Reise

Der Paneuropa-Radweg - Eine Radreise 'gen Paris

20.02.2014

Der Paneuropa-Radweg – Eine Radreise ‘gen Paris

Der Paneuropa-Radweg führt von Prag nach Paris. Einen Teil dieser Radreise in Richtung Frankreich nahmen Thomas und Christian im vergangenen Frühjahr auf sich. Trotz kalter Finger und gelegentlichem Frost im Zelt gab es auch Genussmomente, zum Beispiel in den Vogesen und im Tal der Marne.

Paneuropa, das ist der Name des Fernradwegs von Paris nach Prag. Mein Kumpel Christian und ich wohnen nicht weit von Nürnberg und bereits im vergangenen Winter hatten wir eine Radtour geplant. Die Idee eines Alpencross war natürlich zu der Jahreszeit nicht machbar. So haben wir uns entschieden, eine dreitägige Radreise nach Prag zu wagen.

Nach Paris mit dem Fahrrad

Und dieses Jahr? Wir wollen den Paneuropa-Radweg in Richtung Paris komplettieren. Wie immer sind für den Sommer schon keine gemeinsamen Termine mehr frei, also brechen wir sofort zu unserem Abenteuer auf. Der Blick auf das Wetter des diesjährigen “Frühlings” macht uns dann aber doch unsicher – kann man das schaffen bei Eis und Schnee? Wie im vorherigen Jahr auch, wollen wir mit Mountainbikes aufbrechen. Vor allem, weil wir noch keine Reiseräder haben und der Weg erfahrungsgemäß nicht immer rennradtauglich ist.

Unsere zwei Drahtesel am Neckar.

Unsere zwei Drahtesel am Neckar.

Das klingt sehr abenteuerlich und so springen zwei weitere potentielle Wegbegleiter ab, bleiben nur noch wir beide. Und abenteuerlich soll´s ja auch werden, also schnell Einwandzelte und wintertauglichen Schlafsack gekauft sowie Sattelstütz-Gepäckträger und passende Packtaschen für’s Fahrrad. Und schon gibt es kein Zurück mehr, challenge accepted!

Der Plan ist es, etwa alle drei Tage in einem Hostel zu übernachten und ansonsten zu campen. Insgesamt sind ungefähr 1.100 Kilometer zu bewältigen, später wird sich herausstellen, dass dazu noch einige Höhenmeter mehr als erwartet kommen. Eingeplant haben wir zunächst optimistische zehn Tage Fahrzeit und einen Tag Pause in Straßburg. So haben wir zwei Tage Puffer für das Ziel unserer Radreise: Paris. Die Website des Paneuropa-Radwegs hilft mit einer Wegbeschreibung und GPS-Track, leider teilweise abweichend. In Deutschland werden große Radwege genutzt.

Unsere erste Etappe auf dem Paneuropa-Radweg: Von Nürnberg bis Straßburg

Zwei Fernradler auf dem Paneuropa-Radweg in Langenburg.

Zwei Fernradler auf dem Paneuropa-Radweg in Langenburg.

Der erste März ist der große Tag: unsere Radtour geht los. Und alles ist weiß draußen… Nach ein paar Kilometern mit den schwer bepackten Rädern komme ich bereits in Zirndorf ins Zweifeln. Ob Umdrehen nicht besser wäre? Der Radweg ist jedenfalls kaum befahrbar, im Schritttempo kämpfen wir uns durch den Schnee. Und das nach erst 20 Kilometern, mindestens 100 Kilometer haben wir aber geplant. Zum Glück können wir auf Landstraßen ausweichen – nicht die schönste Alternative, aber es geht voran. Zur Navigation haben wir übrigens Handys mit der Android App oruxmaps und passende Offline-Karten.

Trotzdem verfahren wir uns an diesem Tag gleich das erste (jedoch auch einzige) Mal richtig. Eine Stunde im Kreis, bergauf und bergab. Bei Christian mündet der Spaß in ein Zuckerloch, irgendwann haben wir aber die richtige Himmelsrichtung gefunden. Das Tagesziel ist nun in weite Ferne gerückt. Dennoch genießen wir die Altstadt von Rothenburg ob der Tauber, bis uns der kalte Wind weiter treibt. Wie in den folgenden Tagen auch, wird abends in den Sonnenuntergang hinein gekocht und dann geht´s ab in den Schlafsack. Schlafenszeit: 20 Uhr. Denn morgens heißt es Aufstehen mit der Sonne um sieben Uhr. Für Studenten höchst ungewöhnlich, aber irgendwie ganz angenehm, vielleicht weil ohne Wecker?

 ...morgens überrascht uns der Frost.

…morgens überrascht uns der Frost.

Abends wird am Lagerfeuer in den Sonnenuntergang hineingekocht...

Abends wird am Lagerfeuer in den Sonnenuntergang hineingekocht…

Die zweite Nacht im Zelt wird die härteste, denn kurz hinter Heilbronn in der Nähe des Neckars wird es richtig kalt, minus zehn Grad. Blöd ist vor allem, dass das Frühstück ausfällt, weil sämtliche Flüssigkeiten durchgefroren sind. Sogar die Milch! Außerdem gibt es Eis zum Kratzen an der Zeltinnenwand. Dafür ist wenigstens der Schlafsack wirklich gemütlich und warm und wird jeden Tag zu einer Belohnung für die Fahrerei.

Bis nach Straßburg hat sich dann unser “Honigthermometer” bewährt: Braucht man nur eine Hand zum Ausdrücken, ist es super warm, braucht man aber beide und mit aller Kraft, dann herrscht garantiert starker Frost. Die Eispassage über den höchsten Punkt der Tour hinter Schwäbisch Hall entlässt uns dann endlich in gutes Wetter. So gut, dass wir Sonnencreme hätten mitnehmen sollen.

Von Straßburg bis zur Marne: Langsam wird es hart

Überraschungen warten hinter jeder Biegung - nicht selten sind es Baustellen.

Überraschungen warten in Frankreich hinter jeder Biegung – nicht selten sind es Baustellen.

An Tag vier kommen wir in Straßburg an, was als Erholungstag gedacht war, aber wieder anstrengend wird. Bei meinem Fahrrad ist die hintere Nabe kaputt, gerade so kommen wir im Dunkeln zum Hostel. Christian wird krank und erholt sich im Bett. Wieder droht ein Aus der Tour, außerdem redet hier schon keiner mehr Deutsch oder Englisch, also muss ich mein Schulfranzösisch bemühen. Irgendwie hat dann aber die Reparatur von Körper und Technik geklappt. Nach Besichtigung des Europaparlaments geht es nordwestlich nach Paris, immer entlang des Canal du Rhin au Marne.

Zunächst ist die Navigation noch recht einfach, immer neben dem Wasser auf Radwegen. Ein paar Mal machen uns Franzosen an einer Brücke darauf aufmerksam, lieber die Seite zu wechseln, weil der Weg dort radtauglicher sei. Interessanterweise werden wir sofort als Deutsche erkannt und auf Deutsch angesprochen. Vielleicht liegt es an der Masse an Gepäckstücken? Immer wieder blockieren auch Baustellen den Weg. So ist teilweise ziemlich gefährlich hinter Kurven plötzlich der komplette Weg versperrt und keine Umleitung in Sicht. Die Mountainbikes bewähren sich hier, denn entweder über Feldpassagen oder ganz dreist an Bauarbeitern vorbei fahren wir weiter.

Die Champagne lohnt sich unbedingt noch einmal im Sommer mit dem Rennrad zu besuchen.

Die Champagne lohnt sich unbedingt noch einmal im Sommer mit dem Rennrad zu besuchen.

Einen der schönsten Streckenabschnitte auf dem Fernradweg genießen wir mit den Vogesen. Diesen Gebirgszug können wir fast ohne Steigungen durchfahren, ein faszinierendes Erlebnis, denn aus der flachen Ebene kommend stehen die Berge fast wie eine Wand vor einem. Besonders schön finde ich auch das Gefühl, richtig viel Strecke mit dem Rad hinter sich zu bringen. Die Vogesen tauchten am Morgen in der Ferne auf und am Abend waren wir auch schon auf der anderen Seite.

In Lothringen kommen wir durch sehr verlassene Dörfer mit unaussprechlichen Namen wie Xouaxange. Da auch das Wetter bescheiden ist, wollen wir eigentlich nur weiter kommen. Als Motivation gibt es stündlich einen Doppelkeks, ein unverzichtbarer Proviantbestandteil! Leider müssen wir wegen schlammiger Wege auf Landstraßen ausweichen, kommen so aber zügig über Chalons-en-Champagne mit vielen alten Kirchen in die bekannte Gegend des Champagners. Épernay ist ein Ort, den ich auf jeden Fall wieder besuchen werde, allerdings im Sommer und mit dem Rennrad, um dann das Tal der Marne auf Höhenstraßen durch idyllische Winzerdörfer hinabzufahren.

Ankunft mit dem Rad in Paris: just in time

Gerade noch vor dem Schneeeinbruch erreichen wir das Ziel unserer Radreise: Paris.

Gerade noch vor dem Schneeeinbruch erreichen wir das Ziel unserer Radreise: Paris.

Im schönen Marnetal fahren wir Richtung Westen, die Berge werden wieder flacher. Eigentlich wollen wir keine Gewalt-Etappen mehr machen – zwei Tage bis Paris sind noch geplant. In einem McDonalds, dem warmen Erholungsort für erschöpfte Radler, haben wir Gelegenheit, über das freie W-Lan Wetterinformationen abzurufen. Was wir da sehen, ist nicht schön, Kälte mit Schnee ist mal wieder Programm. Unschlüssig bleiben wir noch eine Stunde sitzen, suchen Hostels in Paris und überlegen, ob wir die Strecke noch am selben Tag bewältigen können. Dann entscheiden wir uns, die letzte Strecke gleich anzugehen. Schließlich war letzte Nacht schon sehr kalt und mit dem morgendlichen Regen sind auch keine warmen Sachen mehr in Aussicht.

Machen wir’s kurz: Knapp vor Sonnenuntergang kommen wir in Paris an, finden ein klasse Hostel, das St. Christopher´s Inn, das nur zu empfehlen ist. Selbst die Räder können wir sicher abschließen und das fast in Zentrumsnähe. Wie der nächste Morgen zeigt, war unsere Entscheidung goldrichtig, auf den Straßen herrscht ein Verkehrschaos, es liegt Schnee und wir sind heilfroh, schon angekommen zu sein.

Zu Paris lässt sich sagen, dass die Stadt erstaunlich fahrradfreundlich ist. Radwege gibt es so gut wie überall und auch Mieträder stehen an jeder Ecke. Mit ein wenig Risikobereitschaft kommt man so auch schneller als die Metro an ein Ziel. Natürlich ist auf belebten Plätzen das Schieben umständlich, aber um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, ist eine große Rundfahrt sehr gut geeignet.

Fazit zu unserer Radreise auf dem Paneuropa-Radweg

Insgesamt hat sich die Radreise nach Paris wirklich sehr gelohnt, auch wenn das nasskalte Wetter ein großer Minuspunkt war – taube Finger waren leider zu oft der Fall. Doch es sollte ja schließlich eine Herausforderung werden. Am Ende ist man einfach nur glücklich, eine Strecke von über 1.000 Kilometern mit dem Fahrrad bewältigt zu haben. Das ist eine ordentliche Leistung – vor allem im Winter! Unterwegs haben wir viele schöne Orte entdeckt, die es lohnt, noch einmal im Sommer per Radtour zu erkunden.

2 Kommentare

  1. Wir fahren im Mai/Juni den umgekehrten Weg. Ende Mai aus Unterfranken via Main und Rhein nach Strasbourg, von dort per TGV nach Paris, wo wir zwei Tage die Stadt genießen wollen. Anfang Juni geht’s dann von Paris über Nürnberg zum Main-Donau-Kanal und zurück nach Unterfranken.
    Was ich gern wüsste: Wie lange und wie viele km seid ihr insgesamt tatsächlich gefahren? Warum und wo “noch einige Höhenmeter mehr als erwartet”?
    Falls ihr Interesse an einem schönen Eck der Champagne habt – ideal fürs RR und nicht überlaufen -, schicke ich gern Informationen.

    Gruß
    Michael

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