saniert, um der Auswaschung Einhalt zu gebieten. Gut eine halbe Stunde nach dem Gipfel erreichen wir die in einem Sattel gelegene Hütte (1338 Meter). Wer sich vor dem abschließenden Abstieg stärken will, bekommt hier eine ausgezeichnete Möglichkeit dazu.

Nun hat man die Qual der Wahl, denn von der Lenggrieser Hütte führen mehrere Wege zurück ins Tal. Heute nehmen wir den kürzesten Weg, den Grasleitensteig. Er führt direkt von der Hütte nach Westen in den steilen Hangwald. In einer guten Stunde geht es zurück nach Hohenburg, der Steig ist allerdings mit Wurzeln gespickt und bei Nässe etwas unangenehm zu gehen. Hat man jedoch schon die ganze Geier-Fockenstein-Kampen-Runde hinter sich, wird einen der Grasleitensteig auch nicht mehr schocken.

1600 abwechslungsreiche Höhenmeter

Ist man wieder am Parkplatz (oder Bahnhof) angelangt, liegen sieben bis acht Stunden Gehzeit und fünf (mit Ochsenkamp sechs) Gipfel mit insgesamt 1600 Höhenmeter hinter einem. Für eine Voralpentour eine wirklich respektable Summe, aber auch eine eindrückliche Tour, die dem Bergsteiger durch die vielen Ausblicke in die alle Himmelsrichtungen lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Benediktenwand in der Abenddämmerung.

Die Benediktenwand in der Abenddämmerung.

Die Umrundung des Hirschbachtals hat im Vergleich zu einer einzigen Gipfelbesteigung mehrere entscheidende Vorteile: Sie kann von beiden Seiten angegangen werden und bietet drei sinnvolle “Notausstiege”. Kommt man vom Geierstein, kann man im Sattel zum Fockenstein nach rechts ins Hirschbachtal abbiegen und so die Runde radikal kürzen, wenn zum Beispiel das Wetter nicht mehr mitmacht. Verspürt man am Hirschbachsattel (wider Erwarten) akute Unlust, kann man das Hirschbachtal gemütlich nach Lenggries hinaus wandern. Wer den letzten Gipfel, das Seekarkreuz, nicht mehr mitnehmen will, kann vom Sattel nach dem Spitzkamp zurück zum Hirschbachsattel gehen und ebenfalls das Tal hinauswandern – von der Strecke ist das jedoch länger, als wenn man den kurzen Anstieg zum Seekarkreuz noch mitnimmt.

Die schönste Jahreszeit für die Runde ist übrigens der Frühsommer oder Herbst, wenn es in den Latschen noch nicht unerträglich heiß ist und der Mischwald in zauberhaften Farbtönen steht. Wer, wie der Autor dieser Zeilen, die Tour im Winter machen will, muss damit rechnen, selbst zu spuren. Nicht alle Abschnitte werden auch in der kalten Jahreszeit begangen.

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